"SubMission"
Teil 8
by Beryll & Vagabond
Orli schüttelte sich unbehaglich, als er heimlich die
wackelige Feuerleiter vom Dach herunterstieg - wie meistens regnete es in Strömen
und das kalte Wasser platschte ihm in den Kragen seiner Jacke und lief eisig
den Rücken hinunter. Er mußte aufpassen nicht von den glitschigen
Sprossen der Leiter abzurutschen, deren Benutzung ohnehin schon lebensgefährlich
war. Das Ding war uralt und stark angerostet und schon längst nicht mehr
zum Gebrauch bestimmt.
Aber für Orli war sie die einzige Möglichkeit das Haus ungesehen zu
verlassen, um sich mit Trinity's Boten zu treffen. Ihm war klar, daß er
sich beeilen mußte, nicht auszudenken wenn Udo bemerkte, daß er
sich nicht im Haus befand! Die letzten Sprossen auslassend, stieß sich
Orli von dem wackeligen Gestell ab und landete gekonnt auf dem grauen Pflaster
einer dreckigen stinkenden Gasse.
Orli's Körper spannte sich in geübter Alarmbereitschaft, als seine
Augen die Umgebung nach 'Terence' absuchten, der ihm neue Anweisungen überbringen
sollte. Die stockdunkle Gasse war totenstill, aber Orli's trainierte Augen entdeckten
in einer Nische die Umrisse einer menschlichen Gestalt.
Als Orli näher kam trat sie nach vorne und Orli konnte erkennen das es
tatsächlich Terence war. <Wieso grinst er nur so blöde?>, dachte
sich Orli und nickte einmal kurz zur Begrüßung. "Was hast du
für mich?" fragte er dann und sogleich wurde der andere geschäftlich.
Er kramte in seiner Tasche herum und zog dann einen glänzenden Chip heraus,
denn er Orli in die Hand drückte.
"Das sind Pläne von der Arcologie." erklärte Terence. "Darin
ist auch verzeichnet, wo sie 'die Erlöserin' gefangen halten. Euer Auftrag
ist es, sie zu befreien. Trinity wird euch in die Arc schleusen. Es wird wie
immer laufen. Wir werden es so faken, daß man euch 'bestellt'. Seid ihr
einmal drin, müßt ihr euren Kunden - das wird Harry Sinclair sein
- irgendwie ausschalten. Trinity sähe es am liebsten, wenn ihr ihn nur
betäubt. Da er der Ghul des Sicherheitschefs ist, werdet ihr bei ihm genügend
Waffen und Ausrüstung finden, um euch durchzuschlagen. Denkt daran - ihr
müßt euch selber wieder aus der Arc herauskämpfen, wenn ihr
Pink einmal habt! Ihr bringt sie dann natürlich sofort zu Trin, die für
ihre sichere Unterbringung sorgen wird."
Orli schluckte erstmal. Verdammt, diesmal spielten sie wirklich mit hohen Karten!
Aber wenn sie die Erlöserin befreien konnten... "Verstanden."
Orli ließ den Chip in seine Jacke gleiten und wollte sich umdrehen, um
zurück zum Horny Pony zu gehen. Terence räusperte sich verlegen und
zog ihn leicht am Arm. "Äh, Orlando?" hörte er ihn stammeln
und Orli drehte sich zu dem anderen um und sah ihn fragend an.
Terence Gesicht nahm die Farbe einer überreifen Tomate an. "Könnte
ich ein Autogramm von dir bekommen, bitte?" blubberte er und kicherte verlegen.
<?>, Orli war sich nicht sicher ob er den anderen richtig verstanden hatte.
"Du willst was von mir?" fragte er verwirrt nach. Terence strahlte
ihn an. "Ein Autogramm." wiederholte er eifrig. "'Playing Blood
Pool' ist mein absoluter Lieblingschip, weißt du?! Du bist darin ja mega
scharf, Orlando! Meine Freunde fahren auch total auf den Chip ab und die werden
ausrasten, wenn *ich* ein Autogramm von dir habe! Au Mann..." Es war schwierig
den Redeschwall des anderen zu stoppen, aber endlich gelang es Orli eine Frage
zu stellen. "Moment mal - von welchem Chip sprichst du eigentlich? Ich
wüßte nicht, daß ich.."
Terence sah ihn nur ungläubig an und maulte dann ein wenig. "Ach komm
schon Orlando, nur ein Autogramm! Ich werd' auch keinem sagen woher ich dich
kenne! Mußt dich doch auch nicht genieren, daß du in 'nem Porn-Chip
die Hauptrolle spielst! - Hey Mann, alle die ich kenne chippen zur Zeit nix
anderes mehr als "Playing Blood Pool", es ist der absolute Renner
auf dem Markt! "
Terence grinste und fügte verlegen hinzu "Ich zieh mir den Chip jeden
Tag rein. Wow... - hab gehört Heath hat ihn gemacht?" Er zwinkerte
Orli vertraulich zu. "Ein wahres Meisterwerk! Hat bestimmt gut Kohle dafür
gekriegt. Plant ihr schon an 'nem neuen Chip? Ich wäre interessiert...
oh ja... ähm Orli? Was kostet eigentlich so 'ne Nacht im Horny Pony?"
Orli stand da als hätte ihn der Schlag getroffen. Er starrte Terence an,
als wären dem plötzlich Tentakel aus dem Kopf gewachsen und ließ
die Worte des anderen über sich hinwegschwappen. <Heath hatte 'WAS?'
getan???> Langsam machte die plötzliche Taubheit in Orli's Magen einer
brodelnden Hitze Platz, und er atmete tief ein und aus als die Wut in ihm zu
kochen begann.
"Ich muß mich beeilen Terence." antwortete er eisig. "Ich
muß die anderen über den Auftrag informieren." Und er ließ
den verdutzten Jungen einfach stehen und stürmte zurück zur Feuerleiter.
Er flog beinahe die vielen Stufen hinauf und oben angekommen begann er zu rennen.
Auf dem Weg zurück zum Zimmer stieß er mit Anakin zusammen der gerade
mit einem Kunden die Treppe heraufkam. Der blonde Bengel setzte schon zu einem
höhnischen Kommentar an, überlegte es sich aber anders als er Orli's
mörderischen Gesichtsausdruck sah. Er begnügte sich damit ein spöttisches
Schnauben von sich zu geben und fuhr dann mit einem anbiedernden Lächeln
fort an seinem Kunden rumzufummeln. Orli nahm ihn gar nicht war, er stürmte
weiter zu seinem Zimmer, wo Heath mit Sicherheit schon auf ihn warten würde.
Er riß die Tür mit einem Ruck auf und brauste wütend hinein.
"Ich muß mal kurz mit Heath allein reden." preßte er mühsam
beherrscht hervor und warf einen schnellen Blick auf Shakira und Bray, die ihn
mißtrauisch musterten, dann aber nickten und das Zimmer verließen,
sich vielsagende Blicke zuwerfend. Heath saß auf dem Bett und schaute
ihn aus seinen 'Ach so unschuldigen' Äuglein alarmiert an. Auf das verwunderte
"Was hast du denn?" des blonden Elfen hin, zischte Orli mit drohendem
Unterton "Heath, sagt dir der Titel 'Playing Blood Pool' vielleicht irgendwas?
Hab' gehört das soll der neue ultraheiße Renner auf dem Porn-Chipmarkt
sein!!!"
Von einer Sekunde auf die andere machte sich ein eisiges Gefühl in Heath Magen breit. Er hätte im Leben nicht damit gerechnet, daß Orli jemals von diesem Chip erfahren würde. Offenbar hatte er sich geirrt. Aber was sollte er nun auf Orli's Frage antworten? Offenbar war sein Geliebter gar nicht erfreut. Er schluckte und suchte nach einer passenden Ausrede, aber in Orli's Gesicht erkannte er, daß er sich bereits durch sein Zögern verraten hatte. "Ja...?" antwortete er deshalb vorsichtig. Er kannte Orli gut genug, um zu wissen, wie sehr der ausrasten konnte, wenn er die Kontrolle über sich verlor. Eines der Dinge, die er so unglaublich erregend an Orli fand. Aber nicht im Moment.
Orli starrte Heath fassungslos an. Die Dreistigkeit des Elfen war doch unerhört! "Ja? Ja???" brüllte er und wedelte mit einer Hand drohend vor Heath's Nase herum. "Was hast du dir dabei gedacht, hm? Ist das der Sinn, den du in unserer Beziehung siehst - die Produktion von Porn-Chips die du teuer verkaufen kannst? Als nette Einnahmequelle um mit den Credits dein Cyberdeck aufzurüsten? Bin ich neuerdings auch deine Nutte, oder was?"
"Orli, nein..." Heath stand auf und streckte eine Hand nach Orli aus, zog sie dann aber vorsichtshalber wieder zurück. "Natürlich nicht. Ich... ich liebe dich. Wie kannst du sowas sagen?" Er sah Orli an und wünschte sich verzweifelt, der andere möge sich beruhigen, damit sie vernünftig miteinander reden konnten. "Aber was macht es denn schon, wenn Leute Geld dafür zahlen, uns beim vögeln zuzusehen? Das tun sie doch hier auch. Und hier kriegen wir nicht mal Geld dafür..."
"Verdammt Heath, wie kannst du nur sowas sagen? Hör
dir doch mal selber zu! Das ist so krank... Fuck." Orli fuhr sich mit beiden
Händen durch's Haar und versuchte sich ein wenig zu beruhigen. Er war kurz
davor total auszurasten. "Du sprichst von Liebe... Ja, ich dachte auch
das zwischen uns wäre was besonderes! Wie konntest du nur unsere Liebe
verkaufen? Du mußt doch sehen das sie damit beschmutzt und wertlos machst.
Was wir für Udo tun ist doch was völlig anderes. Es ist ein 'Job'.
Von mir aus kann die ganze Welt zusehen, wie ich einem Kunden den Schwanz lutsche,
das interessiert mich nicht. Aber unsere Beziehung Heath, das geht keinen was
an. Das sollte nur zwischen dir und mir sein. Verdammt, es ist doch so schon
schwierig genug... Kannst du das nicht einsehen? Du hast alles kaputt gemacht.
Du hast mir das Gefühl gegeben, daß ich für dich auch nichts
weiter bin als eine Hure die man benutzen darf. Wie glaubst du fühle ich
mich wohl, wenn mich auf einmal Terence fragt wieviel ein Fick mit mir kostet,
was glaubst du, hm?"
'Oh Fuck', daran hatte er nun wirklich nicht gedacht. 'Fuck, fuck, fuck' "Orli, es tut mir leid. Ich dachte nicht, daß du es erfahren würdest..." er brach ab, als ihm klar wurde, was er da gerade gesagt hatte, aber es war schon zu spät. Der Zorn in Orli's Augen flammte noch mehr. Er sah, wie sich die Hände des anderen zu Fäusten ballten und plötzlich war er nicht mehr sicher, welche Angst größer war: Die Angst Orli zu verlieren, oder die Angst davor, was Orli nun tun würde. "Es tut mir so leid, bitte. Ich wollte dir nicht wehtun. Ich..."
Orli Hand schoß vor und er schlug zu. Vor seinen Augen
flashten rote Blitze. Jedes weitere Wort von Heath hatte die Sache nur noch
schlimmer zu machen. Er fühlte sich so betrogen und beschmutzt. Und er
hatte gedacht Heath würde ihn lieben! Orli lachte bitter. Plötzlich
empfand er nur noch Verachtung für den anderen.
Er griff nach dem blonden Elf der jetzt wimmernd auf dem Bett lag und sich die
Wange hielt, wo Orli's Faust ihn gerade hart getroffen hatte, und zog ihn halb
zu sich hoch. Er wußte, daß Heath die Abscheu in seinen Augen lesen
konnte, als er leise und verächtlich zu ihm sprach.
"Wenn wir nicht weiterhin zusammen arbeiten müßten, würde
ich jetzt sagen, daß ich dein verlogenes Gesicht nie wieder sehen will.
Leider haben wir aber noch einen Auftrag zusammen zu erledigen. Ich hoffe von
ganzem Herzen, daß wir es diesmal schaffen. Dann kann ich endlich von
hier verschwinden, diesem verfickten Scheißleben hier den Rücken
zuwenden und alles vergessen. Und besonders dich!"
Er warf den anderen zurück auf's Bett und drehte sich zur Tür um.
"Ich hole jetzt die anderen wieder rein, damit wir den Plan besprechen
können. Ich will, daß du nur noch mit mir sprichst, wenn es um unseren
Auftrag geht, verstanden? Jedes weitere Wort von dir verursacht mir Übelkeit."
Orli griff nach dem Chip in seiner Tasche und schleuderte ihn auf's Bett neben
Heath. "Hier. Das sind die Pläne für die Arcologie. Arbeite dich
schon mal ein. Mit Chips kannst ja umgehen wie ich weiß." Und mit
diesen Worten ging Orli nach draußen, um Bray und Shakira hereinzuholen.
Heath starrte ungläubig die Tür an. Einfach so? Orli
ging einfach so und damit war alles vorbei? Er spürte, wie ihm die Tränen
in die Augen stiegen, kämpfte sie herunter und biß sich so fest auf
die Unterlippe, daß es schmerzte. So einfach ließ Orli ihn hinter
sich zurück? So wenig bedeutete ihm, was zwischen ihnen gewesen war? Der
ballte die Hand zur Faust um den Chip. Vielleicht war es dann wirklich besser,
wenn sie sich nie wiedersahen. Er nahm den Chip aus seiner Hülle und steckte
ihn in den Slot in seinem Nacken.
Sollte Orli doch zur Hölle gehen. Sollte er doch am liebsten auf dieser
Mission erschossen werden, damit er nie wieder an ihn denken mußte. Er
würde nicht um ihn trauern. Er wischte sich mit der Hand über die
Augen. Er würde nicht heulen. Nicht wegen Orli. Aber er konnte die Tränen
nicht herunterschlucken. Mit einem leisen Wimmern packte er sein Kopfkissen
und vergrub das Gesicht darin. Es war ihm egal, was die anderen von ihm denken
würden. Es tat so weh, so verdammt weh...
Orli zuckte kurz zusammen, als er das Zimmer wieder betrat,
Bray und Shakira im Schlepptau. Dasß die beiden schockiert zu ihm sahen
bemerkte er kaum. Es gab ihm einen schmerzhaften Stich, als er Heath so sah,
sein gequältes Schluchzen hörte. Oh Gott, er liebte Heath. Er liebte
ihn so sehr. Alles an ihm schrie danach zu diesem Bett zu gehen und den weinenden
Elfen in seine Arme zu nehmen. Ihm zu sagen, daß er es nicht so gemeint
hatte...
Aber was Heath getan hatte war falsch. Orli fühlte sich so verraten. Er
hatte Heath wehtun wollen. Naja, und das hatte er ja anscheinend auch erreicht,
nicht wahr? Orli fühlte Unsicherheit in sich aufsteigen, aber er schüttelte
das Gefühl schnell wieder ab. Sie hatten einen Auftrag und nicht mehr viel
Zeit, um sich vorzubereiten. Sie sollten sich jetzt lieber um die Planung kümmern...
Orli bemühte sich um ein unbeteiligtes Gesicht und wandte sich zum Wand,
als er sprach. "Showdown Leute... Es geht in die Arcologie..."
*****
Als er Orli, Bray und Shakira herein ließ, grinste Harry
wie ein Hund dem man gerade einen besonders saftigen Knochen schenkt. Der Ork
sabberte sogar ein wenig. "Was für 'ne nette Überraschung von
Udo," grunzte der Ork begeistert, "mir eine Gratisrunde mit euch zu
schenken! Zum Jubiläum! Bin nämlich jetzt schon seit 5 Jahren Stammkunde
im Horny Pony, müßt ihr wissen!"
Bray, Kira und Orli interessierte das wenig. Sie grinsten insgeheim über
die Dümmlichkeit des Orks und schlenderten zum Bett hinüber, wo Bray
sogleich unauffällig die kleine Flasche mit dem Betäubungsgas verstaute,
die in seiner Manteltasche steckte. Als Orli sah, daß alles vorbereitet
war, ließ er sich neben dem Schamanen auf das breite Bett fallen und tätschelte
auffordernd den Platz zwischen sich und Bray. "Na dann komm, mein Großer."
säuselte er kokett. " Pack deine Geschenke aus!"
Harry ließ sich statt dessen schwer in einen riesigen Ledersessel fallen,
der außerhalb des Lichtkreises stand, den die Scheinwerfer auf's Bett
warfen. "Nö." grunzte er zufrieden. "Da ich heute soviel
Auswahl habe, dachte ich mir, ich genieße erstmal ein bissel Show."
Er grinste Bray und Orli breit an. Dann winkte er Shakira zu ihm zu kommen.
"Komm her, mein Mäuschen, du kannst Onkel Harry "bei der Stange
halten", während die Jungs zeigen, was sie können!"
Bray warf Orli einen langen zweifelnden Blick zu, während Harry Shakira
zwischen seinen breiten Beinen positionierte. "Und ähm... was darf's
denn sein?" fragte er dann vorsichtig. Harry rieb sich einen seiner Hauer.
Er sah nicht gerade inspiriert aus. "Och, fangt doch einfach mal an. Ich
meld mich dann schon."
Bray und Orli guckten ein wenig unglücklich. Sicher, sie hatten schon einiges
absonderliches gesehen und getan in diesem Job und es gab fast nichts mehr,
was einen noch aus der Fassung bringen konnte - aber sie hatten es noch nie
*zusammen* machen müssen. Es war ja nicht so, das sie sich nicht mochten,
sie waren Freunde und kannten einander schon lange Zeit, aber jetzt miteinander
'...'? Das fühlte sich beinahe wie Inzest an. Aber was half's?
Orli seufzte und warf Bray einen langen Blick zu. Als er die
Zustimmung in den Augen des anderen sah, ließ er langsam und testend seine
Finger über die Brust des anderen gleiten und streifte den Mantel von dessen
Schultern. Ein Kleidungsstück nach dem anderen fiel auf den Boden, während
Shakira schon längst die Hose des Orks geöffnet hatte und Harry's
Schwanz lutschte.
Orli mußte an Heath denken als seine Finger Bray's nackte Haut streichelten
und Kummer erfaßte ihn. Aber dann dachte er sich, daß es vielleicht
gar nicht so schlecht wäre, für einen Moment den ganzen Ärger
mit Heath hinter sich zu lassen. <Geschieht ihm eigentlich ganz recht das
ich jetzt mit Bray vögle.>, dachte er. <Wenn es Heath egal ist, daß
es andere in der von ihm geschaffenen Chiprealität mit mir treiben, dann
wird ihn das ja wohl auch nicht besonders stören.> Und er preßte
beinahe trotzig seinen Lippen auf den Mund eines überraschten Bray.
Die Veränderung in Orli's Aura war so plötzlich,
daß Bray nicht die geringste Chance hatte, sich darauf einzustellen, als
Orli ihn voller Leidenschaft küßte. Mal ganz davon abgesehen, daß
er das idiotische Gefühl hatte Ewan zu betrügen, wenn er es nicht
mit einem Kunden sondern mit Orli trieb, fragte er sich beunruhigt, was wohl
zwischen Orli und Heath vorgefallen war.
Die Aura das Elfen allein hatte Bände gesprochen, als er weinend auf seinem
Bett gelegen hatte. Bray hätte einiges darum gegeben, entweder mit Heath
oder Orli in Ruhe reden zu könne. Aber dazu war einfach keine Zeit mehr
gewesen. Und auf der Fahrt hatte Orli stur gerade aus gestarrt, als ginge ihn
nur der Auftrag etwas an. Und nun das. Er fühlte sich mehr als unwohl bei
dieser Sache. Aber ihm blieb nichts anderes übrig als mitzuspielen.
Sich innerlich einen Ruck gebend, erwiderte er den Kuß des anderen, zog
seinen Kopf sogar noch zu sich herunter und ließ die Hände über
Orli's Körper wandern. Besser sie lieferten eine so heiße Show wie
möglich. Dann würde Harry sich ihnen sicher bald anschließen.
<Na, Bray geht ja ganz schön in die Vollen>, dachte
sich Orli ein wenig verblüfft. Aber um so besser... Er erwiderte den fordernden
Kuß des Schamanen, und Harry grunzte wohlig, als er das wilde Duell ihrer
Zungen beobachtete, das mal innerhalb mal außerhalb ihrer Münder
stattfand. Orli's Hände glitten über Bray's Schwanz und rieben ihn
sanft, bis er hart wurde. Sein eigener Schwanz pochte verlangend.
Plötzlich meldete sich Harry aus seinem Sessel zu Wort: "So, jetzt
ist's aber genug mit dem Knuddeln! Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!
Ich will mal ein bißchen Action sehen! Du da... Schwarzhaar, fick den
Kleinen! Aber so richtig hart!"
Orli schluckte. Das war derb. Er und Bray hatten es noch nie miteinander getrieben
und jetzt ohne sich erstmal 'kennenzulernen' gleich auf die harte Tour? Er schaute
verunsichert zu Bray, doch der Schamane war bereits dabei sich rücklings
auf dem Bett auszustrecken. Zugegeben, Bray bot einen verdammt heißen
Anblick, wie er so da lag - die Beine leicht angewinkelt und gespreizt, der
Schwanz hart und pulsierend... Orli konnte es plötzlich kaum abwarten zwischen
Bray's Schenkel zu kommen.
Er spuckte in seine Hand und ließ die feuchten Finger über seinen
eigenen Schwanz gleiten, während die Finger der anderen Hand hastig Bray
vorbereiteten. Harry wurde bereits ungeduldig und Orli beeilte sich, seinen
Schwanz in Bray zu versenken. Orli hoffte nur, daß es für Bray nicht
zu schmerzhaft war, als er sein Glied in Bray's Arsch drängte und sofort
anfing, sich heftig in ihm zu bewegen.
Bray ließ den Kopf nach hinten fallen und biß die
Zähne zusammen. Für einen Moment war er versucht, Orli einfach einen
Feuerball an den Kopf zu werfen. Hätte er nicht wenigstens einen Moment
warten können? Das tat verdammt weh. Er versuchte, sich genug zu konzentrieren,
um nach seiner Magie zu greifen, um sich zu entspannen. Aber Orli ließ
ihm keine Gelegenheit. Zu schnell und zu hart waren seine Bewegungen.
Er versuchte Orli's Blick aufzufangen, aber der schien mit seinen Gedanken woanders
zu sein. Bray hatte eine Ahnung, was in ihm vorging. Der Streit mit Heath war
ein ziemlich guter Anhaltspunkt dafür, was Orli dachte, wem er da wehtat.
Obwohl es sicher keine Absicht war. Seine Aura war eine Mischung aus Leidenschaft
und Zorn.
"Ja..." driftete Harry's Stimme zu ihnen herüber. "Tue ihm
weh! So will ich das sehen!" Gehorsam gab Bray ein ganz und gar nicht gespieltes
schmerzerfüllte Wimmern von sich. Und hoffte, daß Orli wenigstens
darauf reagieren würde.
Wehtun, ja... man hatte ihm auch wehgetan...Orli fühlte
wie jeder vernünftige Gedanke von ihm wegdriftete, als er hart Bray's Arsch
fickte. Er stellte sich vor, es wäre ein gewisser Elf mit wilden blonden
Locken, der unter ihm wimmerte, als er rücksichtslos in ihn stieß.
Klammernd hielt er die Hüften des anderen fest, der unbewußt versuchte
ihm zu entkommen. Orli's Atem kam schnell und keuchend, seine Augenlider flatterten.
Das Wimmern von Bray wurde lauter, ging in einen leisen Schrei über...-
Bray!
Orli riß die Augen auf und wurde augenblicklich langsamer. Was hatte er
sich nur gedacht! Er konnte seinen Freund doch nicht absichtlich so verletzen!
Orli warf dem Schamanen einen erschrockenen, um Verzeihung bittenden Blick zu,
als er mit einer Hand tröstend über dessen Wange strich.
Es kostete Bray seine gesamte Selbstbeherrschung, Orli nicht zu beißen. Na bitte, dachte er, war die lange Übung mit Ewan doch zu was nutze. Mit einem erschöpften Stöhnen drehte er das Gesicht von Orli's Hand weg. Sollte Orli ruhig ein schlechtes Gewissen haben. Ihm tat alles weh. "Hey! Nicht aufhören!" kam Harry's Befehl vom Sessel. "Ich will ihn schreien hören!" Bray's Hände verkrallten sich instinktiv in den Laken unter ihm. Verdammt. Er sah zu Orli auf, dessen Augen jetzt wieder klar waren und voller Schuld. "Nun mach schon!" zischte er. "Gib ihm was er will. Aber mach es schnell!"
Nun war es Orli der beinahe geschrien hätte. Verdammt - warum mußte denn immer jemand verletzt werden? Wütend und hilflos schloß er seine Augen und begann mit aller Macht erneut in Bray zu stoßen. Er hielt nichts zurück, konnte es auch gar nicht, es war einfach alles zu viel. Mit einem fast verzweifelt klingenden lauten Stöhnen driftete er in ein kurzes Vergessen, als er hart und schnell kam und dann erschöpft über Bray zusammenbrach.
Es tat weh und Bray schrie. So wie Harry es wollte. Als Orli
über ihm zusammensackte, schob er ihn sofort von sich herunter. Er konnte
die Berührung seines Freundes in diesem Moment einfach nicht ertragen.
Er wußte, daß es Orli leid tat. Er wußte, daß Orli nur
getan hatte, was nötig war. Und trotzdem hätte er ihn nur zu gern
geschlagen. Sein Blick wanderte zu Harry hinüber und er stellte fest, daß
der Ork ihn breit angrinste. Offenbar war es genau das gewesen, was er hatte
sehen wollen. Freunde, die einander wehtaten. Nun denn. Wenn es das war... Zeit
die Show noch ein bißchen weiter zu treiben. Schließlich wollten
sie ihren Kunden ja zufrieden stellen.
Mit einem wütenden Knurren drehte er sich erneut zu Orli, packte ihn bei
den Haaren, riß ihn hoch und schlug ihm mit der Faust in den Magen. Orli
gab ein völlig überraschtes Stöhnen von sich und Harry ein begeistertes
Johlen.
Orli keuchte und hielt sich den Magen. "Fuck..." wimmerte er. War Bray denn total durchgeknallt? Er konnte doch auch nichts für Harry's seltsame Gelüste! Es hätte ebensogut andersrum laufen können und das mußte Bray doch wissen! Aber Orli wußte selbst, daß er mehr als nur Harry's Befehlen gehorcht hatte. In seinem Wunsch Heath wehzutun hatte er Bray verletzt und dem Schamanen war das natürlich nicht entgangen. Orli versuchte die Hand des anderen aus seinen Haaren zu winden und gleichzeitig dem nächsten Schlag auszuweichen. "Hör auf mit dem Scheiß, Bray." schrie er. "Krieg dich wieder ein, verdammt."
Statt auf Orli zu hören, zog Bray ihn an seinen Haaren dicht zu sich heran, so daß sie sich in die Augen sahen. 'Mach mit' Er bewegte nur die Lippen aber er hoffte, daß Orli ihn verstehen würde. "Aufhören?!" knurrte er dann. "Kann mich nicht erinnern, daß du aufgehört hättest!" Erneut schlug er den anderen in die Magengrube, diesmal allerdings bremste er seinen Schlag im letzten Moment, so daß Harry es nicht mitbekam. "Ja, mach ihn fertig!" feuerte der ihn an.
<Was sollte das denn jetzt?> Irritiert spielte Orli mit und verkrallte nun seinerseits die Hände in Bray's Haar, zog jedoch nicht daran, sondern tat nur so, als würde er mit dem anderen um die Kontrolle ringen. Glaubte Bray wirklich, daß er Harry damit zufriedenstellen konnte? Orli war sich nicht sicher, ob der Ork ihr Theater durchschauen würde. Er versuchte mitzuspielen so gut es ging und landete nun seinerseits einen gefakten Schlag in die Seite des Magiers.
Harry brüllte begeistert und ein schneller Blick zu ihm
hinüber zeigte Bray, daß er Shakira zur Seite geschoben hatte und
aufgestanden war. Na bitte, dachte sich der Schamane. Wußte ich's doch.
Er will keinen Sex, er will Gewalt. Er packte Orli's schwarze Locken fester
und schleuderte ihn dann vom Bett Richtung Harry. Der fing den nackten Jungen
auf, preßte ihn an sich und küßte ihn brutal, während
seine Pranken über Orli's Körper glitten. Bray sah mit einer Mischung
aus Mitgefühl und Schadenfreude zu.
Aber dann ließ Harry Orli abrupt fallen und kam mit großen Schritten
zum Bett herüber. "Hey, Mäuschen," befahl er in Richtung
Shakira, "hol mal die Kamera von meinem Schreibtisch! Das will ich für
die Nachwelt festhalten!"
Während sich Orli mit einem Stöhnen noch gerade rechtzeitig genug abfing, um nicht voll auf dem harten Boden aufzuschlagen, ging Shakira zögerlich in die angewiesene Richtung, um die Kamera zu holen. Sie war die ganze Zeit über zu beschäftigt mit Harry's riesigem Schwanz gewesen, als das sie wirklich mitbekommen hätte, was sich in ihrem Rücken abspielte, aber die Schreie und 'Anweisungen' die sie gehört hatte, sprachen für sich. Und jetzt wollte ihr Kunde offensichtlich auch noch Bilder davon haben, wie er Bray fickte! Dieser Harry war wirklich scheußlich. Widerstrebend nahm die blonde Orkfrau die Kamera in die Hand und stellte sie auf das Bett ein, wo Harry bereits dabei war sich Bray vorzunehmen.
Mit einer gewissen Resignation ließ Bray es zu, daß
Harry ihn erneut auf's Bett zurückwarf. Dann sah er die aufwallende Unzufriedenheit
in Harry's Aura. Auch das noch. Das Monster wollte einen Fight. Er nahm seinen
ganzen Mut zusammen und versetzte den unvorbereiteten Ork einen heftigen Kick
gegen den Kopf. Und diesmal hielt er sich nicht zurück. Er hörte,
wie Harry wütend aufbrüllte und Shakira und Orli gleichzeitig erschrocken
einatmeten. Sie mußten ihn für völlig verrückt halten.
Er ließ sich mit dem Schlag zurückfallen, als Harry's Faust ihn traf,
aber trotzdem fühlte es sich an, als wäre er von einem Zug überfahren
worden. Nach Atem ringend blieb er liegen. Vor seinen Augen tanzten Sterne.
Harry's Begeisterung für diesen süßen und so mutigen Jungen
wuchs. Endlich mal jemand der sich wehrte! Es war doch schrecklich langweilig
wenn sie sich immer nur einfach so ficken ließen. Aber dieser hier war
voller Feuer! Harry war schon längst wieder hart. Sein Schwanz ragte wie
eine angriffsbereite Lanze aus seiner Hose heraus, er drehte Bray herum und
zwang ihn auf alle viere, seine klobigen Finger tief in den sich heftig wehrenden
Körper pressend. Ohne sich lange aufzuhalten stieß der Ork in Bray
hinein und begann mit einem Brüllen seine mächtigen Hüften zu
bewegen, als ginge es um sein Leben.
Orli und Kira hatten das ganze mit weit aufgerissenen Augen
verfolgt. Lebten sie denn in einem ständigen Alptraum? Shakira hatte Mühe
die Kamera weiter zu bedienen, ihre Hände zitterten so heftig, daß
das Ding ihr einmal fast aus den Fingern gerutscht war.
Doch nachdem der erste Schock vorbei war, wußte Orli was er zu tun hatte.
Der Ork war jetzt abgelenkt, das war genau der Moment auf den sie die ganze
Zeit gewartet hatten! Orli kroch vorsichtig an das Bett heran und griff nach
der Flasche Betäubungsmittel. Sich von hinten über den Ork beugend
sprühte er ihm eine volle Ladung davon ins Gesicht und Harry sackte mit
einem überraschten Grunzen zusammen. Orli wälzte ihn von Bray herunter
und sah besorgt auf den Schamanen hinab. "Bray?" fragte er leise und
biß sich hilflos auf die Lippe.
*****
Silver sweat
on pearly skin
how you toss your head
when I enter you
how you call my name
when I take you
Had I a soul
I would give it gladly
to see sunlight
golden your hair
Had I warmth in my heart
I would give it gladly
to see sunlight
brighten your eye
Had I a life
I would give it gladly
to have one sunlit day
by your side
*****
Die Dunkelheit des Schlafes fiel langsam von ihm ab, wie ein
schwerer Mantel. Es war ein Gefühl, als würde man aus einem endlos
tiefen See auftauchen. Der Weg nach oben so weit, die Glieder so schwer. Aber
Ardeth hatte einen guten Grund den Weg auf sich zu nehmen. Er spürte mehr
als das er wußte, was an der Oberfläche auf ihn wartete.
Als er langsam die Augen aufschlug und sich streckte, wurde er allerdings enttäuscht.
Kein warmer Körper lag an ihn geschmiegt und er ein kalter Schauer lief
durch seinen Körper. So lange war Ryan nun schon an seiner Seite und dennoch,
wann immer er nicht da war, wenn Ardeth erwachte, fühlte er eisige Angst
sein Herz umkrampfen.
Er richtete sich auf und sah sich in seinem dunklen Schlafzimmer um. Ein riesiger
alter Holzschrank beherrschte den Raum. Dämonische Fratzen dekorierten
ihn. Ryan hatte das Ding angeschleppt. Mit dem Kommentar, es würde Monster
unter dem Bett fernhalten. Mit einem Lächeln dachte Ardeth an die Zeit
zurück, als Ryan noch klein gewesen war. Als er zu Ardeth ins Bett gekommen
war, um Schutz vor seinen Träumen zu suchen. Nun teilten sie ein Bett und
Ryan träumte nur noch angenehme Träume. Neben dem Schrank nahm sich
selbst das gemütliche Himmelbett in dem er saß winzig aus. Die Tür
stand einen Spaltbreit offen und warmes Licht fiel herein.
Ardeth streckte sich noch einmal und stand dann auf. Er war doch neugierig,
wo sein kleiner Liebling abgeblieben war. Er warf sich seinen samtenen Morgenmantel
über und folgte dem Lichtschein, der aus seinem Studierzimmer zu kommen
schien. In der Tür blieb er stehen und betrachtete das Bild, das sich ihm
bot. Ryan saß im Schneidersitz in dem großen Ohrensessel, der Ardeth
sonst als Schreibtischsessel diente. Um sich hatte er eine dicke Wolldecke geschlungen
und Ardeth konnte sehen, daß er darunter nur sein Schlaf-T-Shirt trug.
Seine Haare waren noch ganz verwühlt vom Bett. Er blätterte in einem
Buch, das Ardeth von seinem Standpunkt nicht erkennen konnte. Und auf dem Schreibtisch
neben ihm stand ein großes Glas Milch.
Wärme erfüllte Ardeth kaltes Herz, wie nur Ryan in der Lage war, sie
hervorzurufen. Wie konnte ein einfacher Mensch nur so unglaublich süß
aussehen? Er trat in den Raum und sah Ryan über die Schulter. "Na
mein Schatz, schon wach?" fragte er.
"Mmh", murmelte Ryan und lehnte sich zurück,
nur langsam seine Augen von dem dicken Buch in seiner Hand lösend. "Diese
Gedichte sind einfach wunderbar." seufzte er, als er das Buch weglegte
und sich streckte um seine Arme um Ardeth's Hals zu legen.
"So zeitlos schön. - Wie du, mein dunkler Prinz." neckte er zärtlich
und seufzte genießerisch, als Ardeth's Hände an seinen Armen entlang
glitten und liebevoll über seinen Körper strichen. Die Decke fiel
von seinen Schultern und die durch's Fenster hereinwehende kühle Nachtluft
ließ leichte Schauer über seinen Körper jagen. "Was dagegen
wenn wir zurück ins Bett gehen?" fragte er mit einem Zwinkern.
Wieder einmal fragte sich Ardeth, ob Ryan etwas von seiner eigenen Fähigkeiten Gedanken lesen zu können aufgeschnappt hatte. "Ganz und gar nicht." murmelte er, beugte sich zu Ryan herunter und drückte ihm einen sanften Kuß hinters Ohr. Wie wunderbar warm Ryan war. Er atmete tief den Geruch seines Geliebten ein. Er würde niemals genug von ihm bekommen. Aber Ryan würde ja auch immer für ihn da sein. Dann machte er Ryan Platz aufzustehen und gemeinsam gingen sie ins Schlafzimmer zurück. Ryan, die Decke hinter sich herziehend, wie ein kleiner Junge.
Ryan wußte, daß er Ardeth noch immer mit dem schwärmerischen
Blick eines Frischverliebten ansah. So viele Jahre wohnte er nun schon bei dem
Mann, der ihm alles war - Vater, Bruder, bester Freund... - und später,
als er alt genug war, der wunderbarste Liebhaber, den man sich nur wünschen
konnte. Ryan liebte Ardeth von ganzem Herzen, er war seine Welt. Die einzige
Welt die er kannte. Sein 'dunkler Prinz'.
Der blonde Junge lächelte als er den hochgewachsenen schönen Mann
vor sich betrachtete. Das lange Haar war tiefschwarz und glänzend, unterstrich
das tiefe samtige Dunkel seiner Augen. Sein Körper war stark und muskulös
und trotzdem unglaublich elegant, die Finger lang und filigran, die Haut dunkler
als es sonst bei seiner Art üblich war.
Und seine Stimme! Ryan seufzte unwillkürlich. Ardeth's Stimme war so volltönend
und klar, und wenn er mit Ryan sprach enthielt sie eine Wärme, die das
Herz froh machte. Ryan griff nach Ardeth's Hand und hob sie an seine Lippen,
um einen raschen zärtlichen Kuß darauf zu drücken.
Ardeth lief ein warmer Schauer durch seinen sonst so kalten
Körper. Er blieb in der Tür zum Schlafzimmer stehen und zog Ryan an
sich, um seinen Mund zu küssen. Ganz sacht nur, während seine Hände
unter das T-Shirt seines Geliebten glitten, um seinen Rücken zu kraulen.
Ryan schnurrte wie eine zufriedene Katze und drückte sich noch enger an
ihn.
Er war so warm, so lebendig, so wunderschön. Seine Haut hatte die Farbe
von hellem Honig, ein geradezu unglaublicher Luxus in dieser ewig dunklen Stadt.
Seine Haare glänzten wie gesponnenes Sonnenlicht und seine Augen funkelten
voller Leben und Freude. Es war ehrliche Liebe, die Ardeth darin sah.
Langsam und zärtlich wanderten Ardeth Lippen von Ryan Mund zu seinem Ohr,
nibbelten sanft am Ohrläppchen, um dann wieder zu Ryan Mund zurückzukehren.
Inzwischen ging der Atem des Menschen schwer und Ardeth konnte fühlen,
wie Hitze von Ryan ausstrahlte. Hitze der Leidenschaft. Und auch diesmal riß
sein kleiner Schatz ihn mit. Das wenige Blut in Ardeth Adern floß schneller
und er sehnte sich danach, von Ryan zu trinken, sein Leben mit ihm zu teilen.
Ryan's Körper schmolz in Ardeth's Umarmung, seine Lippen brannten unter den sanften Küssen des anderen, obwohl sie so kühl waren, diese Lippen. Ryan liebte diesen Kontrast. Die Wärme seines Körpers gegen die Kälte des anderen. Doch bald würde auch in diesem kalten Körper Wärme pulsieren, seine Wärme. Ryan sehnte sich danach. Wenigstens etwas was er Ardeth geben konnte für all die Güte, all das Glück, das er ihm jede Nacht auf's neue schenkte. Wer wußte schon, welches Leben er hätte führen müssen, wenn Ardeth ihn nicht bei sich aufgenommen hätte, sich um ihn gekümmert hätte. Er war so glücklich hier, so zufrieden.
Als Ryan seinen Kopf zurücklegte, um Ardeth Zugang zu
seinem Hals zu gewähren, konnte der sich nicht mehr zurückhalten.
Sein Mund suchte die pochende Halsschlagader. Sanft massierte er sie mit der
Zunge, mit Ryan ein ungeduldiges Wimmern von sich gab, dann er biß er
hinein und trank. Ryan's Körper schmiegte sich an ihn, seine Hände
glitten fordernd unter den Morgenmantel und fuhren über Ardeth Körper.
Ardeth trank und verlor sich in dem Gefühl des anderen, wie eine warme
Woge schlug die ganze Liebe, die Ryan für ihn fühlte über ihm
zusammen und wärmte ihn bis in sein tiefstes Innerstes. Und das lustvolle
Stöhnen seines Liebsten gab auch seiner Leidenschaft mehr Nahrung. Er trank
gerade genug, daß sein ärgster Hunger gestillt war. Dann leckte er
zärtlich über die winzigen Wunden, um sie zu heilen.
'Ein Stückchen Ewigkeit' dachte sich Ryan, als Ardeth
von ihm trank, immer fühlte es sich so an, als würde er die Unendlichkeit
umarmen, sich friedlich in ihr verlieren. Doch dann spürte er sein Herz
schneller klopfen, fühlte er wie das Bewußtsein des Vampirs ihn berührte
und wie es Wellen voller Lust mit sich brachte. Sein Blut schien zu kochen,
es sprudelte seinem Liebsten förmlich entgegen um köstlich auf dessen
Zunge zu zergehen, die eisige Kehle hinabzufließen, um einem kalten Körper
Leben einzuhauchen.
Ryan wimmerte und drängte sich stärker an den Vampir heran, seine
schlanken Hände spielten mit Ardeth's Nippeln, rieben über die sich
erwärmende Haut des starken Brustkorb's. Die spitzen Fangzähne lösten
sich von ihm und Ryan seufzte mit Unwillen. Seinetwegen könnte Ardeth ewig
so in ihm bleiben. Doch es gab ja auch noch andere Wege um das zu bewerkstelligen.
Ryan lächelte und drückte einen sehnsüchten Kuß auf die
blutigen Lippen, stöhnte hungrig auf, als er seine Essenz auf ihnen schmeckte.
Ardeth lächelte ein wenig amüsiert auf Ryan hinab. War er es nicht, der mit ewigem Hunger verflucht war? Wenn er sich Ryan so ansah, konnte er fast glauben, daß es Ryan war. Sein Blut rann nun warm durch Ardeth's Adern und ein anderes Verlangen rührte sich in ihm. Er strich mit den Fingern durch Ryan's zerzauste Locken. "Du bist wunderschön, mein Sonnenschein." sagte er leise. "Weißt du das?"
"Nur für dich, Liebster, nur für dich." flüsterte Ryan und lehnte seinen Kopf gegen Ardeth's Brust. Einen Moment verharrte er so, genoß ganz das vertraute Gefühl der Geborgenheit und strich mit beiden Händen sacht Ardeth's Rücken entlang. Doch die Nähe des Vampirs machte ihn schwindelig vor Verlangen und sein sinnlicher Mund begann heiße begehrliche Küsse auf dessen dunklen Haut zu verteilen.
Ardeth dachte gerade darüber nach, ob sie es wohl noch
bis zum Bett schaffen würden, als er vom Geräusch der Türglocke
aufgeschreckt wurde. Überrascht und ein wenig ungehalten sah er den Flur
hinunter zu der Eingangstür seiner Behausung. Er war sich ziemlich sicher,
daß er an diesem Abend keinen Besuch erwartete. Und normalerweise kam
ihn niemand stören. Es sei denn, die Fürstin hatte irgendein dringliches
Problem...
Mit einem unglücklichen Seufzen küßte er Ryan noch einmal auf
die Stirn. Der warf ebenfalls einen indignierten Blick Richtung Tür. "Husch
mein Spatz," murmelte Ardeth, "warte im Bett auf mich, ich schau mal
nach, wer uns da stört." Während er den Flur hinunter ging ordnete
er seinen Morgenmantel neu.
Dann öffnete er die schwere Tür und betrachtete etwas verwirrt den
blonden Jungen, der davor stand und unbehaglich von einem Fuß auf den
anderen wechselte. Der Junge setzte etwas auf, das wohl ein strahlendes Lächeln
sein sollte, aber unglaublich unecht wirkte. "Guten Abend, my Lord."
sagte er und verbeugte sich leicht. "Ja...?" fragte Ardeth gedehnt.
War das wieder einer dieser merkwürdigen Scherze, den die Lady sich manchmal
erlaubte? "Ich bin ein Geschenk von Mr. Kier." erklärte der Junge.
"Dem Besitzer des "Horny Pony". Ich bin hier, um ihnen einen
unvergeßlichen Abend zu bereiten."
Ardeth zog eine Augenbraue hoch und betrachtete den Jungen von oben bis unten.
Er hatte schon des öfteren vom "Horny Pony" gehört. Viele
Vampire in der Arcologie hielten große Stücke auf den Laden. Ardeth
fand den Gedanken, sich Huren ins Haus kommen zu lassen, um von ihnen zu trinken
gelinde gesagt abstoßend. Der Junge sah nicht schlecht aus. Ein hübsches
Gesicht, blonde Locken, ein wenig länger als die von Ryan und eine gute
Figur. Aber trotzdem war er beim besten Willen nicht das, was Ardeth jetzt wollte.
Er bemühte sich um einen halbwegs höflichen Gesichtsausdruck. "Das
ist wirklich sehr nett von Mr. Kier, aber du kannst ihm ausrichten, daß
ich nicht interessiert bin."
"Alles in Ordnung, Schatz?" Ryan trat von hinten
an Ardeth heran und schlang seine Arme um ihn. Offensichtlich handelte es sich
bei dem Besucher ja um keine 'geschäftliche' Angelegenheit. Er musterte
neugierig den anderen blonden Jungen dessen atemberaubendes Lächeln gerade
erstarb, als er Ardeth's Abfuhr hörte.
Was hatte er nochmal gesagt woher er kam? Ryan hatte es nur halb mitbekommen
als er aus dem Schlafzimmer zurückgeschlichen war. 'Horny Pony'? Dann war
der Junge also eine kleine Nutte? Interessiert fuhr Ryan's Blick über den
Körper des anderen, schätzte ihn ab. Er war hübsch, keine Frage.
Ein Elf. Ryan hatte noch nicht viele Elfen gesehen. Er kam selten aus der Wohnung
heraus. Es war zu gefährlich draußen, sagte Ardeth, und Ryan glaubte
ihm. Ardeth hatte immer recht.
Wie von selbst griffen Ryan's Finger nach den langen blonden Locken des Elfen,
schoben sie zur Seite um sanft und bewundernd über die zarten Ohrspitzen
zu streichen. Ryan lächelte wie ein Kind zu Weihnachten, als er den Elfen
betrachtete. Seine Augen suchten Ardeth's. "Er ist hübsch." sagte
er und seine weißen Zähne blitzten, als er seinen Liebsten anlachte.
Ach je... wenn es Ryan so viel Freude machte... Ardeth sah von seinem Spatz zu dem Jungen, der immer noch vor der Tür stand und wieder zurück. Ryan's Augen sagten 'darf ich ihn behalten?' und Ardeth hatte ihm noch nie etwas abschlagen können. Und die Furcht, die von dem Jungen ausging, war geradezu greifbar. Wahrscheinlich würde er Ärger bekommen, wenn er einfach so wieder zurückkam. Und es verlangte ja auch niemand von Ardeth, von ihm zu trinken. "Na komm schon rein." sagte er, öffnete die Tür weiter und wuschelte Ryan liebevoll.
Ryan hätte vor Freude fast in die Hände geklatscht.
Ein Elf! Wie wunderbar. "Danke.", sagte er und drückte Ardeth
einen schnellen Kuß auf die Wange. "Gleich zwei blonde Jungs für
dich, mein Liebling." lachte er und zwinkerte ihm zu. Dann faßte
er den anderen Jungen bei der Hand und zog ihn ungeduldig in Richtung Schlafzimmer,
er fieberte darauf ihn sich näher anzusehen.
Aufregend war das! Sie bekamen so selten Besuch. Nein...- Ardeth bekam selten
Besuch, Ryan bekam niemals Besuch, er kannte ja niemanden. Aber das war nicht
schlimm, er brauchte ja niemanden außer Ardeth. Doch jetzt war dieser
Junge hier, ein Stück von der Welt da draußen. Eine Welt die Ryan
völlig fremd war. Es machte den Elfen noch exotischer, noch geheimnisvoller,
und Ryan schaute ihn voller Bewunderung an, als wäre er ein seltenes und
kostbares Geschenk.
Ardeth folgte den beiden etwas langsamer und beobachtete die offensichtliche Verwirrung des blonden Jungen mit einem gewissen Amüsement. Sicherlich hatte er erwartet, von einem Vampir vergewaltigt und halb leergetrunken zu werden. Nicht einen unschuldigen kleinen Blondschopf, der sich über ihn freute, wie ein Kind über ein besonders großes Weihnachtsgeschenk.
Ryan zog ihn in Richtung Schlafzimmer und bekam gar nicht mit,
wie sehr er den anderen Jungen durcheinander brachte. Wieder einmal fragte sich
Ardeth, ob es richtig war, daß er Ryan so in seiner Wohnung einschloß.
Der Junge hatte einfach keine Ahnung von der Welt draußen und Ardeth war
sich nicht so ganz sicher, ob ihn das nicht irgendwann in große Gefahr
bringen würde. Andererseits wollte er ihn auch keinen unnötigen Risiken
aussetzen. Er blieb in der Tür zum Schlafzimmer stehen und sah den ungleichen
und doch so ähnlichen beiden Jungen zu.
Ryan zog den Jungen auf das Bett und setzte sich ihm gegenüber. Vorsichtig
strichen seine Finger über das Gesicht des anderen der ihn nur stumm ansah
und ihn einfach gewähren ließ. Aber er lächelte leicht und zaghaft,
als Ryan seine Ohren liebkoste, sanft die Linien nachfuhr und dann seine Finger
in die blonden seidigen Locken grub um sie wieder und wieder durch seine Finger
gleiten zu lassen.
Ryan starrte wie verzaubert auf das Lächeln des anderen, seine Fingerspitzen
fuhren die weichen Lippen des Elfen nach und dann preßte er seinen eigenen
Mund federleicht dagegen. Doch er zog ihn gleich wieder zurück um sich
prüfend mit der Zungenspitze über die Lippen zu fahren, den Kopf leicht
schräg gelegt, als würde er versuchen den Geschmack einzuordnen.
Ryan schaute fragend zu Ardeth, unsicher ob sein Geliebter auch nichts dagegen
hatte, daß er den Elfen derart 'genau' untersuchte. Letztendlich war der
Junge immer noch Ardeth's Geschenk. Als er den Vampir im Türrahmen stehen
sah, streckte er sehnsüchtig eine Hand nach ihm aus.
Diese einfache Geste reichte schon, um Ardeth Herz erneut zu
wärmen. Er liebte es, von Ryan geliebt zu werden. Er spürte auch die
Welle der wieder erwachenden Angst, die von dem anderen Jungen ausging. Was
hatte man ihm bloß angetan, daß er so verstört war?
Langsam ging er ebenfalls zum Bett hinüber und betrachtete den Jungen.
Seine Schönheit war sicher für viele eine Herausforderung. In dieser
Welt war Schönheit nicht etwas, das man bewunderte, sondern daß man
beschmutzte und zu zerstören suchte. Ein Grund mehr Ryan zu beschützen.
Er streckte eine Hand nach dem Jungen aus. Er zuckte nicht zurück, aber
Ardeth bemerkte dennoch, wie sich seine Pupillen leicht weiteten. "Hab
keine Angst." sagte er sanft, als würde er mit einem scheuen Tier
sprechen. "Ich tue dir nicht weh." Seine Fingerspitzen strichen sanft
über die Wange des Jungen. Er hielt ganz still. Sorgfältig abgerichtet,
dachte Ardeth ein wenig bitter. 'Das hätte Ryan sein können' sagte
eine grausame kleine Stimme in seinem Kopf und Ardeth spürte tiefes Mitgefühl
für den Jungen. "Wie heißt du?" fragte er. Einen Moment
sah der Junge so aus, als wollte er irgendetwas einstudiertes antworten, aber
dann sagte er nur "Heath."
Ryan lehnte sich gegen Ardeth und beobachtete, wie der Vampir
den Elfen streichelte. Es war so eine sanfte Geste. Und dann sprach der Elf
und seine Stimme war so weich, so jugendlich. - Alles an ihm wirkte so seltsam
unschuldig . Ob Ryan auf Ardeth auch so wirkte? Es war beinahe, als sähe
er sich selbst durch die Augen des Vampirs, wenn er den blonden Elfen betrachtete.
'Heath.' hieß er. Noch immer streichelte Ardeth's Hand die Wange des Jungen.
Ryan legte seine eigenen zarten Finger über die seines Geliebten und gemeinsam
fuhren sie das Gesicht des Elfen nach. Der sah jetzt noch verwirrter aus. Ryan
lehnte sich zurück und sah Ardeth zu, wie er ihm leise etwas zuraunte.
Sicher etwas beruhigendes. "Bitte" sagte Ryan zu dem Jungen, "Bitte
zieh dich aus, ich möchte dich ansehen." und seine Augen funkelten
mit Neugierde und kindlichem Vergnügen.
Heath warf Ardeth einen fragenden Blick zu. Er wußte
offenbar genau, wer der Herr in diesem Haus war und hielt sich daran. Ardeth
nickte ihm zu und der Junge begann, seine wenigen Kleidungsstücke abzulegen.
Ardeth beobachtete mehr Ryan als ihn dabei. Die Freude in Ryan's Augen war für
ihn schöner als jeder noch zu perfekte Körper. Er sah zu, wie Ryan
ein wenig nervös mit dem Saum einer Decke spielte und sich dem anderen
Jungen dann erneut näherte, um nun nackte Haut zu berühren.
Heath gab sich offensichtlich Mühe, sich auf die ungewohnte Situation einzustellen,
aber Ardeth spürte auch eine stille Trauer in ihm, die er nicht recht einordnen
konnte. Dann gab Ryan ein überraschtes kleines "Oh." von sich,
als seine Finger über kühles Metall in der Schläfe des Jungen
glitten. "Du hast einen Datenzugang." sagte er, wiederum hochgradig
fasziniert.
Ryan's Fingerspitzen tippten wieder und wieder über die
glatte kühle Oberfläche, berührten die Haut daneben und fuhren
erneut über den metallischen Fremdkörper. "Tut es weh sich anzuschließen?"
fragte er atemlos und der Elf schüttelte lächelnd den Kopf. Ryan ließ
seine Hände tiefer gleiten, zurück zum hellen Brustkorb des anderen,
eine Schulter hinab und wieder hinauf, dasselbe bei der anderen Schulter wiederholend.
Es war so anders, als seinen Ardeth zu streicheln. Weicher, nachgiebiger, obwohl
auch der Körper des Elfen durchtrainiert schien. Er war so warm dieser
Körper...
Ryan preßte seinen Kopf an Heath's Brust und hörte das Herz dahinter
schlagen. Überrascht sog er Luft ein. Noch nie hatte er ein anderes Herz
neben seinem schlagen gehört! Und es schlug so kräftig...
"Ich kann sein Herz schlagen hören." sagte er lächelnd zu
Ardeth, doch als er den Schatten der Trauer sah, der über das Gesicht des
Vampirs strich, merkte er, daß seine Worte Ardeth verletzt hatten. Ryan
reckte sich nach oben und zog gleichzeitig Ardeth am Morgenmantel leicht nach
unten, preßte ihm einen liebevollen Kuß auf die vollen Lippen. "Doch
dein Herz ist mir das liebste," flüsterte er ihm zu, zärtlich
über die Wangen des Mannes streichelnd, "denn es schlägt nur
für mich."
Ein Lächeln huschte über Ardeth's Gesicht. "Ja,
nur für dich." murmelte er und küßte Ryan zärtlich.
Was brauchte er irgendwelche Geschenke, was brauchte er die Welt, solange er
Ryan haben konnte. Er sog den Geruch seines Liebsten ein, schloß die Augen
und verlor sich ganz in diesem Kuß. Wieder einmal fragte er sich, womit
er ein so wunderbares Wesen wie Ryan verdient hatte. Etwas, das Sonne in die
endlose Nacht seines Lebens brachte. Sonne die wärmte und belebte, statt
Schmerzen zu bringen.
So sehr konzentrierte er sich auf Ryan, daß er die Bewegung neben sich
erst wahrnahm, als er schon zu spät war. Etwas Kaltes berührte seinen
Nacken und plötzlich schien die Welt sich um ihn zu drehen und wurde dann
abrupt schwarz.
Ryan gab einen überraschten Laut von sich, als sein Liebster über ihm zusammensackte und sein erschlaffender Körper ihn auf das Bett drückte. Alarmiert schaute er zu dem Elfen und versuchte hektisch Ardeth's Körper von sich zu schieben, um sich auf den anderen Jungen zu stürzen, doch der war mit einer schnellen Bewegung bereits an seiner Seite und drückte auch ihm den kleinen metallischen Injektor gegen den Hals. Eine brennende Flüssigkeit ergoß sich in Ryan's Venen und er stöhnte leise auf, Angst ergriff ihn, als sich die lähmende Schwärze auch um sein Bewußtsein legte.
*****
Schmerzen. Verzehrende Schmerzen. Innere Verletzungen, Innere
Blutungen, nur noch eine Frage der Zeit, bis der Körper aufgab. Und dann
endlich Ruhe. Endlich ausbrechen aus dem ewigen Kreislauf von Leid. Endlich
Stille.
Bray spürte tiefe Erleichterung bei dem Gedanken, daß es nun bald
vorbei sein würde. Es tat weh, aber das war gut so. Nur noch ein bißchen
und er würde endlich gehen dürfen. Von weit entfernt hörte er
eine Stimme, die zu ihm sprach, verzweifelt versuchte, seine Aufmerksamkeit
zu erregen, aber er hörte einfach nicht hin. Etwas in ihm warnte ihn, daß
er, wenn er sich jetzt ablenken ließ, seine Freiheit auf's Spiel setzte.
Freiheit von diesem Leben, das ihm nichts Gutes gebracht hatte. Außer
Ewan... Fuck. Ewan. Er würde Ewan nie wiedersehen, wenn er jetzt einfach
ging. Würde nicht einmal die Gelegenheit habe sich zu verabschieden. Der
Magier würde nicht einmal erfahren, was mit ihm geschehen war. Und dabei
wäre es so schön gewesen...
Mit einem letzten tiefen Gefühl der Sehnsucht riß er sich von dem
Abgrund los, an dem er stand und nun erkannte er auch die Stimmen die ihn riefen.
Orli und Shakira. Und er spürte Wolf, der besorgt neben ihm saß,
ihn mit der Schnauze anstupste und versuchte, ihm Kraft zu geben.
Er griff nach der Energie, die sein Totem ihm schenkte und lenkte sie, um seinen
Körper wieder zusammenzuflicken. So oft hatte er das schon getan, es ging
ihm inzwischen fast wie von selbst von der Hand. Zerrissenes Fleisch wuchs wieder
zusammen, Blutungen hörten auf, Schmerzen ließen nach.
Mit einem gequälten Stöhnen öffnete er die Augen und blickte
in die Gesichter von Orli und Shakira, die voller Sorge auf ihn herunter sahen.
"Bray?" Orli's Stimme klang unsicher. Er wußte,
daß sich der Schamane mit Hilfe seiner Magie heilen konnte, aber warum
hatte es diesmal so lange gedauert? <War Bray dermaßen schlimm verletzt
gewesen?> Ein dumpfes Gefühl breitete sich in Orli aus. Er war ja mitschuldig,
daß es Bray jetzt so schlecht ging...
Kira drängte Orli zur Seite und tätschelte sanft Bray's Wange. "Komm
schon Junge, mach jetzt bloß keinen Scheiß." Sie streichelte
die Stirn des Schamanen und versuchte ihn aufzusetzen. "Meinst du, du schaffst
es Kumpel?" fragte sie besorgt. Orli räusperte sich. "Wir sollten
jetzt los" sagte er langsam und schaute fragend zu Bray. "Kommst Du
klar?"
Bray rieb sich das Gesicht und sah von Orli zu Shakira und wieder zurück. Wieder überfiel ihn das plötzliche Verlangen Orli zu schlagen, aber diesmal gab er ihm nicht nach. "Ja, mir geht's gut." brummte er. Was für ein Hohn. Er fühlte sich immer noch beschissen. Er starrte Orli schweigend an. Eine Entschuldigung des Scharfschützen wäre schon irgendwie angebracht gewesen. Aber nachdem er gesehen hatte, wie Orli Heath einfach heulend auf dem Bett liegen ließ, sollte er wohl nicht damit rechnen. "Sehen wir zu, daß wir die Sache hinter uns bringen. Vielleicht ist dieser Alptraum dann endlich vorbei."
Orli nickte, einen seltsamen Ausdruck auf dem Gesicht. "Bringen
wir es zu Ende.", sagte er und drehte sich abrupt um. Orli wußte,
daß er mit Bray über das sprechen sollte, was vorgefallen war, aber
er konnte sich nicht mal zu einer Entschuldigung durchringen. Jetzt war sowieso
nicht die Zeit dafür. Er würde es danach tun, wenn alles vorbei war.
Ja... vielleicht würde er diese Sache hier ja eh nicht überleben,
dachte er sich, dann spielte es sowieso keine Rolle mehr.
<Verdammt Heath>, durchzuckte ihn der Gedanke plötzlich schmerzhaft
<nach diesem Einsatz hätten wir endlich in Ruhe leben können. Wir
wären frei gewesen... warum mußtest du nur alles kaputt machen?>
Gewaltsam drängte Orli die Gedanken an den Elfen zurück und ging zum
Waffenschrank des Orks. Orli gab einen Laut der Anerkennung von sich, als er
den Inhalt bewunderte. Das Paradies eines jeden Waffenexperten! Tja, jetzt sah
es doch wirklich fast so aus, als ob sie eine reale Chance hätten, grinste
Orli, als er begann zwei breite Waffengurte mit Inhalt zu versehen...
Bray fing den fragenden Blick von Shakira auf und zuckte nur
leicht die Schultern. "Ich weiß auch nicht, was mit ihm los ist."
sagte er so leise, daß Orli es nicht hören konnte. Dann raffte er
sich vom Bett auf und zog sich wieder an. Er sah einen Moment zu, wie Orli den
Waffenschrank ausräumte, dann ging er hinüber ins Arbeitszimmer und
aktivierte den Rechner, um zu sehen, ob Heath schon online war. Hoffentlich
hatte es bei ihm besser geklappt. Aber ihre Daten hatten besagt, daß es
sich bei diesem Ardeth Bey um einen vergleichsweise harmlosen Vampir handelte.
Einen Moment lang blieb der Bildschirm schwarz bis auf ein kleines Feld, das
nach einem Paßwort verlangte, aber dann wurde er plötzlich weiß
und Schrift erschien: 'Alles klar, bin im Netz'. Bray sah sich im Raum um, konnte
aber keine Kamera entdecken. "Kannst du uns sehen und hören?"
fragte er überrascht. 'Ja, Harry ist gut überwacht' erschien auf dem
Bildschirm. 'Bei euch alles klar?' "Den Umständen entsprechend."
knurrte Bray. "Kann es losgehen?" 'Von mir aus, ich mach euch die
Türen und Aufzüge auf, den Plan vom Gebäude habt ihr?' Bray nickte.
"Ja."
"Heath ist im Netz." erklärte Bray und gab damit
gleichzeitig das Signal zum Aufbruch. Auf Shakira's Gesicht erschien ein begeistertes
Grinsen. "Yeahh... dann mal los, Jungs.", sagte sie, gab Harry einen
leichten Tritt und schritt dann übermütig zur Tür , "Diesmal
gewinnen wir!" Orli war sich da ganz und gar nicht so sicher, aber trotzdem
nickte er Kira ermunternd zu. Ihr Enthusiasmus war wirklich bewundernswert.
Bray warf ihm nur einen kurzen Blick zu, als er an Orli vorbei gehen wollte,
um sich Shakira anzuschließen. Einem plötzlichen Impuls folgend griff
Orli nach seinem Arm und hielt ihn zurück "Bray..." begann er
zögernd, "wegen dem, was vorhin passiert ist, ich..." Orli verstummte.
Was war nur mit ihm los?
Einen Moment war Bray versucht einfach nur das zu sagen, was
Orli hören wollte. Ein simples 'ist okay, vergessen wir's'. Statt dessen
hörte er sich sagen: "Wir reden später darüber, Orlando."
Und dann ging er an ihm vorbei ohne Orli eines weiteren Blickes zu würdigen.
Er riß sich von seinen Gefühlen los und konzentrierte sich auf die
Mission. Ein kleiner Spruch der ihn vor Gefahr warnen würde, ein Schild...
und seine restliche Energie mußte er sich als Firepower aufheben.
Sie eilten einen schwach beleuchteten Flur hinunter, von dem die Wohnungen anderer
Ghule abzweigten und bogen dann in einen Servicetunnel ab, von dem ein Treppenhaus
nach unten führte. Sie mußten ganz nach unten in die Keller der Arc.
Dort hielt man Pink fest.
*****
Der Raum war viel zu klein. Und das war auch schon seine einzige
auffällige Eigenschaft. Eine winzige Stahlzelle mit einer schweren, gut
gesicherten Tür. Pink haßte diesen Raum mit einer Leidenschaft, die
eigentlich hätte genügen sollen, um sowohl die Tür, als auch
die Wände und eigentlich diese ganze Arcologie zum schmelzen zu bringen.
Aber sie war trotzdem immer noch hier.
Sie wußte nicht, wie lange 'immer noch' war. Unter der Decke brannte eine
grelle Neonröhre, die heller oder dunkler wurde. Es gab weder Tag noch
Nacht, seit man sie gefangengenommen hatte. Nur eine endlose Aneinanderreihung
von Vampiren und Ghulen, die in unregelmäßigen Abständen bei
ihr auftauchten, um ihr Fragen zu stellen, sie zu foltern, in ihre Gedanken
zu schauen, sie einfach nur zu beschimpfen. Die einzige Abwechslung war, wenn
sie merkwürdige Geräte hereinrollten, sie daran anschlossen und irgendwelche
Tests machten.
Pink fragte sich langsam, ob sie überhaupt selber wußten, was sie
von ihr wollten. Als sie in dieser Zelle aufgewacht war, war die Fürstin
der Arcologie hier gewesen und hatte sich offenbar sehr über ihre Anwesenheit
gefreut. Sie hatte in hochtrabenden Worten verkündet, daß es nur
eine Frage der Zeit sei, bis Pink ihr Geheimnis preisgebe und war dann entschwunden.
Schon in diesem Moment hatte sich Pink gefragt, was die Vampire sich darunter
vorstellten. Sicher, Viggo hatte ihr von der Prophezeiung erzählt –
nein – sie ihr eingetrichtert, bis sie sie auswendig kannte. Und sie hatte
ja auch nichts dagegen loszuziehen und gegen das Böse zu. kämpfen.
Aber ein Geheimnis? Darüber war ihr nichts bekannt.
Viggo hatte sie darin ausgebildet, gegen Vampire zu kämpfen, hatte ihr
von der Geschichte der Vampire erzählt. Wie sie mit ihren dämonischen
Herren auf die Erde gekommen waren und die Herrschaft an sich gerissen hatten.
Und daß die Prophezeiung besagte, daß sie diejenige sei, die all
das wieder gut machen könne. Sehr nett. Aber schon ihre erste Frage war
gewesen, ob in dieser Prophezeiung nicht irgendetwas definitiveres stand als,
'sie macht das schon'.
Verärgert trat sie gegen eine der stabilen Wände, drehte sich um und
ging die drei Schritte zu der gegenüberliegenden Wand, trat diese und kehrte
wieder zurück. So mußte sie, seit sie hier war, schon wer weiß
wie viele Kilometer zurückgelegt haben. Wenigstens blieb sie fit. Aber
die Langeweile würde sie irgendwann umbringen.
Sie setzte ihre Wanderung fort und dachte an die Zeit zurück, als sie noch
klein gewesen war. An ihre früheste Kindheit konnte sie sich nicht erinnern.
Ihr Leben hatte erst richtig begonnen, als sie zu Viggo gekommen war. Er hatte
ihr erzählt, wie er sie gefunden hatte, aber ihr Gedächtnis hüllte
diese Zeit in gnädige Finsternis.
Ihr Leben war das Ergebnis eines perversen Experimentes. Irgendwelche verrückten
Wissenschaftler, hatten versucht für Vampire Menschen zu züchten,
die nur als willenlose Nahrungsquelle dienen würden. Vieh, sozusagen. Dazu
hatten sie die Gene von Kindern, die aufgrund von genetischen Defekten tot auf
die Welt gekommen waren, miteinander gekreuzt und sie gleichzeitig mit irgendwelchen
Methoden so aufgemotzt, daß das Ergebnis ein gesunder aber hirnloser Mensch
war.
Die Sache war irgendwie heftig schief gegangen und statt dessen war Pink dabei
herausgekommen. Eine intelligente, aufbrausende und extrem starke und schnelle
Elfe. Das hatten sie wohl ziemlich versaut.
Daraufhin hatten sie Vampire, die die Experimente finanziert hatten, das Labor
geschlossen. Einer der Wissenschaftler hatte Pink – damals noch ein Baby
– mit nach Hause genommen, um privat an ihr weiter zu experimentieren.
Und von dort hatte Viggo sie dann befreit, als sie zwei gewesen war.
Erneut trat sie gegen die Wand. Viggo. Was war wohl mit ihm geschehen? Schon
tausend mal hatte sie über diese Frage nachgedacht und war immer zu dem
selben Ergebnis gekommen. Die Vampire hatten ihn mit Sicherheit umgebracht.
Oder sie hielten ihn auch hier irgendwo fest. Wieder einmal kämpfte sie
Tränen herunter. Er war die einzige Familie die sie hatte. Ihr Vater. Der
Gedanke, daß er ihretwegen leiden mußte, war unerträglich.
Mit beiden Fäusten schlug sie gegen die Wand. Wenn sie diese Vampire irgendwann
zu ihren eigenen Bedienungen erwischte, würden sie dafür bezahlen.
Aber realistisch betrachtet, sah es nicht danach aus, als würde es jemals
dazu kommen.
Sie drehte sich langsam um, als sie hörte, wie die Tür hinter ihr
geöffnet wurde. Zeit für eine weitere sinnlose Verhör-Session,
dachte sie.
Um so überraschter war sie, als eine junge und ausgesprochen hübsche
Orkin den Kopf zur Tür herein streckte und sie neugierig ansah. Die hatte
sie noch nie gesehen und sie gehörte ganz sicher nicht zum, Sicherheitspersonal.
Sie trug Jeans, ein abgerissenes T-Shirt und eine alte Lederjacke. Und sie grinste
plötzlich breit.
"Bist du Pink?" fragte sie. Pink brannten plötzlich hundert Fragen
auf der Zunge, aber sie nickte einfach nur, vorsichtshalber eine leicht geduckte
Kampfhaltung einnehmend. "Cool. Ich bin Shakira. Wir sind hier, um dich
zu befreien."
*****
Das erste, was zurückkehrte, war das Gefühl, daß
etwas nicht stimmte. Ein unsicheres, schwammiges Nicht-Wissen. Aber es hielt
nicht lange an. Körper und Geist eines Vampires waren dazu geschaffen,
sofort auf jede Gefahr zu reagieren und sich umgehend auf neue Situationen einstellen
zu können.
Und Ardeth hatte nicht umsonst so lange überlebt. Er brauchte nur Sekundenbruchteile,
um sich zu erinnern, was passiert war, daraus seine Schlüsse zu ziehen
und mit seinen natürlichen und übernatürlichen Sinnen seine Umgebung
abzutasten.
Langsam öffnete er die Augen, als er sicher war, daß sich außer
ihm und Ryan niemand in seinem Schlafzimmer befand. Ryan Atem ging flach, aber
er war offenbar nur bewußtlos und ansonsten unverletzt. Das dämpfte
Ardeth eisigen Zorn zumindest ein bißchen. Aber nicht sehr.
Mit einer einzigen fließenden Bewegung glitt er vom Bett und zur Tür.
Seine natürlichen Sinne zeigten ihm nur Stille in seiner Wohnung. Aber
sein Jagdinstinkte ließen ihn den lebendigen Herzschlag eines weiteren
Lebewesens in seinem Arbeitszimmer wahrnehmen. Was wollte der kleine Elf von
ihm? Offenbar hatte Ardeth seine Angst falsch gedeutet. Es war keine Furcht
vor einem Vampir sondern nur die Nervosität vor einem sehr gefährlichen
Unterfangen gewesen.
Er hatte seine Sache recht gut gemacht, für einen Sterblichen. Aber er
hatte Ardeth unterschätzt. Nur sehr wenige wußten, wie alt er tatsächlich
war. Und entsprechend hatte er die Droge, die ihn betäubt hatte, viel zu
niedrig dosiert. Einen geringeren Vampir hätte er damit für viele
Stunden ausgeschaltet, aber sein Zeitgefühl sagte Ardeth, daß er
höchstens zwei Stunden bewußtlos gewesen war.
Lautlos näherte er sich seinem Arbeitszimmer. Wie konnte dieser kleine
Idiot es wagen, in sein Zuhause einzudringen. Wie konnte er es wagen, Ryan zu
schaden. Und wieso hatten die Security-Leute der Arc ihn nicht richtig durchsucht?
Wieso hatten sie eine potentielle Bedrohung hereingelassen.
Ein böses Lächeln huschte über Ardeth Gesicht. Dafür würden
sowohl der kleine Elf als auch der Chef der Sicherheit bezahlen. Was für
eine angenehme Gelegenheit, Elijah vor der Fürstin vorzuführen. Ardeth
verabscheute den arroganten kleinen Angeber zutiefst. Er war noch zu jung, um
sich irgendwelchen Respekt in der Gesellschaft der Vampire verdient zu haben,
und glaubte dennoch, die Gunst der Fürstin würde es ihm gestatteten,
auf Ältere herabzublicken. Um so tiefer würde sein Fall irgendwann
sein. Nicht heute, nicht morgen... aber Ardeth hatte Zeit.
Er war an der Tür seines Arbeitszimmers angelangt. Sie war nur angelehnt,
aber dennoch konnte Ardeth von drinnen nichts hören, außer den regelmäßigen
Atem und Herzschlag des Elfen. Was tat er da drin? Mit einem unhörbaren
Knurren löste sich Ardeth in feinen Nebel auf und glitt hinein.
Der Junge saß an Ardeth Schreibtisch. Ein dünnes Kabel verlief von
seiner Schläfe zum Datenzugang von Ardeth Rechner. Also ging es nicht um
Ardeth oder Ryan sondern um das Netz der Arc. Irgendwie verärgerte dieser
Gedanke Ardeth noch mehr. Die Augen des Elfen waren geschlossen und Ardeth wußte,
daß er seine Umgebung nicht wahrnehmen konnte, wenn er in der Matrix unterwegs
war. Wie unklug von ihm, hier so ungeschützt zu sitzen.
Einen Moment dachte er darüber nach, einfach das Kabel aus dem Rechner
zu ziehen und von dem Jungen eine Erklärung zu verlangen. Aber dann entschied
er sich dagegen. Besser, kein Risiko einzugehen. Er nahm wieder feste Gestalt
an. Mit sicherem Griff fand er genau die Stelle am Hals des Jungen, die ihn
nach einem kurzen festen Druck ins Land der Träume beförderte.
Mit einer kurzen Geste befahl er seine Robe zu sich. Er hatte jetzt einfach
keine Lust sich mit so nebensächlichen Dingen wie anziehen abzugeben. In
die Düsternis der Robe gehüllt, hob er den Jungen auf und verließ
seine Wohnung, um ihn vor Elijah's Füße zu werfen und eine Erklärung
zu verlangen, von der er genau wußte, daß Elijah sie nicht hatte.
*****
Bray starrte verwirrt auf den bewußtlosen blonden Jungen
herunter, der auf dem Bett im Schlafzimmer des Vampirs lag. Die Wohnung schien
bis auf den Jungen völlig leer zu sein. Kein Vampir, kein Heath. Die letzten
Türen hatten sich auch nicht für sie geöffnet und Orli hatte
schon auf Heath geschimpft, der könne auch gar nichts richtig machen. Offenbar
hatte er sich geirrt. Es sah eher so aus, als wäre Heath in Schwierigkeiten.
In sehr großen Schwierigkeiten.
"Hast du ihn gefunden?" fragte Shakira hinter ihm. Bray drehte sich
zu ihr um und schüttelte den Kopf. "Nein. Ihr?" Shakira schüttelte
ebenfalls den Kopf. "Nein." Ihr Gesicht war voller Sorge. "Wer
ist das denn?" fragte sie dann, als sie den Jungen auf dem Bett bemerkte.
Bray zuckte die Schultern. "Wahrscheinlich ein Haustier von diesem Vampir."
Ihm lief ein Schauer über den Rücken, bei dem bloßen Gedanken,
einem Vampir so ausgeliefert zu sein. Shakira sah voller Mitgefühl auf
den Jungen herunter. Dann wieder hilfgesuchend zu Bray. "Was machen wir
jetzt?" fragte sie gerade, als Orli mit der Elfe, die sie befreit hatten,
ebenfalls in den Raum kam.
"Wo ist Heath, verdammt?" Orli schrie beinahe. Er
war jetzt nahe daran total auszurasten. Sie saßen in der Falle, ohne Heath
würde es schwierig werden aus dem Gebäude rauszukommen. Aber es war
nicht nur Heath's wichtige Funktion im Team, die Orli so besorgt machte, vielmehr
begann eiskalte Angst um Heath seinen Rücken empor zu kriechen. Offensichtlich
hatten die Vampire ihn geschnappt und Orli konnte sich einige Dinge vorstellen,
die sie mit ihm machen würden.
Sein Herz schlug heftig. Warum mußte denn immer alles so verdammt schief
gehen? Er versuchte einen klaren Kopf zu behalten, er durfte sich jetzt keinen
Ausraster erlauben, wenn sie hier irgendwie wieder rauskommen wollten. Orli's
Blick fiel auf den blonden Jungen der reglos auf dem Bett lag und er faßte
einen schnellen Entschluß.
"Den nehmen wir mit. Vielleicht können wir ihn noch als Geisel benutzen.
Shakira, kannst Du ihn tragen?" Die Orkin grinste bloß. "Kleinigkeit."
sagte sie und lächelte Pink imponierend zu. Orli schaute zu Bray. Zwischen
ihnen hatte unterschwellig schon immer ein kleiner (wenn auch kameradschaftlicher)
Kampf um die Anführerschaft geherrscht. Orli war sich nicht sicher, ob
und wie der Zwischenfall bei Harry die Sache geändert hatte. Angespannt
wartete er auf Bray's Antwort.
"Du glaubst, sie werden sich dafür interessieren,
wenn wir das Haustier von irgendeinem Vampir als Geisel nehmen?" fragte
Bray ein wenig ungläubig. Fuck, drehte Orli jetzt völlig ab? Ein schneller
Blick nach Orli's Aura zeigte ihm, daß der Schütze tatsächlich
kurz davor stand, die Kontrolle über sich zu verlieren. Er macht sich Sorgen
um Heath, wurde Bray plötzlich klar. Fuck. Sie hatten nicht die leiseste
Chance den Elfen in der Arcologie zu finden. Und sie mußten Pink so schnell
wie möglich hier raus bringen. Solange noch kein Alarm ausgelöst worden
war.
"Na von mir aus." brummte er, um Orli nicht noch weiter zu reizen.
Sie konnten sich immer noch gegenseitig den Schädel einschlagen, sollten
sie es lebend hier raus schaffen. Shakira wickelte den Jungen schnell in eine
Decke und warf ihn sich über die Schulter. "Na los, Jungs." sagte
sie, blickte dann zu Pink und fügte "Und Mädels." hinzu
und verließ schnellen Schrittes den Raum.
Pink folgte ihr zügig. Sie hatte bisher keine Fragen gestellt, was Bray
ihr hoch anrechnete. Wenigstens einer, der sich hier wie ein Profi benahm. Bray
sah, wie Orli noch einmal einen verzweifelten Blick durch den Raum schweifen
ließ, als würde das Heath auftauchen lassen. Dann folgten auch sie
Shakira.
*****
Die Wohnung des Sicherheitschef's war in gespenstisches, neonfarbenes
Licht getaucht. Aus versteckten Boxen spielte die zur Zeit angesagteste Clubmusik
und über die Monitore verschiedener Computer huschten Zahlenreihen und
Symbole, einige andere zeigten Überwachungsbilder.
Auf einem von ihnen konnte man Wood's Lieblingsghul Harry Sinclair sehen. Der
bullige Ork lag splitternackt auf seinem riesigen Bett und nur sein gelegentliches
Grunzen und Sabbern verriet das er noch am Leben war. Doch Elijah Wood, der
Sicherheitschef der Arc und derzeitiger Günstling der Fürstin, ahnte
nichts von Harry's mißlicher Lage. Der so unschuldig kindlich aussehende
Vampir war nämlich gerade dabei sich voller Hingabe einer seiner Lieblingsbeschäftigungen
zu widmen - dem Einnehmen einer kleinen 'Zwischenmahlzeit'.
Lächelnd schritt Elijah um den blonden Jungen herum, den man ihm zu Beginn
der Nacht frisch 'geliefert' hatte. Elijah mochte sie blond und unschuldig.
Dieser hier war besonders drollig. Er hatte niedliche Pausbacken und war alles
in allem ein bißchen rundlicher - einfach zum Anbeißen, wie Elijah
fand. Er hieß Sean. Sean Astin. Völlig verängstigt hatte er
den Namen gewimmert, als Elijah mit der langen schwarzen Lederschnur seiner
Lieblingspeitsche zärtlich über dessen Rücken strich.
Er hatte den Blondschopf nackt auf das große x-förmige Kreuz gefesselt,
das sein Schlafzimmer dominierte und 'spielte' nun schon seit Stunden mit dem
verschreckten Menschen. Bald würde dessen Blut den richtigen Adrenalinkick
haben, den Wood im Geschmack so sehr schätzte. Das irritierende Neonlicht
tanzte über das schwarz glänzende Material von Elijah's enganliegender
Lackhose und der nackte Oberkörper des Vampirs hob sich unheimlich weiß
leuchtend dagegen ab.
Elijah bedachte den einladenden Hintern seines Opfers mit ein paar kräftigen
Hieben und leckte dann genüßlich über die rote Spur frischen
Blutes, die dort erschien. Perfekt! Er wollte gerade zum Hauptgang übergehen
und seine Fänge in dem Hals seines schluchzenden Opfers versenken, als
etwas anderes seine Aufmerksamkeit ablenkte. 'Etwas' bildete sich in der Mitte
des Raumes...
Ardeth hatte sich die Zeit genommen, sich die Räume von
Elijah in Ruhe anzusehen, bevor er feste Gestalt annahm. Wieder einmal fühlte
er sich von tiefem Abscheu erfüllt. wie konnte jemand in einem zuhause
aus schwarzem Glas und Metall glücklich sein. Einem Zuhause, das von Ecken,
Zacken und Kanten dominiert wurde.
Nachdenklich warf er noch einen Blick auf den jungen Sterblichen, der wohl Elijah's
Abendessen darstellte. Die Aura des Jungen flackerte nur noch. Nicht mehr lange,
und er würde aus Angst sterben. Und Elijah hatte es anscheinend noch nicht
einmal mitbekommen. Unfähig, unbegabt aber hübsch. Es war nur eine
Frage der Zeit, bis die Fürstin seiner überdrüssig werden würde.
Aber so langsam bezweifelte Ardeth, daß er so lange warten wollte.
Nun, zumindest war es ihm gelungen, in Elijah's Zuflucht zu gelangen, ohne daß
der davon das geringste bemerkt hätte. Dilettant. Er materialisierte sich
direkt neben Elijah und ließ seine bewußtlose Last achtlos zu Boden
fallen, um die Arme zu verschränkten und Elijah drohend und mißbilligend
anzustarren.
Elijah erstarrte. Für einen winzigen Moment lang zeigten seine Züge Entsetzen und Fassungslosigkeit, doch dann rauschte Wut darüber hinweg. "Ardeth Bey." preßte er mühsam beherrscht hervor. "Natürlich stehe ich jederzeit zu Eurer Verfügung, aber das geht doch ein bißchen zu weit, meint Ihr nicht auch? Wie könnt Ihr es wagen einfach so in meine Gemächer zu platzen?" Elijah's hübsches Gesicht verzog sich zu einer erbosten Grimasse. "Und was soll *das* da?" schnappte er und zeigte auf den Elfen, der bewußtlos zu Ardeth's Füßen lag.
"Das," erklärte Ardeth in einem Tonfall, der so eisig war, daß Elijah eigentlich hätte erstarren müssen und stupste den Elfen mit dem Fuß, "ist ein Einbrecher, der einfach so in meine Wohnung spaziert kam, sich als Nutte ausgab, mich betäubt hat und dann versucht hat ins Netz der Arc einzudringen." Eine seiner Augenbrauen wanderte in Richtung Haaransatz. "Könnte es sein, daß hier jemand seinen Job nicht richtig macht?"
Elijah's mondscheinfarbenes Gesicht wurde noch eine Spur blasser.
"Was?" flüsterte er tonlos. "Das soll wohl ein Scherz sein?"
Doch als er in Ardeth's kalte Augen blickte, wurde ihm die Ernsthaftigkeit der
Lage bewußt. Wenn es stimmte, was Bey da sagte... Elijah schluckte.
Im Nu versetzte er sich in den 'Kontrollraum', den Teil seiner Wohnung, der
die Computer und Überwachungsgeräte beherbergte, und ein Blick auf
den riesigen Bildschirm der Harry's Wohnung zeigte genügte um Wood vor
Entsetzen beinahe zittern zu lassen. Wenn die Fürstin davon erfuhr war
er erledigt! Wieder einmal hatte er seine Begierden über seine Pflichten
gestellt, er wußte das ihm das eines Tages den Hals brechen würde.
Aber vielleicht war ja noch nicht alles zu spät.
"My Lord," setzte er ehrerbietig an, "ich...ich hatte ja wirklich
keine Ahnung... ich gebe zu ich war ein wenig abgelenkt...", er warf einen
schnellen Blick in Richtung Schlafzimmer und fuhr dann fort, "trotzdem
hätte so etwas nicht geschehen dürfen, ich versichere Euch alles wird
genauestens überwacht! Niemand kommt hier ohne Erlaubnis herein oder hinaus...
Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie das geschehen konnte..."
faselte er weiter, offensichtlich bemüht den älteren Vampir zu besänftigen.
Voller Verachtung musterte Ardeth die nervös flackernde Aura des anderen Vampires Glaubte Elijah wirklich, daß er ihm diesen Blödsinn abkaufen würde? "Ich möchte aber gern, daß Ihr mir erklärt, wie das passieren konnte." sagte er gefährlich sanft. "Mein Haustier hätte zu schaden kommen können. Vielleicht hätte sogar ich zu Schaden kommen können. Und alles was Ihr dazu zu sagen habt, ist, daß Ihr es Euch nicht erklären könnt? Etwas dürftig, oder?" Ardeth Fuß tappte leicht auf den Boden. Das einzige Anzeichen dafür, daß er langsam die Geduld verlor.
"My Lord..." Elijah wurde nervös. Oh, wie er
diesen Ardeth Bey haßte! Der dunkelhaarige Vampir hatte ihm von Anfang
an zu verstehen gegeben, daß er ihn nicht leiden konnte. Er war auch gegen
den Entschluß der Fürstin gewesen, daß Elijah sich um die Sicherheit
der Arc kümmern sollte, hatte sich aber letztendlich fügen müssen.
Elijah wußte, daß einzig die Gunst der Fürstin Ardeth davon
abhielt ihn in Stücke zu zerreißen, auch all seine wiederholten Einschmeichelungsversuche
hatten daran nichts ändern können. Elijah war nicht dumm. Er wußte,
daß Liv über kurz oder lang einen neuen Favoriten finden würde,
die Fürstin langweilte sich schnell. Er mußte vorsichtiger taktieren,
wenn er überleben wollte. Und dieses Überleben stand jetzt gefährlich
auf Messers Schneide.
"Natürlich werde ich sofort das Nötige veranlassen, damit kein
weiterer Schaden entsteht, Lord Bey. Alles wird genauestens überprüft
werden. Gebt mir nur ein paar Minuten die Kameraaufzeichnungen durchzusehen..."
und Elijah machte Anstalten sich in das Netz der Arcologie einzustöpseln.
Ardeth hielt ihn allein mit seinen Augen fest. "Elijah, ich bin wirklich sehr verägert." sagte er leise. "Ich hoffe wirklich sehr für dich, daß sich diese Sache aufklärt, sonst wirst du bedauern, mich jemals gesehen zu haben. Verstanden?"
Elijah's Bewußtsein irrte die Datenleitungen entlang
und entdeckte sofort die vielen winzigen Schneisen, die der Hacker ins Netz
der Arcologie geschlagen hatte, um sich Zugang zu verschaffen. Er mußte
ein Profi sein, das erkannte Wood sofort. Der Hacker hatte verschiedene Paßwörter
geknackt und sich clever und unbemerkt auch an den härtesten Sicherheitsprogrammen
vorbei geschlichen, um Kameras zu deaktivieren, Türen zu öffnen und
den Alarm auszuschalten.
Mit leicht zitternden Fingern zog Elijah das Datenkabel aus der Buchse in seiner
Schläfe und sackte ein wenig in seinem Stuhl zusammen. Nervös spulte
er die Aufzeichnung von Harry's Wohnung auf dem Monitor ab und sah fassungslos
mit an, wie sich ein Trupp Nutten als proffessionelles 'Spezialteam' entpuppte.
Wood keuchte. "Das ist.... unmöglich..." stotterte er, "einfach
unmöglich."
Beinahe amüsiert sah Ardeth ihm über die Schulter.
Na da saß Elijah ja schön in der Scheiße, dachte er zufrieden.
Wieder einmal machte sich sein Mangel an Erfahrung bemerkbar. "Es ist natürlich
nicht mein Job," sagte er und diesmal gelang es ihm nicht einen zutiefst
herablassenden Ton aus seinem Worten herauszuhalten, "aber wäre es
nicht anzuraten, Alarm auszulösen?"
Elijah zuckte zusammen wie von einer Viper gebissen und starrte Ardeth entsetzt
an. Offenbar hatte er völlig vergessen, daß Ardeth immer noch neben
ihm stand. Ardeth lächelte ihn bösartig an und zeigte seine Fangzähne.
Plötzlich kam Bewegung in Elijah und seine Finger schienen
überall gleichzeitig zu sein. Er drückte auf Knöpfe, legte Schalter
um, gab Befehle an Wachmänner weiter. Überall auf dem riesigen Kontrollpult
vor ihm begann es hektisch zu blinken. Elijah zappte sich durch verschiedene
Kameraansichten und sein Blick blieb an ein paar Gestalten hängen, die
durch die Verbindungsschächte der Arc krochen. Sie zogen einen blonden
Jungen mit sich den Elijah als Bey's Haustier erkannte. Wood's Magen wurde flau
als er Ardeth in seinem Rücken knurren hörte. Das Geräusch spornte
ihn zum Handeln an.
Da es ganz danach aussah als würde sich der Trupp in Richtung südlicher
Ausgang bewegen, gab er sofort direkte Befehle an die dortigen Wachen weiter.
Sie würden dieses Team schnappen, das stand außer Frage! Vor allem
da sie... - Elijah's Mund klappte auf, als er die Elfe in ihrer Mitte erkannte.
Sie hatten diese Pink bei sich! Die Person, nach der die Fürstin wohl offenbar
jahrelang gesucht hatte und die sie nun vor kurzem endlich in ihre Gewalt bringen
konnte!!! Wood gab ein Würgen von sich - er war erledigt!
Ardeth's Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als er erkannte,
daß diese Eindringlinge seinen Ryan bei sich hatten. Oh verdammt, wie
hatte er ihn einfach so ungeschützt zurücklassen können. "Halte
sie auf!" zischte er in Elijah's Ohr. "Und ich schwöre dir, wenn
meinem Haustier etwas passiert, ziehe ich dir die Haut ab!"
Sie sahen beide gebannt zu, wie die Truppe aus dem Versorgungsschacht kletterte
und sich dem Ausgang näherte. Die Wachen hoben sofort ihre Waffen, aber
einer der Truppe, zog sofort den bewußtlosen Ryan an sich und hielt ihm
eine Pistole an die Schläfe. Ardeth Hand verkrallte sich in Elijah's Schulter
und die scharfen Krallen, die er instinktiv ausfuhr, bohrten sich warnend in
untotes Fleisch.
Elijah's Finger flogen über verschiedene Knöpfe und
aktivierten ein Comgerät. "Nicht schießen." beeilte er
sich dem Hauptmann der Südwache mitzuteilen. "Ihr dürft den blonden
Jungen und die Elfe auf keinen Fall verletzen, ist das klar?!" Mit Zittern
hörte Elijah, wie der Hauptmann seinen Befehl sofort weitergab und die
Wachen jetzt unschlüssig auf die anderen Mitglieder des Teams zielten.
Auf dem Monitor konnten Ardeth und er mitverfolgen, wie einer der dunkelhaarigen
Jungen den Wachen aufgeregt etwas zuschrie und seine Pistole fester gegen Ryan
drückte. Der Hauptmann meldete sich erneut. "Herr, sie sagen sie töten
den Blonden, wenn wir sie nicht durchlassen." Es war unerhört, unglaublich,
ja es war geradezu lächerlich auf diese Forderung einzugehen!
Plötzlich schlich sich ein böses Grinsen auf Elijah's Gesicht, als
ihm eine Idee kam, wie er sich noch mal ohne allzuviele Kratzer aus diesem ganzen
Schlamassel herausziehen konnte. Und der Schlüssel dafür war sein
'lieber Freund' Ardeth!
Mit einem unschuldigen Gesichtsausdruck drehte er sich zu dem Vampir herum und
setzte einen bedauernden Blick auf. "Es tut mir leid, my Lord, aber ich
kann für euer kleines Hündchen leider nichts mehr tun. Seht selbst
- sie haben die elfische Gefangene der Fürstin, die darf ich doch nicht
entkommen lassen!" säuselte er mit schleimiger Stimme hinterhältig
weiter.
"Natürlich könnte man es als Mißgeschick tarnen, wenn Euch
denn so viel an eurem Spielzeug liegt..." bot er wissend lächelnd
an. "Ich wäre unter Umständen bereit Euch zu helfen, doch darf
ich es nicht riskieren, den Unwillen der Fürstin auf mich zu ziehen."
Er tat als würde er überlegen, innerlich über den zornigen Ausdruck
auf Ardeth's Gesicht lachend.
"Es wäre gut," fuhr er langsam fort, "wenn es so aussehen
würde, als ob das Ganze einzig und allein der Fehler der Wachleute gewesen
wäre, und Harry's natürlich - ich werde ihn dafür gehörig
bestrafen, das versichere ich Euch - dann würden vielleicht nur ein paar
unwichtige Köpfe rollen und *wir beide* blieben unbeschadet. Die Fürstin
wäre wahrscheinlich äußerst ärgerlich, aber diese Pink
läßt sich schon wieder einfangen, da bin ich mir sicher. Allerdings
brauche ich Eure unterstützende Aussage in dieser Sache. Die Fürstin
hört auf Euch... nun? Was sagt ihr Ardeth? Wieviel ist Euch das Leben dieses
hübschen blonden Jungen wert?"
Lange, scharfen Krallen bohrten sich noch tiefer in Elijah's
Schulter. "Das werdet Ihr noch bedauern." wisperte Ardeth, aber ihn
blieb keine andere Wahl. Ein Leben ohne Ryan? Das konnte er nicht ertragen.
Er durfte Ryan nicht in Gefahr bringen, und wenn es ihn seinen Stolz kostete.
"Ihr werdet herausfinden, wohin sie ihn bringen. Und Ihr werdet ihn zurückholen.
Oder Ihr werdet lernen, was Schmerzen sind." Er ließ seine Drohung
in Elijah's Verstand sinken und seine nachtschwarzen Augen durchbohrten die
des anderen Vampires.
Erst als er sicher war, daß Elijah ihn wirklich verstanden hatte, hüllte
er sich in Schatten und löste sich dann auf. Mit dem Verhör des Elfen-Jungen
wollte er nichts zu tun haben. Er verabscheute die typische vampirische Grausamkeit.
Und Elijah würde es wahrscheinlich noch Spaß machen. Von Elijah unbemerkt,
blieb er hinter dem Stuhl des Sicherheitschefs stehen. Es konnte dennoch nicht
schaden, ihn noch im Auge zu behalten.
Wood lachte innerlich aus vollem Halse. Oh, wie er es genoß
den anderen Vampir so verzweifelt zu sehen! Elijah schüttelte den Kopf
- wie konnte man sich für ein Haustier nur so sehr erniedrigen? Der junge
Vampir grinste. Ardeth war sogar vom herablassenden 'Du' zum 'Ihr' gewechselt,
als er mehr oder weniger um das Leben des Jungen gebettelt hatte. Auf seine
eigene würdevolle Art. Und selbstverständlich nicht, ohne noch eine
elegante Drohung einzuflechten.
Die sollte er jedoch besser ernst nehmen, der Vampirlord war nicht zu unterschätzen.
Elijah würde in Zukunft noch vorsichtiger sein müssen was Bey anging.
Doch im Moment war er der Sieger in dieser Runde und das erregte ihn sehr. Sein
Blick fiel auf den blonden Elfen, der immer noch zu seinen Füßen
lag, und er lächelte.
"Laßt das Team durch." befahl er dem Hauptmann am Tor. "Niemand
von euch schießt oder versucht sie aufzuhalten, verstanden?" Die
Stimme des Hauptmanns klang verunsichert. "Aber Herr, wir..." Elijah
knurrte. "Das ist ein Befehl. Tut was ich euch sage." bellte er und
sah den Menschen ängstlich zusammenzucken. Nur kurz darauf schloß
sich das Tor wieder hinter den fünf Jungen Leuten, die Elijah nun mühsam
wiederzufinden hatte.
Aber Wood gedachte die Sache so angenehm wie möglich zu gestalten. Langsam
stand er von seinem Stuhl auf und ging zu der immer noch bewußtlosen Gestalt
des blonden Elfen hinüber. Elijah strich genießerisch durch die zersausten
Locken, als er dessen hübsches Gesicht betrachtete. Oh ja, genau der richtige
Ausklang für solch eine Nacht.
War es nicht wunderbar, wenn sich Arbeit so angenehm mit Vergnügen verband?
Aus seinem Schlafzimmer drang ein leichtes Wimmern und Elijah verzog die Lippen
zu einem bösen Lächeln. Ach ja, da war doch noch was. - Sein kleiner
Mitternachtshappen meldete sich genau zur rechten Zeit zu Wort... Eine kleine
Stärkung würde ihm sicher gut tun, bevor er sich 'an die Arbeit' machte.
Noch ein letztes Mal liebkosend durch das Haar des Elfen streichelnd, erhob
er sich in einer einzigen fließenden Bewegung und ging wie gebannt dem
erregenden leisen Wimmern nach; über seine sich hervorschiebenden Fänge
huschte flackerndes Neonlicht...
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