"SubMission"
Teil 7
by Beryll & Vagabond
Essence of life
flowing
flowing freely
from my veins
Dark blood
clouding my vision
bright red
grant me eternity
before I die
Hold me
in a thorny grasp
let me suffer
make me feel
make me feel alive
Curse me
with your affection
take me
to the other side
Gazing out
forever gazing out
through crimson prison bars
watching
waiting
despairing
there is no salvation
for the damned
dare I hope?
*****
Sean langweilte sich. Ganze drei Tage lang war er nun schon
im Matrix, um diesen 'Viggo Mortensen' im Auge zu behalten, und während
all der Zeit hatte Trinity ihn kaum eines Blickes gewürdigt. Ständig
wuselte sie nur um diesen Viggo herum, dem es anscheinend mittlerweile ganz
blendend ging - kein Wunder bei dieser sorgsamen Pflege! Sean knurrte.
Er hingegen wurde nur von einer Ecke in die nächste geschoben, auf einen
Sessel verfrachtet oder 'zum Aufpassen' vor die Tür gestellt. All das,
damit er nicht störte bei... was auch immer die beiden da trieben!
Der Elf spürte, wie Eifersucht in ihm zu brodeln begann. Es war doch
nicht zu fassen, daß Trinity so einen Weichling ihm vorzog! Sean lachte
gehässig. Er hatte den dunkelhaarigen Typen gesehen. - Ein schwächlicher
Mensch, nichts weiter. Was fand sie nur an dem? Und das, wo er selbst doch
diesmal über alle Maßen gut aussah! Er wußte, daß sie
dieses Hemd an ihm liebte... Sean hatte seinen ganzen Charme ausgespielt,
Trinity umgarnt, ihr schmeichelhafte Komplimente gemacht, sogar Blumen geschenkt!
Nichts! Mit einem eisigen Lächeln hatte sie ihn jedes Mal stehen lassen,
um 'nach ihrem Gast zu sehen'.
Würdevoll erhob sich Sean von dem Sessel, auf dem er die letzten vier
Stunden in schweigendem Brüten verbracht hatte, und trat dann einmal
heftig dagegen. Der Stuhl flog durch's ganze Zimmer, um schließlich
mit einem lauten Krachen und seltsam verrenkter Mechanik in einer Schrankwand
hängen zu bleiben. Sean strich sich durch's Haar und glättete sein
Hemd. Das hatte gut getan... Er wünschte sich nur, er könnte das
Ganze mit diesem Viggo Mortensen wiederholen.
Ein Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. <Warum eigentlich nicht?>,
dachte er bei sich. Offensichtlich war der Kerl zu nichts mehr zu gebrauchen,
sonst hätte Mutter schon nach ihm verlangt. Und hatte ihre Anweisung
nicht in etwa so gelautet – „Wenn er zu große Schwierigkeiten
macht, beseitige ihn."? Er mußte es Mutter ja nicht auf die Nase
binden, daß diese Schwierigkeiten seine Beziehung zu Trinity betrafen.
Der Elf lächelte zufrieden.
Er versuchte, sich nichts von seiner Vorfreude anmerken zu lassen, als Trin
mit einem kurzen "Ich hab einen wichtigen Termin, aber es dauert nicht
lange" an ihm vorbeirauschte und ihn zum zigsten Mal in den vergangenen
Tagen einfach so stehen lies. Doch diesmal lachte er beinahe, als er die Wut
und Enttäuschung darüber in sich aufsteigen fühlte.
Sean wartete gerade noch ab, bis sie auf ihren langen Beinen den Gang hinunter
gegangen und außer Sichtweite war, und öffnete dann die Tür
zum 'Gästezimmer'.
Der Eingangsraum war in diffuses Neonlicht getaucht, das von den langen Röhren
an der Decke ausgestrahlt wurde. Sean ging leise weiter zum Schlafzimmer,
dessen Tür leicht angelehnt war, und trat in den spärlich beleuchteten
Raum. Sorgsam schloß er die Tür hinter sich wieder und drehte sich
zu dem Bett um, auf dem der Mensch lag.
Viggo hörte, wie jemand den Raum betrat, aber er schaffte es nicht, den Kopf zu heben, um zu sehen, wer es war. Wahrscheinlich wieder nur einer von den Wachleuten, die nachsehen wollten, ob er auch brav war. Als wenn er irgendetwas tun könnte! Er wußte, daß sie ihm Drogen ins Essen mischten. Und wahrscheinlich war auch etwas im Wasser. Um ihn friedlich und kooperativ zu halten. Um dafür zu sorgen, daß er nicht klar denken konnte. Und wenn er doch einmal anfing zu neugierige Fragen zu stellen, kam seine bezaubernde Kerkerwärterin vorbei, lächelte ihn liebenswürdig an und verabreichte ihm noch eine zusätzliche Spritze. Er hatte sich fest vorgenommen, über Flucht nachzudenken. Aber bisher hatten sie ihn sehr wirkungsvoll daran gehindert.
Betont langsam ging der Elf zu dem Bett und sah auf den Menschen hinab. - Er sah erbärmlich aus. Bis oben hin zugedröhnt mir Drogen, die tiefe Ringe unter bemerkenswert blauen Augen hinterließen. War es das, was sie an diesem Viggo mochte? Seine Augen? Nun ja, er konnte sie ihr ja übriglassen, lachte er böse in sich hinein. Seine Hand griff nach dem langen dunklen Haar und er packte es fest, um den Kopf des anderen nach oben zu ziehen. Sean brachte sein Gesicht bis auf wenige Zentimeter vor das des anderen und zischte dann giftig "Hast du sie gefickt?"
Das Gesicht vor ihm drohte immer wieder zu verschwimmen, aber Viggo war sich doch ziemlich sicher, daß er diesen Elfen bisher nicht gesehen hatte. "Gefickt...? Wen...?" Was wollte dieser Typ von ihm? War er überhaupt real oder nur eine Halluzination? Wahrscheinlich eher letzteres. Immerhin behandelten seine Bewacher ihn immer ausgesucht höfflich. Und dieser zog an seinen Haaren. Viggo hob abwehrend die Hände und versuchte sich aus dem Griff dieser gewalttätigen Wahnvorstellung zu befreien.
Sean lachte rauh. "Hältst du mich für blöd? Trinity natürlich, wen sonst. Ob du deinen kleinen erbärmlichen Schwanz auch noch in Bill dem Wachmann versenkt hattest, interessiert mich nicht." Der Elf schlug die erhobene abwehrende Hand des anderen beiseite und packte dessen Haare nur noch fester. Er genoß die Verwirrung und Panik, die er in dem Kerl hervorrief - Angst war so ein süßer Duft...
Viggo wußte beim besten Willen nicht, was dieser Kerl von ihm wollte, aber langsam kam er zu dem Schluß, daß er wohl doch real war. "Trinity?" brachte er mühsam hervor. "Wieso sollte ich..." Das Wort 'ficken' wollte ihm einfach nicht noch mal über die Lippen kommen. "Wieso sollte ich mit ihr schlafen...?" Was für ein verwirrender Gedanke. Seine Fantasie gaukelte ihm Bilder einer nackten Frau vor, die in etwa die Proportionen seiner Gastgeberin hatte, und zu seinem Entsetzen stellte er fest, daß er den Anblick durchaus als anregend empfand. "Lassen Sie mich los!" verlangte er kläglich.
Mit einem genervten Grunzen ließ Sean den Mann los, dessen Kopf schwer zurück auf das Kissen platschte. Natürlich würde dieses Stück Shit nichts zugeben. Das beste wäre sich gar nicht lange mit ihm aufzuhalten, sondern gleich kurzen Prozeß zu machen. Der Elf beschloß, daß dies wohl die beste Lösung war und seine eleganten weißen Finger griffen nach dem Hals des Mannes, legten sich leicht um die Kehle, und er beugte sich langsam hinab...
Panik. Unerklärliche plötzliche Panik. Viggo kannte dieses Gefühl, diese Bewegung. Irgendetwas in ihm versuchte mit aller Kraft ihn zu warnen und aus ihm bisher unbekannten Kraftreserven zehrend, stieß er den Elf zurück und versuchte verzweifelt vom Bett zu entkommen. Mit dem blinden Instinkt eines Tieres, daß versucht einem Raubtier zu entkommen, wich er zurück, trat gleichzeitig nach dem Angreifer, von dem er jetzt ganz sicher wußte, was er war, was er wollte.
Es war nur der Bruchteil einer Sekunde und Sean hatte seine
Balance wiedergefunden, er strauchelte nicht einmal. Seine grünen Augen
funkelten unheimlich, als würde ein inneres Licht sie erleuchten, wie
reinste Smaragde... Er knurrte leise und drohend und dann lachte er. Weiße
Zähne blitzten neben roten Lippen und die spitzen Eckzähne schienen
immer noch ein wenig weiter zu wachsen, schoben sich Millimeter für Millimeter
aus dem Fleisch das sie sonst verbarg. Es war beinahe obszön.
"Du kannst nicht entkommen." schnurrte er, "Gib auf."
Sean würde es niemals zugeben, aber es erregte ihn stets aufs Äußerste
'zu jagen'. Wenn das Opfer sich wehrte, wenn er seine Angst roch, seine Verzweiflung...es
machte das Blut so süß und schwer... Der Elf leckte sich langsam
über die Lippen...
'Ich hab's gewußt!' schrillte die Stimme in Viggo's Kopf. 'Ich hab's gespürt!' Er zwang seine drogenschweren Gliedmaßen, ihm zu gehorchen und brachte zumindest die Fläche des Bettes zwischen sich und den Vampir. Verzweifelt suchten seine Augen den Raum nach irgendeiner Waffe ab und fanden natürlich nichts. Um Hilfe schreien? Lächerlich! Niemand würde kommen, um ihm zu helfen. Wenn er nicht selbst einen Ausweg fand, würde er sterben. Der Gedanke gab ihm weitere Kraft. "Ich habe diese Frau nicht angerührt." versuchte er es mit Vernunft, während er weiter zurückwich. "Verschwinde!" Er kam sich selbst erbärmlich vor, aber was konnte er sonst tun, in seinem Zustand?
Sean's Augen verengten sich zu Schlitzen, als er sich ganz
auf den Mann vor ihm konzentrierte. Ihn roch, seine panischen plumpen Bewegungen
verfolgte, sich an seinem Anblick labte - wie ein Kaninchen das sich ängstlich
in seinem Bau zusammenkauert... Der Vampir legte seinen Kopf ein wenig schief
und lauschte auf das Pochen und Rauschen von Blut, das durch die Venen seines
Opfers strömte, das Geplapper des Mannes störte ihn dabei.
"Sei still.", zischte er. "Es spielt keine Rolle mehr. Du stiehlst
ihre Aufmerksamkeit und das ist genug. Du bist lästig. Ich werde dich
jetzt töten. Wenn du artig bist, verspreche ich dir auch ganz sanft zu
sein..." Die Lippen des Elfs kräuselten sich zu einem gemeinen Lächeln.
Mit einer fließenden Bewegung schnellte er nach vorn und fiel wie ein
Schatten auf dem anderen nieder. Seine Hände ergriffen die zur Gegenwehr
erhobenen Arme des anderen und drückten sie mit spielerischer Leichtigkeit
nach unten. Grausamkeit war in seinen Augen als er die Handgelenke des anderen
packte und sie in einen harten schmerzhaften Griff nahm. "Nun, Viggo?
Wirst du ein braver Junge sein?" fragte er neckend und biß einmal
spielerisch in die Schulter des Mannes, wo entblößte Haut unter
einem verrutschten Hemd hervorschimmerte.
Viggo hatte ganz sicher nicht vor, ein 'braver Junge' zu sein. Er wehrte sich mit aller Kraft, als der Vampir ihn niederdrückte. Natürlich hatte er nicht die leiseste Chance gegen die übernatürliche Kraft seines Angreifers. Der Elf hielt seine Handgelenke mit einer Hand über seinem Kopf fest und grinste auf ihn herunter. Als Viggo versuchte nach ihm zu treten, ließ er sich schwer auf Viggo's Brust fallen und nahm ihm die Luft. "Nein!" Es war das einzige, was er noch herausbringen konnte. "Nein, laß mich los, NEIN!"
"Nein?" amüsiert zog Sean seine Augenbrauen
hoch und musterte den Mann unter ihm. Diesmal waren ihre Gesichter nur Millimeter
voneinander entfernt. Der Elf mußte zugeben, daß die Augen des
Menschen ihn faszinierten. Irgendetwas war besonders an ihnen, an diesem Mann...
Er versuchte den Blick des anderen zu fangen, aber der wich ihm aus. <Weiß
er, daß manche von uns hypnotische Kräfte besitzen?> dachte
er still bei sich. Er selbst verfügte nur in geringem Maße über
diese Fähigkeit und er setzte sie selten ein. Er bekam auch so was er
wollte.
Sean beugte seinen Mund zum Hals des anderen und leckte rauh und heiß
über die pulsierende Ader voller Leben. Das verzweifelte Keuchen des
anderen erregte ihn. Das Bedürfnis seine Zähne in ihm zu vergraben
war überwältigend, aber er wollte noch ein wenig spielen. Zu lange
hatte er auf diesen Moment warten müssen.
Das Hemd des Menschen störte jedoch. Mit einer Hand weiterhin die Handgelenke
des Mannes festhaltend, begann er mit der anderen, einen Knopf nach dem anderen
zu öffnen. Die schweißglänzende Haut, die unter dem Stoff
zum Vorschein kam, war wie ein Versprechen.
Seine Hand fuhr darüber und als er die salzigen Tropfen auf seiner eigenen
kühlen Haut spürte, gab er dem plötzlichen Impuls nach und
leckte sie von seiner Handfläche. <Mehr!> Seine Zunge glitt gierig
über die Haut des anderen, die spitzen Enden seiner Zähne hier und
dort erneut hineinbohrend, bis Schweiß sich mit Blut vermischte und
zu einem wahren Festmahl wurde. Die Drogen im Kreislauf des Mannes taten ihr
übriges, um die Sinne des Vampirs zu berauschen.
Hilflos wand sich Viggo unter den perversen Liebkosungen des Vampirs. Selbst wenn er nicht halb betäubt von den Drogen gewesen wäre, hätte er keine Chance gehabt. Das Monster war einfach zu stark. Eiskalte Angst hielt sein Herz im Griff und das Gefühl der Hände, die ihn festhielten, wurde plötzlich überlagert von der Erinnerung an andere Hände, die ihn niederhielten. Seine erneute Wehrlosigkeit ließ die vergrabenen Erinnerungen an das, was die Vampire in seiner Wohnung mit getan hatten, aufsteigen. Zeigte ihm, wie sie ihn benutzt hatten, wie sie sich seines Körpers bemächtigt hatten zu ihrem Vergnügen. Mit einem gequälten Schluchzen preßte er sein Gesicht gegen seinen Arm und versuchte, zu verdrängen, was mit ihm geschah, was der Vampir ihm antat.
Sean fühlte sich plötzlich seltsam lebendig für einen Vampir. Er konnte jeden einzelnen Tropfen Blutes fühlen, wie er heiß durch seine Venen floß, seinen kalten Körper erweckte. Mmm, das fühlte sich unglaublich gut an. Dieser Mensch war wirklich außergewöhnlich, sein Blut schien unglaubliche Kraft zu besitzen, oder ob es die Drogen in seinem Blut waren, die dieses Gefühl hervorriefen? Ja, das musste es sein... Beinahe unbewußt begann er sich an dem Körper unter ihm zu reiben, ihn näher an sich zu pressen. Das Verlangen sein Opfer intensiver zu spüren wurde übermächtig. Seine eigene kühle Haut sehnte sich nach Wärme und er griff nach seinem Hemd um es ebenfalls zu öffnen, Knöpfe rissen, als die Finger des Vampirs ungeduldig daran zerrten. Endlich klaffte der Stoff auseinander und mit einem befriedigten Stöhnen ließ der Elf seine Haut über die des anderen gleiten, während sein Atem heiß und verlangend über den Hals des Menschen strich.
Noch einmal bäumte sich Viggo gegen den anderen auf,
versuchte mit aller Kraft zu entkommen und wieder umsonst. Er konnte seine
Hände inzwischen schon nicht mehr spüren, so fest war der Griff
des Vampirs. Der schien von Viggo's Verzweiflung nur immer weiter angetrieben
zu werden. Als er sich in all seiner unnatürlichen Kälte gegen Viggo
presste, wimmerte der. "Bitte... nicht... oh Gott, nein... bitte... laß
mich gehen..." Aber der Vampir dachte gar nicht daran. Statt dessen zerrten
seine gierigen Finger weiter an Viggo's Kleidung.
'Laß es eine Ende haben' flehte Viggo zu Gott. 'Laß ihn mich endlich
töten!' Tränen rannen über sein Gesicht und sein ganzer Körper
zitterte vor instinktiver Angst.
Sean lächelte sarkastisch. "Gott? Gott schaut nicht
auf diese Stadt. Glaub mir, ich weiß es..." Er preßte seine
Lippen erneut gegen die zarte Haut des anderen, biß hinein, ließ
wieder los, biß wieder zu, noch stärker diesmal... Oh, warum hatte
er das vorher noch nie ausprobiert? Von jemandem zu trinken der high war...
natürlich absorbierte sein Vampirkörper die berauschenden Substanzen
viel zu schnell... er mußte mehr trinken... ja...
Beinahe gewaltsam riß er sich von dem Menschen unter ihm wieder los.
Wenn er sich nicht zusammenriß, würde es nur allzu schnell vorbei
sein. Sean aber wollte, daß es andauerte. Der andere hatte Bestrafung
verdient!
Er schaute sich den Mann genauer an, wie er wimmerte und weinte - zu sagen,
daß es ihn befriedigte, ihn so zu sehen war noch stark untertrieben...
Seine Hände fuhren durch Viggo's Haar, in einer fast zärtlichen
Geste, spielten mit den Strähnen und vereinzelten Locken. Oh, ihm war
ein böser Gedanke gekommen, als er den anderen so verzweifelt sah. -
Hatte Mutter da nicht was erwähnt? Über die ‚Verletzungen'
die die Vampire Viggo Mortensen zugefügt hatten? Sean grinste höhnisch.
Kein Wunder, daß der Mann bei seinem Anblick dermaßen abdrehte!
Sean's Lächeln wurde sehr böse und raubtierhaft.
„Haben sie dir wehgetan, mein Süßer?", flüsterte
er mitleidig in der verdrehten Parodie eines besorgten Liebhabers. "Sag
mir wie es war." stöhnte er leise, "Hast du es heimlich genossen,
hm? Gefickt zu werden von einem Vampir?" Und der Elf leckte rauh über
die bebenden Lippen von Viggo.
Mit einem angewiderten Wimmern drehte Viggo den Kopf zur Seite, um der Berührung zu entkommen. 'Er weiß es, oh Gott, er weiß es' seine Gedanken drehten sich in panischem Selbstekel im Kreis. In die Angst und Verzweiflung mischte sich jetzt auch noch namenlose Scham und er spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg und sich gleichzeitig sein Herz schmerzhaft zusammenzog. "Nein!" flüsterte er. "Nein, es... oh Gott... bitte... es war entsetzlich!" Die Worte brachen aus ihm heraus, obwohl er sie nicht hatte sagen wollen, sich noch mehr vor diesem Ungeheuer entblößend. Neue Tränen stiegen in ihm auf und mischten sich mit seinem Blut.
Der Elf betrachtete den Körper unter sich. Eigentlich hatten ihn Männer nie besonders interessiert - in sexueller Hinsicht. Aber das hier war was anderes. Er wußte, er konnte den anderen damit demütigen, wenn er ihn jetzt vögelte. Und das war es ihm wert. Und nebenbei gesagt, war der Körper dieses Menschen eigentlich gar nicht so unattraktiv. Die festen Muskeln, die glatte Haut, selbst das Gesicht war ziemlich hübsch für einen Menschen. Nicht zu vergessen - sein Blut würde schon für den nötigen Kick sorgen! Sean's kalkulierender Blick glitt zu den Knöpfen an Viggo's Hose und entschlossen wanderten seine Finger über den Brustkorb des anderen bis zu dessen Hosenbund.
Er hätte wissen müssen, daß der Vampir ihn nicht einfach töten würde. Das taten sie nie. Sie genossen es, ihre Opfer erst zu quälen, mit ihnen zu spielen. Und dennoch war es ein eisiger Schock für Viggo, als der Vampir seine Hose öffnete und dann mit einem harten Ruck nach unten zog. Er hatte das Gefühl, daß sein Herz mehrere Schläge aussetzte, und als es anfing wieder zu schlagen, fühlte er sich kalt und leer. Sein Wimmern war zu einem trockenen Schluchzen geworden. Er hörte endgültig auf sich zu wehren und lag einfach nur noch da, in sein Schicksal ergeben. Selbst als sich die eisigen Finger des Vampirs höhnisch um sein Glied schlossen und anfingen es zu reiben, reagierte er nicht. Seine Verzweiflung hatte sich wie eine betäubende Decke über ihn gebreitet.
Es fühlte sich gar nicht mal so schlecht an, den Schwanz des Menschen in der Hand zu halten. So warm, so pulsierend, voller Leben. Es ärgerte Sean, daß Viggo sich offensichtlich alle Mühe gab, seine Zuwendungen zu mißachten. Niemand ignorierte *ihn* beim Sex! Er hatte kein Interesse daran, dem Menschen Vergnügen zu bereiten, aber er wollte zumindest eine Reaktion provozieren. Und dann wollte er wissen, wie es wohl war, wenn er... er senkte seinen Mund zu Viggo's Glied. Einen Moment zögerte er, dann zog er seine Reißzähne über den unter seinen Händen hart werdenden Schaft. Er tat es sanft und ohne Hast, aber schmerzen mußte es wohl trotzdem, sonst würde der Mensch ja nicht so schreien, dachte er bei sich, als er mit seiner rechten Hand den sich aufbäumenden Körper des Mannes zurück auf's Bett drängte.
Wieder kämpfte Viggo mit aller Macht gegen den schweren Körper an, der ihn niederdrückte. Der Schmerz war einfach unglaublich. Er schrie so laut, daß seine eigenen Ohren schmerzten. Aber egal was er tat, nichts brachte den Vampir dazu aufzuhören. Im Gegenteil. Das Monster schnurrte zufrieden und begann das Blut von Viggo's Glied zu lecken. Es war so unglaublich abstoßend, daß Viggo einfach nur in irrsinniger Angst und Wut den Kopf zurückwarf und schrie.
Hatte jemals etwas so gut geschmeckt? Sean konnte es nicht
sagen. Seine Zunge glitt gierig über das feste Fleisch von dem das Rot
wie Wasser tropfte. Er schluckte und stöhnte in Leidenschaft. Sein Speichel
heilte die aufgerissenen Wunden schnell und er riß neue, um an mehr
von diesem kostbaren Saft zu kommen. Der Geschmack von Schwanz und Blut raubte
ihm die Sinne. Er merkte gar nicht, daß er das Glied des anderen jetzt
schon völlig im Mund hatte und wild daran saugte <Mehr!> war alles,
was er denken konnte, <Mehr.> Als der Lebenssaft des anderen seine Adern
füllte, regte sich auch Sean's eigenes Glied begehrlich. Bald schon konnte
er dessen Drängen nicht mehr ignorieren. Seine Augen glühten, als
er den Kopf wandte, um Viggo anzuschauen.
Er knurrte und seine Muskeln spielten, als er langsam und angespannt wie ein
Raubtier auf dem Sprung, über das Bett kroch, bis sein Gesicht Viggo's
berührte. Er versuchte, in den Augen des anderen zu lesen und war zufrieden
mit dem was er dort fand. Er nahm das Kinn des Mannes in einen harten Griff
und preßte dann seine bluttriefenden Lippen auf die des Menschen..
Als der Vampir endlich Viggo's Glied losließ und der unsägliche Schmerz abnahm, fühlte Viggo für einen Moment nichts als Erleichterung. Der Vampir hielt ihn nicht mehr auf das Bett gedrückt, aber Viggo hatte auch keine Kraft mehr, sich zu wehren. Er hatte zuviel Blut verloren. Als die brennenden grünen Augen erneut über ihm auftauchten, starrte er nur leer und ohne wirkliches Verständnis hinein. Und als der Vampir sich zu ihm herunter beugte, seinen Mund plünderte, wehrte er sich nicht. Ließ es einfach über sich ergehen. Eine winzige Stimme ihn seinem Kopf weinte noch immer leise, aber der Rest von ihm war weit jenseits von Schmerz und Erniedrigung. Er konnte nicht mehr. Es war einfach zu viel. Zu viel...
Der Vampir spürte, daß sein Opfer stark geschwächt
war, er wußte, daß Viggo ihm nicht mehr viel entgegenzusetzen
hatte und das kühlte seinen Jagdtrieb. Kalt und ausdruckslos starrten
die funkelnden Augen des Elf's in die mitternachtsblauen von Viggo.
Es waren diese Augen, die ihn von Anfang an fasziniert hatten, das Feuer,
das in ihnen brannte und jetzt verloschen schien. Er legte seinen Kopf schief
und betrachtete sich selbst in diesen Augen. - Es war eine alte Legende, daß
Vampire sich nicht im Spiegel betrachten konnten und Sean dachte sich, das
es eine Erleichterung wäre, wenn es nur stimmen würde. Doch wie
von einem inneren perversen Zwang getrieben, blickte er jedesmal in die Augen
seiner Opfer, um sich darin wiedergespiegelt zu finden. Sich, 'das Monster'.
Von seinen Fangzähnen troff immer noch Blut. Es rann über weiße,
fast durchscheinende Haut und machte ihn zu einem Bild des Schreckens. Seine
Schönheit in verdrehtem Kontrast dazu.
War das der Grund, daß sie einst ihn erwählt hatte? Sie, seine
'Mutter', seine Herrin. Die Frau die ihm sein sterbliches Leben nahm vor so
vielen Jahren, und ihn dafür mit der ewigen Nacht beschenkte. Hatte sie
ihn gewählt, weil sie wusste wie grausam es war, wenn Tod und Schrecken
in schöner Gestalt kamen? Sie, die selbst so schön war, das er manchmal
dachte sie würde nur deshalb in Finsternis leben, weil das Morgenlicht
den Vergleich mit ihr scheute.
Es war so lange her, daß er sterblich war, wie dieser hier. So schwach
und hilflos, aber so unendlich lebendig. Das Biest, das in ihm tobte, hatte
ihm jede Menschlichkeit genommen. Trieb ihn nicht nur dazu zu töten,
sondern auch es zu genießen. Schuldgefühle kannte er nicht mehr.
Er konnte in die leeren geweiteten Augen seiner Opfer sehen und nichts empfinden...
Doch diesmal war es anders. - Plötzlich griff die Leere dieser Augen
auf ihn über, nahm ihn gefangen... tiefblaue Augen wurden zu Seen reinster
Schwärze, zogen ihn hinunter in ein Meer voller Schrecken... Qual...
Schmerz durchfuhr ihn, heiß und brennend, schien etwas in ihm zu verzehren,
weckte dafür etwas anderes in seinem Inneren auf... Sean schrie voller
Entsetzen, bäumte sich auf unter dem mentalen Ansturm von Qual, wollte
sich abwenden, wollte sich von dem Menschen unter ihm abstoßen, doch
die Augen hielten ihn gefangen... <Was... was passiert nur mit mir?...>
Angst überkam ihn, gemischt mit Schuld und Scham, Gefühle, die er
doch schon lange nicht mehr kannte und die plötzlich mit aller Macht
auf ihn einstürzten und Besitz von ihm ergriffen. Sie verwirrten ihn,
schmerzten, oh sie schmerzten so sehr... Er musste es beenden, musste den
Mann töten, der es vermochte ihn so zu quälen. Doch sein Blick...
Sean’s kalte Hand fuhr unsicher über die tränenfeuchte Wange
des Menschen. Viggo, war sein Name, ja... "Viggo..." befahl er,
beinahe flehentlich, „schließ deine Augen."
'Endlich' dachte Viggo und seine Augen fielen zu. Endlich würde es zu Ende sein. Keine Schmerzen mehr. Keine Angst. Er verkroch sich in der schützenden Dunkelheit hinter seinen Lidern, ließ sich ins Nichts fallen. Er stellte sich vor, wie es sein würde, in dieser Finsternis geborgen zu sein. Für immer. Tot sein. Endlich.
‚Nun töte ihn endlich’ zischte das Biest
in ihm, und Sean wollte es tun, ja... Warum nur konnte er es nicht? Ihm war
auf einmal ganz eigenartig zumute, wie er den Mann so daliegen sah, so als
wäre er schon tot.
Nein, er konnte es nicht tun. Konnte den Menschen nicht töten. In ihm
höhnte der Vampir, aber zum ersten Mal seit vielen Jahren hörte
er nicht auf ihn. 'Mensch', spottete die Stimme, doch Sean ignorierte sie.
Ja, vielleicht war es das. Einmal nur wieder wie ein Sterblicher sein, noch
einmal etwas fühlen... Sean spürte es wie eine Verheißung
in seinem Inneren - Das war der entscheidende Punkt. Ließ er diesen
Mann sterben, dann würde das Biest in ihm endgültig siegen. Sean
Bean, der Elf der er einmal gewesen war und der nach all den Jahren so plötzlich
wieder erwachte, wäre für immer gestorben.
Sean’s Finger glitten über Viggo's Wangen, wischten an getrockneten
Tränen, während seine Lippen sanft die des anderen berührten,
beinahe als wolle er ihm Leben einhauchen. "Stirb nicht.", hörte
er sich sagen, "Bitte stirb nicht. Es tut mir leid."
'Leid...' ja, er empfand Leid. Es tat so weh. Tat weh, hilflos
zu sein, tat weh zu verlieren, tat weh aufzugeben, tat weh... Was hatte er
getan, daß er das ertragen mußte, wofür wurde er so bestraft?
Er hatte gedacht, er hätte keine Tränen mehr, aber nun stiegen sie
erneut in ihm auf. Er hatte doch nur versucht, zu helfen, etwas Gutes zu bewirken.
Warum mußte er dafür so leiden? Er spürte, wie seine eigenen
Tränen heiß über sein Gesicht rannen, spürte kalte Lippen
die seine eigenen berührten, ganz leicht nur.
'Es tut mir leid'. Nur langsam brach der Sinn der Worte sich einen Weg durch
die Betäubung, in der er gefangen war. Hatte der Vampir das wirklich
gesagt? Ja. Aber konnte er es auch meinen? Niemals. In einer untoten Kreatur
gab es keine Gefühle, keine Gnade. 'Stirb nicht'. Warum nicht? Damit
er noch weiter leiden mußte? Damit er dem Monster den Spaß nicht
verdarb? Langsam öffnete Viggo die Augen und starrte in die brennenden
grünen Augen, die auf ihn herab sahen. Voller Sorge. Diese Augen waren
nicht kalt, sondern voller Sorge. Das konnte nicht sein.
So blau diese Augen und so strafend, voller Anklage, voller
Haß. Sean erschauerte unter ihrem Blick. Er ertrug es nicht, sich in
ihnen zu sehen - das Monster, den Vampir. Heiße Tränen benetzten
seine kalte Haut und diesmal freute es ihn nicht, daß der Mann weinte.
Diese Tränen nagten an ihm, tauten das Eis in ihm auf, und das tat weh.
Er wich von dem Menschen zurück, als bereite ihm schon dessen bloße
Berührung Schmerzen; bis ans Ende des Bettes kroch er und dort kauerte
er sich zusammen. Überrascht und entsetzt griffen er in sein Gesicht
als er dort warme Flüssigkeit spürte... und er schrie, als er erkannte
was es war.
- Dick und dunkelrot rannen sie über sein Gesicht, seine Lippen, klebten
an seinen Fingern... Bluttränen... und sie trugen Viggo's Essenz...
Der Vampir wich vor ihm zurück, als wäre er eine
Gefahr, als könnte er irgendetwas tun, um sich zu wehren. Dabei fühlte
sich Viggo so hilflos wie ein neugeborenes Kind, so ausgeliefert. Verständnislos
sah er die Kreatur an, die am Fußende des Bettes kniete. Seine schneeweiße
Haut, die langen blonden Haare wirr ins Gesicht hängend, Blut verschmiert
auf seinem perfekten Körper, Blut an den Händen, Blut, das über
sein Gesicht rann. Er weinte. Weinte blutige Tränen. Viggo's Blut.
Das alles sah er klar und deutlich und irgendein klar denkender Teil in ihm
teilte ihm mit, daß er mit dem vielen Blut auch die Drogen losgeworden
war. Daß er zum ersten Mal in vielen Tagen halbwegs klar denken konnte.
Und dennoch schien er in einem seltsam unwirklichen Traum gefangen, denn der
Vampir verbarg das makellose Gesicht hinter den Händen. Verbarg die glitzernden
grünen Augen, die plötzlich voller Schmerz schienen.
Viggo versuchte sich aufzurichten, aber seine Arme knickten wieder unter ihm
weg. Er war einfach zu schwach. Nein. Er würde sich nicht fallen lassen
in diese angenehme Dunkelheit. Niemals aufgeben. Das hatte er Pink gepredigt.
Wie konnte er sie jetzt so verraten? Es spielte keine Rolle, was mit ihm geschah.
Er mußte überleben. Mußte ihr helfen. Irgendwie. Vor seinem
geistigen Auge sah er sie - lachend, schimpfend, schlafend. Sie war die Tochter,
die er nie gehabt hatte. Er würde sie nicht verraten. Erneut versuchte
er, sich aufzusetzen und diesmal war sein Wille stärker als sein geschwächter
Körper.
Sean bedeckte sein Gesicht fest mit beiden Händen, er
fühlte immer noch wie die warme Flüssigkeit darüber rann, wie
sie zwischen seinen Finger hindurchtropfte. Es war so entsetzlich. Das Blut
das er dem anderen brutal und gewaltsam genommen hatte - es wich von ihm,
als haßte es seinen Körper, als wollte es mit aller Macht weg von
ihm.
...So viele Seelen, so viele vorwurfsvolle Blicke. Leere Augen die ihn anstarrten...
Sean wimmerte. Ein Vampir durfte nicht fühlen, durfte keine Schuld empfinden,
denn sonst wurde er schwach. Und seinesgleichen tötete die, die schwach
waren. Der Elf weinte hilflos, unfähig die Gefühle zurückzudrängen,
die über ihm hereinbrachen. Er hatte längst verlernt mit ihnen umzugehen.
Wieder glitt Viggo's Blick durch das Zimmer, auf der Suche
nach irgendeiner Waffe. Er mußte die plötzliche unerklärliche
Schwäche des Vampirs nutzen, mußte ihn bezwingen, ehe er sich wieder
fing und erneut über ihn herfiel. Sein Blick blieb an der schweren Nachttischlampe
hängen. Doch dann schüttelte er den Kopf. Damit konnte er einen
Vampir nicht töten. Er hatte sein halbes Leben damit verbracht, Informationen
über die Blutsauger anzuhäufen. Und dieses Wissen sagte ihm jetzt,
daß dieser Vampir alt war. Alt und mächtig. Mit etwas so simplen
wie einem Schlag auf den Schädel, würde er nur erneut Zorn erregen.
Er starrte die wimmernde Kreatur an, die zu seinen Füßen kauerte,
anscheinend immer noch in einer eigenen Welt gefangen. Was mochte ihn davon
abgehalten haben, Viggo zu töten? Er konnte es nicht sagen. Das Verhalten
dieses Vampirs ging mit nichts konform, was er aus seinen Büchern gelernt
hatte. Langsam, noch immer nur von seinem Willen aufrecht gehalten, näherte
er sich dem schrecklich schönen Monster. Was hatte er gesagt? 'Es tut
mir leid.' - Konnte das wirklich sein? Wie seltsam. Sein Kopf fühlte
sich wirr und leicht an, vom Blutverlust, der überstandenen Angst. Ohne
wirklich nachzudenken, was er tat, streckte er die Hand aus und berührte
ganz vorsichtig das blonde Haar, das das Gesicht verbarg. Weich, seidig, unnatürlich
fein und schimmernd...
Aufgeschreckt zuckte Sean bei der Berührung zusammen. Der Vampir in ihm war sofort alarmiert, er knurrte leise. Was tat der Mensch da? Er sollte eigentlich verängstigt sein und geschwächt. Ein Opfer kam doch niemals freiwillig zu seinem Jäger! Er mußte doch Angst vor ihm haben! Sie hatten doch immer Angst... Es war das einzige auf das man sich verlassen konnte, das Gefühl das immer befriedigt wurde - nicht nur körperlich, sondern auch psychisch über einen anderen zu siegen. Es war genau diese Überlegung die Sean verwirrte, ihn beinahe entsetzte. Warum verhielt sich der Mensch nicht so? Er wollte nicht, das der andere ihn so sah. So schwach. "Nicht." flüsterte er. "Sieh mich nicht an."
Wieder reagierte Viggo ohne nachzudenken. Er holte aus und ohrfeigte den Vampir mit der wenigen Kraft, die ihm geblieben war. Und starrte ihn weiter an. Haß und Zorn und Schmerz kämpften in seinem Herz um die Oberhand, hielten ihn gefangen. Während er noch versuchte, einen sinnvollen Gedanken zu fassen, drängten sich bereits Worte aus seinem Mund: "Bastard! Widerlicher Bastard! Du... du... Monster!" Nie zuvor in seinem Leben hatte er sich so erniedrigt gefühlt. Aber er hatte es überlebt. Und nun konnte ihm wirklich alles egal sein.
Fassungslos sah Sean den Menschen an, der es gerade gewagt hatte, ihn zu schlagen. Noch wenige Minuten zuvor hätte er ihn dafür getötet, aber jetzt fühlte er nur Entsetzen. Er duckte den Kopf, als die haßerfüllten Worte auf ihn einprasselten, jedes Wort eine weitere Ohrfeige. Aber noch schlimmer war die Verachtung, die aus dem anderen sprach. Sean wandte den Kopf ab. "Es tut mir leid." flüsterte er immer wieder, gegen die Erschöpfung ankämpfend, die ihn zu überwältigen drohte, "Es tut mir leid."
Der Zorn gewann endgültig die Oberhand in Viggo. Er packte den Vampir bei den Haaren und zwang ihn, ihn anzusehen. "Wag es nicht!" Er wusste selbst nicht genau, was er damit meinte. "Du verdammtes lügendes Ungeheuer! Nichts tut dir leid! DU HAST DOCH GAR KEINE AHNUNG!" Er wußte nicht genau, woher er die Kraft nahm, aber er warf nun seinerseits den Vampir auf's Bett zurück und kniete über ihm, zitternd vor Wut.
'Töte ihn.' zischte das Biest und tobte, um frei gelassen
zu werden. ‚Nimm ihn dir, zeig ihm wie *leid* es dir tut, das du ihn
nicht gefickt hast, daß du seine Kehle nicht mit beiden Händen
aufgerissen hast, um sein Blut zu trinken. Tu es jetzt, Sean, tu es gleich!’
Unbewußt leckte er die blutigen Tränen auf, die seine Lippen berührten.
Ja, es wäre so leicht jetzt nachzugeben, einfach all diese verstörenden
Gefühle hinter sich zu lassen, die nur schmerzten und schwächten.
Aber er konnte es nicht. <Warum nicht?>, dachte er voller Panik, als
er bemerkte, das sein Körper ihm nicht gehorchte, das er sich schwach
und hilflos fühlte. Er mußte weg von hier, die Qual wurde übermächtig
und er wollte ihr nur noch entfliehen.
"Lass mich in Ruhe." befahl er mit unsicherer Stimme, "Du solltest
dankbar sein, daß ich dich am Leben gelassen habe." Müde preßten
sich seine Handflächen gegen Viggo's Oberkörper, um ihn von sich
schieben.
'Laß mich in Ruhe'. Die Worte hallten wie Hohn in Viggo's
Ohren wieder. Hatte er nicht etwas ganz ähnliches zu dem Vampir gesagt?
Hatte der auf ihn gehört? Er schlug die Hände des anderen zur Seite
und packte ihn um die Kehle, total gefangen im Rausch seiner unbändigen
Wut, dem Zorn, der jeden klaren Gedanken auszublenden schien. "Dankbar?"
zischte er. "Wofür? Daß ich jetzt mit dieser Erinnerung leben
muß?" Er beugte sich ganz nahe zu dem Vampir herunter, so daß
der seinen heißen, lebendigen Atem im Gesicht spürte. "Du
glaubst, daß es dir leid tut? Es wird dir noch leid tun!" Er hielt
den Vampir weiter auf's Bett gedrückt, während seine Finger an der
Hose des anderen rissen. Er würde ihm zeigen, wie es sich anfühlte,
so gedemütigt zu werden.
Neue Kraft durchspülte Viggo und er vergaß alles um sich herum,
als sich seine Finger unnachgiebig in die Kleidung des anderen gruben. Tiefblaue
Augen glänzten beinahe schwarz, als alles andere bedeutungslos wurde,
und nichts mehr zu existieren schien, außer dem Drang, den Vampir zu
besitzen...
Sean's grüne Augen wurden weit vor Erstaunen und Schreck.
Nein! Das nicht! Das durfte er nicht zulassen. 'Warum nicht?' lachte der Vampir
in ihm, 'Ist es nicht das, was du willst? Schwächlich sein, wie ein Mensch.
*Vergebung* erlangen. Hier ist deine Vergebung. Demütige dich dafür,
wenn du willst.' Ein Schluchzer preßte sich aus der Kehle des Elfen.
Er wollte sich nicht erniedrigen. Das war gegen seine Natur! Ein Wesen wie
er, war dafür geschaffen zu regieren, zu dominieren. Mutter hatte es
ihm oft gesagt, wenn er an dem zweifelte, was er tat. Was würde sie wohl
sagen, wenn sie hiervon erfuhr?
Verzweifelt wand sich Sean hin und her, aber jede übernatürliche
Kraft schien ihn verlassen zu haben. <Völlig unmöglich...>
Angst überkam ihn, heiß und lähmend, während sein Verstand
noch immer nach einer Erklärung für all das suchte. <Es müssen
die Drogen sein, ja... Warum hatte Mutter ihn nur nie davor gewarnt?>
Allmählich erstarb Sean’s Gegenwehr. Er hatte einen Entschluß
gefasst. Doch niemand durfte es jemals erfahren. Keiner sollte über ihn
lachen. - Er würde es diesem Menschen erlauben, daß er... Eine
einzige Demütigung, um Vergebung zu erlangen, um frei zu werden von dieser
Schuld, diesem Schmerz... büßen, für das was er dem Mann angetan
hatte. Danach würde er es vergessen. Er würde nie wieder an das
denken, was heute hier geschehen war und noch geschehen würde. Er würde
den Menschen einfach vergessen. Vielleicht tötete Mutter ihn ja sowieso,
aber dann war es nicht seine Schuld.
Müde schloß Sean seine Augen und gab auf. Er wusste, was nun folgen
würde.
In gedankenlosem Haß zerrte Viggo an der Kleidung des
Vampirs, zog dann dessen Beine auseinander und drang in ihn ein, ohne eine
Sekunde zu zögern. Er würde ihm alles zurückzahlen, was er
erlitten hatte, würde ihn leiden lassen, so wie er gelitten hatte.
Hart stieß er in den kalten Körper unter sich, freute sich über
das leise schmerzerfüllte Stöhnen, das er aus dem Vampir zwang,
über das Zittern des unterlegenen Körpers. Und dann sah auf das
Gesicht des anderen herunter. Das Gesicht, das immer noch verschmiert war
mit seinem eigenen Blut, das jetzt zur Seite gedreht war, die Tränen,
die aus fest geschlossenen Augen rannen. Er hielt inne in seiner Bewegung,
sein Glied tief in dem Vampir und rang nach Atem, kämpfte gegen die bösartige
Rachsucht in seinem Herzen an.
Wie konnte er das nur tun? Wie konnte er sich genauso grausam gebärden
wie dieses seelenlose Monster? Dieses seelenlose Monster, das versucht hatte,
sich bei ihm zu entschuldigen... Eine Welle der Angst schlug über ihm
zusammen. War er wirklich auch so? Nein, das durfte nicht sein. Der Griff
seiner Hand um die Kehle des Vampirs lockerte sich, statt dessen glitten seine
Finger am Hals des anderen empor, sanft, beinahe liebkosend. Er war schön,
dieser Vampir. Er schob blutverklebte Haarsträhnen zur Seite, strich
dann zärtlich über einen Wangenknochen, um die Tränen aufzufangen.
Sein eigenes Blut. Wie seltsam es so zu sehen.
War es vorbei? Noch immer war der Mensch in ihm, und es tat weh. Sean versuchte es nicht zu beachteten. Die Wunden seines Körpers würden schon bald heilen. Und ein Vampir hatte keine Seele die leiden konnte, nicht wahr? Also war es wohl einzig und allein sein verletzter Stolz, der nun weinte. Doch warum zitterte er dann so? Warum fühlte er sich so elend, so allein? Seine Augen hielt er immer noch geschlossen. Er hatte nicht auch noch mit ansehen wollen, was mit ihm geschah. Unbewußt preßte er sein Gesicht fester gegen die liebkosenden Finger. Er seufzte. So weich diese Berührung, so zärtlich. Kein Schmerz. Neue Tränen quollen aus seinen Augen, und er haßte sich dafür.
Was nun? Er war der Grund für diese Tränen. Daran
bestand kein Zweifel. Aber freuen konnte er sich nicht daran, obwohl es genau
das war, was er gewollt hatte. Den Vampir demütigen. Das hatte er nun
erreicht und er fühlte sich entsetzlich deswegen. Langsam beugte er sich
zu dem Vampir hinunter, berührte ihn nur ganz leicht mit der Nasenspitze.
Er roch nach Blut und für einen Moment spürte Viggo wieder Ekel
in sich aufsteigen. Dann kämpfte er ihn herunter. Es ist dein eigenes
Blut, sagte er sich vor, warum solltest du dich davor ekeln, es fließt
auch in deinen Adern.
Ein weiteres trockenes Schluchzen drang aus dem halb geöffneten Mund
des Vampirs und Viggo stellte ein wenig überrascht fest, daß sich
seine scharfen Eckzähne zurückgezogen hatten. Bevor seine Vernunft
die Oberhand gewinnen konnte, drückte er sanft seine Lippen auf die des
Vampirs und küßte ihn.
Es war absurd, aber im ersten Moment glaubte Sean, der andere wolle ihn beißen. Für einen Vampir war Sex immer mit Blut verbunden, und in diesem Fall war er derjenige, der unterlag. Er wappnete sich schon gegen das Gefühl spitzer Fänge, die durch die Haut seines Halses drangen, als er spürte, wie sich die weichen Lippen des Mannes auf seine legten. Ein Schaudern lief durch seinen Körper und er blieb still liegen, ängstlich, daß nur die kleinste Bewegung von ihm den anderen dazu bringen würde, mit den Zärtlichkeiten aufzuhören und sich wieder seiner eigenen Befriedigung zu widmen. Sean war sich sicher, daß das jeden Moment der Fall sein mußte. Der andere wollte nur spielen, es mußte ja so sein.
Er wehrte sich nicht. Blieb einfach nur liegen und ließ
Viggo tun, was immer er wollte. Wie seltsam. Viggo ließ seine Zunge
sanft über die Lippen des anderen gleiten, dann - mutiger - in den Mund
des Vampirs. Er schmeckte sein eigenes Blut, fuhr mit der Zunge über
die Zähne, suchte nach den scharfen Reißzähnen, die ihm so
weh getan hatten und fand sie nicht.
Ein Schauer der Erregung lief heiß durch seinen ganzen Körper.
Sein Schwanz verlangte verzweifelt nach Aufmerksamkeit, tief in der Kälte
des Vampirs vergraben, aber Viggo hielt seine Lust unter Kontrolle, bewegte
sich nur ein ganz kleines bißchen, um dem anderen nicht noch einmal
weh zu tun. Er löste sich von den Lippen, die nun warm waren von seinem
Kuß. Strich statt dessen zärtlich über das Gesicht, während
er sich langsam aus dem Vampir zurückzog, um dann wieder tiefer in ihn
einzudringen.
Als der Mensch anfing, sich erneut in ihm zu bewegen, wollte Sean seinen Kopf wieder zur Seite drehen, wollte sich wieder abwenden, bis es endgültig vorbei war. Aber Viggo ließ es nicht zu. Die Hände des anderen streichelten sein Gesicht, waren so angenehm auf der Haut, wärmten. Sean fühlte, wie er sich den Händen entgegenreckte, wie er um ihre Aufmerksamkeit zu betteln begann. Er bog seinen Hals durch und seine Lippen öffneten sich halb, als er leise seufzte.
"Sieh mich an!" flüsterte Viggo. Genau das Gegenteil von dem, was der Vampir von ihm verlangt hatte. Er strich mit dem Daumen über die geöffneten Lippen des Vampirs, küßte ihn dann leicht, leckte sein eigenes Blut von den Lippen des anderen. Der Vampir unter ihm drückte ihm seine kalte Haut entgegen und Viggo preßte sich an ihn, um seine Wärme mit ihm zu teilen. Stieß nicht nur in ihn, sondern rieb sich auch an ihm, bis er spürte, daß sich das Glied des anderen zu regen begann. "Öffne die Augen! Sieh mich an!" murmelte er ins Ohr des Vampirs.
Sean zitterte. Die Erregung die nun durch seinen Körper floss, war so anders, so unkontrolliert, als sonst. Es reichte, daß dieser warme feste Körper auf ihm lag. Dieser schöne Körper den er zuvor noch so bewundert hatte, den er hatte benutzen wollen und der jetzt ihn benutzte. Seltsamerweise hatte er plötzlich nicht mehr soviel dagegen. Er wand sich leicht, als das Verlangen in ihm stieg und er wollte, daß der Mann ihn erneut küßte, daß er dessen Zunge in sich spürte wie sie ihm das Blut wieder abrang, das er von ihm gestohlen hatte. Er wimmerte als er Viggo's Forderung hörte. Er konnte nicht in diese Augen sehen... bitte... Widerwillig flatterten seine Lider halb auf, doch er versuchte sofort dem Blick des anderen zu entgehen. "Ich kann nicht.", schluchzte er kläglich.
Viggo hielt das Gesicht des anderen sanft aber bestimmt fest und fing seinen Blick mit seinen eigenen Augen. "Doch du kannst." sagte er, zog sein Glied fast aus dem Vampir, um dann ganz langsam wieder ihn in zu sinken, seine Augen keine Sekunde loslassend.
Und vielleicht war eben das das Schlimmste an dem ganzen
Akt. Dem anderen in die Augen sehen zu müssen. Sich selbst zu sehen,
diesmal so hilflos, so verweint. Zu sehen, wie der andere auch noch Lust in
ihm entfachte, wie er es schaffte ihm all seine Macht zu nehmen und ihn nur
auf dieses fühlende wimmernde Bündel zu reduzieren.
Aber letztendlich lag auch seine Vergebung in diesen blauen Tiefen von Viggo's
Augen, die nun nicht mehr bedrohlich wirkten, sondern eigenartig sanft. Sie
glänzten und strahlten nun wieder, entfacht durch Lust und den Triumph
des Sieges. Viggo's Leben würde weitergehen, ohne daß der Mensch
an dem zerbrach, was Sean ihm angetan hatte. Und das war es doch, was Sean
gewollt hatte, nicht wahr? Ergeben schaute er in die Augen des anderen und
ließ sich von dem durchdringenden Blick erneut gefangen nehmen. Kein
Schmerz diesmal, nur Wärme. Eine Wärme, wie er sie schon lange nicht
mehr gespürt hatte, die er meinte für immer verloren zu haben, verloren
wie so vieles...
So seltsam, diese Augen. Als sie auf ihn herunter geblickt
hatten, waren sie leer gewesen. Wie schöne, glänzende, aber gefühllose
Smaragde. Jetzt waren sie matt und gefüllt mit Emotionen, die Viggo nicht
wirklich identifizieren konnte. Eine andere Art von Leere war es, eine innere
Leere, die betrauert wurde mit jedem bißchen Gefühl, das noch übrig
war in dem Untoten. Viggo fühlte sich gefesselt von diesen traurigen
Augen.
Er stützte sich auf einen Ellenbogen und fuhr fort den Vampir mit seiner
freien Hand zu streicheln. Seine Bewegungen in dem Körper unter ihm waren
langsam aber stetig. Er spürte das Glied des Vampirs, das sich inzwischen
hart und heiß gegen ihn preßte. Sein eigenes Verlangen wurde immer
stärker, aber er wollte nicht kommen, noch nicht. Erst wollte er das
rätselhafte Verhalten des Vampirs verstehen. "Warum?" fragte
er leise. "Warum tust du das?"
Natürlich wußte Sean, was er meinte. Sicherlich war dem Menschen klar, daß er Sean nie hätte nehmen können, wenn auch nur eine Spur von Gegenwehr in ihm gewesen wäre, wenn er im Vollbesitz seiner vampirischen Kräfte gewesen wäre. Was der Mann wohl von ihm denken mußte? "Warum solltest du dich für mich interessieren?" antwortete er beinahe trotzig. "Du hast bekommen, was du wolltest und ich..." er schluckte, "ich habe gebüßt für das, was ich dir angetan habe." Er seufzte und blickte Viggo direkt an. "Kein Schmerz mehr" flüsterte er leise und es war nicht klar, ob er es als Bestätigung oder als Frage meinte.
Viggo stieß hart in den Vampir und sah mit einer gewissen Befriedigung, wie sich der andere auf die Lippe biß, um ein Wimmern zu unterdrücken. Ein Wimmern der Lust. "Warum willst du büßen?" setzte er sein kleines Verhör fort, seine Bewegungen nun wieder sanft, gerade genug, um seinen eigenen Körper und den unter ihm nach mehr verlangen zu lassen. "Vampire kennen keine Schuld. Und woher willst du wissen, was ich will? Ich will niemanden verletzten. Nicht mal dich."
"Und doch hast du es getan." antwortete Sean mit
einem traurigen, aber wissenden Lächeln. "Es ist so leicht, nicht
wahr? Wenn man einmal den ersten Schritt gemacht hat, einmal verletzt hat...
einmal getötet hat... - man muß die Wut nur zulassen, das Gefühl
von grenzenloser Macht, dann ist alles so einfach."
Die Bewegungen in ihm hörten abrupt auf, als der andere ihn entsetzt
anstarrte.
"Vampire sollten keine Schuld empfinden." , fuhr Sean bitter fort,
"Wir haben doch keine Wahl. Wir sind dafür geschaffen zu töten,
zu dominieren. Es ist unser Vorrecht. Wir dürfen keine Schuld empfinden.
Nein. Es schwächt uns, macht uns verwundbar, so entsetzlich 'menschlich'.
Und warum sollte *ich* menschlich sein wollen? All diese schrecklichen verwirrenden
Gefühle, Liebe, Schuld, Angst... man ist besser dran ohne sie. Aber ich
habe gebüßt, nicht wahr? Keine Qual mehr..." Hastig wischte
er die erneut aufsteigenden Tränen weg und fügte beinahe lautlos
hinzu: "Ich hab' doch keine Wahl, ich kann nicht zurück."
Viggo wußte nicht, was ihn härter traf. Der Gedanke, daß der Vampir recht haben könnte, daß auch er sich daran gewöhnen würde, grausam zu sein. Oder die endlose Qual in den Worten des anderen. Er schob einen Arm unter den Nacken des Vampirs und zog ihn noch näher an sich. "Glaub nicht daran." flüsterte er. "Glaub nur an das, was du fühlst." Erneut suchte er die Augen des anderen. "Ich verzeihe dir." murmelte er und zu seiner eigenen Verwunderung meinte er es auch.
Es war, als würde etwas in ihm zerbrechen. Als hätte Viggo die Mauer zu einem unsichtbaren Gefängnis eingerissen, aus dem er geglaubt hatte, niemals entkommen zu können. Voller Verzweiflung klammerte er sich an den anderen, vergrub sein Gesicht an dessen Hals, weinte hemmungslos bis er sich schwach und zittrig fühlte. "Was passiert nur mit mir?" schluchzte er, "Ich kann das nicht... all diese Gefühle... es tut so weh..."
Viggo hielt den weinenden Vampir fest in seinen Armen, murmelte
sanfte, beruhigende Worte ohne viel Sinn. Er fühlte sich selbst fortgeschwemmt
von den übermächtigen Gefühlen des anderen. Sie waren beide
bedeckt mit Blut, als sich der Körper in seinen Armen endlich langsam
entspannte. Viggo hielt ihn weiter an sich gedrückt, um nicht zu erlauben,
daß die Wärme, die er mit dem anderen geteilt hatte, ihn wieder
verließ.
Wer hätte gedacht, daß ein Vampir fähig war, um seine verlorene
Menschlichkeit zu trauern? Davon stand nichts in Viggo's Büchern. Aber
hatte er sie überhaupt verloren, wenn er noch so tief empfinden konnte?
Und immer noch waren ihre Körper miteinander verbunden. Immer noch verlangte
es Viggo nach dem Körper unter ihm. Dennoch hielt er still, versuchte
dem anderen den Trost zu geben, den er benötigte.
Sean schmiegte sich fest an den warmen Körper, gab sich ganz den sanften Händen hin. Sein eigener Körper brannte mit dem Verlangen nach Zärtlichkeit, nach Liebkosung. Er spürte eine Lust, wie er sie in seiner Kaltherzigkeit schon lange nicht mehr empfunden hatte. Nicht kalkulierend und nur auf sich gerichtet, sondern glühend und verzehrend. Eine Leidenschaft, die geben und nehmen wollte. Seine Lippen suchten Viggo's und seine Zunge preßte verlangend gegen dessen Mund. "Benutze mich." hauchte er, "Bitte. Gib mir das Gefühl lebendig zu sein. Gib mir das Gefühl *dein* zu sein."
Wieder veränderten sich die grünen Augen des Vampirs. Jetzt brannten sie in beinahe lebendigem Feuer. Wie gern wäre er dieser Aufforderung nachgekommen! Aber nicht so. "Nein." flüsterte er. Und dann packte er den Körper des anderen fester und rollte sich mit ihm herum, so daß er unter dem Vampir zu liegen kam, sein Schwanz immer noch im Körper des anderen. "Ich benutzte niemanden." Zärtlich küßte er den Vampir. "Aber das heißt nicht, daß ich dich nicht ficken will." murmelte er dann in das Ohr des Elfen und stieß nach oben in ihn. Er knabberte sanft an seinem Ohrläppchen, zufrieden mit dem unkontrollierten Zittern, das durch den Körper lief, der jetzt über ihm war.
Sean wunderte sich immer mehr über diesen Viggo Mortensen.
Ging es denn nicht darum, Kontrolle über einen anderen zu haben? Der
Mensch tat beinahe so, als wären sie ein Liebespaar. Behandelte ihn mit
einem Respekt, den Sean selbst nie gegen andere zeigte. Ausgenommen Trinity
vielleicht. Ja, Trinity glaubte er zu lieben. Auf seine eigene verdrehte Weise.
Natürlich war es ihm auch dabei nur darum gegangen, sie zu *besitzen*,
das erkannte er jetzt. Sie tat recht daran, ihn von sich zu schieben. Eine
so wunderbare Frau wie sie verdiente jemanden, der sie wirklich lieben konnte
- so wie Viggo. Der Elf streichelte über das Haar des anderen und küßte
ihn. "Ich verstehe jetzt warum sie dich mag." flüsterte er
und stöhnte, als er Viggo's Schwanz tief in sich fühlte.
Viggo drang hart in den Elfen und drückte ihn gleichzeitig sanft nach oben, bis der andere über ihm saß, so daß er auch dessen Schwanz mit den Händen erreichen konnte. "Wer... mag... mich...?" fragte er zwischen seinen Stößen.
"Hmm?" Sean versuchte sich an die eben gestellte Frage zu erinnern, während er sich gleichzeitig genußvoll dem Gefühl hingab, Viggo tief und hart in sich zu spüren. "Trinity." stöhnte er und sah den Mann unter sich verwundert an. "Sie mag dich. Ich bin mir sicher." Und verlegen fügte er hinzu "Ich war eifersüchtig, und wollte dich dafür bestrafen. Ich mag sie, weißt du. Ich wollte sie nicht verlieren."
Ein atemloses Lachen entkam Viggo, unterbrochen von tiefem Stöhnen. "Du... machst wohl... Witze!" Das letzte Wort ging direkt in ein Wimmern über, als der Elf nun seinerseits begann, sich zu bewegen, Viggo zu reiten. "Sie... verachtet mich!"
Nun war es an Sean zu lachen. Er hielt kurz inne und sah amüsiert auf Viggo hinab. "Nein, das tut sie nicht. Sie liebt es zwar, andere das glauben zu lassen, aber in Wirklichkeit sind ihr die meisten einfach egal. Und ihre Zuneigung versteckt sie meist sorgfältig hinter einer eisigen Miene und Distanz. Ihr Zynismus und ihr abweisendes Verhalten sind ihre Art mit dieser Welt umzugehen. Aber wenn sie einem erlaubt, sie zu berühren, ihr nahe zu sein..." Sean schaute fast ein wenig verträumt, "dann ist es, als würde Morgenlicht in ein dunkles Zimmer fluten." Er seufzte. "Wenn sie erfährt, was ich dir angetan habe, wird sie mich hassen."
"Mmmh..." Viggo stieß wieder nach oben in den Elfen. "Würdest du dann bitte damit weitermachen...? Wenn es jetzt eh zu spät ist..."
Sean schaute verdutzt auf den Mann unter ihm. Hatte der andere
soeben wirklich einen Scherz gemacht? Er fühlte erneut ein Lachen in
sich aufsteigen und es war unglaublich befreiend. Er gluckste, aber als Viggo
erneut fordernd in ihn stieß, wurde ein langgezogenes Stöhnen daraus.
Sean ließ seine Finger über den unter ihm liegenden Körper
gleiten, um ihn zu liebkosen. Seine Hände streichelten über hart
aufgerichtete Nippel, muskulöse Arme und wieder zurück über
die straffe Bauchdecke. "So voller Leben... ", murmelte er und stieß
seine Hüften wieder und wieder gegen Viggo’s pochende Männlichkeit.
Der Elf spürte, wie seine wachsende Erregung mehr und mehr den Vampir
in ihm weckte. Langsam begannen sich seine Reißzähne aus dem Fleisch
zu schieben und er kämpfte verzweifelt gegen den Drang, sie in den Körper
unter ihm zu bohren. Seine Erregung verlangte nach dem Geschmack von Blut.
Sean ließ den Kopf in den Nacken fallen und hob seine Faust zum Mund,
als wolle er nur einen Schrei der Leidenschaft unterdrücken. Als sich
seine Zähne in das Fleisch seiner Hand bohrten, wäre er beinahe
gekommen, so berauschend war das Gefühl. Und das Blut... Er stöhnte
lauter und hoffte nur, daß Viggo nichts von all dem bemerkte. Er war
sich sicher, daß der andere es abstoßend finden würde. Er
wimmerte in Ekstase und saugte heftiger. Das Blut rann in zwei dünnen
Fäden über sein Kinn, doch er merkte es nicht.
Die Muskeln des Elfen zogen sich beinahe schmerzhaft um ihn
zusammen. Viggo wußte, daß er nicht mehr lange durchhalten würde.
Sein Körper war eh schon zu geschwächt. Aber es war ihm eigentlich
egal. Dann sah er, wie die Eckzähne des Mannes über ihm weiß
aufblitzten, sah zu, wie er sich selbst biß und sein Herz machte einen
schmerzhaften Sprung. Konnte ein Vampir sich tatsächlich so sehr beherrschen?
Offenbar ja.
Der Anblick des Blutes, das über den Hals des anderen rann, stieß
ihn ab und zog ihn gleichzeitig magisch an. Er spürte genau, wie sich
der Körper über ihm immer mehr anspannte. Ohne zu überlegen,
zog er den Vampir wieder zu sich herunter. Es war Wahnsinn, völliger
Wahnsinn, aber er irgendetwas in ihm trieb ihn dazu, seinem plötzlichen
Verlangen einfach nachzugeben, er war wie in Trance. "Trink!" befahl
er, seine Stimme nicht mehr als ein Wispern.
Ein rauhes Stöhnen der Wollust entrang sich Sean's Kehle,
als er Viggo's Worte hörte. <Unmöglich.> dachte er. <Das
kann er nicht ernst meinen. Oder doch?> Er sehnte sich so sehr danach,
seiner Lust nachzugeben und sein Verlangen zu befriedigen, aber er hatte Angst.
Was, wenn er nicht fähig war, rechtzeitig aufzuhören? Und außerdem
hatte Viggo heute schon viel zu viel Blut verloren. "Du bist zu geschwächt"
keuchte er.
Aber seine Finger liebkosten bereits zärtlich den Hals des Menschen,
sein blutfeuchter Mund bedeckte die Haut mit heißen Küssen. <Nur
ein wenig. Nicht viel. Oh bitte, ja.> Sean sah in Viggo's Augen um sich
zu vergewissern, ob der andere es auch wirklich wollte. "Bist du dir
sicher?" drängte er und küßte ihn zärtlich. "Du
mußt das nicht tun."
"Wenn..." Viggo brach ab und warf den Kopf mit einem Stöhnen zurück, seinen Hals entblößend, als der andere sich wieder um ihn zusammenzog. Auf einmal schien es nur noch wichtig, das dieser Vampir von ihm trank, sehr wichtig sogar... "Wenn du mich jetzt tötest... bekommst du das hier nie wieder." brachte er eilig hervor und drängte den Kopf des Elfen zu seinem Hals. "Jetzt trink!"
Sean warf noch einmal einen ungläubigen Blick auf Viggo
und dann knurrte er wie ein hungriger Wolf. "Gib dich ganz hin. Wehr
dich nicht dagegen, und du wirst eine Ekstase erleben wie nie zuvor."
flüsterte er keuchend und strich ein paar Strähnen aus Viggo's Gesicht.
Sein Mund preßte sich erneut gegen die warme klopfende Ader an Viggo's
Hals. Er saugte erst zärtlich daran, ließ seine Zunge ein paarmal
spielerisch darüber gleiten, biß leicht und zupfend hinein, ohne
die Haut zu verletzen. Gleichzeitig bewegte er die Hüften in stetem Rhythmus,
fühlte das Glied des anderen zuckend in sich, während sein eigener
schmerzhaft harter Schwanz ebenfalls nach Befriedigung verlangte.
Als er fühlte, daß der andere sich seinem Orgasmus näherte,
leckte er noch einmal rauh über die pochende Ader an Viggo's wunderbarem
Hals, warf dann den Kopf zurück und schnellte blitzschnell wieder vor,
um seine Zähne in ihm zu versenken. Er hielt kurz inne, damit sich der
andere an das Gefühl gewöhnen konnte. Er wußte aus eigener
Erfahrung, daß man zuerst immer Panik empfand. Beruhigend streichelte
er mit einer Hand über Viggo's Wange.
Instinktiv verkrallten sich Viggo's Finger in den langen blonden Haaren des Vampirs, als er spürte, wie sich die Zähne durch seine Haut bohrten. Einen Moment zuckten die Bilder aus seiner Wohnung vor seinem inneren Auge, aber er verbannte sie sofort. Und dann fühlte er nur noch Ekstase, als sein Blut seinen Körper in weichen Wellen verließ und zu Sean’s Blut wurde... Seine Gedanken schienen förmlich mit denen des Vampirs zu verschmelzen, und für einen Augenblick, waren sie wirklich eins. Ekstase, Glück, Vergebung...
Erst als sich der Griff von Viggo's Fingern lockerte, erlaubte
sich Sean zu trinken. Ganz vorsichtig zunächst und mit Bedacht. Er mußte
sich unter Kontrolle halten, oder er würde Viggo töten. Sie starben
so leicht... Als das warme Blut über seine Lippen sprudelte, seufzte
er wohlig. <So gut!> Er mochte Viggo's Geschmack. Der Vampir in ihm
raste vor Gier, doch Sean drängte ihn zurück, ignorierte ihn einfach,
konzentrierte sich ganz auf das herrliche Gefühl von Viggo's Körper
gegen seinem. Wie Viggo in ihm war und Sean in Viggo. Schluck um Schluck saugte
er von seinem willigen Partner, sein Kopf dröhnte, als dessen Leben durch
seine Adern rauschte und Gefühlsfetzen und Bilder auf ihn einprasselten.
Ekstase, als Viggo’s Blut dessen Körper in weichen Wellen verließ
und zu seinem Blut wurde... Seine Gedanken schienen förmlich mit denen
des Menschen zu verschmelzen, und für einen Augenblick, waren sie wirklich
eins. Ekstase, Glück, Vergebung...
Sein Orgasmus kam so plötzlich, daß er gar nicht wußte, wie ihm geschah. Zu viele Wahrnehmungen auf einmal kämpften um seine Aufmerksamkeit. Mit einem letzten Aufschrei stieß Viggo noch einmal in den jetzt herrlichen warmen Körper des Vampirs und ergoß sich in ihn. Stumme Dunkelheit senkte sich auf ihn nieder, als sein Körper das letzte bischen Anspannung losließ und er schaffte es nur noch, die Arme um den anderen zu legen, bevor er ganz das Bewußtsein verlor.
Gerade als er seinen Mund noch ein letztes Mal mit der köstlichen
Flüssigkeit gefüllt hatte, spürte er, wie ein anderer warmer
Strom sich in ihn ergoß. Sean schrie in wilder Leidenschaft auf. Seine
Reißzähne glitten aus Viggo und der Körper des Elfen zuckte
zusammen und spannte sich, als er heftig und hart kam.
Obwohl Viggo's Blut so lebendig in ihm floß, fühlte sich Sean seltsam
erschöpft. Aber es war eine wohltuende Erschöpfung. Vorsichtig löste
er sich von Viggo und ließ sich dann halb auf, halb neben ihm, nieder.
Sean war müde und seine Augenlider wurden schwer. Aber er mußte
sich erst vergewissern, daß mit Viggo alles in Ordnung war, bevor er
ein wenig ruhen konnte. Doch Viggo rührte sich nicht. Er war in tiefe
Bewußtlosigkeit gefallen und das war ganz und gar nicht gut...
In diesem Moment flog die Tür zum Schlafzimmer auf und
die Lampen unter der Decke wurden eingeschaltet. Trinity blieb schockiert
im Türrahmen stehen und versuchte das Bild, das sich ihr bot, geistig
zu verarbeiten.
- Sean saß völlig unbekleidet und blutbeschmiert und mit ungewöhnlich
gesunder Hautfarbe auf dem Bett und blickte auf den Körper von Viggo
herunter, der leichenblaß, ebenfalls blutverschmiert und völlig
regungslos war. Das Bett sah aus, als wäre jemand darin geschlachtet
worden und Trinity war sich ziemlich sicher, wer dieser jemand gewesen war.
Einen Moment rang sie fassungslos nach Luft, dann brach sich ihr Entsetzen
Bahn. "Sean?! Was hast du getan?!!" Der sah sie nur verwirrt an.
Mit ein paar schnellen Schritten war sie beim Bett und packte ihn am Arm.
"Bist du wahnsinnig?!!"
Sean's Kopf fühlte sich irgendwie an, als wäre er mit Watte gefüllt. Es war beinahe, als wäre er high. "Trinity, ich... es ist nicht wie du denkst, Viggo... wir... " murmelte er hilflos und versuchte wieder einen klaren Gedanken zu fassen.
"Weißt du, was deine Mutter sagen wird, wenn sie hiervon erfährt?! Und glaub ja nicht, daß ich dir helfe, das zu vertuschen! Hast du völlig den Verstand verloren? Was ist nur in dich gefahren!" Trinity starrte den völlig verwirrten Vampir an. Was fiel ihm nur ein, einen völlig wehrlosen Gast ihres Hauses anzugreifen! 'Nun, er wäre nicht wehrlos gewesen, wenn du ihn nicht betäubt hättest' , bemerkte ihr Gewissen boshaft. "Was hat er dir denn getan, daß du ihn umbringst?!!" schrie sie Sean an, um sich von ihren eigenen Fehlern abzulenken.
Sean wollte ihr sagen, daß alles nur ein Mißverständnis war, daß er Viggo nicht getötet hatte, aber statt dessen hörte er sich sagen: "Wenn du dich nicht so an ihn rangeschmissen hättest, wäre das alles nicht passiert." Er schaute gekränkt. "Ich wollte dich doch nicht verlieren Trin und da... da bin ich irgendwie ausgerastet..." Er wollte sich aufrichten, aber fiel schwankend wieder auf's Bett und halb auf Viggo zurück. Sean seufzte. Er konnte sich vorstellen, was für ein Bild sie beide abgeben mußten.
Trinity starrte ihn ungläubig an. "Du warst eifersüchtig?
Auf ihn? Bist du nicht ganz dicht?" Sie wußte nicht, was sie davon
halten sollte. Einerseits fühlte sie sich beinahe ein wenig geschmeichelt.
Aber andererseits... Wie konnte er es wagen, solche Ansprüche an sie
zu stellen! So zu tun, als sei sie sein Eigentum. Sie gehörte niemandem.
Und nur das sie gelegentlich miteinander fickten, hieß ja wohl nicht,
daß sie eine 'Beziehung' hatten. Schließlich trieb er es auch
mit jeder, die ihm interessant erschien.
Sie spürte wie der Zorn in ihr überkochte. "Und wenn ich ihn
niedlich finde?! Na und? Laß mich hier mal was klarstellen, ich treib
es mit wem ich will! Ich bin nicht dein Eigentum, Sean Bean! Wenn ich irgend
jemandem gehöre, dann deiner Mutter! Meinst du, sie würde mit dir
teilen?!" Ehe sie recht wußte, was sie tat, holte sie weit aus
und ohrfeigte ihn so hart sie konnte.
Das war nun schon die zweite Ohrfeige in dieser Nacht und sie hallte wie ein Glockenschlag in seinem Schädel nach. Sean schluckte. Er schüttelte den Drang ab, die Hand auf die schmerzende Wange zu legen, und schaute statt dessen nur beleidigt zu Trinity auf. "Das heißt also, ihr habt es miteinander getrieben, ja?" <Was redete er da bloß? Er mußte jetzt wirklich aufhören sie noch wütender zu machen.> "Und? War er besser als ich?" , schnaubte er herausfordernd und funkelte sie wütend an.
"Und wenn er besser war?" Trinity beugte sich ganz nahe zu Sean herunter. "Wenigstens war er warm." zischte sie. Sie wußte genau, womit sie ihm wehtun konnte. Er konnte den coolen Vampir spielen, solange er wollte, sie durchschaute ihn doch. Was er am meisten vermißte, war lebendig zu sein.
Sean schnaubte nur einmal kurz und gekränkt und wandte sich dann trotzig zu Viggo um. "Es wird dich dann ja freuen zu hören, daß du noch öfter mit ihm vögeln kannst. Er ist nämlich nicht tot. Er ist nur bewußtlos. Ach ja und übrigens - er und ich haben es heute Nacht getrieben wie die Hasen, ich hatte den wahrscheinlich besten Sex meines Lebens, mein Schwanz war so hart wie noch nie und er ist vor lauter Wonne in Ohnmacht gefallen... Vielleicht ficke ich in Zukunft ja auch lieber mit ihm?" Der Elf zog den schlafenden Viggo in eine liebevolle Umarmung und grinste Trinity frech an.
Trinity starrte ihn sprachlos an. Eine ganze Weile dachte sie nur Leerzeichen. "Er ist nicht tot?" bekam sie endlich heraus. "Aber ich dachte..." Sie schüttelte den Kopf, setzte auf der anderen Seite von Viggo auf's Bett und ihre Finger legten sich auf seinen Hals, um nach dem Puls zu fühlen. "Na ja... sagen wir, er ist so gut wie tot." sagte sie dann. Und wunderte sich noch mehr, als Sean den Körper des Menschen in ehrlicher Sorge noch fester an sich zog. "Sag mal, was ist hier eigentlich passiert?" fragte sie, nun sowohl um Viggo als auch um Sean besorgt. So hatte sie den Vampir noch nie erlebt. Und sie kannte ihn nun schon eine ganze Weile.
Der Elf betrachtete Viggo beunruhigt. <Er ist schon wieder so schrecklich kalt.>, dachte er und hüllte ihn in die wärmende Bettdecke ein. Er dachte über Trinity's Frage nach, während er das tat. Wenn er nur selbst wüsste, was eigentlich passiert war! - Natürlich wußte er was *geschehen* war, aber was *bedeutete* es? Er war sich nur bei einem ganz sicher... - "Trinity, du darfst meiner Mutter auf keinen Fall erzählen was hier passiert ist, verstanden?!"
Trinity musterte Sean mit hochgezogenen Augenbrauen. "Ach wirklich? Und warum ist das so? Da mußt du mir schon einen besseren Grund liefern, als einen Befehl. Es ist mein Job auf ihn aufzupassen. Und wenn er mir krepiert, werde ich deiner Mutter bestimmt sagen, wieso." Sie sah wieder auf Viggo herunter, der immer noch bewußtlos und gefährlich blaß war. Plötzlich fühlte auch sie, wie sich ihr Herz in Sorge zusammen zog. Er hatte sich so tapfer gegen sie geschlagen. Sie wollte nicht, daß er jetzt einfach starb. Sie hatte gar keine Gelegenheit gehabt, ihn richtig kennenzulernen. "Und zu deiner Information, nein, ich habe noch nie mit ihm geschlafen. Du hast mir was voraus." fügte sie dann an Sean gewandt hinzu.
"Du hast nicht...?" Irgendwie fühlte sich Sean plötzlich wie ein Idiot. Also stimmte es wirklich. Viggo hatte die Wahrheit gesagt. Er schämte sich plötzlich vor Trinity. Nicht nur für seinen Ausbruch, sondern auch, weil sie jetzt wußte, daß er und Viggo... Der Elf wand sich unbehaglich. Er wußte nicht, was er sagen sollte und konzentrierte sich darum wieder auf den Mann, dessen Kopf er an seine Schulter gebettet hatte. "Er wird nicht *krepieren*, Trin. Ich lasse es nicht zu. Er ist nur sehr schwach von dem Blutverlust und dem Schock..." Er biß sich auf die Zunge. Er hatte wirklich keine Lust Trinity zu erzählen was passiert war und welche Rolle er selbst bei dem Ganzen gespielt hatte. "Frag' bitte nicht Trin, du würdest es ja doch nicht verstehen." flüsterte er leise.
Seine Worte beunruhigten Trinity eher noch mehr. Sanft legte sie ihm eine Hand auf den Arm. "Sean, erklär es mir. Wie sollen wir jemals miteinander auskommen, wenn du mich immer anlügst? Was ist passiert zwischen dir und ihm? Ich hab dich noch nie so besorgt erlebt. Nicht mal um mich." Nun war in ihrer Stimme ein leiser Hauch von Eifersucht. Was an Viggo hatte Sean so sehr berührt?
Sie hatte natürlich recht. Seine ständigen Lügen
waren einer der Gründe, warum es mit ihnen beiden nicht funktionierte.
Immerzu hatte er etwas vor ihr zu verbergen. Er seufzte. Sie hatte ein Recht
es zu erfahren, schließlich betraf die Sache ja auch sie. "Also
gut. Ich..." begann Sean stockend und fuhr sich nervös mit einer
Hand durch's Haar. "Ich wollte ihn bestrafen. Weil ich eifersüchtig
war wegen dir." erzählte er dann leise. "Ich wollte ihn töten,
aber er wehrte sich so und irgendwie ist die Sache dann außer Kontrolle
geraten."
Der Elf sah Trinity nicht an, als er weitersprach. "Mir fiel plötzlich
ein was Mutter mir über ihn erzählt hatte. Daß die Vampire,
die sich diese Pink geschnappt haben, ihn gef...vergewaltigt haben. - Trinity,
ich war so wütend, weil ich dachte, ihr hättet miteinander geschlafen.
Ich wollte ihn bestrafen... ein bißchen mit ihm spielen... ich... ich
war wie im Rausch. Die Drogen in seinem Blut..." Sean schaute sie jetzt
fast bittend an. "Dann dachte ich, er stirbt und plötzlich wollte
ich das nicht mehr. Wieso weiß ich nicht. Seine Augen... Es tat mir
auf einmal alles so schrecklich leid... "
Sean hielt inne. Mehr konnte er Trinity nicht erzählen. Wollte es nicht.
Aber wieder lügen wollte er auch nicht. Er versuchte es mit einer Halbwahrheit.
"Wir haben geredet und am Ende hat er mir verziehen. Warum weiß
ich nicht. Wir waren beide auf einmal so... irgendwie.. so erregt... und da
haben wir's getrieben." Sean's Stimme klang ein wenig unsicher. "Sag
Mutter nichts, Trin." bat er nochmal. "Sie darf nichts von meiner
Schwäche wissen." Die letzten Worte waren so leise geflüstert,
das Trinity Mühe hatte, ihn zu verstehen.
Sie nickte langsam. "Okay, ich werde ihr nichts sagen:"
Sie wußte, daß Sean ihr nicht alles erzählt hatte, aber es
war immerhin mehr, als sie je zuvor von ihm gehört hatte. Immerhin ein
Anfang. Sanft löste sie seine Hände von Viggo. "Gib ihn mir."
sagte sie. "Du kannst ihn nicht wärmen. Sag den Wachen vor der Tür,
sie sollen mir eine Infusion für ihn bringen." Nur widerwillig stand
Sean vom Bett auf und kleidete sich hastig an.
Er hatte gerade die Tür erreicht, als Viggo sich in Trinity's Armen regte.
Er schlug die Augen auf und sah vollkommen verwirrt zu ihr auf. Sie setzte
an, etwas zu sagen, aber Viggo's Augen suchten Sean und fanden ihn im Türrahmen.
Auf seinem Gesicht erschien ein erschöpftes Lächeln, das Trinity
plötzlich verstehen ließ, was Sean an ihm fand. Viggo stöhnte
leise und fuhr sich mit der Hand über den Hals, wo Sean ihn gebissen
hatte.
"Viggo." Erleichterung strahlte aus Sean's Augen. Er fühlte sich plötzlich sehr glücklich als er Viggo so lächeln sah. "Ich bin gleich wieder da." , versicherte er dem anderen, bevor er losging, um Trinity’s Anweisung an einen der Wachleute weiterzugeben.
Viggo sah wieder verwirrt zu Trinity auf. "Was machen
Sie denn hier?" fragte er sie fast ein wenig vorwurfsvoll. Trinity konnte
ein Lächeln nicht unterdrücken. "Ich wollte mal nachsehen,
warum ihr so schreit." antwortete sie und beobachtete amüsiert,
wie Viggo rot wurde. Dafür hatte er anscheinend noch genug Blut. Dann
mußte sie sich ja keine allzu großen Sorgen machen.
Viggo sah wieder in Richtung der Tür, durch die Sean verschwunden war.
"Ist er immer so aufbrausend?" fragte er. Trinity nickte. Zu gern
hätte sie gewußt, was jetzt in Viggo's Kopf vorging. "Sie
sollten jetzt schlafen." sagte sie statt dessen. "Ihr Körper
ist sehr geschwächt." Viggo warf ihr einen schrägen Blick zu.
"Das sagen Sie immer." murmelte er unzufrieden, aber ihm fielen
bereits die Augen zu. Mit Mühe hielt er sie noch einen Moment länger
offen. "Wie heißt er eigentlich?" fragte er. Trinity lächelte.
"Er heißt Sean. Schlafen Sie jetzt."
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