"Zuckerbrot..."
Teil 4
von Beryll & Vagabond
~ Arthur ~
Leise knackte das Feuer unter dem Kessel und ein recht appetitlicher Geruch begann sich auszubreiten. Kochen konnte der Sarmate also auch noch.
Ich ertappte mich dabei, wie ich ihn heimlich musterte. Wie
es wohl wäre, wenn diese Geschichte etwas anders verlaufen wäre?
Wenn Sarmatien den Krieg Jahre zuvor verloren hätte. Und ich einen sarmatischen
Sklaven geschenkt bekäme...
Doch gerade als ich anfing, mich für diesen Gedanken zu erwärmen,
wurde der Moment der Ruhe abrupt gestört.
Das höhnische Grinsen des anderen Mannes allein, reichte schon aus, um mir erneut die Zornesröte ins Gesicht zu treiben. Doch seine Worte reizten mich noch mehr. - Betthäschen? Das fehlte mir noch. Das alle glaubten, daß ich für den Sarmaten herhalten würde.
Ich schluckte, und versuchte mich zu keiner Dummheit hinreißen zu lassen. Aber es war verdammt schwer.
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~ Lancelot ~
Von dem finsteren Ausdruck auf meinem Gesicht ebenso unbeeindruckt, wie von dem auf dem Gesicht meines Sklaven, grinste Gawain zu mir herunter.
"Du hast es geschafft deinen Gaul zuzureiten, also wirst du es wohl auch mit einem Römer schaffen, was Lancelot?" fragte er, ganz genau wissend, womit er mich bis aufs Blut reizen konnte. Mein Pferd ins Spiel zu bringen, war eine ideale Methode.
Ich starrte einen langen Moment zu ihm hoch, gegen meinen auflodernden Jähzorn kämpfend. Und das Schlimmste war, daß mir noch nicht mal eine passende Antwort einfallen wollte.
Gawain hatte solche Probleme nicht, er war schon immer derjenige mit dem flinken Mundwerk gewesen.
"Na, na, na..." sagte er nun jovial und wandte seinen Blick meinem Sklaven zu, "kein Grund so finster zu schauen. So hässlich ist er ja nun auch wieder nicht. Und es ist ja nicht sein Gesicht, das dich interessieren sollte."
"Gawain..." zischte ich leise und warnend, aber er ignorierte mich gekonnt.
Stattdessen tat er etwas, mit dem ich ganz sicher nicht gerechnet hatte. Schnell beugte er sich zu meinem Sklaven hinunter, packte ihn fest bei den Haaren und bevor einer von uns reagieren konnte, küsste er ihn hart und fordernd.
Sprachlos und fassungslos sah ich zu, wie mein Sklave wild mit den Armen ruderte und sich zu befreien suchte, während mein Freund sich genau das nahm, was ich eigentlich schon die ganze Zeit gewollt hatte.
Dann ließ Gawain ihn ebenso plötzlich los, wie er ihn gepackt hatte und machte einen schnellen Schritt zurück, sich durchaus bewusst, wie gefährlich dieser Sklave war.
Dennoch wäre mein Sklave ihm wohl an die Kehle gesprungen, hätte ich nicht ebenfalls einen Angriff vorhergesehen. Ebenso schnell wie mein Sklave bewegte auch ich mich und brachte ihn zu Fall, als er aufsprang, in der Bewegung eins meiner Schwerter ziehend und es ihm unters Kinn setzend, als er auf dem Rücken zu liegen kam.
"Du gehst jetzt besser." knurrte ich in Gawains Richtung.
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~ Arthur ~
Ich atmete schnell und heftig, doch erstarrte augenblicklich, als ich die Spitze eines Schwertes an meinem Hals spürte.
Noch immer pulsierte das Blut wild durch meine Adern und ich hatte Schwierigkeiten mich auf das Gesicht des Mannes über mir zu konzentrieren. Alles was ich wollte, war, es diesem Sarmaten zu zeigen. Ihn für diese Frechheit büßen zu lassen. Ihm wenigstens nur ein einziges Mal die Faust in den Magen zu rammen, ihm den selbstzufriedenen Ausdruck aus dem Gesicht wischen... Doch ich konnte mich nicht rühren.
Ich fühlte, wie sich die Schwertspitze fester gegen meine Haut drückte und spürte den leicht brennenden Schmerz, als die Klinge meine Haut ritzte. Es reichte, um meine Gedanken zu klären, um mich auf diesen winzigen Punkt zu konzentrieren, und langsam beruhigte ich mich.
Ich starrte in tiefe dunkle Augen, die in einem eigenartigen kalten Glanz funkelten. Der Sarmate war genauso wütend wie ich. Dieser ‚Gawain’ hatte ihn nicht nur verhöhnt, er hatte ihn auch herausgefordert, das erkannte selbst ich. Ein ungute Ahnung überkam mich, welche Richtung diese ‚Herausforderung’ nehmen würde.
Wohl wissend, daß er sein Ziel erreicht hatte und alles andere nur zu seinem Nachteil sein konnte, zog sich Gawain nun mit einem schmutzigen Grinsen auf dem Gesicht zurück. Jedoch nicht ohne vorher noch eine eindeutige Geste in meine Richtung zu machen, die mir erneut ein aufgebrachtes Knurren entlockte.
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~ Lancelot ~
Einen Moment lang folgte mein zorniger Blick noch Gawain. Ich war mehr als versucht, mein Schwert ihm in den Rücken zu werfen, statt es an der Kehle meines nicht weniger zornigen Sklaven zu belassen.
Dann wandte ich mich wieder ihm zu. Seine grünen Augen brannten wieder in dem altbekannten Feuer. Allerdings schien sein Zorn diesmal mehr auf Gawain, als auf mich gerichtet.
Das änderte sich allerdings schnell, als er sich meines Blickes bewusst wurde. Offenbar war in meinem Gesicht deutlich abzulesen, was ich jetzt gerade wollte. Abgesehen natürlich von dem Wunsch Gawain zu häuten.
Für einen langen Moment starrten wir uns in die Augen. Ihn so zu sehen, am Boden liegend, festgenagelt von der Spitze meines Schwertes, seine Brust sich schwer hebend und senkend, die Fäuste geballt in hilfloser Wut - es war ein Anblick dem ich nicht widerstehen konnte.
Langsam sank ich neben ihm auf die Knie, das Schwert beinahe liebkosend an seiner Kehle entlang gleiten lassend, so daß es die Schneide war, die ihn immer noch bewegungslos hielt, als ich mich nun meinerseits hinunterbeugte, um ihn zu küssen.
Nicht weniger hart oder fordernd als Gawain.
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~ Arthur ~
Ich wusste, was er wollte, was er als nächstes tun würde, noch ehe er sich zu mir herabbeugte. Seine Augen... mit einem Schlag waren Kälte und Beherrschtheit daraus verschwunden und sie schimmerten, als ob ein heftiges Fieber ihn ergriffen hätte.
Jede Faser meines Körpers schien zum zerreißen angespannt und die Muskeln zuckten unkontrolliert unter meiner Haut, darauf brennend, meinem ersten Impuls zu folgen und den Mann über mir anzugreifen. Doch das Schwert an meiner Kehle hielt mich an meinen Platz gebannt.
Mit weitaufgerissenen Augen starrte ich den Sarmaten an, als ich fühlte, wie die Klinge an meiner Haut entlang glitt und sein Gesicht sich meinem näherte. Dann führte er fort, was der andere eben zuvor begonnen hatte und es gab nichts, was ich dagegen tun konnte. Ich konnte ihn nicht einmal mit derselben Inbrunst hassen, wie den anderen Sarmaten. Tatsächlich fühlte ich zunächst gar nichts.
Alles, was ich tun konnte, war, es zu ertragen.
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~ Lancelot ~
Ich spürte, wie er sich unter mir anspannte, wie jeder Muskel zitterte unter der Anstrengung nicht gegen mich aufzubegehren. Ich hielt seinen Blick fest, bis kurz bevor sich unsere Lippen berührten. Dann küsste ich ihn mit all dem Hunger, den ich schon die ganze Zeit verspürt hatte.
Sein Mund wollte sich mir nicht öffnen, aber allein schon der Geschmack seiner Lippen war genau das, was ich mir vorgestellt hatte. Herb, und dennoch süß für mich, da sie mir so verboten waren.
Seine Bartstoppeln kratzten gegen meinen Bart, mir noch deutlicher machend, daß es keine fügsame, willenlose Sklavin war, die ich hier hungrig verschlang. Es war ein Mann, der zitterte vor Zorn, ob der Behandlung die ihm widerfuhr.
Aber das hielt mich nicht ab. Im Gegenteil, es machte die ganze Sache nur noch erregender.
Und dann spürte ich, wie sich sein Mund meinem gegen seinen eigenen Willen öffnete, spürte seine Zunge meine berühren, spürte, wie sein Körper sich langsam aber sicher dem Feuer ergab, das ich in ihm entfachte.
Ein leises Stöhnen entkam ihm und plötzlich küsste mich genauso wild und fordernd zurück.
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~ Arthur ~
Oh Gott, was tat ich bloß?
Hungrig, als würde seine Lippen mir etwas füttern, nach dem ich mich schon seit Jahren verzehrte, fühlte ich mich seinen Kuss plötzlich ungestüm erwidern, kam ihm sogar entgegen, soweit es die Klinge an meiner Kehle erlaubte.
Und hatte mich eben der Gedanke noch erschreckt, so völlig wehrlos unter ihm zu liegen, kaum fähig mich zu rühren, so war es auf einmal genau das, was dem ganzen noch einen zusätzlichen Reiz verlieh.
Es war lange her, daß ich meinem Körper diese
Art von Freuden erlaubt hatte. Normalerweise sparte ich meine Energien für
die Schlacht. Ich hielt nicht viel davon, meine Nächte mit wechselnden
Huren zu verbringen, wie meine Kameraden.
Umso erstaunter war ich, nun dieses unglaubliche Verlangen in mir aufsteigen
zu spüren, das ich sogleich mit aller Macht zu bekämpfen suchte.
Schließlich gab es keine größere Schande, als auf diese Weise
zu unterliegen.
Seine Zunge stieß fordernd in meinen Mund, deutete an, wonach es einen anderen Teil seines Körpers zweifellos gelüstete. Keuchend versuchte ich meinen Kopf zur Seite zu drehen, mich ihm zu entziehen, um den einen klaren Gedanken fassen zu können, der mich aus diesem Strudel herausreißen würde, der mich hinabzuziehen drohte.
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~ Lancelot ~
Erneut spürte ich, wie sich die Anspannung im Körper meines Sklaven veränderte, wie er sich gegen seine eigene Leidenschaft, seinen eignen Hunger aufbäumte.
Dann riss er seinen Kopf zur Seite, meinem Kuss entkommend und sich gefährlich den Hals an meiner Klinge ritzend.
Einen langen Moment kämpften Lust und Vernunft in mir, der Wunsch ihn erneut zu schmecken beinahe unwiderstehlich.
Aber dann gelang es mir doch, die Kontrolle zurück zu gewinnen. Ich sah auf ihn herab, unsere Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt, sah auf seine von unserem Kuss geröteten Lippen und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
Er hatte sich mir ergeben. Wenn auch nur einen Augenblick lang. Und was einen Augenblick lang möglich war, konnte ich auch für länger erreichen. Mit Geduld und Geschick. Nicht mit Gewalt.
Schnell - um ihm keine Gelegenheit zu einem plötzlichen Angriff zu geben, zog ich mich von ihm zurück, das Schwert von seiner Kehle nehmend und wegsteckend, und ließ mich wieder auf meinem Platz am Feuer nieder, als hätte es die vergangenen paar Minuten nie gegeben.
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~ Arthur ~
Mir den Hals reibend, setzte ich mich langsam auf, ein wenig verstört auf den am Feuer sitzenden Sarmaten blickend, der erneut scheinbar sorglos in dem kleinen Topf rührte.
Fast war ich schon bereit zu glauben, daß ich mir alles nur eingebildet hätte, wenn nicht die leicht blutende Stelle an meinem Hals gewesen wäre. Versunken starrte ich auf das feuchte Rot, das nun an meinen Fingern klebte.
„Hier. Iß.“
Mein Kopf ruckte nach oben und ich sah, daß der Sarmate mir eine Schüssel mit dampfender Suppe und ein Stück Brot hinhielt. Sofort zog sich mein Magen krampfhaft vor Hunger zusammen und alles andere war augenblicklich vergessen. Dankbar nahm ich die Mahlzeit entgegen und grub meine Zähne sofort gierig in das weiche, ein wenig geschmacklose Brot. Die Suppe war ebenfalls recht karg, dennoch schien es mir das Beste, was ich seit langem gegessen hatte.
Ich löffelte die dünne Brühe bis zum letzten Tropfen aus und benutzte den letzten Bissen Brot, um die Schüssel restlos auszukratzen. Erst dann lehnte ich mich zufrieden zurück.
Und schon wieder hatte ich das Gefühl, daß der Sarmate mich die ganze Zeit beobachtet hatte. Anscheinend war ich wirklich das Spannendste, was ihm seit langer Zeit passiert war.
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