"SubMission"
Teil 6
by Beryll & Vagabond
Heath klappte die Dachluke hinter sich zu und sah sich auf
dem Dach des "Horny Pony" um. Das Flachdach war der einzige Zufluchtsort
für die Nutten, die im Bordell arbeiteten, wo sie nicht von Udo's Wachhunden
oder Kunden gestört wurden. Das lag hauptsächlich daran, daß
man hier dem ewigen, schmutzigen Nieselregen und dem kalten Wind schutzlos
ausgeliefert war. Natürlich war es verboten, hier herauf zu gehen, wenn
die Möglichkeit bestand, daß irgendein Kunde nach einem verlangen
könnte, aber es gab eben auch Zeiten, wenn die Jungs und Mädels
des "Horny Pony" mal frei hatten. Trotzdem bevorzugten die meisten
von ihnen es, sich in ihren schmalen Betten einzurollen, ein paar Drogen einzuwerfen
und für ein paar Stunden die Welt zu vergessen, in der sie lebten.
Auch Heath hätte es vorgezogen, es sich in seinem Bett gemütlich
zu machen, aber die Wahrscheinlichkeit, daß einer der anderen ihn dort
finden würde und bemerkte, was er tat, war zu groß. Er wollte nicht,
daß sie sich auch noch mit seinen privaten Problemen herumschlagen mußten.
Sie saßen auch so schon tief genug in der Scheiße.
Außerdem waren es ja keine wirklichen Probleme. Es war schließlich
nichts dabei, gelegentlich ein paar Chips einzuwerfen. Aber er konnte sich
schon Bray's angewiderten Blick vorstellen. Und die Sorge bei Orli. Das mußte
er sich wirklich nicht geben, er konnte gut auf sich selbst aufpassen. Es
war ja nicht so, als wäre er süchtig nach den Chips.
Im Gegenteil, er programmierte sogar selber welche und verdiente sich damit
eine ganze Menge dazu. Er war der einzige der vier, der genug Geld hatte,
sich jederzeit aus dieser Misere zurückzuziehen. Ohne Sorgen leben zu
können.
Er ging über das Dach und ließ sich am Rand nieder. Mit einem verträumten
Lächeln dachte er an Orli. Wie würde sein wunderschöner Lover
ihn wohl ansehen, wenn dieser ganze Mist vorbei war, und Heath ihn einfach
auf einen langen Urlaub an einem sonnigen Strand einlud?
Heath stellte sich vor, wie Orli ihn überrascht anstarrte und sich ihm
dann begeistert in die Arme warf. Er hatte genug Kohle, um Orli für eine
Weile alle seine Wünsche zu erfüllen. Wie würde sein Liebster
wohl aussehen, wenn er nicht mehr diese dunklen Ringe unter den Augen hatte?
Wenn er ausgestreckt am einem namenlosen Strand in der Sonne lag, sein Körper
völlig entspannt, nicht mehr bleich und viel zu dünn.
Aber noch war es nicht so weit. Noch saßen sie in dieser verregneten
Hölle fest. Noch war es nicht einmal sicher, ob sie lebend aus dieser
Sache herauskommen würden. Aber er wollte verdammt sein, wenn er nicht
alles dafür tun würde. Und würde sich nicht davon abhalten
lassen, trotzdem seinen Spaß zu haben.
Er zog ein kleines Plastik-Case aus der Tasche, nahm einen unbeschrifteten
Chip heraus und schob ihn sich in den Slot in seinem Nacken. Er freute sich
schon seit zwei Tagen auf diesen Moment, aber bisher hatte sich keine Gelegenheit
ergeben. Nun würde er sich endlich diese unglaubliche Szene auf dem Billardtisch
noch einmal ansehen. Und dann würde er sich daran machen, sie noch zu
"verfeinern", wie es nur ein echter Hacker konnte.
Er schloß die Augen und ließ die künstlichen Erinnerungen
über sich hinwegwaschen. Er war versucht, sich ganz hineinfallen zu lassen,
aber er hielt sich zurück. Er mußte es sich objektiv betrachten,
um sicher gehen zu können, daß ihm keine verbesserungsbedürftigen
Stellen entgingen. Aber selbst so rissen seine eigenen Emotionen und die unglaublichen
Bilder ihn wieder mit, und als der Chip einmal durchgelaufen war, war er steinhart.
Sich genußvoll seinen Schwanz reibend, machte er sich an die Arbeit.
Zunächst die Nachbesserungen. Hier ein Geräusch das nicht ganz passen
wollte herausschneiden, da einen nicht perfekten Gesichtsausdruck korrigieren;
körperliche Empfindungen leicht verstärken oder abschwächen;
Gedankenfetzen -die das reine Erleben nur störten- entfernen.
Endlich war Heath zufrieden mit dem Ergebnis und ließ es noch einmal
durchlaufen. Diesmal kam er in dem Moment, als er auch in Orli gekommen war,
ohne daß er sich selbst auch nur ein einziges Mal berührt hatte.
Mit einem zufriedenen Grinsen lehnte er sich zurück, bis er flach auf
dem nassen Dach lag und ließ sich den Regen ins Gesicht fallen.
Es war so unglaublich geil gewesen, Orli zu nehmen. Wie sein Lover sich unter
ihm bewegt hatte, wie er sich ihm so hingegeben hatte. Normalerweise bevorzugte
Heath es unten zu liegen. Es gab ihm die Möglichkeit, sich ganz auf seine
eigenen Empfindungen zu konzentrieren, ohne auf den anderen achten zu müssen.
Aber mit Orli war es anders. Es war so viel besser, Orli zu spüren, sich
ganz in die Gefühle des anderen fallen zu lassen, statt sich nur auf
die eigenen zu beschränken. Heath wurde bewußt, daß er Orli
wirklich liebte. Daß es nicht nur so eine Affäre war, sondern daß
er den anderen nie wieder gehen lassen wollte.
Erneut wandte er sich den Daten auf dem Chip zu. Die grundlegende Arbeit war
erledigt, aber das hätte jeder mittelmäßige Hacker machen
können. Nun kam der Teil, der ihm wirklich Spaß machte, und der
von ihm programmierte Chips so wertvoll machte. Er hatte lange genug darüber
nachgedacht, um sofort seine Ideen einbauen zu können.
Zunächst das Wichtigste: ein Publikum. Aus der Datenbank an Informationen,
die auf Hardware in seinem Schädel gespeichert waren, zog er passende
Daten. Gesichtslose Zuschauer, nur schattenhaft an den Wänden des Raumes
zu erkennen, Die Helligkeit der Lampe über dem Billardtisch etwas verstärken,
das restliche Licht im Raum reduzieren, gleichzeitig die Hitze auf dem Tisch
ein wenig hochdrehen, kurze Gedankenblitze dazu, wie die Wärme der Lampe
seinen Rücken berührte, als er sich über Orli beugte. Leise
Geräusche vom Publikum, ein leises Raunen, als Orli das erste Mal kam,
etwas lauter, als er das zweite Mal kam, leises Rascheln von Kleidung, die
Andeutung eines Lachens, Klimpern von Eiswürfeln in einem hohen Glas.
Dann die körperlichen Empfindungen: hier und da ein wenig mehr, nicht
soviel, daß es die Nerven überlasten konnte, aber genug, um beinahe
schmerzhaft zu sein. Den eigenen Herzschlag lauter, so daß er in den
Ohren dröhnte, im Rhythmus von Orli's Bewegungen, von Heath Stößen
in den willigen Körper.
Einzelne Eindrücke so viel klarer herausstilisiert, daß sie sich
wie in Flammen geschrieben ins Gedächtnis eingruben: wie Orli sich auf
die Lippe biß, um ein Stöhnen zu unterdrücken, Heath’s
Fingerspitzen, die Orli's schweißnasse Haut kaum berührten, der
Ausdruck in Orli's Augen, als er das zweite Mal kam, diese Mischung aus Unglauben,
Entsetzen und Ekstase.
Und dann zum Schluß ein kleines Detail, daß dem ganzen die letzte
Würze verlieh. Heath grinste breit, als er die Daten aus seinem Vampir-Chip
in die Aufzeichnung hineinkopierte. Er wußte schon genau, warum er Orli
gebissen hatte, nun mußte er nur ganz wenig hinzufügen, damit die
Szene gleichmäßig ineinander überging. Wie sich spitze Zähne
durch Orli's Haut bohrten, wie warmes süßes Blut in Heath’s
Mund floß, warm seine Kehle hinunter rann, das Gefühl absoluter
Macht über den anderen. Und nun paßte es auch perfekt, daß
Orli danach das Bewußtsein verlor.
Noch einmal ließ er den Chip durchlaufen und diesmal gab er sich den
künstlichen Erinnerungen ganz und gar hin, ließ sich hinwegschwemmen
von den übermächtigen Empfindungen. Das Ergebnis war überwältigend.
Heath tauchte keuchend aus seinem Rausch auf und stellte fest, daß seine
innere Uhr ihm sagte, daß er beinahe drei Minuten bewußtlos gewesen
war.
Mit einem zufriedenen Seufzen zog er den Chip aus dem Slot und verstaute ihn
wieder in der sicheren Hülle. Das war mit Abstand das Beste, was er je
programmiert hatte. Einen Moment drehte er den Chip nachdenklich in den Fingern
und dachte darüber nach, ob er ihn wirklich verkaufen sollte. Sollte
er dieses Erlebnis wirklich mit irgendwelchen namenlosen Käufern teilen?
Dann zuckte er die Schultern und steckte den Chip in die Tasche. Wieso nicht?
Er würde einen Haufen Geld dafür bekommen und Orli würde es
ja nie erfahren. Aber natürlich würde er sich vorher eine Kopie
ziehen...
*****
Bray streckte vorsichtig die Arme und bewegte die Schultern.
Der Einsatz vorgestern hatte seinen heilenden Rippen nicht gerade gut getan.
Aber er hatte diesmal ein wenig mit Magie nachgeholfen, um die Heilung zu
beschleunigen. Er hatte einfach keine Lust mehr, auf die permanenten Schmerzen.
Zum Teufel mit Udo. Zum Teufel mit allen Vampiren. Er ging die letzte Treppe
hinunter in den Empfangsraum des "Horny Pony".
Anakin, Udo's kleiner Liebling und Laufbursche, hatte ihn direkt nach einer
Session mit einem Kunden abgefangen und ihm mit seinem typischen schadenfrohen
Grinsen erklärt, daß ein Kunde Bray "zu sich nach Hause"
bestellt hatte. Bray konnte den kleinen Scheißer nicht ausstehen und
Anakin wußte das genau. Und er wußte auch, daß er sich beinahe
alles erlauben konnte, während Bray eindeutig auf Udo's Abschußliste
stand.
Bray hatte Anakin angeknurrt und ihm gesagt, er werde sich umziehen und dann
herunter kommen. Daraufhin hatte Anakin noch breiter gegrinst und in einer
widerlichen Imitation von Udo "Mein Junge, du sollst sofort runtergehen."
gesagt. Bray hätte ihn beinahe bei der Kehle gepackt. Dieses arrogante
kleine Dreckstück. Aber es war völlig sinnlos, sich mit ihm anzulegen.
Also hatte er Anakin noch einen vernichtenden Blick zugeworfen, den der eher
amüsant gefunden hatte, und war nun unten in der Lobby.
Aeryn erwartete ihn bereits. Bray ging zu ihr hinüber. Sie bemühte
sich um so etwas wie einen freundlichen Gesichtsausdruck. "Na Kleiner?
Alles klar?" fragte sie. Bray zuckte die Schultern. "Das übliche."
antwortete er, während er ein stummes Stoßgebet zum Himmel schickte,
daß es kein Termin in der Arcologie war. Ein Blutsauger würde diesem
Tag wirklich noch den Rest geben.
"Wohin geht es denn?" fragte er und sein Herz sank, als er Aeryn's
Gesichtsausdruck sah. "Erinnerst du dich an diesen Blonden, der sich
neulich über dich beschwert hat? Er hat dich zu sich bestellt."
Bray starrte sie nur mit offenem Mund an. Das konnte doch nicht wahr sein.
Ewan hatte tatsächlich...? Der Magier mußte verrückt sein.
Aeryn mißdeutete seinen Gesichtsausdruck völlig und klopfte ihm
tröstend auf die Schulter. "Hey, so schlimm wird es schon nicht
werden." sagte sie. "Mach einfach, was er sagt, und dir wird nichts
passieren." Bray zwang sich zu einem Nicken. "Für... für
wie lange denn?" brachte er mühsam hervor. Aeryn seufzte tief. "Die
ganze Nacht." erklärte sie, als wäre es sein Todesurteil. "Komm,
Kleiner. Wir müssen jetzt los."
Sie brachte es offenbar nicht über's Herz, ihn weiter anzusehen, denn
sie zog ihn zu dem draußen wartenden Wagen und wies ihn an, hinten einzusteigen,
während sie sich hinter's Steuer setzte. Ein Glück, sonst hätte
sie bemerkt, wie sich ein zufriedenes Lächeln auf Bray's Gesicht breit
machte. Vielleicht würde diese Nacht doch nicht so übel werden...
*****
Immer und immer wieder wanderte Ewan von einem Ende des großen
Hallentores bis zum anderen. Er zählte seine Schritte, er verzählte
sich, er begann von vorn... es mußte doch schon längst nach 21.00
Uhr sein, oder? Wo blieb er denn nur... Und was, wenn er nicht kam? Wenn ein
anderer Kunde Udo einen höheren Preis für diese Nacht mit Bray geboten
hatte? Wenn, wenn, wenn... So tief in seine Gedankenwelt versunken, übersah
er beinahe die schwarze Limousine die in einiger Entfernung von der Hauptstraße
abbog und nun die holprige Seitenstraße zum Lagerhaus gefahren kam.
Ewan bemühte sich, äußerlich ruhig und gelassen zu wirken,
als die dunkelhaarige Frau Bray mit einem leichten Grinsen an ihn 'übergab'
und dann fordernd die Hand ausstreckte, um die vereinbarte Summe für
diese Art 'Geschäft' entgegen zu nehmen. Innerlich zitterte er etwas,
als er Aeryn die vielen Credits in die Hand zählte, aber er glaubte nicht,
daß sie etwas bemerkt hatte. Als sie sich dann schließlich mit
einem Nicken und einem kühlen "Sir." verabschiedete und in
den Wagen stieg, schlug sein Herz bereits wie nach einem Marathonlauf. Die
Limousine glitt wie ein Panther in die Dunkelheit der Nacht und verschwand.
Vorsichtig drehte Ewan seinen Kopf zu Bray, unsicher ob sich irgendetwas zwischen
ihnen geändert hatte.
Bray sah zu, wie Ewan Aeryn bezahlte, erwiderte noch ihr kurzes aufmunterndes Nicken und wandte dann seine ganze Aufmerksamkeit Ewan zu. Der Magier sah müde und besorgt aus. Bray machte einen Schritt auf ihn zu und lächelte ihn an. Machte sich Ewan wirklich Sorgen, daß Bray es sich anderes überlegt hatte? Dummkopf. Aber es konnte nicht schaden, ihn ein wenig zu necken. Vielleicht würde ihn das auftauen. Er senkte unterwürfig den Blick. "Was kann ich für Sie tun, Herr?" fragte er mit genau der richtigen Menge an frivolem Unterton.
Ein leichtes Grinsen stahl sich auf Ewan's Gesicht. Es schien alles wie immer zwischen ihnen zu sein - Bray versuchte ihn zu necken und aufzuziehen und schaffte es gleichzeitig, daß Ewan einfach nur tierisch geil wurde. Mit zwei hastigen Schritten war er bei ihm und zog ihn fest an sich heran. "Frag lieber was ich für dich tun kann." stieß er hervor, bevor seine Lippen auch schon sehnsüchtig über den Mund des anderen herfielen.
Bray lächelte in den Kuß des anderen und ließ es zu, daß der ihn fest in seine Arme zog. Hmmm... ausnahmsweise war er einmal gar nicht böse, sich Ewan hinzugeben. Er ließ sich in dem Kuß davon schwimmen, atmete tief den Geruch des Magiers ein. Und dann kam ihm plötzlich ein ganz neuer Gedanke. Er lehnte sich noch mehr in den Kuß, eroberte mit seiner Zunge den Mund des anderen, legte ihm einen Arm um die Taile, packte mit der anderen in Ewan's Haarschopf und zog seinen Kopf dann langsam zurück. "Mir würde da schon etwas einfallen, das du für mich tun könntest." knurrte er leise, als sich ihre Lippen voneinander trennten.
Für einen kurzen Moment machte sich so etwas wie Verwirrung
in Ewan breit. Das war definitiv nicht 'wie immer'!!! Normalerweise hatte
Bray einfach immer nur das getan, was Ewan wollte - oder eben nicht. Aber
daß er so offen die Initiative ergriff, war völlig überraschend
für Ewan. Er stellte fest, daß er förmlich darauf brannte,
diese Seite des Schamanen kennenzulernen. Natürlich würde er sich
die Kontrolle über die Situation nicht so leicht nehmen lassen, aber
es würde bestimmt interessant werden, sich auf ein Tänzchen mit
'Wolf' einzulassen. Mal ganz davon abgesehen, daß es einfach nur irre
heiß werden würde.
Ewan grinste unverschämt und er ließ seine Hand zielsicher zu Bray's
Schritt gleiten. Besitzergreifend wölbten sich seine Finger über
der dort wachsenden Erregung. "Ja? Sag mir was du brauchst, Liebster.
Ich bin mir sicher, daß ich es dir 'besorgen' kann." antwortete
Ewan spöttisch und mit deutlich doppeldeutigem Unterton. Wie er es liebte,
alles unter Kontrolle zu haben! Ewan war sich mehr als sicher, daß er
den anderen in kürzester Zeit keuchend vor Begehren in seinem Bett haben
würde, um seine Zuwendung bettelnd... Der Magier grinste breiter.
Bray packte Ewan's Hand in seinem Schritt und drückte sie noch fester gegen seinen Schwanz. Er erwiderte das Grinsen des anderen. "Das machst du schon gar nicht schlecht." schnurrte er. Er wußte genau, was Ewan vorhatte. Und er wußte auch genau, wie er die Absichten des anderen elegant aushebeln konnte. "Und was ich brauche..." Er lehnte sich ganz nahe an den Magier und flüsterte ihm ins Ohr. "Ich brauche dich unter mir, winselnd und wimmernd, darum flehend, genommen zu werden." Er zog sich wieder ein Stück zurück und lächelte Ewan unschuldig an. "Glaubst du, das kannst du?"
Der Magier guckte etwas verdattert. Na, das lief aber gar
nicht nach Plan! Sollte Bray sich jetzt nicht seufzend gegen ihn schmiegen
und sich ganz und gar Ewan's Gnade überlassen? Statt dessen deutete Bray
an, daß er Ewan... Der Magier schluckte schwer. Also das war doch einfach
- dreist! Fast wurde er ein wenig ärgerlich. - Ein Ewan McGregor lag
niemals unten! Und ganz bestimmt winselte, wimmerte und flehte er nicht darum
'genommen' zu werden!!! Diese Beziehung fing ja gut an.
"Hör mal," informierte er Bray, zwar lächelnd aber doch
mit dem leisen Unterton seines jahrelang gepflegten Stolzes, "eher trinken
Vampys Tomatensaft, bevor ich darum bettele das mich jemand fickt, klar?"
Seine Hände strichen beiläufig über die Brust des Schamanen,
als er in näselndem Tonfall, teils im Spaß, teils ernsthaft, auch
für Bray klarstellte: "Ein Ewan McGregor liegt niemals unten!"
Und er beugte sich vor um diese Tatsache mit einem Kuß zu besiegeln.
Bray ließ sich widerstandslos küssen, erwiderte den Kuß aber auch nicht. "Ist das so?" fragte er sanft, nachdem Ewan ihn etwas enttäuscht wieder losgelassen hatte. Er schmiegte sich an den Magier. "Und warum, wenn man fragen darf?"
"Weil... ich mag es nicht..." erklärte er und fügte etwas kleinlauter hinzu "denke ich..." Die Wahrheit war, daß Ewan eigentlich immer noch eine Jungfrau war, was das anging. Es schien ihm bisher einfach zu entwürdigend, die Beine für jemanden breit zu machen, und er hatte auch nie wirklich Bock auf die Schmerzen gehabt, die die ganze Prozedur beinhaltete. Was er darüber gehört hatte, reichte ihm. Aber er war ja auch noch nie wirklich verliebt gewesen, oder? War es nicht so, das er sich schon mehr als einmal heimlich vorgestellt hatte, wie es wäre, ganz und gar eins mit Bray zu sein? <Aber nicht auf diese Art!> ermahnte er sich selbst. Beinahe verschämt blickte Ewan zu Boden, die Wangen hochrot. Was würde Bray nur jetzt von ihm denken?
Diese Reaktion hatte er nun wirklich nicht erwartet. Bray
sah den Magier ein wenig verwirrt an. Es war nur so ein Idee gewesen. Schließlich
hatte er sich an diesem Tag schon... er wollte lieber gar nicht zählen,
wer heute schon alles auf ihm gelegen hatte. Es wäre ganz einfach nett
gewesen, auch mal oben zu liegen. Er zog den Kopf des Magiers zu sich und
küßte ihn auf die Nasenspitze. "Hey, nun werd nicht gleich
sauer." murmelte er. Aber Ewan war nicht sauer, wurde ihm klar. Eher...
schüchtern? Der Gedanke kam Bray geradezu absurd vor, wenn er bedachte,
was sie schon alles miteinander getan hatten. Oder eher, was Ewan mit ihm
getan hatte. Na ja. Es war ja nicht wirklich wichtig. Wenn es Ewan nicht gefiel,
dann würden sie es eben wie immer machen.
Er kuschelte sich noch enger an den Magier, um ihn zu beruhigen. "Mir
gefällt es." schnurrte er sanft und zog Ewan zu einem Kuß
zu sich herunter. Das letzte, was er wollte, war den anderen vor den Kopf
zu stoßen, jetzt, wo sie endlich mal wirklich alleine sein konnten.
Mist. Jetzt wurde das Gefühl, es mit diesem so verständnisvollen,
wunderschönen, sündhaft sinnlichen Jungen vielleicht doch zu versuchen,
noch stärker. Und Ewan wollte doch auch, daß diese Nacht etwas
ganz besonderes wurde. Er wollte, daß so wenig wie möglich an ihre
anderen Treffen erinnerte. Es sollte sein, als ob es das erste Mal wäre,
daß sie... Das erste Mal... gab es denn ein noch größeres
Geschenk als das? Sich selbst jemand anderem so bedingungslos anzuvertrauen?
Einen besseren Beweis seiner Liebe konnte er doch wohl kaum geben, oder?
Ewan seufzte und kuschelte sich seinerseits enger an Bray. "Weißt
du," begann er schüchtern, "vielleicht habe ich auch einfach
nur ein wenig Angst, weil...naja, weil ich noch nie... du weißt schon...
Bray, um ganz ehrlich zu sein, ich habe mich noch nie von jemandem fick..
nehmen lassen. Ich meine, - du weißt schon, was ich meine..." Ewan's
Gesichtsfarbe schwappte ins tiefste Dunkelrot. Am liebsten wäre er im
Erdboden versunken.
"Ich ertrag's einfach nicht, wenn mir die Kontrolle entgleitet. Ich...
- aber für dich würde ich's versuchen, Bray. Ich will, daß
diese Nacht was besonderes für uns wird. Ich will das du siehst, wie
viel du mir bedeutest. Daß ich dich wirklich über alles liebe."
Ewan schloß die Augen und drückte sein erhitztes Gesicht gegen
Bray's Hals. Er zitterte, erschöpft von dieser seelischen Entblößung
und wartete mit Bangen, was der andere nun sagen würde. Was wenn Bray
nun dachte, daß Ewan ihm diesbezüglich sexuell nichts bieten konnte?
Wenn er ihm zu unerfahren war?
Bray war für einige Zeit sprachlos. Wer hätte das
gedacht? Nun, eigentlich hätte er es sich denken können. Aber irgendwie
hatte er nie darüber nachgedacht, ob Ewan schon jemals zugelassen hatte,
daß jemand ihn liebte. Seine Arme schlossen sich automatisch um den
Magier. Nun tat es ihm leid, daß er den anderen so herausgefordert hatte.
Ewan wirkte völlig verwirrt.
"Hey..." Bray streichelte sanft Ewan's Rücken. "Nun beruhige
dich doch... ich will dich bestimmt zu nichts zwingen." Er lachte leise
und ein wenig bitter. "Wenn es irgend jemand gibt, der das versteht,
dann ich. Bitte fühl dich nicht von mir gedrängt. Ich bin auch so
mit dir glücklich." Er vergrub die Nase in Ewan Haar. "Ich
bin schon froh, daß ich überhaupt bei dir sein kann." murmelte
er.
"Na und ich erst", erwiderte der Magier erleichtert und glücklich. "Ich habe mich den ganzen Tag nach dir gesehnt. Ohne dich ist alles einfach nur grau." Mittlerweile war es draußen stockdunkel geworden, nur hier und da erweckte das Licht einiger nicht zerschossener oder defekter Straßenlaternen Schatten zum Leben. Ewan fröstelte plötzlich. Er zog Bray am Arm. "Hey - wenn wir noch lange hier rumstehen, ist die Nacht bald vorüber, und zwar ohne das irgendeiner von uns 'unten lag'." grinste er und blinzelte Bray verschwörerisch zu. "Also komm, laß uns das in meinem Zimmer fortführen, ja?"
Bray nickte, zufrieden daß sich Ewan wieder entspannte. "Gerne." Er folgte dem Magier in die Lagerhalle und die verschiedenen Leitern und Treppen hinauf. "Und wenn wir uns gar nicht einigen können, kann ich ja immer noch lesen." erklärte er grinsend, als sie fast oben waren.
Ewan lächelte und gab dem Schamanen einen schnellen
Kuß auf die Wange. Diesmal waren die Kerzen im Zimmer schon entzündet,
die gleiche wohlige Wärme verbreitend wie beim letzten Mal. Aus einem
Recorder spielte leise die Musik einer bekannten Sängerin. "Augen
zu." befahl Ewan, Aufregung deutlich in seiner Stimme. Als Bray mit einem
Grinsen gehorchte, holte er unter dem Kopfkissen das Geschenk hervor, nach
dem er heute stundenlang alle Läden abgeklappert hatte. Eine äußerst
seltene Ausgabe von "Wolverine", ein echtes Sammlerstück. Fast
schon eine Rarität. Er war überglücklich, daß er es gefunden
hatte. Es war ihm die Credits wert gewesen. Den ganzen Tag hatte er sich vorgestellt,
wie Bray wohl reagieren würde, wenn er ihm das Heft schenkte.
Ob er sich auch freuen würde? Ewan's Herz klopfte heftig, als er Bray
das Comic in die -auf sein Kommando hin- ausgestreckten Hände legte....
"Hier, für dich. Ich hoffe du magst 'Wolverine'." und er lächelte
schief und verlegen.
Bray öffnete vorsichtig ein Auge und sah auf das herunter,
was er in Händen hielt. Ob er Wolverine mochte? Was für eine dämliche
Frage. Wer sollte wohl sonst sein Held sein? Catwoman? Mit einem glücklichen
Fiepsen ließ er sich im Schneidersitz zu Boden sinken und begutachtete
seinen Schatz. Die Ausgabe war eine der Ältesten. Er hatte etwas über
die Story gelesen, die erzählte, wie Wolverine das erste Mal Keiko, seine
spätere Braut, in Japan traf, aber sie nie selbst gelesen.
Fast ehrfürchtig schlug er die erste Seite auf und ließ den Blick
über die Seite gleiten. Dann sah er zu Ewan auf, der mit einem seligen
Lächeln neben ihm stand. "Danke." murmelte er fast ein wenig
verlegen. "Das ist das Wertvollste, was mir je jemand geschenkt hat."
Ewan's Augen strahlten, er war so unglaublich glücklich - wann war er jemals so zufrieden gewesen, einem anderen eine Freude gemacht zu haben? "Ich fand es nur angemessen." murmelte er zurück. "Schließlich bist du das wertvollste Geschenk, daß *ich* jemals erhalten habe." Er beugte sich zu Bray hinab und ließ den Rücken seiner Hand über dessen Wange gleiten. "Du siehst," neckte er, "es besteht keine Gefahr, das diese Nacht irgendwie langweilig für dich werden könnte. Es ist für ausreichend Unterhaltung gesorgt."
Bray sah zwischen dem Heft in seinen Händen und Ewan hin und her. "Du bist ein grausamer Mann." klagte er. "Soll ich jetzt lesen oder über dich herfallen? Immer diese schwierigen Entscheidungen..." Aber tatsächlich war die Entscheidung nicht schwer zu treffen. Er legte das Heft neben sich, erhob sich auf die Knie und sah aus dieser Position zu Ewan auf. Er wußte ganz genau, daß das den Magier unglaublich anmachte. "Willst du dein Geschenk nicht auspacken?" fragte er mit dem sinnlichsten Tonfall, den er hinbekam.
Ewan erschauerte. Bray wußte genau, wie er ihn in Null Komma nichts in einen Zustand wohliger Lust versetzen konnte. Er gab ein heiseres Stöhnen von sich, als er sich über Bray beugte, um ihn leidenschaftlich zu küssen, während seine Hände bereits ungeduldig an dessen Shirt zogen. Ewan atmete tief und schwer; seine Zunge spielte fordernd im Mund des Schamanen, dessen wunderbarer Duft allein, ihn schon beinahe völlig willenlos machte.
Diesmal erwiderte Bray den Kuß des Magiers von ganzem Herzen. Auf keinen Fall wollte er ihn noch einmal durcheinander bringen oder beunruhigen. Er ließ es zu, daß Ewan's Zunge sich seines Mundes bemächtigte, drückte sich gegen den Magier und als er sicher war, daß Ewan abgelenkt war, öffneten seine geschickten Finger den Gürtel des Magiers und dessen Hose. Bevor Ewan überhaupt wußte wie ihm geschah, wanderten Bray's Hände bereits vorwitzig zu seinem schnell härter werdenden Glied.
Ewan's Stöhnen wurde zwischen Bray's Lippen gefangen. Die Hände des Magiers verwanden sich in dem herrlichen dunklen Haar des anderen und er löste sich von ihm, um in dessen Augen zu sehen. Er wusste, was er jetzt wollte - doch würde Bray ihm diesen Gefallen tun? Die Vorstellung, diese samtigen Lippen auf seinem pochenden Glied zu spüren... fast unwillkürlich drängten sich Ewan's Hüften weiter nach vorn...
Ein kurzer Blick in das Gesicht des Magiers genügte
Bray, um zu wissen, was er sich wünschte. Er lächelte Ewan an, ließ
einen Finger sanft über Ewan's Schwanz gleiten, der jetzt stolz und aufrecht
direkt vor seinem eigenen Gesicht stand. Leicht amüsiert stellte er fest,
daß er dem Magier sowieso noch einen Blowjob schuldete, den er ihm vor
einer Woche verweigert hatte. War das wirklich erst eine Woche her? Es kam
Bray wie eine Ewigkeit vor.
Ewan's Augen keinen Augenblick mit seinen eigenen loslassend, leckte er an
der Unterseite von Ewan's Glied entlang. Die Augenlieder des Magiers flatterten,
doch er wagte nicht, sie zu schließen, sah mit angehaltenem Atem und
verzweifelter Konzentration zu, wie Bray seine Zunge um die Spitze von Ewan's
Schwanz kreisen ließ, zärtlich mit den Lippen an der straff gespannten
Haut sog. Erst als Bray sein Glied ganz langsam in den Mund nahm, konnte er
die Augen nicht mehr offen halten und schloß sie mit einem tiefen Stöhnen.
Ausgesprochen zufrieden mit dieser Reaktion, wandte Bray seine ganze Aufmerksamkeit
Ewan's Schwanz zu. Nahm ihn weiter in den Mund, sog daran, ließ seine
Zähne vorsichtig über die empfindliche Haut wandern. Als Ewan reflexartig
weiter in seinen Mund stieß, nahm er ihn bis tief in die Kehle...
Nur noch fühlen, nicht mehr denken... Nichts war so befreiend wie das hier. Er hatte so sehr versucht, seine Augen offen zu halten, den Anblick zu genießen, den der andere ihm bot, aber es war einfach zu viel. Bray dabei zuzusehen würde schon reichen, um Ewan im nu kommen zu lassen, und der Magier hatte eigentlich vor, sich noch ein wenig mehr diesem Genuß hinzugeben. Seine Finger spielten mit dem langen Haar des anderen. Immer und immer wieder ließ er die seidigen Strähnen durch seine gespreizten Hände gleiten, um kurz darauf wieder fester zuzupacken. Als Bray ihn dann tief in den Mund nahm, ballten sich seine Hände zu Fäusten. "Gott... Bray... langsamer, Liebling, oder ich komme gleich hier auf der Stelle..."
Hmmm... interessanter Gedanke. Bray nagte ein wenig geistesabwesend
an Ewan's Glied, was dem ein weiteres Stöhnen entlockte. Wenn Ewan jetzt
gleich kam, war er entspannt und friedfertig. Vielleicht würde er dann
eine Chance haben, ihn zu verführen...? Nein, das wäre unfair. Vielleicht
wäre es das Beste ihn erstmal loszulassen, damit sie auf's Bett umziehen
konnten?
Aber Bray konnte sich nicht vom Geschmack des anderen losreißen, von
dem wunderbar seidigen Gefühl von Ewan's Schwanz auf seiner Zunge, der
Hitze, die von dem Magier aufstieg. Noch einmal nahm er ihn ganz in den Mund,
ließ seine Zunge um ihn kreisen, massierte ihn mit den Lippen, bis Ewan
nur noch unzusammenhängendes Gestammel von sich gab und sich sein Körper
spannte, als wolle er gleich zerreißen. Soll er es entscheiden, dachte
Bray. Wenn er noch nicht kommen will, kann er ja aufhören.
Ewan wollte sich von dem anderen lösen, wollte dessen Kopf sanft von sich wegziehen und stellte statt dessen fest, daß er sich nur noch näher an diesen feucht-warmen Mund herandrückte. Keine Kontrolle mehr... <Oh Fuck, so gut, so gut...> Jede Faser von ihm schrie nach Erlösung, sein Körper bäumte sich auf und erstarrte, als er mit einem beinahe gequälten Schrei in Bray's Mund kam. Daß der andere ihn dabei nur noch stärker massierte, reichte, um ihn nahezu kollabieren zu lassen. Die Welt begann zu verschwimmen und als er wieder fokusieren konnte, stellte er fest, daß er, immer noch etwas schwer atmend, auf dem Bett lag. Wie er hierher gekommen war, konnte Ewan jedoch beim besten Willen nicht sagen.
Soviel zum Thema 'er kann ja aufhören', dachte Bray.
Als er in Ewan's Aura erkannt hatte, daß der andere völlig die
Kontrolle über seinen Körper verlor, war es schon zu spät gewesen.
Und wenn er ganz ehrlich war, hatte er ja auch gewollt, daß Ewan in
seinem Mund kam. Daß er danach umkippte, war nicht geplant gewesen.
Er hatte den Magier gerade noch auffangen können und dann zum Bett hinüber
getragen.
Er hatte sich gerade die Schuhe ausgezogen, als Ewan wieder begann sich zu
regen. Mit einem zufriedenen Grinsen kletterte Bray zu ihm ins Bett und ließ
sich über Ewan's Schoß nieder, ein Knie auf jeder Seite, so daß
er den Magier festpinnte und auf ihn heruntersehen konnte, seine Arme aber
nicht behinderte. Wie eine Katze, die eine Milchschüssel ausgetrunken
hat, leckte er sich über die Lippen und betrachtete seine Beute.
Ewan lächelte selig. Er fühlte sich einfach nur scheißwohl. Träge hob er eine Hand und ließ seine Fingerspitzen über die Brust des anderen fahren, über den Hals und das Kinn zum Mund. Er fuhr sanft Bray's Lippen nach, die feucht und sündig mit Spuren seines Samens glänzten und seine Hand wölbte sich über dem Hinterkopf des Schamanen, um ihn zu einem Kuß zu sich herunterzuziehen.
Wieder ließ sich Bray vom Kuß des anderen gefangennehmen.
Man konnte sicher eine Menge Fehler an Ewan finden, aber vom Küssen verstand
er eine ganze Menge. Und er schmeckte einfach wunderbar. Sein eigenes Glied
preßte sich schmerzhaft gegen seine immer noch geschlossene Hose, aber
Bray war gewillt, es zu ignorieren, bis Ewan sich wieder erholt hatte. Immerhin
hatten sie noch die ganze Nacht Zeit.
Ein Schauer lief durch seinen Körper und nicht unbedingt in Vorfreude.
Er fühlte sich immer noch ein wenig wund, von dem Ork, um den er sich
an diesem Vormittag gekümmert hatte. Ganze drei Stunden hatte das Monster
mit ihm verbracht und danach hatte er sich gefühlt, als hätte jemand
ihn mitten durch gerissen. Aber mit Ewan würde es anderes sein. Weh getan,
hatte ihm der Magier jedenfalls noch nie. Und es würde ihn doch sehr
wundern, wenn er ausgerechnet jetzt damit anfangen würde.
Ewan ließ seine Hände über den Rücken
von Bray wandern, bis zu dessen anbetungswürdigem Hintern, und wieder
zurück nach oben über die Schultern. Dann die Vorderseite hinunter
über hart aufgerichtete Nippel bis zu dem schöngeformten Bauchnabel
und mit leichtem Druck über die pralle Ausbuchtung an Bray's Hose. Wie
der Schamane sich bloß so zusammenreißen konnte! Ewan an seiner
Stelle, wäre vor Lust schon längst geplatzt. Immer wieder strichen
die Finger des Magier's über die Beule, wölbten sich mit leichtem
Druck und gaben wieder nach, griffen fester in den Schritt des anderen...
Er erinnerte sich, wie der Schamane bei ihrem ersten Kuß heute geknurrt
hatte und irgendwie machte ihn die Erinnerung daran unglaublich heiß.
Wolf... Ewan stieß seinen sich schon wieder stolz aufrichtenden Schwanz
gegen Bray's immer noch gefangene Erregung und funkelte den anderen herausfordernd
an. Betont langsam bog er dann seinen Hals, streckte seine Kehle dem anderen
entgegen, während er leise stöhnte.
Etwas verwirrt, sah Bray auf Ewan herunter. Er war es nicht
gewohnt, daß der andere ihm so die Initiative überließ. Aber
ehe er Zeit hatte nachzudenken, zwickte ihn sein Totem und ihm wurde klar,
was Ewan mit seiner Geste sagen wollte. Er beugte sich über den Magier,
leckte über die dargebotene Kehle, küßte sie, ließ seine
Zunge weiter nach unten wandern und biß Ewan schließlich sanft.
Dann arbeitete er sich wieder nach oben bis zum Ohr des Magiers und ließ
seine Zunge hinein gleiten.
Ewan erschauerte unter ihm und Bray spürte, wie Ewan's Hüften nach
oben gegen seine eigenen stießen. Selbst wenn der Magier unter ihm lag,
konnte er die Kontrolle nicht aufgeben. Er konnte es ihm nicht verdenken.
Ihm selbst ging es nicht anderes. Er zwang sich nur mit Gewalt dazu, seine
Natur zu verleugnen. Mit einem tiefen Grollen knabberte er am Ohrläppchen
des Magiers. Wie gern würde er einfach über Ewan herfallen. Aber
er war sich nicht sicher, ob der das wirklich wollte, oder es nur tat, um
ihm einen Gefallen zu tun.
Als Bray's Zunge über seinen Hals fuhr und die Zähne
des anderen sich zu einem leichten Biß schlossen, wußte Ewan,
daß Bray ihn verstanden hatte. Es war doch nicht so, daß er sich
Bray überhaupt nicht hingeben wollte! Er vertraute dem Schamanen. Es
war nur seine alte Vorsicht, seine geheime Angst, die ihn die Kontrolle und
ständige Wachsamkeit nie aufgeben ließ.
Als er damals aus dem Waisenhaus fortgelaufen war, hatte er sich geschworen,
daß er nie wieder jemandem die Kontrolle über sich geben würde.
Es war zu entwürdigend gewesen, wie sie ihn behandelt hatten, als hätte
er keinen eigenen Willen. Wie sie ihn schlugen und er sich nicht wehren konnte,
es einfach geschehen lassen mußte, weil er zu schwach war. Diese unglaubliche
Erniedrigung... Es war wie eine Erlösung für ihn gewesen, als er
erkannte, daß er magiebegabt war, niemand würde sich jetzt noch
trauen ihn zu verletzen...
Bray's fordernde Liebkosungen rissen den Magier aus seinen Gedanken, zwangen
ihn zurück ins hier und jetzt. - Er war nicht mehr der hilflose Junge
von damals, und Bray wollte ihm nicht weh tun. Ganz im Gegenteil. Ewan streichelte
zärtlich über Bray's Wange. Diese schönen Augen! Er konnte
sich darin verlieren.
Bray küßte Ewan sanft auf den Mund und sah ihn dann fragend an. Der Magier mußte sich jetzt entscheiden, was er wollte. Bray wollte diese Entscheidung nicht für ihn treffen. So sehr er es sich auch wünschte.
Ewan sah es in Bray's Aura. Das feurige rote Aufwallen von
Begehren, immer wieder unterdrückt von Vorsicht und Vernunft. Ewan wußte,
daß Bray sich für ihn so zusammenriß, obwohl es *Wolf* einiges
kosten mochte, nicht seinen Instinkten nachgeben zu können. Es war auf
eine beinahe unheimliche Art faszinierend, wie das Biest in dem Schamanen
kämpfte, aber Bray war stark und er würde nicht zulassen, daß
Ewan verletzt wurde.
Der Magier schmiegte sich fest an den warmen Körper des anderen. Er liebte
ihn so sehr. Vertraute ihm, wie er nicht einmal sich selbst vertraute. Und
er wollte nicht mehr allein sein. Für Bray wollte Ewan sich öffnen,
wollte sich mit ihm teilen. <Sich hingeben bedeutet nicht aufgeben>,
sagte er sich selbst. <Es ist keine Schwäche, sondern ein Geschenk,
wenn du jemanden wirklich liebst.> Ewan war sich fast sicher, daß
er diese poetischen Worte einmal in einem seichten Liebesroman gelesen hatte,
aber irgendwie beinhalteten sie eine ergreifende Wahrheit.
"Ich habe noch ein Geschenk für dich." , flüsterte er
leise und ein wenig zitternd, als er dem anderen unsicher in die Augen sah.
"Ich liebe dich, Bray. Und ich will mit dir zusammensein. Und ich will
das es gut ist und *vollkommen*. Auch für dich."
Das war alles, was er hatte hören wollen. Erneut beugte
sich Bray zu Ewan hinunter und küßte ihn, erst sanft, dann fordernder.
Diesmal ließ er nicht zu, daß der Magier die Kontrolle über
den Kuß gewann, sondern eroberte dessen Mund, erforschte ihn mit seiner
Zunge, bis Ewan unter ihm zitterte und ein Geräusch von sich gab, das
beinahe ein Wimmern sein konnte. Dann erst gestattete er seinem Liebhaber,
Atem zu holen.
Während Ewan noch um Luft kämpfte, öffnete Bray mit flinken
Fingern Ewan's Hemd und streifte es von seinen Armen, so daß der Magier
entblößt vor ihm lag, wunderschön in seiner Erregung. Bray
bedeckte seinen Hals mit Küssen und ließ dabei beide Hände
über den Oberkörper des anderen wandern. Rutschte dann weiter nach
unten und knabberte zärtlich an einem Nippel, während seine Hände
Ewan's Hose weiter nach unten schoben. Endlich hatte er den Magier ganz entkleidet.
Er legte sich neben ihn, damit Ewan gar nicht erst die Gelegenheit bekam,
sich gefangen zu fühlen. Er stützte sich auf einen Ellenbogen und
betrachtete den Körper des anderen. Bisher hatte er nie Gelegenheit gehabt,
ihn einfach nur anzusehen. Durchtrainiert, aber nicht sonderlich muskulös,
eher sehnig. Ein wenig bleich, wie alle Menschen, die im ewig schlechten Wetter
dieser Stadt lebten. Hier und da die Schatten alter Narben. Ein Körper,
der schon eine Menge durchgemacht hatte. Bray fragte sich, was für Narben
auf Ewan's Seele zurückgeblieben waren.
Er schloß seine Augen und sah ihn im Astralraum. Nervös, aber entschlossen.
Wie konnte er ihm nur seine Unsicherheit nehmen? Ihm beweisen, daß er
ihm niemals wehtun würde? Seine eigene Aura berührte die des Magiers
mit Wärme und Beruhigung. Mit seiner Liebe.
Bray war so vorsichtig, so zärtlich, es war richtig
süß. Aber es war auch beruhigend. Ewan gab sich ganz den sanften
Berührungen hin, dem warmen Flattern von Bray's Aura über seiner.
Er konzentrierte sich und fühlte, wie der Schamane mental über die
schattenhaften Stellen glitt, die seine seelischen Narben darstellten. Sofort
war der Drang da, sich zu verschließen, seine Traumata wegzupacken und
zu verbergen, so wie er es immer getan hatte. Ewan beschloß, es nicht
zu tun. 'Sich lieben', hieß Körper UND Seele teilen. Ewan wollte
Bray nichts mehr vorenthalten.
<Du machst dich verwundbar.>, warnte die Stimme die ihn jahrelang begleitet
hatte, ihn beschützt hatte, ihn aber auch von anderen entfremdete. Er
wollte Bray so nah sein wie nur möglich. Ewan ließ es zu, daß
die mentalen Abdrücke Bilder freigaben, Emotionen, er verheimlichte nichts...
da eine Erinnerung, dort ein Eindruck von Schmerz... und Einsamkeit, soviel
Einsamkeit...
Allein, immer allein. Bray spürte Ewan's Trauer als
wäre es seine eigene. Er war nie allein gewesen. Nicht seit *Wolf* ihn
gefunden hatte. Was auch immer seinem Körper geschah, *Wolf* hatte seine
Seele durch jeden Schmerz geleitet. 'Gib mir Heilung' bat er sein Totem jetzt
'Gib mir Kraft für meinen Liebsten'. Und *Wolf* ließ sich auf der
anderen Seite von Ewan auf dem Bett nieder und stieß den Magier sanft
mit seiner feuchten Schnauze an. Erlaubte dem Hermetiker, seinen warmen Pelz
zu spüren, den Geruch wahrzunehmen, nach Sicherheit, nach der Geborgenheit
eines Rudels.
Bray sah, wie sich Ewan immer mehr entspannte, ein warmes Lächeln auf
seinen Lippen lag und er Bray wieder näher an sich heran zog. Bray kam
nur zu gern zu ihm. Erneut ließ er eine Hand über den Körper
des anderen gleiten, federleicht diesmal. "Sag mir, was du möchtest."
flüsterte er in Ewan's Ohr. "Ich liebe dich."
Sich so geborgen fühlen, so geliebt. Ewan spürte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen, als die Flut von Bray's Liebe sanft über ihn hinwegspülte. *Wolf* war bei ihm, er fühlte es, sah das Totem im Astralraum - doch nicht bedrohlich oder mißtrauisch wie er es sonst immer empfunden hatte, sondern diesmal fast brüderlich. Wärme strahlte von den gelben intensiven Augen, und Kraft. Bray's Hände waren wie die Strahlen der Sonne, die das Eis in seinem Herzen zum schmelzen brachten. Es gab nur noch eines, daß er jetzt wollte, was diesen Moment vervollkommnen würde, daß er sich voller Sehnsucht wünschte. "Ich möchte dich in mir spüren Bray. Dir ganz nah sein... bitte Liebster... "
Bray zog sich seine übrigen Kleider aus, streckte sich dann vorsichtig über Ewan aus und sah auf ihn herunter. Er sah Angst in Ewan's Augen aufflackern und lächelte. "Keine Angst." murmelte er. "Es wird nicht wehtun. Nicht mit mir." Er sammelte Energie in seinen Fingerspitzen und ließ sie langsam an Ewan's Flanke nach unten wandern und der Magier spürte, wie jede Anspannung aus seinen Muskeln wich, da wo die Fingerspitzen ihn berührten, wie sich sein Körper in wohliger Wärme ganz gehen ließ.
Ewan's Atem, der sich ein wenig beschleunigt hatte in Erwartung des Schmerzes, wurde wieder ruhig und gleichmäßig. Er liebte Bray immer mehr. Kein Schmerz... Ewan schlang seine Arme um den Hals des anderen und drückte sich vorsichtig und testend ein wenig gegen ihn. Er spürte die Erregung des Schamanen gegen seinen Körper pressen und er fühlte nur Verlangen. Erwartungsvoll schaute er zu Bray auf und hob seinen Kopf um ihn zu küssen...
Bray war fast ein wenig überrascht, wie leicht es ihm fiel, seine eigenes Verlangen unter Kontrolle zu halten. Er wollte keinen bloßen Sex mit seinem Geliebten, er wollte ihn lieben. Er küßte Ewan sanft und gleichzeitig preßte er vorsichtig sein Glied gegen Ewan's Öffnung und spürte kaum Widerstand. Ein wenig überrascht atmeten er und Ewan gleichzeitig ein, als Bray in Ewan's Körper glitt. Unsicher sah Bray auf Ewan herab, um sich zu vergewissern, daß es dem andern wirklich gut ging.
Vorsichtig stieß Ewan die angehaltene Luft wieder aus seinen Lungen. Es fühlte sich einfach wunderbar an, Bray so in sich zu spüren! Er lachte leise, so glücklich war er. Er streichelte Bray's schönes Gesicht, seine starken Schultern und dann gab er sich ganz dem Gefühl hin, mit seinem Geliebten verbunden zu sein. Versuchsweise bewegte er seine Hüften und stemmte sich Bray entgegen und als ihn Erregung wie Feuer durchschoß, schlang er seine Beine fest um den Körper des anderen und zog ihn näher zu sich heran. "Ich will dich...", flüsterte er leise, sein Atem heiß vor Verlangen, "Ich will dich, Bray."
Ein Zittern lief durch Bray's Körper. Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Zunächst langsam, begann er sich in Ewan zu bewegen, aber als der Magier sich ihm fordernd entgegenwarf, erhöhte er das Tempo, bis sie sich in heißer Leidenschaft hin und her wiegten. Beide zu gleichen Teilen nehmend und gebend. Bray öffnete dem Magier seine Aura noch mehr, ließ sie ganz mit der des anderen verschmelzen, bis er selbst nicht mehr sagen konnte, wo er aufhörte und Ewan anfing. Keine Geheimnisse diesmal, keine Lügen. Ganz und gar eins sein. Es spielte gar keine Rolle mehr, wem wessen Körper gehörte, beide waren in einem Fieber von purem Genuß verbunden.
Ewan wußte, daß er schrie, als sein Körper den stärksten Orgasmus erfuhr, den er jemals hatte. Es war einfach vollkommen. Er wußte, spürte, daß Bray gleichzeitig mit ihm kam, und es war, als würden sie beide von Flammen verzehrt werden, eine Leidenschaft die endlos schien. Als es vorbei war, befürchtete Ewan ins Leere zu fallen, aber die Wärme blieb. Bray's verschwitzter Körper lag auf seinem, das Glied des Schamanen immer noch in Ewan vergraben. Ihre Auren immer noch übereinanderliegend, pulsierend und leuchtend, von neuer Kraft erfüllt. Ewan strich ein paar verschwitzte Haarsträhnen aus Bray's Gesicht. "Das war unglaublich. Wunderschön. Danke." flüsterte er glücklich.
Bray war zu außer Atem, um irgendetwas sagen zu können, also küßte er Ewan einfach nur. "Ich liebe dich, Ewan." flüsterte er, als er wieder sprechen konnte. Er spürte, daß ihre Auren sich miteinander verbunden hatten und er war sich sehr sicher, daß er dieses Band nicht wieder auflösen konnte. Er wußte nicht, ob es irgend jemand konnte. Liebe ist stärker als alles andere. Das sagten sie doch immer. Anscheinend galt das für Magier in besonderem Maße. Langsam glitt er aus Ewan heraus und rollte sich neben ihm ein, mit einem Fuß nach einer Decke fischend. Als er sie beide zugedeckt hatte, war Ewan schon eingeschlafen und Bray folgte ihm glücklich.
*****
Bray legte das Wolverine Heft, das Ewan ihm geschenkt hatte,
sorgfältig in ein Regal des Magiers und betrachtete Ewan, der friedlich
schlafend auf dem Bett lag. Er sah einfach unglaublich niedlich aus. Er warf
einen kurzen Blick in den Astralraum und stellte fest, daß der Magier
immer noch im Tiefschlaf lag. Bray schüttelte amüsiert den Kopf.
Wann hatte er das letzte Mal so viele Stunden am Stück geschlafen? Er
war schon seit über einer Stunde wach. Nachdenklich sah er sich im Zimmer
des Magiers um. Irgendwie kam es ihm nicht fair vor, in den Sachen des anderen
herumzukramen. Also hob er sein T-Shirt vom Boden auf, zog es sich über
und seine Schuhe an, und kletterte dann nach unten, um zu sehen, ob es irgendwo
in dieser Lagerhalle etwas zu Essen gab.
Am Boden angekommen, sah er sich neugierig um. Wieder fielen ihm die merkwürdigen
Skulpturen ins Auge. Sie schienen auf verschiedenen groben Stahlteilen zusammengeschweißt
zu sein, aber dazwischen spannten sich feine Drahtnetze, die den Konstruktionen
dennoch eine seltsame Leichtigkeit verliehen. Er blieb vor einem fast vier
Meter hohen Exemplar stehen und starrte es nachdenklich an. "Hi, wer
bist du denn?" sprach ihn plötzlich eine Stimme von hinten an, so
daß er erschrocken zusammenfuhr und sich umdrehte. Vor ihm stand ein
junger Schwarzer. Er trug eine schwere blaue Latzhose über einem ehemals
weißen T-Shirt. Eine Schweißerbrille hing ihm um den Hals. In
der einen Hand hielt er die dazu passenden Handschuhe.
Tank musterte den Jungen ein wenig mißtrauisch. Gehörte er zu einem von ihnen oder hatte er sich hier irgendwie reingeschlichen? <Nee, eher unwahrscheinlich>, dachte er sich, das Lagerhaus verfügte nämlich noch über einige interessante 'Überraschungen' für ungebetene Gäste. Also mußte er jemandes Freund sein. Tank betrachtete den dunkelhaarigen, hübschen Jungen, der ihn mit amüsierter Neugierde anblickte, näher. Hmm... so vom Typ her tippte er mal auf Brandon oder Ewan. Ares stand mehr auf den 'extrem maskulinen Typ', um es mal vorsichtig auszudrücken. "Ich bin Tank.", sagte er und lächelte breit.
"Hi." Bray versuchte es erst einmal mit seinem patentierten niedlichen Lächeln. "Ich bin Bray. Man könnte sagen, ich bin bei Ewan *zu Gast*." Er nickte in Richtung der Hallendecke.
Tank grinste breiter und lachte dann, seine Stimme freundlich und kumpelhaft. "Aha. Verstehe." Er zwinkte Bray zu. "Und wo steckt unser Zauberlehrling? - Ich hoffe doch sehr, er hat nicht wieder irgendwas in die Luft gesprengt? - Das letzte mal war es eine meiner Lieblingsskulpturen..." Tank gab ein bekümmertes Seufzen von sich, aber seine zuckenden Mundwinkel verrieten, daß er nur Spaß machte. "Gefallen dir meine Kunstwerke?" fragte er dann mit aufrichtigem Interesse.
Bray wandte sich wieder um und betrachtete das riesige Monstrum. "Tja... ich bin kein Experte was Kunst angeht, aber es sieht ziemlich cool aus. Mir gefällt die Mischung." Dann warf er einen Blick über die Schulter und grinste plötzlich. "Und nein, Ewan hat nichts in die Luft gesprengt. Er schläft noch. Ist wohl ein bißchen erschöpft..."
Tank betrachtete den Burschen vor sich amüsiert und nickte heftig. "Kann ich mir denken - es war ja nicht zu überhören, wie sehr ihr beide letzte Nacht an dieser 'Erschöpfung' gearbeitet habt." lachte er und schlug Bray kameradschaftlich auf die Schulter. Er blinzelte ihm verschwörerisch zu. "Das heißt dann wohl, daß du ab jetzt öfter hier 'zu Gast' bist, was Bray?"
Der seufzte leise. "Kommt darauf an, ob er sich das leisten kann." sagte er unglücklich. Und als Tank fragend die Augenbrauen hochzog, fügte er hinzu: "Ich habe das zweifelhafte Vergnügen für Mr. Kier zu arbeiten."
"Oh..." Tank blickte ein wenig bedrückt. "Dann bist du also... verstehe." Er kratzte sich mit einer Hand ein wenig verlegen am Kopf, während die andere an seiner Schweißerbrille nestelte. "Schade eigentlich. Ewan hätte jemanden verdient der ein bißchen auf ihn achtgibt." Er lächelte. "Damit meine Skulpturen intakt bleiben, du verstehst?!", fügte er gleich darauf mit einem Kichern hinzu.
Bray zuckte die Schultern und lächelte schief. "Hey, versteh das jetzt nicht falsch. Ich mag ihn echt gern. Aber ich hab halt nicht so die Wahl, mit wem ich meine Zeit verbringe." Dann wurde sein Grinsen wieder breiter. "Und ein sooo schlechter Zauberer ist er ja nun auch wieder nicht..."
"Wer ist kein schlechter Zauberer?", fragte plötzlich eine Stimme hinter ihnen. Tank zwinkerte Bray vertraulich zu und beide drehten sich fast unisono um. Hinter ihnen stand ein immer noch etwas verschlafen aussehender Ewan, der sich um eine bedrohliche Miene bemühte, während er gleichzeitig mit einem Lachen kämpfte. Er warf erst Bray und dann Tank einen entrüsteten Blick zu und seufzte dann theatralisch. Er stemmte seine Arme in die Hüften und schüttelte den Kopf. "Tsk tsk... wie es scheint, wisst ihr zwei meine Fähigkeiten nicht richtig zu schätzen!"
Mit einem schnellen Schritt war Bray bei Ewan und schmiegte sich an ihn. "Aber natürlich weiß ich deine 'Fähigkeiten' zu schätzen." schnurrte er und zwinkerte Tank dabei zu, dessen Grinsen immer breiter wurde. "Du bist mein Held, das weißt du doch." Er stellte sich auf die Zehenspitzen und begann an Ewan's Ohr zu knabbern.
"Sicher," knurrte Ewan und drückte Bray enger an sich heran, "gleich nach Wolverine und Spiderman." Bray grinste und Ewan gab ihm einen schnellen Kuß, während er mit einer Hand liebevoll über Bray's Rücken strich. Er nickte Tank zu, der als Antwort auf ihre Turtelei scherzhaft mit den Augen rollte. "Wie ich sehe, hast du Tank schon kennengelernt, Bray. Ein wirklich guter Freund von mir und begabter Künstler... - wenn auch seine Skulpturen etwas zur Brüchigkeit neigen." fügte er mit einem Glucksen hinzu. Tank schnaubte nur und blickte dann mit gespieltem Flehen zu Bray, als erhoffte er sich von ihm Unterstützung.
"Ewan, Schatz, es ist nicht nett, das Spielzeug von anderen Leuten kaputt zu machen." ermahnte Bray seinen Liebhaber in gespielt strengem Tonfall. "Du möchtest doch auch nicht, daß jemand dein Spielzeug kaputt macht." fügte er dann ein wenig ernster hinzu und schenkte Ewan einen bedeutungsschweren Blick. Dann streckte er sich zufrieden. "Wieviel Uhr ist es?" fragte er. "Vielleicht kann ich ja noch einen Kaffee mit dir trinken, bevor Aeryn hier auftaucht."
Augenblicklich verdüsterte sich Ewan's Miene. Er wollte nicht, daß Bray jemals wieder ging. "Es ist zwanzig nach neun.", flüsterte er kummervoll und streichelte zärtlich über Bray's Haar. "Wann wollte Aeryn dich denn abholen?"
"Hat sie nicht gesagt." Bray strich Ewan ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. "Aber ich denke, sie wird sich beeilen. Schließlich macht sie sich Sorgen um mich. Das letzte Mal, als sie dich gesehen hat, hast du dich über mich beschwert, weißt du noch?"
Ewan blickte beschämt zu Boden. "Komm, laß uns in meinem Zimmer auf sie warten." drängte er. Der Magier wollte nicht, daß Tank am Ende noch hörte, was da so alles zwischen ihnen passiert war. Und er wollte die wenigen Minuten bis Aeryn kam, noch ein wenig allein mit Bray sein.
Bray ließ sich von Ewan in Richtung Treppe ziehen, aber ehe sie dort ankamen, wurden sie von einem lauten Hupen aufgehalten. Mit einem tiefen Seufzen sah Bray in Ewan's trauriges Gesicht. Er hat fast ein bißchen etwas von einem kleinen Hund, den man auf der Straße findet, der unbedingt mit nach Hause genommen werden will, dachte er. Dann nahm er Ewan's Hand und küßte seine Fingerspitzen. "Nun schau nicht so." murmelte er. "Das war die schönste Nacht, die ich seit langer Zeit gehabt habe. Mach dir keine Sorgen um mich. Solange ich weiß, daß ich zu dir kommen kann, komm ich schon klar."
Ewan zog seinen Liebsten ganz nah an sich. Er schloß
seine Augen, um die hervorquellenden Tränen am fließen zu hindern
und preßte seine Lippen auf die von Bray. "Natürlich kannst
du zu mir kommen." flüsterte er, "Wir schaffen das alles schon
irgendwie." und er versuchte tapfer zu lächeln, obwohl er sich so
entsetzlich elend fühlte. <Wie soll ich das nur bezahlen?> dachte
er verzweifelt. Aber er durfte Bray nichts merken lassen, der hatte schon
genug auszuhalten. Mit einem schnell gewisperten "Danke für diese
Nacht. Es war wunderschön." und einem letzten verzweifelten Kuß,
nahmen sie Abschied und Ewan konnte sich nicht überwinden Bray zuzusehen,
wie er in Aeryn's Auto stieg.
Er blieb einfach stehen wo er war und als er hörte, wie das Tor hinter
Bray zufiel, wandte er sich langsam zur Treppe hin. Ein paar vereinzelte Tränen
liefen ihm die Wangen herab, doch er bemerkte es nicht einmal.
Ebenso wenig wie er Tank beachtete, der immer noch in einiger Entfernung ratlos
dastand und sich nun wieder am Kopf kratzte. <Diese Magier...> dachte
sich Tank, und überlegte, ob er Ewan nachgehen sollte. <Lieber nicht.>,
entschied er dann. <Ewan will jetzt sicher allein sein. Ich werde aber
später mal nach ihm sehen.> nahm er sich vor, und wandte sich dann
wieder der Bearbeitung eines verbogenen Stückes Blech zu.
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