"SubMission"
Teil 4
by Beryll & Vagabond
It isn’t true, that there can be no light in the darkness.
It will even shine brighter, when everything around is black.
It isn’t true, that there can be no love in a world full
of hatred,
It will even warm you more, when everything around is cold.
Stürmisch zerzauste der Wind seinen wilden dunklen Lockenkopf, als Orli
auf das Dach hinaus trat. Die Luft war nicht wirklich besser hier, die Abgase
der Stadt machten das Atmen alles andere als zum Genuß und die Nacht war
so trüb und regnerisch wie immer.
Orli hielt Ausschau nach seinem Freund der nun schon vor geraumer Weile das
gemeinsame Zimmer verlassen hatte um hier draußen "seinen Gedanken
nachzuhängen" wie Heath es nannte. Orli kannte das, Heath machte das
öfter. Manchmal schien der blonde Elf einfach mal ein wenig allein mit
sich sein zu müssen.
blau... blaue Blumen... samtige Blätter, die sich zärtlich gegen seine Haut schmiegten... seinen Körper einhüllten... unbeschreibliches Gefühl der Wärme... so zart... Finger durch stilles Wasser... Spuren die einen Sinn ergeben...Geheimnisse enthüllen... zentriert... klar... überlegen... von Wind umtoste Turmspitze... herabsehen auf die ganze Welt... alles mein... alles so klar... click... betende Menschen zu seinen Füßen... der betäubende Geruch von Weihrauch... Hände, die ihn berühren... voller Unterwürfigkeit... voller Hingabe... click... weise Kehle... sanft schlagender Puls gegen seine Lippen, daß Gefühl wenn die Zähne durch die Haut dringen... wenn das Blut zu fließen anfängt... der Geschmack... süß und bitter...
Vorsichtig schlich sich Orli an Heath heran, der an einer der schmutzigen Stahlkonstruktionen des Daches lehnte. Er erhaschte einen flüchtigen Blick auf das Gesicht des anderen, der so seltsam verträumt aussah... ob Heath an ihn dachte? Orli mußte lächeln. Er war nur noch wenige Schritte von dem Elf entfernt, als ihn plötzlich das seltsame Gefühl überkam, daß etwas nicht stimmte. Etwas an Heath's Gesichtsausdruck war merkwürdig...
...Geräusch von sich nähernden Schritten... Flüstern
von Kleidung unter jaulendem Wind... kalt... kalt... naß... kalt... Heath
fiel aus seinem Traumprogramm und schlug hart in der Realität auf. Jemand
war mit ihm auf dem Dach. Er zuckte zusammen, als er sah, daß es Orli
war. Verdammt, verdammt... hatte er nicht gesagt, daß er nicht gestört
werden wollte...
Er warf einen Blick auf seine innere Cyberuhr und stellte fest, daß er
viel länger in dem Traumprogramm geblieben war, als er vorgehabt hatte...
verdammt... schon wieder... aber es war so schön... so angenehm entspannend....
einfach zu vergessen... Am liebsten wäre er einfach wieder untergetaucht,
aber es gab einen Job zu erledigen und er wollte Orli nicht beunruhigen. Also
setzte er ein Lächeln auf und sah Orli an. "Ist es schon Zeit?"
fragte er möglichst nonchalant.
"Ja..." Orli musterte ihn mit einem mißtrauischen Blick. "Bist du soweit? Bray und Kira warten schon auf uns." Er half dem Elf auf die Füße und strich zärtlich eine widerspenstige Locke hinter einem spitzen Ohr zurück. "Laß uns die Daten abgeben und hören ob sie es wert waren, daß wir dafür 'unseren Arsch hingehalten haben'." grinste er. "Und ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue, mal wieder ins Matrix zu kommen..." Orli kicherte. "Es war wirklich schwer genervt zu tun, als Udo verkündete, daß Trinity uns vier bestellt hätte. Wenn der Vampy wüßte..." Orli gab Heath einen schnellen Kuß und zog ihn dann an der Hand hinter sich her. Sie hatten keine Zeit zu verlieren.
*****
Vor dem "Horny Pony" wartete schon einer von Udos
Gorillas, der sie zum "Matrix" fuhr. Der Club war im Inneren einer
alten Lagerhalle eingerichtet. Von draußen konnte man grell-weiße
Lichter in den schmalen Fenstern zucken sehen. Von außen machte der Laden
nicht viel her. Die Halle unterschied sich kaum von den anderen in dem abgewrackten
Industriegebiet. Die Wände waren mit zahllosen Graffitis bedeckt, die schweren
Stahlträger, die die Konstruktion hielten, waren angerostet.
Aber vor dem Eingang, der aus einer schweren doppelflügligen Metalltür
bestand, hatte sich eine lange Schlange von Menschen, Elfen und Orks gebildet,
die Einlaß begehrten. Aber die beiden riesigen Ork-Türsteher ließen
kaum jemanden passieren. Kein Wunder, zu dieser Uhrzeit war der Laden schon
gerammelt voll. Es war einfach kein Platz mehr für noch mehr Gäste.
Der Wagen, in dem Orli, Heath, Bray und Shakira saßen, fuhr um das Gebäude
herum und hielt an der Hintertür. "Und seit bloß brav."
ermahnte sie der Gorilla noch einmal, bevor er sie aussteigen ließ. "Sonst
könnt ihr was erleben. Ich hol euch im Morgengrauen wieder ab!"
Einen kleinen Moment standen sie einfach nur da und genossen die Atmosphäre,
aber der drängelnde Ton ihres Aufpassers trieb sie voran. Sie warfen ihm
schnippische Blicke zu und grinsten, dann gingen sie - Bray voran - in die Halle.
Ein langer schwach beleuchteter Gang führte zur großen Tanzfläche,
von der schon schwere Stakkatogeräusche zu hören waren. Die vier passierten
zahlreiche Türen zu "Hinterzimmern" in denen die verschiedensten
Geschäfte der einen oder anderen Art abgewickelt wurden und standen dann
schließlich am Eingang zum eigentlichen Herz vom Matrix.
Schwitzende Leiber wiegten sich im gleichbleibenden dröhnenden Beat der
Musik und Elfen mit sichtbar aufgebesserten körperlichen Attributen tanzten
in perfekter Synchronisation auf erhöhten Podesten. Breite Metalltreppen
führten zu verschiedenen Etagen hinauf von denen man einen perfekten Blick
auf die Tanzfläche hatte.
Bray atmete tief den Geruch von schwitzenden Leibern, betäubendem
Rauch und Alkohol ein. Langsam entspannte er sich. Seine Haltung wurde aufrechter,
sein Augen bekamen eine leicht gelblichen Schimmer, sein Gesicht zeigte nichts
mehr von dem geschlagenen kleinen Jungen, der noch vor ein paar Minuten aus
dem Auto gestiegen war. Er hatte seine Tarnung abgelegt wie einen Umhang, unter
dem jetzt sein wahres Ich zum Vorschein kam.
Er ließ seinen Blick über die anderen drei gleiten und bemerkte,
daß es bei ihnen nicht anderes war. Shakira hatte locker die Hände
in die Hüften gestemmt und ließ den Blick über die Tanzfläche
wandern wie eine geschmeidige Raubkatze, die nach lohnender Beute sucht. Ihre
ganze Haltung drückte kaum kontrollierte Energie und Kraft aus. Jemand,
mit dem man sich besser nicht anlegen sollte.
Heath hatte den Kopf hoch erhoben und irgendwoher eine Sonnenbrille gezogen,
die jetzt seinen blonden Haarschopf zurückhielt und die Datenbuchse an
seiner Schläfe enthüllte. Er sah kühl und überlegen aus.
Völlig unberührt von seiner Umgebung.
Und Orli... Bray grinste. Orli's Veränderung war die geringste und doch
die deutlichste. Vom kleinen niedlichen Boytoy war er zum Jäger geworden.
Er lehnte bequem an Heath’s Schulter und alles an ihm sagte >komm her
und versuch es, wenn du meinst, daß du gut genug bist<. Und es war
offensichtlich, daß niemand in diesem Schuppen gut genug für ihn
war.
Es war schwer zwischen all diesen Leuten eine einzelne Person herauszupicken,
aber sie wußten nach wem sie zu suchen hatten. Sie fanden *sie* wie immer
an eine der riesigen Metallsäulen ganz in der Nähe gelehnt, ihr aufmerksamer
Blick über die Tanzfläche gleitend.
Ihr athletischer Körper steckte in einem hautengem schwarzen Lackledersuit,
ihre Augen waren hinter einer Sonnenbrille verborgen, die Arme selbstsicher
vor der Brust verschränkt. Jeder Besucher wußte, daß sie die
Chefin war. Viele hatten schon versucht, sich an sie heranzumachen, aber alle
waren abgeblitzt. Je nach Aufdringlichkeit waren sie aus dem Laden geflogen,
hatten sich gebrochene Knochen eingehandelt oder waren mit dem Gesicht nach
unten auf der Müllhalde gelandet.
Trinity hatte ihre Finger in allen möglichen Geschäften. Keines davon
war legal, aber alle wichtigen Stellen standen auf ihrer "Spenden-Liste".
Niemand wußte, woher sie ihre Finanzen bezog, aber sie schien unerschöpfliche
Reserven zu haben. Jeder wußte, daß es ungesund war, sich mit ihr
anzulegen.
Sie stand mit dem Rücken zu ihnen, ihre Augen immer noch auf das wilde
Wogen der Tanzflächen gerichtet. "Ich habe schon auf euch gewartet."
Trinity's Stimme war wie eine kühle Brise. Die Frau drehte sich um und
schenkte ihnen ein schmales kühles Lächeln.
Kira war jedesmal auf's neue verblüfft wie scharf Trinity's Sinne waren.
Mit der Geschmeidigkeit einer Katze glitt Trinity an ihnen vorbei und wandte
sich in Richtung einer der Treppen die zu den "nicht öffentlichen"
Räumen führten. Bray verharrte einen Moment regungslos, als würde
er in sich hinein horchen und folgte ihr dann mit Orli, Heath und Shakira dichtauf.
Bray spürte so etwas wie einen kühlen Lufthauch aus der Richtung in
die sie gingen. Er war sich nicht ganz sicher, aber als Trinity eine der Türen
öffnete, überrollte es ihn geradezu. Mehr magische Power, als er je
zuvor bei irgend jemand gespürt hatte. Also war es anscheinend endlich
soweit. Man traute ihnen genug, daß eine der wirklich wichtigen Figuren
auftrat.
Es befand sich nur eine Person im Raum und die zog sofort alle Augen auf sich,
obwohl ihre Körpergröße eher gering war. Die Frau lehnte mit
verschränkten Armen an der Wand gegenüber der Tür und strahlte
eine Macht aus, die es offensichtlich nicht nötig hatte, sich verborgen
zu halten. Sie trug ein Leder-Catsuit, das teilweise nur aus geschickt angebrachten
Riemen und bronzenen Schnallen bestand. Um die Hüften hing locker ein Waffengurt
an dem ein schwerer Ritualdolch befestigt war der vor Energie beinahe vibrierte.
An den Unterarmen trug sie schwere Lederschienen, die so aussahen als seien
sie schon des öfteren im Kampf verwendet und mit dunklem Blut getränkt
worden. Um ihren Hals lag ein breites goldenes Band. Ihre dunklen Haare standen
struppig von ihrem Kopf ab und schienen immer ein wenig in Bewegung zu sein,
als würde ein nur für sie spürbarer Wind sie umwehen. Ihre Augen
waren hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen, aber Bray fühlte sich
sofort von ihnen durchbohrt und durchleuchtet. Er hätte nicht sagen können,
ob sie in seinen Gedanken gelesen hatte oder nicht, so gut war sie. "Mylady."
Trinity nickte der Magierin zu. "Sie haben die Daten."
Die Fremde nickte Trinity einmal kurz zu. "Ganz ausgezeichnet." Aus
einem lackglänzenden Koffer an ihrer Seite holte sie einen Laptop heraus
und verband ihn mit dem Netz. "Der Chip?" fragte sie, ohne sich zu
ihnen umzudrehen, und streckte ihre Hand aus. Heath begann hektisch in seinen
Taschen zu kramen und holte dann einen kleinen Datenchip hervor, den er beinahe
ehrfürchtig in die wartende Hand legte. 'Mylady' legte den Chip ein und
verschiedene Entschlüsselungsprogramme stürzten sich wie reißende
Wölfe darauf. Das würde eine Weile dauern...
Ihr schwarzer Haarschopf wippte angriffslustig, als sich die Frau zu ihnen wandte.
"So... und ihr seid also 'unser Einsatzteam'." Es war eher eine Feststellung
als eine Frage und es gefiel den vier gar nicht, wie die Fremde sie spöttisch
musterte. Automatisch versuchte Heath sich größer zu machen und Orli
breiter auszuschauen. Shakira pulte nervös an einem ihrer Hauer, während
Bray so ruhig stand, als wäre er erstarrt – Kira, die gleich hinter
ihm stand, konnte sehen, daß seine Nackenhaare gesträubt waren.
Die Sonnenbrille verhüllte, daß der Blick der Frau abschätzend
und kalkulierend über jeden einzelnen der vier glitt. "Bray... Shakira...
Heath.. und Orlando." Sie stand auf und lächelte kühl. "Ich
bin 'Sue' und von mir werdet ihr ab sofort eure Aufträge bekommen. Solltet
ihr in irgendwelche Schwierigkeiten geraten, kontaktiert ihr wie bisher Trinity,
sie wird alles an mich weiterleiten. Und jetzt wollen wir mal sehen, ob euer
letzter Auftrag erfolgreich war..." Mit diesen Worten wandte sie sich wieder
dem Bildschirm des Computers zu, auf dem die endlosen Zahlen- und Ziffernreihen
jetzt verstummt waren und ein Text in einer fremden Sprache mit eigenartig gewundenen
verschnörkelten Buchstaben zu lesen war. 'Sue' schien keine Schwierigkeiten
zu haben, ihn zu lesen.
Bray und Heath versuchten beide einen Blick auf den Text zu erhaschen, stellten
aber schnell fest, daß sie nichts damit anfangen konnten. Sie wußten
alle nicht recht, was sie von der Frau halten sollten. Irgendwie hätten
sie sich wohl irgendein Lob oder wenigstens ein nettes Wort gewünscht.
Schließlich waren sie es, die für diese Mission im wahrsten Sinne
des Wortes 'den Hintern hinhielten'. Aber auf der anderen Seite war ihnen natürlich
klar, daß die Magierin mit Sicherheit wichtigere Dinge im Kopf hatte,
als ihr Ego zu streicheln. Also rissen sie sich zusammen und versuchten, professionell
auszusehen.
Ihr Gesicht war so rätselhaft wie zuvor, jedoch jetzt unterlegt mit einem
Hauch von Angespanntheit als Sue den Bildschirm wieder löschte. "Ich
muß telefonieren." sagte sie zu Trinity und ging ohne zu zögern
in den angewiesenen abhörsicheren Nebenraum.
Die Minuten verstrichen und keiner gab auch nur den leisesten Ton von sich.
Alle warteten in einer Art stummer Ergebenheit. Endlich, nach einer halben Ewigkeit
wie es schien, kam Sue zurück, das Comgerät noch in ihrer Hand.
Sie verstaute es sorgfältig, sog einmal tief Luft ein, verschränkte
die Hände hinter dem Rücken und begann: "Herzlichen Glückwunsch
Herrschaften - die Auswertung der Daten war ein voller Erfolg. Wir wissen nun,
auf was es die Gegenseite abgesehen hat. Mein Boss denkt außerdem, daß
ihr es euch verdient habt zu erfahren, was dieser Datenchip enthielt, den ihr
unter... 'mühevollem Körpereinsatz' (sie grinste sarkastisch) ...
beschafft habt."
Sie schaute einmal in die Runde um sich zu vergewissern das sie auch die volle
Aufmerksamkeit genoß und fuhr dann fort. "Was ihr da aus der Arcologie
entwendet habt, ist - unter anderem - der Text einer sehr alten Prophezeiung,
abgefaßt in einer Sprache, die heute nur noch von sehr wenigen verstanden
wird. Sehr pathetisch und hübsch zu lesen. Wichtiger ist jedoch - diese
Prophezeiung kündigt unter anderem von der Geburt eines 'Retters', der
der Welt das Licht wiederbringen wird und sie somit von den Mächten der
Finsternis befreit... - Nun, wir wissen schon länger von dieser Prophezeiung,
allerdings hatten wir bisher keinerlei Hinweis auf diesen besagten 'Erlöser',
weder wie man ihn erkennen könnte, noch wo er zu finden wäre. Die
Gegenseite scheint uns da einen Schritt voraus zu sein. - Der Feind hat eine
junge Frau im Visier die sich "Pink" nennt. Wieso man ausgerechnet
sie für den gesuchten Erlöser hält ist uns noch nicht klar, doch
fest steht, daß die Frau auf keinen Fall in die Hände des Feindes
fallen darf. Wir wissen wo sie sich aufhält und wahrscheinlich hat der
Gegner ebenfalls schon einen Trupp auf sie angesetzt. Ihr werdet sie zuerst
finden, schnellstens hierher ins Matrix bringen und mir übergeben. Unterschätzt
sie nicht - wenn sie die Gesuchte ist, wird sie Mittel zu ihrer Verteidigung
haben. Noch irgendwelche Fragen?"
Bray sprach schon, ehe er richtig nachgedacht hatte: "Aber wenn sie tatsächlich
die Richtige ist, wird sie dann nicht freiwillig mit uns kommen?"
Sue sah ihn mit einem kühlen Lächeln an. "Mein lieber Junge,
würdest du einfach mit einem Trupp mitgehen, der mitten in der Nacht in
dein Haus einbricht und versucht dich irgendwohin mitzunehmen?" Der spöttische
Unterton in Sue's Stimme war nicht zu überhören. Sie fuhr im Geschäftston
fort. "Es ist anzunehmen, daß 'die Auserwählte' selbst noch
nichts von der Prophezeiung und ihrer Position weiß. Das wird sie mißtrauisch
machen. Höchstwahrscheinlich würde sie euch nicht glauben. Und ihr
habt keine Zeit mit ihr zu diskutieren und sie zum Mitkommen zu bewegen - wenn
es sein muß, wendet ihr Gewalt an. Ist sie erst einmal bei uns in Sicherheit,
werden wir ihr alles erklären." Die Magierin blickte arrogant in die
Runde. "Noch jemand?"
Shakira hob zaghaft die Hand. "Tschuldiging, Mam... aber wenn wir das hinkriegen...
ist dieser beschissene Job dann endlich vorbei... ich mein... können wir
dann endlich den blöden Vampy kaltmachen...?" Sie sprach damit aus,
was sie alle eigentlich unbedingt wissen wollten.
Sue blickte die junge Orkin einen Moment lang nur völlig regungslos an,
hinter ihr erlaubte sich Trinity einen tieferen Atemzug. "Darüber
sprechen wir, wenn dieser Auftrag erledigt ist, Shakira. Ich wüßte
nicht, warum ihr noch länger bei Kier bleiben solltet, wenn wir die Auserwählte
erst einmal auf unserer Seite haben. Aber mit jeder Minute die wir hier noch
weiter Zeit verschwenden, sinkt diese Möglichkeit beträchtlich. Ich
würde also vorschlagen ihr packt eure Sachen und macht euch auf den Weg."
Und mit diesen Worten wandte sie sich um und begann sorgsam ihren Laptop in
den kleinen Koffer einzupacken. Das Gespräch war offensichtlich zu Ende.
Die vier beeilten sich so schnell wie möglich aus dem Zimmer zu kommen.
Draußen auf dem Flur atmeten sie alle einmal tief durch. "Du meine
Güte..." murmelte Heath endlich. "Die war ja kälter als
Trockeneis..." und sprach damit aus, was sie alle fühlten. "Holen
wir unseren Krempel und sehen wir zu das wir loskommen." knurrte Bray.
Der Gedanke Kier den dünnen Hals umzudrehen, beflügelte doch enorm.
Sie warteten nicht auf Trinity, die drinnen bei 'Sue' geblieben war, sondern
eilten in den Keller des Matrix hinunter, wo ihre Sachen lagerten.
Bray war mit ein paar schnellen Schritten an der großen
Truhe, klappte sie auf und zog seinen geliebten Mantel heraus. Das weiche braune
Leder war mit Fransen, Federn, Pelzstücken und zahllosen anderen kleinen
Fetischen verziert und für Bray roch es so sehr nach *Wolf*, daß
es sich anfühlte, als würde er nach Hause kommen als er den Mantel
überzog. Er steckte sich noch eine kleine Pistole hinten in den Bund seiner
Jeans und war fertig. Die anderen benötigen wesentlich länger...
Orlando ging zu der schweren Metalltruhe, auf der ein großes grinsendes
Smiley prangte über dem sich zwei Gewehre kreuzten. Nachdem er eine komplizierte
Zahlenkombination eingegeben und einmal kräftig dagegen getreten hatte,
sprang die Truhe auf und gab den atemberaubenden Inhalt frei. Mit eifrigen Händen
und einem seligen Grinsen im Gesicht zog Orli die schwere Lederhose hervor,
die wie eine zweite Haut anliegen würde. Er streifte sein Shirt ab und
schlüpfte in das ebenfalls pechschwarze Ledertop, das kurz genug war um
noch einen frechen Ausblick auf seinen Bauchnabel zu gewähren. Passende
Stiefel, die ihm bis zu den Knien reichten und mit vielen blanken Schnallen
besetzt waren; ein blitzendes, enganliegendes und unglaublich provozierend aussehendes
Nietenhalsband; dazu passende schwere Armbänder mit Spikes und ein kleiner
silberner Ring im linken Ohr; fehlte nur noch... ja! Mit einem Seufzer zog Orli
die Pistolengurte heraus, die sich kurz darauf über seiner Brust gekreuzt
schlossen und füllte sie mit dem entsprechenden 'Inventar'. Auf dem Rücken
verstaute er das zusammensetzbare Scharfschützengewehr. Über das Ganze
kam nun noch ein leichter mattglänzender Lackledermantel und Orlando Bloom
war nicht mehr wiederzuerkennen. Lässig gegen die Wand gelehnt, beobachtete
er die anderen bei ihrer 'Verwandlung'.
Heath ertappte sich dabei, daß er zunächst einfach nur dastand und
zusah, wie Orli mit zärtlichen Bewegungen seine 'Ausrüstung' auspackte.
Früher hatte er nie verstehen können, warum der Scharfschütze
des Teams sich ausstaffierte wie eine Sado/Maso-Werbefigur aber jetzt wußte
er es. Wie gerne würde er seine Hände jetzt über diesen Körper
gleiten lassen... 'Später!' ermahnte er sich und ging zu seiner eigenen
Kiste. Zunächst zog er das Hartschalen-Case heraus in den sein Cyberdeck
verstaut war, öffnete es und loggte sich kurz ein, um zu checken, ob die
lange Ruhezeit dem Deck auch nicht geschadet hatte. Sofort wurde er von mehreren
begeisterten Sub-Routinen begrüßt, die sich freuten, endlich wieder
aktiviert zu werden. Von außen gesehen vergingen nur Sekundenbruchteile,
aber Heath nahm sich die Zeit, jede einzelne zu begrüßen. Er würde
sein Deck auf diesem Einsatz wohl kaum brauchen, aber mitnehmen würde er
es trotzdem. Dann zog auch er sich um. Glatte dunkelgraue Stoffhose, ein hautenges,
schwach silbern glänzendes Shirt mit etwas zu langen Ärmeln, die seine
Hände halb verbargen, eine gerade geschnittene dunkelgraue Lederjacke,
unter der er seine Pistole verbergen konnte. Und die Sonnenbrille vor die Augen.
Und aus dem verletzlichen Jungen war der Prototyp eines arroganten Elfen geworden.
Shakira nahm das ganze 'Aufgeputze' der Jungs mit einem amüsierten Kopfschütteln
hin. Sie selbst würde nicht viel brauchen. Sie kramte 'ihre Kiste' hervor
und ließ den Metalldeckel aufschnappen. Zuerst wühlte sie unter einem
Haufen T-Shirts eines mit dem sinnreichen Aufdruck "BITCH" hervor
und tauschte es mit dem aus, das sie gerade trug. Dann holte sie aus dem Inneren
der Kiste zwei unglaublich schwere, wuchtige Metallarmschienen. - Wen sie damit
traf, der würde mehr verlieren als nur seine Zähne! Dann schlüpfte
sie noch in ihre klobigen Stiefel, die an den Spitzen mit Metallplatten und
Spikes versehen waren und steckte ihren 'speziellen Schlagring' ein. Eine schon
etwas ramponierte Lederjacke darüber - Fertig.
Bray und Heath folgten den beiden anderen zu den Motorrädern, die in der
Tiefgarage des Matrix auf sie warteten. Eine schwere, laute Harley mit einem
riesigen silbernen Totenschädel auf dem Lenker für Shakira und eine
schlanke glänzend schwarze Maschine für Orli. Bray sah amüsiert
zu, wie die beiden ihre Motorräder begrüßten wie lange vermißte
Verwandte. Dann schwang er sich hinter Shakira auf die Harley und packte sie
fest um die schmale Taille. "Aber bitte nicht wieder irgendwelche Stunts..."
konnte er noch sagen, ehe sie aus der Garage brausten, dicht gefolgt von Orli,
an dem sich Heath festklammerte.
*****
Orli schwang sich von der Feuerleiter auf's Dach und lief in
leicht geduckter Haltung zur gegenüberliegenden Seite. Dort angekommen,
kauerte er sich in den Schutz der schmalen Brüstung, die die Kante des
Daches umgab und nahm das schon zusammengebaute Scharfschützengewehr von
der Schulter. Er nahm sich einen Augenblick Zeit es noch einmal zu überprüfen.
Dann legte er sich flach hinter die Brüstung, legte das Gewehr an und benutzte
das Zielfernrohr, um einen ersten Blick in die Wohnung zu werfen, in der sich
ihre Zielperson angeblich aufhielt.
Es war immer seine Aufgabe, erste Sondierungen durchzuführen, damit die
anderen nicht in einer Falle tappten. Eine Falle wie die, die sich ihm jetzt
darbot. Er erkannte auf den ersten Blick, daß in der Wohnung nicht alles
zum Besten stand.
Mehrere Fenster waren zersplittert, die meisten Möbel umgeworfen und von
einem Kampf beschädigt. Er ließ das Zielfernrohr langsam über
die Räume wandern die er einsehen konnte. Überall bot sich ihm das
gleiche Bild. Wer auch immer dort gekämpft hatte, es hatte eine ganze Weile
gedauert. Aber jetzt schien alles ruhig zu sein.
Halt, was war das? Im letzten Zimmer bewegten sich noch Gestalten und es stieg
Rauch von einem Feuer auf, das offenbar mitten im Raum brannte. Er stellte das
Fernrohr schärfer ein und was er sah, ließ ihn zischend einatmen.
Ein Mann in einem eleganten, anthrazitfarbenen Anzug stand neben dem Feuer,
ein Buch in der Hand und riß gerade eine Seite heraus, um sie ins Feuer
zu werfen. Er stand mit dem Gesicht zu Orli, so daß der deutlich die langen
scharfen Reißzähne des Mannes sehen konnte. Eindeutig ein Vampir.
Orli aktivierte sein Com-Gerät. "Ein Vampir in der Wohnung. Es ist
definitiv gekämpft worden. Zielperson nicht zu sehen." meldete er.
Er hörte Kira am anderen Ende in ihr Gerät fluchen. Er wollte ihnen
gerade grünes Licht geben hineinzugehen, als eine weitere Gestalt ins Bild
trat. Ein riesiger Schwarzer, ebenfalls im Anzug. Oder eher in Teilen eines
Anzugs. Er hatte sein Jackett abgelegt und schleppte gerade einen stark blutenden
weiteren Mann zu dem Vampir hinüber. Er ließ sein Opfer zu Boden
fallen und sagte irgendetwas zu dem Vampir, der daraufhin lachte. Dann bückte
sich der Schwarze zu seinem Gefangenen hinunter, zückte ein Messer und
begann ihm die Kleidung vom Leib zu schneiden, ohne sonderlich darauf zu achten,
daß sich ein noch lebender Mensch darunter befand.
Orli sah atemlos zu. Irgendwie wußte er genau, was jetzt kommen würde.
Er wußte, er hätte seinen Freunden irgendetwas sagen sollen, aber
er war so paralysiert wie ein Kaninchen im Angesicht einer Schlange. Stumm sah
er zu, wie der Schwarze den Kopf des Verletzten hoch riß, ihn hart küßte
und sich dann zufrieden Blut von den Lippen leckte. Der Gefangene der beiden
Vampire versuchte davon zu kriechen, wurde aber von dem Schwarzen gestoppt,
der ihm einfach einen Fuß in den Nacken stellte. Der andere stand immer
noch am Feuer und sah amüsiert zu.
Orli beobachtete voller Entsetzten, wie der Schwarze sich die Hose öffnete,
den Gefangenen bäuchlings auf einen Tisch warf und dann brutal in ihn eindrang.
Er glaubte den Schmerzensschrei des Mannes bis auf's Dach herüber hören
zu können. Das riß ihn endlich aus seiner Starre. "Geht sofort
da rein!" sagte er in sein Com-Link. Es sind zwei Blutsauger. Keine Ahnung,
wo diese Pink ist, aber sie machen gerade einen Menschen fertig." Er wußte,
daß man die Panik in seiner Stimme hören konnte, aber er hätte
sie nicht unterdrücken können. "Wenn ihr drin seit, erledige
ich einen von den Vampys." fügte er noch hinzu.
Heath hörte deutlich den Unterton von Panik in Orli's
Stimme. Er wußte, wie leicht Orli aus dem Gleichgewicht geriet. Das Letzte,
was sie jetzt brauchten, war ein Scharfschütze, der wild in der Gegend
herumballerte. Sie sollten sich besser beeilen.
Er folgte Shakira mit langen Schritten die ausgetretene Treppe hinauf, bis zu
der Wohnung in die sie wollten. Vor der Tür blieb Kira stehen, und sah
ihn erwartungsvoll an. Heath warf einen kurzen Blick auf das Türschloß.
Kein Problem. Er zog einen Satz Dietriche aus der Innentasche seine Lederjacke
und machte sich kurz an dem Schloß zu schaffen. Es war ziemlich verzogen,
aber er schaffte es dennoch, es lautlos zu öffnen. Die Tür schwang
auf und gab einen Blick auf die Verwüstung im Inneren frei. Heath fragte
sich einen Moment lang, warum die Tür noch intakt war. Aber jetzt gab es
wirklich wichtigere Fragen.
Mit der eingespielten Dynamik eines Teams das schon lange zusammenarbeitete,
hechteten sich die drei in den Raum, der nun vor ihnen lag. Kira und Heath sicherten
ab und gaben Bray Deckung, der seine ganze Konzentration auf sein magisches
Gespür legen mußte und bereits eifrig dabei war einen wirksamen Zauber
gegen die Vampire vorzubereiten. Sein angriffslustiges Knurren verriet, daß
die Vampys eine gewaltige Überraschung erleben würden. "Wir sind
drin" teilte Kira Orli über ihr Com mit, während sie mit einem
mächtigen Satz über eine im Weg stehende Couch sprang und zielstrebig
auf den nächsten Raum zusteuerte, aus dem einige unschöne Geräusche
drangen.
Heath hielt sich im Hintergrund. Er war von dem Quartett im Kampf der Nutzloseste
und Bray hatte ihm einmal sehr deutlich erklärt, was er mit ihm machen
würde, wenn er noch einmal einem Feuerball im Weg stand. Es hatte den Schamanen
einiges an Kraft gekostet, den Zauber noch rechtzeitig wieder abzubrechen. So
folgte er Kira und Bray in sicherem Abstand ins Nebenzimmer, die Pistole für
den Fall erhoben, daß jemand versuchen sollte ihnen in den Rücken
zu fallen.
Kira hatte kaum die Türschwelle überquert, als sie auch schon von
der Faust des schwarzen Vampirs begrüßt wurde, der ihr mit unglaublicher
Geschwindigkeit entgegenschoß. Shakira wich ebenso schnell aus. Ihr Körper
war mit Cyberware ausgestattet, die sie sowohl schneller als auch stärker
als einen normalen Ork machte. Von den Mundwinkeln des Vampirs troff immer noch
Blut. Ob die beiden Vampire den anderen Mann erledigt hatten, war nicht auszumachen.
Heath erhaschte lediglich einen flüchtigen Blick auf die regungslose Gestalt,
die immer noch auf dem Tisch lag.
Der Elf versuchte auf den Schwarzen zu schießen der mit Shakira in einen
heftigen Kampf verwickelt war, aber die beiden bewegten sich so schnell, das
Heath es nicht wagen wollte einen Schuß abzufeuern. Womöglich traf
er dann noch Kira! Der am Feuer stehende Vampir wollte versuchen seinem Kumpel
zu Hilfe zu kommen, aber ein sicherer Schuß aus einem Scharfschützengewehr
hinderte ihn daran. Orli hatte mit seiner üblichen Präzision einen
Herzschuß gelandet, und obwohl der Vampir leicht ins taumeln geriet, brauchte
es doch noch einiges mehr, um ihn endgültig auszuschalten.
Heath spürte, wie sich seine Nackenhaare plötzlich aufrichteten und
wußte genau was das bedeutete. Er sah zu Bray hinüber, dessen Augen
in wölfischem Feuer glühten. Unsichtbares Feuer schien vom Boden um
ihn her aufzusteigen, sich in seinen Händen zu sammeln. Der Vampir hatte
noch Zeit, wieder auf die Füße zu kommen und sie anzufauchen, dann
wurde er von Flammen eingehüllt. Heath hörte ihn kreischen. Ein unheimliches,
viel zu hohes Geräusch, das an Ohren und Nerven riß.
Der Schwarze machte daraufhin den Fehler, sich verwirrt zu seinem Artgenossen
umzudrehen. Kira nutzte den Vorteil sofort und drehte seinen Kopf mit einem
heftigen Ruck in ihre Richtung. Es war genug, um das Genick des Vampirs zu brechen,
aber nicht genug, um ihn zu töten. Aber Kira hatte die Zeit gewonnen, die
sie benötigte. Sie zog ihre schwere Pistole, hielt sie dem Vampir direkt
an den Kopf und drückte ab. Sein Kopf zerplatzte wie eine reife Melone.
Davon würde er sich nicht erholen. Von dem anderen war inzwischen nur noch
ein Häufchen Asche übrig.
"Die Zielperson ist nicht hier, was machen wir denn jetzt nur?" fragte
Kira Bray, der noch ein wenig erschöpft an der Wand lehnte. "Ist nicht
zu ändern Shakira. Laßt uns abhauen Leute und zwar schnell. Kira
- du schnappst dir den Mann! " Shakira nickte und warf sich die völlig
regungslose Gestalt über die Schulter. Rasch verließen sie das Zimmer
in dem inzwischen die Flammen immer höher zu lodern begannen.
Über ihr Com funkte Shakira Orlando an, der die Aktion immer noch vom Dach
gegenüber sicherte. "Orli, wir brauchen einen Wagen - kannst du in
der Umgebung was ausmachen?"
Der Scharfschütze begann die Gegend abzusuchen. Nicht weit entfernt stand
etwas, das man mit viel gutem Willen als "fahrbaren Untersatz" durchgehen
lassen konnte. Orli seufzte. "Wagen geortet... oder zumindest so etwas
in der Art. Bin gleich bei euch." Und Orlando packte sein Gewehr sorgfältig
zusammen und hastete dann die verrostete Feuerleiter hinunter, die vom Dach
führte.
Wenig später hatte Heath das Schloß der alten Schrottkarre geknackt.
Allerdings bedurfte es eines kräftigen Trittes von Shakira, um die eingerostete
Tür aufzuwuchten. "Heath, du fährst." sagte Bray. "Ich
sehe mal, ob unser Freund hier noch lebt." Er wandte sich Shakira zu und
sie half ihm, die reglose Gestalt in den Fond des Wagens zu legen. "Wir
folgen euch." erklärte sie dann, und sie und Orli eilten zu ihren
Motorrädern.
Sie alle waren alles andere als guter Laune. Sie hatten es versaut. Die Vampire
aus der Arcologie waren vor ihnen hier gewesen und nun war diese Pink in ihren
Händen. Sie wußten, daß ihr Auftraggeber nicht begeistert sein
würde über diese Entwicklung.
Bray versuchte diese Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen,
während er sich auf den zerschlagenen Körper vor ihm konzentrierte,
dessen Kopf schwer in seinem Schoß lag. Er ließ seine Wahrnehmung
auf die Astralebene gleiten. Blutverlust. Viel zu viel. Mehrere gebrochene Knochen.
Schwere Gehirnerschütterung. Eine der gebrochenen Rippen hatte sich in
einen Lungenflügel gebohrt. Und natürlich Schock.
Eigentlich war es ein Wunder, daß der Mann immer noch lebte. Er mußte
wirklich einen guten Grund haben, sich am Leben festzuklammern. Bray griff in
sich nach dem mächtigsten Heilzauber, den er kannte. Es würde nicht
reichen um alles zu heilen, dafür reichte seine Kunst nicht aus. Er konnte
Knochenbrüche und Wunden an Organen behandeln, aber von der Gehirnerschütterung
würde er sich so erholen müssen.
Ganz zu schweigen von dem Trauma der Vergewaltigung durch einen Vampir. Ein
bitteres Lachen entkam Bray's Kehle. Wie schön mußte es sein, wenn
einem noch auffiel, das man vergewaltigt wurde. Wie lange hatte er selbst das
schon hinter sich gelassen... Vielleicht würde ihnen der Mann wenigstens
irgendetwas nützliches sagen können. Als Bray aus seiner Heil-Trance
wieder auftauchte, stellte er fest, daß sie schon fast wieder in der Gasse
hinter dem Matrix waren.
Müde und ausgelaugt schleppten sie sich die Stufen empor
und standen kurz darauf in Trinity's "Empfangsraum". 'Sue' war immer
noch da und schien gerade etwas mit Trinity zu diskutieren, als die vier hereinstolperten.
Kira lud den Verletzten auf der nächstbesten Couch ab. Sie wagten es kaum
Sue in die Augen zu sehen, die sie nun fragend anschaute. Heath hüstelte
etwas verlegen, Kira kaute auf ihrer Unterlippe und Orli schaute an die Decke.
Bray seufzte und erklärte dann. "Die Zielperson war nicht mehr da
als wir eintrafen, nur dieser Mann hier. Wir haben die Vampire ausgeschaltet
die sich gerade an ihm zu schaffen machten und den Mann mitgenommen, keinerlei
Spur jedoch von dieser Pink. Tut mir leid Mam."
Sue schien einen Moment zu überlegen und nickte dann knapp. Sie ging zu
dem Mann hinüber und umfaßte sein Kinn um den Kopf etwas anzuheben.
Sie schien sein Gesicht genauestens zu studieren und seufzte dann. "Viel
scheint er nicht zu wissen. - Trinity du kümmerst dich um ihn. Wenn es
ihm besser geht, kontaktierst du mich und wir werden weiter sehen. Was euch
angeht Herrschaften..." sie wandte sich zu dem schon nervös wartenden
Team um, "ihr geht bis auf weiteres zu Kier zurück und wartet bis
ihr einen neuen Auftrag von mir erhaltet."
Entsetzte Gesichter starrten sie fassungslos an. Sue blickte genervt. "Irgendein
Problem?" Kira schluckte und setzte zum sprechen an, aber Bray kam ihr
zuvor. "Nein Mam. Kein Problem." sagte er langsam und mit Bedacht,
aber seine Augen sprachen eine ganz andere Sprache.
*****
Bray spürte, wie die Wut die er gespürt hatte, immer
mehr abebbte und einer stummen Verzweiflung Platz machte. Sie waren so nahe
dran gewesen. So nahe... und nun waren sie weiter von ihrem Ziel entfernt als
je zuvor. Bei dem Gedanken ins "Horny Pony" zurückzukehren stieg
ihm bittere Galle in den Mund. Wie sehr er dieses Leben haßte. Diese ewige
Aneinanderreihung von Schmerz, Demütigung und Niederlagen.
Er sah hinüber zu Shakira, die an der Bar saß und rapide ihr viertes
Glas Scotch leerte. Sie hatte einen Ausweg gefunden. Aber sie kam sowieso am
besten mit der Scheiß-Situation zurecht.
Sein Blick wanderte weiter zu Orli und Heath und er verspürte einen heißen
Stich der Eifersucht. Sie hingen aneinander wie die Kletten. Gemütlich
in einer der Nischen des Matrix sitzend, küßten sie sich, ohne ihrer
Umgebung irgendwelche Beachtung zu schenken. Bray bemerkte wie Haß in
ihm aufstieg. War den beiden egal, was gerade passiert war? Spielte es keine
Rolle, daß sie schon wieder verloren hatten, wenn sie sich nur gegenseitig
vögeln konnten? Anscheinend.
Und er konnte es ihnen nicht wirklich vorwerfen. Wie gern hätte er sich
auch an irgend jemand festgehalten. 'Einsamer Wolf' sagte eine spöttische
Stimme in seinem Kopf. Verdammt. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und
sah zu, wie Orli und Heath aufstanden und engumschlungen in einem der Hinterzimmer
verschwanden. Plötzlich war es viel zu heiß im Matrix. Er mußte
hier raus. Sofort.
Ohne weiter nachzudenken, oder sich die Mühe zu machen jemandem Bescheid
zu geben, verließ er den Laden durch die Hintertür und stapfte einfach
in den Nieselregen hinaus. Er wußte nicht wohin er ging, hielt den Blick
fest auf seine eigenen Füße gerichtet. Der Regen durchnäßte
ihn in kurzer Zeit bis auf die Haut, aber es war ihm egal. Er wollte sich schlecht
fühlen. Wollte am liebsten einfach im Regen ertrinken. Dann würde
es wenigstens endlich ein Ende haben. Erst als eine Stimme ihn plötzlich
ansprach, hob er den Kopf: "Hey Süßer, wohin so allein?"
'Podgy' fühlte sich gelangweilt. Es war eine öde
Nacht gewesen. Keine Schlägerei mit einer gegnerischen Gang, keine Auseinandersetzung
mit den Cops (die sich ja eh so gut wie nie hier blicken ließen) und auch
sonst war nichts Aufregendes passiert. Sie hatten aus lauter Langeweile ein
paar Autos aufgebrochen und einen Penner aufgemischt. Podgy - 24 Jahre alt,
bullig, brutal und der Anführer der anderen 9 Jungs im Alter von 16 bis
22 Jahren, beschloß für "Aufregung" zu sorgen.
Ein gemeines Grinsen huschte über sein Gesicht, als er den dunkelhaarigen
Jungen aus einer der Hintertüren des "Matrix" kommen sah. Der
Bursche war allein...sehr allein. Podgy beschloß, etwas dagegen zu unternehmen.
Seine Stimme troff vor falscher Süßlichkeit, als er ihn ansprach,
während er mit schweren Schritten näher stiefelte. "Is gefährlich
so allein hier rumzuschleichen... ich glaube meine Jungs und ich begleiten dich
besser ein Stück, Kleiner." und mit einer weitausholenden Geste deutete
er auf die übrigen Mitglieder seiner Gang, die sich in dem kalten schmutzigen
Regen wie nasse Ratten um Bray versammelt hatten.
Bray starrte den dreckigen Ganger eine ganze Weile an, ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Nur noch eine häßliche Visage mit einer häßlichen Stimme, die häßliche Dinge sagte. Ein weiteres Mal in einer scheinbar endlosen Reihe. Nichts unterschied ihn und seine Freunde von Udos Kunden. Außer vielleicht, daß er ein bißchen verhungerter aussah. "Fuck off." knurrte Bray, ohne viel Überzeugung. Er war einfach zu müde.
"Da seht ihr's wieder Leute" säuselte Podgy mit schlecht gespielter Bekümmertheit "Das hat man nun davon wenn man nett ist. - Scheint ganz so als müßten wir hier jemandem erstmal ein paar Manieren beibringen, meint ihr nicht? " Podgy's fette Hand griff nach Bray's Mantel, um sich darin festzukrallen. Seine Gefolgschaft johlte vor Begeisterung. Es war wirklich ein ziemlich langweiliger Tag gewesen.
Bray trat halbherzig nach dem Typ, der offenbar der Anführer dieser armseligen Ausrede für eine Gang war. Irgendein kleiner Teil in ihm wußte, daß er sich wehren sollte. Daß er diese Typen einfach wegfegen konnte. Aber wozu? Wozu sich die Mühe machen? Es spielte doch keine wirkliche Rolle, was sie mit ihm machten. Es würde sich nicht von dem unterscheiden, was sowieso tagtäglich mit ihm geschah. Es interessierte niemanden, was aus ihm wurde. Warum also kämpfen.
Podgy wuchtete den Jungen zu sich heran und sein abgestandener
säuerlicher Bieratem wallte über Bray's Gesicht. "Du solltest
dich jetzt wirklich ganz schnell bei Podgy entschuldigen, Kleiner! Wäre
echt besser für dich!" Die Finger des Ganger’s preßten
grob in Kleidung und Fleisch. Der Kreis der anderen Gangmitglieder zog sich
jetzt enger und enger um das Schauspiel in ihrer Mitte. Auf der Straße
ringsum schien niemand Notiz zu nehmen. Die wenigen Leute, die an dieser verlassenen
Seitengasse vorbei kamen, hasteten schnell weiter, ohne einen weiteren Blick
auf die Szenerie zu werfen.
"Lohos doch P..p..podgy" stotterte ein kleiner schmächtiger Junge
in abgerissenen Lederklamotten enthusiastisch "mach den Sch..sch...scheißer
fertig!" Podgy grinste. Mit einem kräftigen Schubs stieß er
den Schamanen zu Boden und hatte seine Faust auch schon schmerzhaft in Bray's
Haaren versenkt, bevor dieser Anstalten machen konnte, sich weiter als bis zu
seinen Knien zu erheben. Podgy's andere Hand - dessen Gelenk ein breites Lederarmband
zierte, das mit Spikes besetzt war- nestelte bereits an seiner Hose herum. "Weißte
was?" quetschte er zwischen seinen gelblichen Zähnen hervor "Ich
hab' grad 'ne Spitzenidee wie du meine Vergebung erbitten kannst."
Einen Augenblick wallte Zorn in Bray auf, meldete sich *Wolf* in ihm zu Wort. Aber ebenso schnell wie er aufgetaucht war, verlosch das Feuer wieder. Bray starrte schweigend auf den Schritt des Ganger's vor ihm. Ließ den Geruch von ungewaschenem Schwanz über sich hinwegrollen. 'Da hast du's' sagte die kleine Stimme in ihm. 'Du bist ja doch nur eine Nutte, sieh es endlich ein und mach deinen Job'. Als einer der anderen Ganger dazu trat und ihn mit hartem Griff zwang den Mund zu öffnen, wehrte er sich nur noch 'für's Protokoll'. Eigentlich war es ihm egal. 'Podgy' schob seinen kleinen dreckigen Schwanz in seinen Mund und Bray spürte nicht einmal mehr den Wunsch ihn zu beißen. Er ließ es einfach geschehen. Tat nichts dagegen, aber auch nichts dafür. Ließ sich einfach ficken. Er war es so leid. Hoffentlich würden sie ein Ende machen. Ein endgültiges Ende. Und wenn nicht? War es ihm auch egal. Er fühlte sich, als wäre er innerlich eh schon gestorben.
Begleitet von den anfeuernden Rufen seiner Freunde, stieß Podgy wieder und wieder hingebungsvoll in Bray's offensichtlich willigen Mund. Er ließ sich Zeit. Als Anführer war es sein gutes Recht den Jungen als erster zu benutzen, wohl wissend, daß später kaum noch viel von ihm übrig sein würde - seine Jungs hatten schon zu lange nichts niedliches mehr zum spielen gehabt. So beschäftigt, bemerkte zuerst niemand die dunkel gekleidete Gestalt, die das Spektakel aus der Ferne verfolgte und nun mit schnellen Schritten in ihre Richtung kam. Die leisen energischen Worte, die sie schnell und hastig hervorstieß, vom Wind verschluckt.
Ewan mühte sich mit den Worten ab. Es war nicht leicht
richtig zu rezitieren und gleichzeitig zu rennen als ginge es um sein Leben.
Die Formel, die er erst vor kurzem für viel Geld von einem Hacker abgekauft
hatte, der bekannt dafür war das er gerne die geheimen Dateien von Arcologiemagiern
knackte, holperte schwerfällig über seine Lippen. Ewan fauchte grimmig.
<Ihr Scheißkerle. Gleich könnt ihr was erleben. Verdammt Bray,
halt durch.> Ein Bündel rotzuckender Blitze zentrierte sich in Ewan's
Handfläche und mit einem Schrei lies er es auf den Anführer der Ganger
los, der gerade dabei war seine Hose zuzuknöpfen und Bray an den nächsten
weiterzureichen.
Für einen Augenblick schaute Podgy nur dümmlich verwirrt, als die
Blitze wie glühende Lava seine Tonnenbrust trafen, dann fiel er einfach
nach hinten um. Ewan lächelte zufrieden - man sollte sich eben besser nicht
mit ihm anlegen! Doch das Gefühl der Überlegenheit ebbte sehr rasch
ab, als die anderen Ganger in ihre Jacken griffen um große, sehr gemein
aussehende Waffen herauszuholen. Und als Podgy -der eben noch mächtig tot
aussah- plötzlich zuckte und begann sich leise fluchend aufzurappeln, da
wußte Ewan das er es vermasselt hatte.
"Fuck..." war das einzige was er noch herausbrachte, bevor die erste
Kugel aus Podgy's Knarre ihn traf. Der wuchtige Körper des Ganger's hatte
den fehlgeschlagenen Zauber sehr schnell abgeschüttelt und Podgy drückte
mit einem boshaften Grinsen ein zweites Mal ab, und dann ein drittes Mal. Groß
und bedrohlich stand er vor Ewan, der keuchend auf dem Boden lag und gegen den
unsäglichen Schmerz ankämpfte der in ihm brannte. "Mach's gut
du kleines Stück Shit." fauchte Podgy und zielte auf den Punkt zwischen
Ewan's Augen...
Im ersten Moment fragte sich Bray einfach nur ein wenig geistesabwesend,
warum sie jetzt plötzlich von ihm abgelassen hatten. Er spuckte aus und
war gerade dabei, sich aufzusetzen, als er erst einen und dann noch zwei Schüsse
hörte. Er hatte noch Zeit sich zu wundern, warum er keine Schmerzen verspürte,
als *Wolf* in seinem Herzen aufheulte in endlosem, rasendem Zorn. Mit einem
tiefen Grollen in der Kehle kam Bray auf die Füße, die Augen gelblich
glühend wie die eines Raubtieres. Was er sah, raubte ihm den Atem: Ewan,
der blutend am Boden lag. Der Ganger, der über ihm stand, bereit abzudrücken...
Es geschah nur selten, daß Bray dem Tier in sich ganz und gar nachgab,
aber dies war einer dieser Momente. Er reagierte, ohne zu denken.
Der Ganger hatte noch Zeit sich umzudrehen und Bray anzusehen, als er die ganze
Macht *Wolf’s* beschwor. Es war ein Flammenmeer, das an Bray emporstieg
und sich dann in einer rasenden Welle von ihm ausbreitete, den Anführer
der Ganger zurückfegte und bis auf die Knochen verbrannte, sich weiter
ausbreitete, die anderen erfaßte, gegen die Wände der Gasse zurückschleuderte
und nur noch verkohlte Reste an den Wänden zurückließ. Einzig
Ewan blieb verschont. Bray warf den Kopf in den Nacken und brüllte seinen
Schmerz in den gleichgültigen Himmel hinauf. Dann war er mit wenigen Schritten
an Ewan's Seite und kniete neben ihm nieder. Der Magier war bei Bewußtsein,
aber das Leben verließ seinen Körper schnell.
"Bray..." Ewan versuchte nach ihm zu greifen, aber er war bereits so schwach, daß es schon Mühe machte, nur die Augen offenzuhalten. Mühsam preßte er die Worte hervor, sich an den letzten Rest von Leben klammernd, der noch in ihm war "Ich hatte solche Angst um dich... bist du okay?" seine Stimme wisperte nur noch kraftlos. Alles schien so still um ihn herum, so zeitlos... und es war so kalt... Regentropfen wie Hammerschläge auf seiner Haut, Eisigkeit, Einsamkeit... aber nein - Bray war hier! Bray war hier mit ihm, würde bei ihm bleiben, wenn er jetzt starb... "Bray..." Blut auf Ewan's bleichen Lippen.
Nein... Es war nicht mehr als ein Wispern in Bray's Herz. Wieso
hatte Ewan sich eingemischt? Wieso war er nicht vorbeigegangen? Hatte er nicht
gesagt, daß er Bray nicht brauchte? War er nicht gegangen, ohne nur einmal
zurückzublicken? Und nun lag er hier in seinem eigenen Blut und alles was
er fragte war ob Bray okay war?
*Wolf* stand an Bray's Seite und sah auf den Magier hinab. Schweigend und unnachgiebig.
Raubtier. Dann sah er Bray an und in seinen Augen war stummer Vorwurf. Und Bray
verstand. *Wolf* hatte den Magier akzeptiert und nun gab es nur noch einen Weg,
wohin der auch immer führten mochte. *Wolf* verrät nie sein Rudel.
Sanft zog der den Kopf des Magiers in seinen Schoß und strich über
seine Stirn. Dann griff er tief in sich hinein und aktivierte einen anderen
Zauber.
Vorsichtig glitten seinen Hände über Ewan's Körper, verharrten
kurz über den Stellen, wo die Kugeln sich in Fleisch versenkt hatten. Wie
feiner Nebel stieg das Metall aus dem Körper des Magiers und löste
sich auf. Unter Bray's kundigen Händen wuchsen Knochen wieder zusammen,
wob sich Fleisch und Haut neu, ersetzte Magie und Energie verlorenes Blut, bis
keine Spur mehr blieb von den Verletzungen.
Wieso war der Himmel so blau? Noch nie hatte er einen so blauen Himmel gesehen, so leuchtend... nicht mal in den unendlichen astralen Weiten war der Himmel so strahlend. Ein Gefühl von tiefem Frieden erfaßte Ewan und er lies sich einfach treiben. Sanfte Stimmen schienen ihn zu rufen, Hände ihn zu berühren und eine griff nach ihm, dann - Schwärze. Er fiel... Hilflosigkeit, Angst... dann plötzlich ein sanfter Faden leuchtenden Lichts, einen Pfad markierend aus der Dunkelheit. Gelbe funkelnde Augen die in ihn blickten... Vertrautheit, Wärme, Akzeptanz... "Komm mit mir Ewan. Komm zurück. Komm zurück zu mir." Naßkalter Regen der klopfend auf Haut traf, harter Boden unter seinem Körper, der verbrannte Geruch von Fleisch... Einen plötzlichen ruckhaften Atemzug nehmend, schlug Ewan die Augen auf.
Bray öffnete langsam die Augen und atmete tief durch. Wieder einmal hatte er dem Tod eine Seele abgerungen. Es kostete ihn viel Kraft, diese Magie zu wirken, aber... Er senkte den Blick und blickte in Ewan's Augen, die offen waren und ihn voller Verwunderung anstarrten. Plötzlich fühlte er Unsicherheit in sich aufsteigen. Was nun? Wie sollte er Ewan erklären, was er gerade getan hatte?
"Was..?" Ewan's Kopf schwirrte. Er verstand nicht.
Was war passiert? War er tot? Aber so sah doch sicherlich kein Leben nach dem
Tod aus, oder? Ewan's Hände tasteten nach den Stellen wo noch Minuten zuvor
Kugeln eingeschlagen waren, sein Fleisch zerrissen hatten, begleitet von Schmerzen
die unvorstellbar gewesen waren. Doch jetzt verrieten nur noch die großen
Löcher und Fetzen in seiner Kleidung, daß all das wirklich passiert
war. Aber wie war das möglich das alle seine Wunden geheilt waren? Das
er dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen war?
Nur ein Magier von beträchtlicher Macht konnte derartige Magie wirken,
Ewan wußte, daß er es nicht konnte. Also wer hatte es getan? Außer
ihm und Bray war niemand weiter hier... Bray. Ewan schloß für einen
kurzen Moment die Augen und versuchte sich zu erinnern. Feuer...Schreie, entsetzliche
Schreie...der Geruch verbrannter Leiber, der immer noch die Luft erfüllte...
glühende gelbe Augen... ein Schrei aus heiserer Kehle, tierisch und erbarmungslos,
der Ruf eines Wolfes... Bray.
Ewan starrte fassungslos auf den erschöpft wirkenden Jungen über sich,
den er nun schon so lange zu kennen geglaubt hatte. "Du hast das getan."
flüsterte er. "Die Ganger töten, meine Wunden heilen... das warst
du, nicht wahr?" <Und ich habe es nicht bemerkt.> wisperte die Stimme
seines Ego's mit verletzter Eitelkeit.
Bray spürte Angst in sich aufsteigen. Was, wenn Ewan nun wütend wurde? Was, wenn er wieder einfach ging? Aber ihm blieb nun keine andere Wahl als ehrlich zu sein. Ganz langsam ließ er all die Hüllen und Schichten der Tarnung, die er um seine Aura gewunden hatte, fallen und ließ Ewan sehen, was sich wirklich darunter verbarg. "Ja." beantwortete er Ewan's Frage leise. "Ich war es."
Wie eine Woge spülte der Ansturm mentaler Energie über
ihn hinweg, als Bray seine wahre Aura vor ihm offenbarte. Ewan keuchte. Es war
offensichtlich, das Bray's Magie weit über den Fähigkeiten von Ewan
stand. Das war auch der Grund, warum der Schamane es so gut vor ihm hatte geheim
halten können. Es war nun nicht gerade so das Bray seine Kunst bereits
perfektioniert hatte, aber er verfügte mit Sicherheit über ein breites
Spektrum an Zaubern und konnte die Energien seiner Magie verläßlich
in die gewünschte Richtung lenken. Etwas von dem Ewan oft noch meilenweit
entfernt war, wie er heute wieder sehr eindrücklich bewiesen hatte.
"Und ich wollte *dich* retten." sagte der Magier in bitterem Tonfall.
"Ohne dich wäre das heute mein Tod gewesen." Er wußte nicht
was er sagen sollte. Er kam sich so dumm vor, so schwach. Die ganze Zeit war
er Bray gegenüber arrogant und überheblich gewesen, hatte er gedacht
das er über dem anderen stand und gönnerhaft auf ihn herunter geblickt,
und jetzt brach das alles plötzlich zusammen wie ein Kartenhaus.
Der Magier schluckte. Wie leicht hätte Bray ihn töten können
- bei jedem Streit den sie in den letzten Monaten gehabt hatten. Zu was hatte
er den anderen nicht alles gezwungen... Warum nur hatte Bray sich das gefallen
lassen? Ewan verstand nichts mehr.
"Aber du hast mich gerettet." sagte Bray leise und
während er es aussprach wurde ihm bewußt, daß es wahr war.
"Wenn du nicht eingegriffen hättest, hätte ich mich einfach von
ihnen umbringen lassen. Es war mir so egal..."
Er ließ müde den Kopf hängen und sah auf seine Hände hinunter.
Wie weit war es mit ihm gekommen. Hatte er sich wirklich so sehr selbst verloren,
daß sein Leben ihm nichts mehr wert war? Anscheinend schon. Und Ewan?
Bray spürte Tränen in sich aufsteigen. Ewan würde wahrscheinlich
gleich irgendetwas wütendes sagen, Bray von sich stoßen und gehen.
Noch eine Niederlage. Er konnte eben nichts richtig machen.
In Gedanken schlang er die Arme um *Wolf* und suchte Trost in seinem warmen
Nackenfell. 'Nicht mehr lange' dachte er. 'Nicht mehr lange und ich komme endgültig
zu dir. Diesmal hat es noch nicht geklappt, aber bald. Bald ist es vorbei.'
Ewan schüttelte seinen Kopf um das Gefühl von Taubheit heraus zu bekommen, das ihn immer noch gefangen hielt. Er versuchte sich aufzusetzten, aber er fühlte sich so seltsam. Er hatte Angst das seine Beine sofort wieder unter ihm nachgeben würden wenn er jetzt aufstand, also blieb er einfach so wie er war. Bray's Worte hallten immer noch in ihm nach. 'Ich hätte mich einfach von ihnen umbringen lassen...' - "Wie meinst du das 'du hättest dich von ihnen umbringen lassen'?" Ungläubig schaute Ewan in die dunklen Augen des anderen. Wovon sprach Bray nur? Ewan war sich sicher, daß er ihn nur falsch verstand. Es mußte doch so sein?
"Es spielt doch eh keine Rolle mehr." antwortete Bray, immer noch darauf wartend, daß Ewan aufstand und ging. "Es interessiert doch niemanden, ob ich am Leben bin oder tot."
Es war fast so etwas wie Horror das sich jetzt in Ewan's Augen
schlich. "Was sagst du da?" wisperte er. "Sicher hast du Menschen
die dich vermissen würden? Freunde... " Ewan schluckte. Ihr letzter
Streit fiel ihm ein. Sie hatten sich im Zorn getrennt und er hatte vorgehabt
den anderen nie wieder zu sehen, sicher in dem Gefühl das es das beste
wäre. Das beste für ihn selbst.
Wenn du dein Herz niemandem öffnest, kannst du auch nicht verletzt werden.
Er hatte diesen weisen Ratschlag stets beherzigt. Doch dann... er hatte sich
noch nie so trostlos gefühlt, so leer. Ewan stellte fest das alles an ihm
sich nach Bray sehnte. Es war nicht nur der körperliche Aspekt, er vermißte
auch Bray's Sticheleien, den Klang seiner Stimme, dieses wilde Feuer in seinen
Augen wenn er wütend war, die beruhigende Vertrautheit von Bray's Körper
neben seinem.
An jedem Tag der seither vergangen war, hatte Ewan an Bray denken müssen
und einmal - in der schützenden Dunkelheit seines Zimmers - hatte er es
sogar zugelassen, daß Tränen über sein Gesicht rollten. Und
dann hatte er Bray in den Händen dieser Ganger gesehen und es hatte kein
Zögern und kein Nachdenken gegeben, nur schiere Angst um Bray.
Die Angst ihn zu verlieren, war so unglaublich groß gewesen, Ewan wußte,
er hätte sein Leben für ihn gegeben - und beinahe hätte er es
ja auch, nicht wahr? Ewan legte vorsichtig seine Hand an Bray's Wange, zwang
den anderen somit ihn anzusehen. "Mir ist es nicht egal ob du tot bist
oder nicht. Ich wäre heute für dich gestorben, Bray, und ich hätte
es keine Sekunde bereut. Du...bedeutest mir so viel... Du hast mich zu dir zurückgeholt,
jetzt bitte ich dich - bleib du auch bei mir!"
Bray sah auf den Magier hinunter und fragte sich, ob es nur
sein Wunschdenken war, das ihm die Worte vorgaukelte die Ewan gerade gesagt
hatte. Hatte er ihn wirklich gebeten zu bleiben? Aber der Ausdruck in seinen
Augen ließ keinen Zweifel an seiner Ehrlichkeit. 'Aber du hast gesagt,
daß du mich nicht brauchst' weinte die Stimme in seinem Kopf.
*Wolf* stupste Bray sanft an. 'Er wäre für dich gestorben. Wolf mates
for life' erklärte Bray's Totem-Geist sanft. Bray warf ihm einen schrägen
Blick zu und spürte gleichzeitig wie sein Herz wieder zu schlagen begann.
Irgendwie fühlte es sich an, als sei es in Erwartung eines baldigen Todes
stehengeblieben und jetzt erst neu erwacht. 'Ich dachte, du kannst ihn nicht
leiden' sagte Bray zu *Wolf*. Der schnaubte nur abfällig und trottete davon.
Offenbar war sein Totem nicht willens, mit ihm zu diskutieren.
Bray wandte seine volle Aufmerksamkeit wieder Ewan zu. "Danke." sagte
er, beugte sich zu dem Magier hinunter und küßte ihn sanft auf die
Stirn.
Ewan's Arme ergriffen den Körper vor ihm, als hätten sie ein eigenes Leben. Er hielt Bray fest umschlossen und wollte ihn nie wieder loszulassen. "Aber ich verstehe nicht" fragte er fassungslos, "wenn du so mächtig bist - warum bleibst du dann bei Udo? Du könntest einfach gehen, ihn töten, er hätte dich niemals dort halten können! Warum hast du erlaubt das man dir das antut?" Und leise, mit einem schmerzvollen Zittern in der Stimme, fügte er hinzu "Warum hast du es mir so lange Zeit erlaubt?"
"Ich..." Tja, was nun? Was konnte er Ewan sagen,
daß auch nur halbwegs glaubwürdig wirken würde. Natürlich
hätte er Udo jederzeit töten können. Ebenso wie Shakira oder
Orli das gekonnt hätten. Konnte er Ewan genug trauen? Im anvertrauen, warum
sie in diesem Höllenloch aushielten und alles über sich ergehen ließen?
"Ich habe dort etwas zu erledigen." antwortete er. "Etwas sehr
wichtiges. Und egal was es mich kostet, es muß getan werden."
Er nahm Ewan's Hände in seine. "Niemand darf erfahren was ich wirklich
kann, sonst war alles was ich bisher erduldet habe umsonst. Versprich mir, daß
du es für dich behältst! Bitte!" Er versuchte die Dringlichkeit
seiner Bitte auf Ewan zu übertragen. Und spürte schon die nächste
Frage in Ewan aufwallen. 'Was ist so wichtig, daß du dir das antust?'
Ewan strich sich mit beiden Händen durch's Haar, er versuchte krampfhaft seine Gedanken zu ordnen, aber er hatte das Gefühl das alles nur noch verwirrter und unklarer wurde. Was konnte denn nur so wichtig sein das Bray diese Höllenqualen auf sich nahm? Ewan fiel nicht eine einzige Sache ein die das gerechtfertigt hätte. Der Magier seufzte. "Und wirst du mir auch verraten was so wichtig ist, daß man sich dafür jeden Tag von Arschlöchern wie mir vögeln läßt?"
Bray mußte lächeln und gab unwillkürlich dem
Wunsch nach dem Magier, der immer noch in seinem Schoß lag, ein paar Haarsträhnen
aus dem Gesicht zu streichen. Dann beugte er sich zu Ewan's Ohr herunter und
flüsterte: "Ich verrate dir noch ein Geheimnis: Ich finde es gar nicht
so übel, wenn du mich fickst... Tatsächlich hätte ich gar nichts
dagegen, wenn du mal wieder vorbeikommen würdest..."
Er wußte, daß Ewan nicht ruhen würde, bis er die ganze Wahrheit
kannte, aber es konnte auch nicht schaden, ihn ein bißchen abzulenken.
'Er hat mich vermißt' dachte Bray fast ein wenig verträumt. Er spürte,
wie sein Blut heißer durch seine Adern rann. Ihre letzte Session war gar
kein schlechter Anfang gewesen. Wie mochte Sex zwischen ihnen erst werden, wenn
sie beide voll bei der Sache waren?
Ewan mußte grinsen. <Na schau mal einer an... > Beinahe stürmisch zog er den Kopf des anderen zu sich heran, während er sich selbst ein wenig empor reckte, um seine Lippen auf die des Schamanen zu pressen. Nur zehn Sekunden und einen atemraubenden leidenschaftlichen Kuß später, ließ sich Ewan wohlig und selbstzufrieden in Bray's Umarmung zurückfallen. "Ich wußte es doch." grinste der Magier unverschämt "Es braucht keinen Feuerball um jemanden zum *schmelzen* zu bringen."
Der Magier bettelte geradezu um eine spöttische Antwort, aber im Moment war Bray einfach zu zufrieden mit sich - wenn schon nicht mit der Welt, dann wenigstens das - und brachte es nicht über's Herz Ewan von seiner selbstherrlichen kleinen Wolke zu kippen. Dazu würde er später noch genug Zeit haben, wenn der Magier feststellte, was Bray ihm bisher alles vorenthalten hatte in der Sparte "sexuelle Befriedigung". Immerhin etwas, zu dem dieser Aufenthalt im Bordell gut gewesen war - er war sich sicher jeden Liebhaber, männlich oder weiblich egal welcher Rasse, befriedigen zu können. Was für eine dubiose Fähigkeit... Aber anscheinend war es ihm tatsächlich gelungen, Ewan von seinen neugierigen Fragen abzulenken. Vielleicht würde er es ja doch erstmal vergessen.
Ewan streckte und dehnte sich ein wenig und machte dann Anstalten
aufzustehen. Sie sollten nicht so lange in diesem kalten schmutzigen Regen bleiben,
es gab definitiv angenehmere Plätze. Ewan dachte an sein Zimmer in der
alten Fabrikhalle, die er mit seinen Freunden bewohnte. Sie hatten sich dort
ein gemütliches und unglaublich cooles Heim geschaffen. Ewan sah sich schon
mit Bray auf seinem breiten Bett liegen, eingekuschelt in viele weiche Decken...
wie es wohl sein mochte mit Bray außerhalb des "Horny Pony"
zusammen zu sein? Diesmal nicht als Kunde mit seiner Nutte, sondern nur als
Liebende...
Ewan verharrte plötzlich mitten in der Bewegung. Bray würde doch mitkommen,
oder? Dieser ganze Blödsinn das er angeblich nicht von Udo weg konnte weil
er dort was zu erledigen hatte... Ewan preßte die Lippen zu einem dünnen
Strich zusammen. "Hör mal Bray... du kommst doch jetzt mit zu mir,
oder? Ich meine, Du gehst doch nicht wirklich wieder zu Udo zurück, nicht
wahr?" Verzweifelt bettelten Ewan's grün schimmernde Augen Bray an.
'Wohl doch nicht' gab Bray seine Hoffnung auf, daß Ewan
locker lassen würde. Und schon wieder dieselbe Diskussion. Hoffentlich
würde sie diesmal besser verlaufen. "Ewan, ich muß zurück.
Ich bin noch nicht fertig mit dem was ich dort tun muß." 'Leider'
fügte er in Gedanken hinzu. 'Wäre dieser blöde Job heute nur
gut ausgegangen... dann könnte ich mich jetzt bei Ewan einrollen und mehrere
Monate Urlaub von meinen Alpträumen machen.'
Aber soweit war es noch nicht. Noch mußte er weiter durchhalten. Er sah
den Magier flehend an. "Bitte mach es mir nicht noch schwerer. Natürlich
würde ich lieber mit dir kommen. Aber ich kann nicht. Ich kann meine Freunde
nicht im Stich lassen." Ups... das hätte er nicht sagen sollen. Jetzt
wußte Ewan, daß er nicht allein in dieser Sache steckte. Verdammt.
Der Magier sah ihn einfach nur mit grüblerisch gerunzelter Stirn an und wartete. Er war sich sicher das der große Knall gleich kommen würde. <Aha... es sind also noch mehrere in "geheimer Mission" im Horny Pony unterwegs, ganz fantastisch. > dachte er sich und laut fragte er "Wie bitte? Du willst mir jetzt nicht etwa sagen, daß alle Nutten in Udo's Laden eigentlich irgendeiner obskuren 'ungemein wichtigen Sache' nachgehen, oder? Und dafür jeden Abend die Beine breit machen und sich ficken lassen!" Ewan bemühte sich ruhig zu bleiben. Er würde diesmal nicht ausrasten, nein... er würde ganz ruhig bleiben und diesen Bullshit erstmal auf sich einwirken lassen um vielleicht -irgendwann- einen verborgenen Sinn darin zu entdecken.
Bray seufzte tief. "Nein." sagte er mit soviel Geduld, wie er aufbringen konnte. "Es sind nicht 'alle' Nutten. Und wenn sie erfahren, daß ich es dir erzählt habe, werden sie mich wahrscheinlich für verrückt erklären weil ich dir traue. Aber was soll's, du steckst jetzt sowieso mit drin. Wir arbeiten da, weil es die einzige Möglichkeit ist, regelmäßig in die Arcologie zu kommen. Und was wir da drin machen, werde ich dir nicht erzählen. Dazu ist das Risiko einfach zu hoch. Für dich und für mich und für die anderen." Er packte Ewan's Hände. "Glaubst du, ich würde das machen, wenn es nicht wichtig wäre? Glaubst du, ich mache das zu meinem Vergnügen? Fuck, wenn diese Sache vorbei ist, werde ich das "Horny Pony" persönlich einäschern." 'Falls ich es vor Kira schaffe'....
Die Frage, ob das alles vielleicht nicht nur einem verrückten
Drogentrip von Bray entsprang, brannte Ewan auf der Zunge. Er schluckte sie
hinunter. Das letzte was er jetzt wollte, war Bray schon wieder zu verletzen.
Aber das war doch alles verrückt, oder etwa nicht? Aber wie konnte er Bray
nur von diesem Wahnsinn abhalten? Mit unschuldigem Gesicht ließ sich Ewan
wieder gegenüber von Bray nieder. Er hatte noch eine ganz besondere Überzeugungstaktik
parat, die für gewöhnlich nicht versagte... Sanft ließ er seinen
Körper gegen Bray gleiten und umschlang den anderen fest. Seine Lippen
ganz nah zu Bray's Ohr bringend, flüsterte er "Und du glaubst ernsthaft,
daß ich dich jetzt gehen lasse, wenn diese 'wichtige Aufgabe von dir'
so gefährlich ist?"
Spielerisch begann Ewan's Zunge kleine Kreise auf die empfindliche Haut entlang
des Halses zu malen, während seine immer noch etwas klammen Hände
unter das Shirt des Schamanen krochen, um über herrlich warme Haut zu streichen.
"Komm mit zu mir." flüsterte Ewan und stöhnte leise und
anzüglich in das Ohr das er gerade ausgiebig mit seiner Zunge erforschte.
"Wenigstens für diese Nacht..."
Bray ließ den Kopf zurückfallen und ein leises Grollen entkam seiner Kehle. Sollte er Ewan sagen, daß er sowieso genau das vorgehabt hatte? Nein, besser nicht. Dann würde er sich mehr Mühe geben, ihn zu halten. Einen langen Moment ließ er die Liebkosungen des Magiers über sich rollen. "Aber nur bis zum Morgengrauen." brachte er endlich hervor. "Dann muß ich wieder im "Matrix" sein!"
<Ein Anfang.> dachte sich Ewan - soweit er überhaupt noch denken konnte, denn im Moment übernahmen seine Hormone diese Aufgabe fast vollständig für ihn. "'kay." quetschte er hervor und versuchte die schwierige Aufgabe zu meistern den anderen hochzuziehen, während er gleichzeitig beide Hände in dessen Hose gleiten ließ um Bray's wundervollen knackigen Hintern zu umfassen. Immer wieder anhaltend um den anderen zu küssen, begann Ewan den Schamanen zu seinem Motorrad zu ziehen, das er beim 'Matrix' geparkt hatte.
*****
Heath versuchte mit den Händen irgendwie unter Orli's
hautenges Ledertop zu kommen, aber es widersetzte sich auf's äußerste.
Es sah einfach unglaublich geil aus, aber praktisch war es nicht gerade. Aber
dazu war es schließlich auch nicht gedacht. Kein Nutten-Outfit, dachte
Heath mit einem fröhlichen Grinsen. Er ließ sich von Orli durch die
Tür zum Hinterzimmer ziehen und dann gegen die zufallende Tür schieben.
Ließ den Kopf gegen die Tür zurückfallen und sich von Orli mit
Küssen bedeckten.
Seine Sinne schwammen regelrecht in Orli. Sein Geruch, so anderes an diesem
Abend. Kein billiges Parfum, sondern das Schmieröl von seinen Waffen und
vielgetragenes Leder. Die Geräusche. Sein heftiges Atmen, leises klimpern
von den Schnallen und Nieten an seiner Kleidung, Leder das gegen Leder reibt.
Das Gefühl des kalten Metalls der Nieten an Orli's Armbändern, als
seine Hände gierig unter Heath’s Shirt fuhren.
Hmmm... es fühlte sich alles so gut an. Er hatte gerade noch genug Geistesgegenwart,
die Aufzeichnungsfunktion in seiner Headware zu aktivieren. Diesmal würde
er sich nicht auf die unzuverlässigen Erinnerungen verlassen, die sein
Gehirn speicherte. Diesmal würde er sich sozusagen einen Live-Mitschnitt
ziehen.
Oh Mann, er war so tierisch heiß auf Heath - es war unglaublich!
Das Adrenalin des eben erst zurückliegenden Einsatzes pochte noch wild
in seinen Adern und mischte sich mit dem Frust und der Enttäuschung, daß
alles scheinbar umsonst gewesen war. Mit hastigen Bewegungen streifte Orli die
Lederjacke von Heath's Schultern und ließ seine Hände unter das silbern
glänzende Shirt gleiten. Sein Körper drängte sich gegen den des
Elfen, seine Hüften bewegten sich wie von ganz allein, fordernd und stürmisch.
Er schob Heath's Sonnenbrille hoch, um sie in den blonden Locken zu verankern,
und schenkte seinem Geliebten einen langen hungrigen Blick. Orli's Hände
fuhren am Rücken des Elfen hinab bis zum Bund der enganliegenden Hose und
zwängten sich hinein um die herrlichen Wölbungen darunter mit beiden
Händen zu umfassen. Wild begann er das feste Fleisch zu massieren, während
seine Zunge sich heiß und feucht in Heath's Mund drängte.
Heath sog Orli's Zunge noch weiter in seinen Mund. Ließ
seine eigene Zunge um die des anderen gleiten. Gab ihm sozusagen einen Vorgeschmack
darauf, was er alles konnte. Er schlang die Arme fest um den kleineren Orli
und zog ihn so nahe an sich, daß ihre Körper sich überall berührten.
Daß Orli Heath's harte Erektion spüren konnte, die sich gegen ihn
preßte. Zärtlich nagte er an der Unterlippe des anderen, tastete
mit der Zunge über die ebenmäßigen weißen Zähne,
die er so selten in einem Lächeln sah.
Grub dann die Hand in die Haare des Menschen und zog seinen Kopf zurück,
um seinen Hals küssen zu können. Langsam arbeitete er sich wieder
nach oben zu einem von Orli's Ohren und begann die zierlichen Rundungen mit
der Zunge zu erkunden.
Als Orli ihn von der Tür weiter in den Raum zog, nahm sich Heath kurz die
Zeit dem Blick des anderen zu folgen. Er spürte, wie ein heißer Schauer
durch seinen Körper lief. Billardtisch... wie absolut... archetypisch.
Erneut machten sich seine langen, schlanken Finger an Orli's Top zu schaffen
und diesmal gelang es ihm einen Weg darunter zu finden. Noch ehe sie den Tisch
erreicht hatten, hatte er es Orli soweit über den Kopf gezogen, daß
er den anderen damit für einen Moment effektiv fesselte.
Er nutzte die Gelegenheit, um Orli gegen die Kante des Tisches zu drängen
und ihn erneut wild zu küssen. Er wollte Orli. Wollte ihn unbedingt und
sofort. Nur ob er ihn über oder unter sich wollte, war er noch nicht ganz
sicher. Also packte er Orli und hob ihn mit überraschender Kraft auf den
Tisch. Dann begann er die Knöpfe an der Hose des anderen zu öffnen.
Na aber hallo! War das wirklich sein süßer blonder
Geliebter der sonst immer so unschuldig wirkte? Heath schien es ja wirklich
eilig zu haben. Orli war es nur recht, er konnte es gar nicht erwarten endlich
den nackten Körper des Elfen gegen seinem zu spüren. Beinahe fauchend
bäumte er sich gegen die Hände die geschäftig an seiner Hose
nestelten und befreite sich hastig endgültig von seinem Top, das nun auf
seiner schweiß-nassen Haut förmlich zu kleben schien.
Orli zog Heath eilig mit ihm auf den Tisch und genoß es, wie der andere
schweratmend auf ihm lag. Seine Hände strichen rhythmisch über die
Ausbeulung an Heath's Hose, aber er kam nicht mehr dazu sie zu öffnen,
denn in eben diesem Moment hatte der Elf Orli's Glied aus der engen Lederhose
befreit und schenkte ihm reichlich Zuwendung. Orli stöhnte und stieß
seine Hüften dem anderen entgegen, während er seinen Kopf nach hinten
fallen ließ und die Augen schloß.
Heath nahm sich einen Augenblick Zeit den Anblick seines Lovers
zu genießen, wie seinen Augenlider über den geschlossenen Augen flatterten,
wie sich die Hände in irgendetwas zu verkrallen versuchten und nur den
unnachgiebigen Bezug des Billardtisches fanden. Er hielt Orli's Glied fest in
der Hand und gab ihm kaum Spielraum, drückte sanft zu und ließ wieder
los, ließ den Daumen sanft über den geschwollenen Kopf des Schwanzes
gleiten.
Orli wimmerte verzweifelt und Heath konnte kaum glauben, wie sehr ihn das Geräusch
erregte. Er ließ sich wieder vom Tisch gleiten bis er zwischen Orlis Beinen
stand, genoß noch einmal den Anblick des Festmahls, das vor ihm ausgebreitet
lag. Dann beugte er sich herunter und nahm Orli's Schwanz in den Mund bis ganz
zur Wurzel. Orli gab ein ungläubiges Quieken von sich und verkrallte sich
automatisch in Heath’s Haarschopf.
"OhGottohHeathohGott..." Orlando stammelte beinahe panisch, als die Gefühle ihn überschwemmten. Er war sich nicht sicher wie lange er das aushalten konnte, ohne zu explodieren. "Bitte Liebster, bitte..." er wußte nicht einmal worum er bat, aber er wußte, daß er es *jetzt* brauchte, oder die Hitze seiner Leidenschaft würde ihn verbrennen. Er schluchzte fast, so überwältigend war dieses Gefühl. Als Heath ihn tief in seinen Mund nahm, bäumte sich Orli auf und schrie, um gleich darauf wieder schwach auf den harten Billardtisch zurückzufallen. Er war fast soweit, nur noch einmal und er würde...
Sollte er oder sollte er nicht...? Heath hatte nur einen Sekundenbruchteil
sich zu entscheiden. Langsam ließ er die Lippen über Orli's Glied
gleiten, strich ganz langsam und vorsichtig mit der Zunge darüber, kitzelte
die empfindliche Öffnung mit der Zungenspitze. Das war zuviel für
Orli, mit einem erstickten Schrei kam er und Heath sog seinen Schwanz im selben
Moment wieder tief in seine Kehle, nahm jedes bißchen von Orli in sich
auf, saugte an seinem Schwanz, bis Orli mit einem erschöpften Stöhnen
in sich zusammensackte.
Heath nahm sich Zeit Orli's Glied sorgsam sauber zu lecken. Er wollte einfach
nicht von ihm lassen. Zärtlich saugte er an der Spitze und spürte,
wie ein Schauer durch Orli's ganzen Körper ging. Heath zog eine seiner
eleganten Augenbrauen hoch. Ob er es schaffen konnte, daß Orli sofort
wieder hart wurde?
Orli kam schnell und heftig, sein ganzer Körper zitterte als stände er unter Strom und er glaubte schon allen Ernstes das er ohnmächtig werden würde. Aber Heath's talentierte Zunge ließ das nicht zu. Orli wimmerte als der heiße Mund seines Lovers sich erneut um ihn schloß und sanft zu saugen begann. Er konnte nicht mehr, er war fertig... oh Gott... es war beinahe schmerzhaft wie sein Schwanz begann wieder steif zu werden. Orli fühlte sich unglaublich geschwächt von diesem unglaublichen Orgasmus zuvor, aber sein Körper ignorierte schnell jedwede Müdigkeitserscheinung und erneut begann es in ihm zu brodeln.
Hmmm... das Gefühl, wie Orli's Schwanz in seinem Mund sich erneut mit Blut fühlte, wie er länger und immer härter wurde, sich beinahe schmerzhaft gegen seinen Gaumen drückte. Der Geschmack von Samen und Orli. Heath fühlte sich ganz schwindlig von all diesen überwältigenden Eindrücken. Erneut baute sich Spannung in Orli's Körper auf und Heath fragte sich neugierig, ob es ihm auch gelingen würde Orli's Aufmerksamkeit so zu fesseln, daß er erneut in Heath's Mund kommen würde. Mit allem was er in den Jahren bei Udo gelernte hatte, machte er sich ans Werk.
Orli's Hände fuhren auf dem kratzigen Bezug des Billardtisches
herum, suchten nach Halt und fanden keinen. Er ließ sie über seinen
schwitzigen Körper nach unten gleiten, erneut Heath's wundervolle Locken
packend und vergrub seine Finger darin. Orli's Kehle war durchgebogen und aus
seinem halbgeöffneten Mund kamen in unregelmäßiger Reihenfolge
Ermutigungen, Flüche, Liebesgeflüster und kehliges heiseres Stöhnen.
"Hör nicht auf... ja genau so... oh bitte, ja...oh fuck..."
Ein Teil von Orli sehnte sich danach, Heath die gleiche Behandlung zuteil werden
zu lassen, aber sein Körper gehorchte ihm schon lange nicht mehr. Er war
seinem Geliebten willenlos ausgeliefert und der blonde Teufel wußte das
genau. Orli's Grinsen erstarb auf seinen Lippen, als die Zunge des Elfen in
schnellem Tempo die Spitze seines Schwanzes umspielte, gierig die Tropfen aufleckend,
die sich bereits erneut darauf zu bilden begannen. "Fuck..."
Orli bäumte sich unter ihm auf, packte mit beiden Händen
Heath’s Haare und rammte seinen Schwanz tief in dessen gierigen Mund.
Zweimal, dreimal... dann kam er erneut, mit einer Mischung aus Fluch und Schrei.
Einen langen Moment blieb sein Körper zum zerreißen gespannt, dann
brach er zusammen und blieb keuchend liegen. 'Noch einmal?' dachte Heath und
leckte erneut jedes bißchen Samen mit der Zunge auf, wie eine Biene die
Nektar sammelt.
Er hob langsam den Kopf und sah auf Orli herunter, der zitternd dalag. "Noch
mal?" fragte er ganz unschuldig. Er wartete, bis Orli die Augen geöffnet
hatte und leckte sich dann voller sinnlichem Vergnügen über die Lippen.
"Willst Du mich umbringen?" keuchte Orli und ließ
seinen Blick über Heath wandern, der da so hingebungsvoll zwischen seinen
Schenkeln stand. "Komm her du Teufel." knurrte er dann und sammelte
all seine verbliebenen Kräfte, um den blonden Elf auf sich zu ziehen.
"Ja, nochmal," hauchte er Heath ins Ohr, dessen Spitze er spielerisch
mit seiner Zunge umkreiste, "aber diesmal will ich dich in mir spüren.
Ich will das du mich fickst Heath, gleich hier, schnell und hart. Was denkst
du, kriegst du das hin?" grinste er schelmisch, und seine Hand glitt nach
unten um endlich Heath's Schwanz aus der grauen Stoffhose zu befreien.
Wie gut es sich anfühlte ihn in der Hand zu haben, doch Orli's Verlangen
nach dem Elf war zu groß, als daß er sich lange mit bloßen
Liebkosungen zufrieden gegeben hätte. Hektisch begann er, Heath völlig
von dem störenden Material der Stoffhose zu befreien.
Heath gab ein tiefes, kehliges Schnurren von sich. Ob er es
schaffen würde, Orli zu ficken? Was für eine Frage! Wenn er mit seinem
Lover fertig war, würde der tatsächlich das Bewußtsein verlieren.
Während Orli's Finger seinen sowieso schon steinharten Schwanz weiter reizten,
zog er Orli's enge Lederhose ganz herunter. Einen Moment kämpften sie beide
mit dem unkooperativen Kleidungsstück. Dann streifte Orli es mit den Füßen
ab und öffnete bereitwillig seine Beine für Heath.
Heath glitt mit den Fingern zu Orli's Eingang, aber der gab ein ungeduldiges
Zischen von sich. "Jetzt!" fauchte er und zog Heath an seinem Schwanz
näher zu sich heran. Heath folgte nur zu gern.
Kein Aufschub mehr, kein Necken oder Spielereien, Orlando brauchte
es jetzt und sofort. Wollte seinen Geliebten tief in sich spüren und von
ihm genommen werden, bis die Welt in einem Wirbel der Glückseligkeit unterging.
Er drängte sich ihm entgegen, stieß seine bereits vor Verlangen pochende
Öffnung gegen Heath's köstliche Härte und schrie, als Schmerz
und Vergnügen für einen Moment verschmolzen. Dann gab es nur noch
das Gefühl von dem Elfen genommen zu werden.
Heath's Hand wand sich um Orli's Glied und begann es im Rhythmus zu seinen drängenden
Stößen zu massieren. Orli's Zunge schnellte aus seinem Mund um seine
trockenen Lippen zu benetzen, während sich seine Finger in Heath's Oberarme
krallten, um ihn noch näher zu sich ranzuziehen.
Orli war heiß. Heiß und unglaublich eng. 'Wie macht
er das...' konnte Heath noch denken, als Orli ihn noch tiefer in sich und um
ihn zusammen zog. Mit einer Mischung aus Stöhnen und Wimmern, begann Heath
hektisch in den anderen hineinzustoßen. Er hatte es ihm richtig besorgen
wollen, aber alle seine Pläne gingen in einem Meer aus gedankenloser Gier
unter.
Es fühlte sich so gut an. So unglaublich gut. Orli wand sich unter ihm
und gab die exquisitesten Geräusche von sich. Heath vergrub das Gesicht
an seinem Nacken und stützte sich gleichzeitig mit den Händen ab,
um noch härter in den willigen Körper unter ihm hineinstoßen
zu können. Er spürte, wie sich Orli immer mehr um ihn spannte, bis
er sich kaum noch in ihm bewegen konnte, bis die Menge an Daten die sein Schwanz
zu liefern versuchte, einfach zu viel wurde. Mit einem letzten Wimmern verbiß
er sich in Orli's Schulter und kam.
Orli war sich sicher, daß der Billardtisch in Flammen
stand. Er keuchte und stöhnte bis seine Kehle heiser war, bis nur noch
ein leises Wimmern und Schluchzen herauskam. Seine Muskeln griffen nach Heath,
massierten dessen Schwanz, zogen ihn tiefer in sich hinein. Als Orli Heath's
Orgasmus nahen fühlte, wußte er, daß der Strudel der Lust ihn
mit sich reißen würde.
Es war einfach zuviel. - Seine Finger kratzen über den Rücken des
Elfen, verzweifelt nach Halt suchend, und er spürte Heath's Atem über
seinen Hals streichen. Der Mund des Elfen fand seine Schulter und er biß
zu, sehr hart, beinahe als wollte er seine Zähne in ihn versenken, und
der Reiz des Schmerzes, kombiniert mit Lust und dem Gefühl von Heath's
heißem Samen der sich in ihn ergoß, war genug um ihn ebenfalls kommen
zu lassen. Orli war sogar zu schwach zu schreien. Er bäumte sich noch einmal
auf und fühlte dann auch schon wie Schwärze ihn umhüllte... es
war einfach zuviel.
Heath blieb erschöpft auf Orli liegen und rang um Atem.
Für einen Augenblick war ihm schwarz vor Augen geworden, aber er konnte
sich ja später alles noch einmal in Ruhe ansehen. Im Moment machte er sich
Sorgen um Orli, der völlig reglos unter ihm lag. Er rollte sich von dem
anderen herunter und sah ihn beunruhigt an. "Orli?" fragte er leise
und strich dem anderen die schweißnassen Locken aus dem Gesicht. "Liebster?"
Orli reagierte nicht.
Also beugte sich Heath über ihn, küßte ihn und atmete gleichzeitig
Sauerstoff in seine Lungen. So ernst hatte er es nun auch wieder nicht gemeint
mit dem 'bewußtlos ficken'. Unruhig fragte er sich, ob er seinem Geliebten
ernstlichen Schaden zugefügt hatte, als der sich zu regen begann.
"Oh fuck... war das geil." Orli lallte noch ein bißchen,
sein Kopf war schwindlig, sein Arsch tat ihm weh und sein Mund fühlte sich
pelzig an und ob er jemals wieder ein Gefühl in seinem Schwanz haben würde,
war noch nicht mit Sicherheit zu sagen - und trotzdem grinste Orlando wie ein
Idiot. Das war mit Abstand der beste Sex seines ganzen Lebens gewesen!
Orli preßte seine Lippen wieder auf den süßen Mund über
ihm und schloß erneut seine Augen, er war so verdammt müde. Ein Bett
wäre jetzt genau das richtige! Aber der Gedanke, daß sie dafür
wieder zu Udo zurück mußten, verdarb ihm die Vorfreude darauf.
*****
Bray kämpfte gegen seine Müdigkeit. Auf dem Weg zu
Ewan's Motorrad hatte die Erregung die der Magier in seinem Körper entfachte,
ihn wachgehalten, aber inzwischen hatte sich Müdigkeit wie eine warme Decke
über ihn gesenkt. Daß er hinter Ewan auf dessen Motorrad saß,
eng an ihn gekuschelt, den Kopf an seine Schulter gelehnt, trug auch nicht gerade
dazu bei, ihn wachzuhalten.
Er schloß die Augen und vergrub die Nase in Ewan’s langen Haaren.
Hmm... warm, vertraut. Der Wolf in ihm, wünschte nichts mehr, als sich
einfach einzurollen, jetzt, wo sein mate bei ihm war. Aber seine Vernunft war
gerade noch wachsam genug, um ihn zu warnen, daß er dann vermutlich vom
Motorrad fallen würde. Er hatte in dieser Nacht einfach zu viele heftige
Zauber gewirkt. Er fühlte sich ausgelaugt. Ob Ewan ihm wohl sehr böse
sein würde, wenn er sich einfach nur in seinen Arm kuschelte und endlich
einmal eine Nacht in Sicherheit und ohne Angst schlief?
Es war wunderbar so durch die Nacht zu rauschen; mit Bray dicht
hinter ihm, dessen warmer Atem im Nacken, die Hände um Ewan's Hüften
gelegt. Ewan konnte es kaum abwarten ihn mit zu sich "nach Hause"
zu bringen. Dann konnten sie das fortführen womit sie soeben begonnen hatten...
Was die anderen wohl zu Bray sagen würden? Würden sie ihn akzeptieren?
Es dauerte nicht lange und sie hielten vor dem großen Lagerhaus in dem
Ewan zusammen mit seinen Freunden wohnte. "Wir sind da." flüsterte
der Magier Bray zu und drehte seinen Kopf leicht, um ihn anzuschauen. "Ich
freue mich so sehr, daß du diese Nacht hier bleiben willst. Du wirst es
nicht bereuen, das verspreche ich dir!" und seine Lippen suchten die von
Bray.
Bray lächelte verschlafen. Er wollte Ewan ebenfalls küssen,
aber dann mußte er gähnen. Etwas verschämt kratze er sich hinter
dem Ohr. "Sorry." murmelte er dann. "War eine ziemlich harte
Nacht bisher." Der Magier zuckte die Achseln. "Komm erstmal rein."
sagte er und nahm Bray bei der Hand. Bray betrachtete das Gebäude mit soviel
Neugierde, wie er in seinem momentanen Zustand aufbringen konnte.
Das Rolltor, das offenbar der Haupteingang war, zierte ein riesiges Graffiti,
das offenbar das Symbol von Ewan's Gang zeigte. Ein grinsender Totenschädel
mit Sonnenbrille. Der Magier zog das Tor hoch und winkte Bray, ihm zu folgen.
Die Halle war ziemlich hoch. Ursprünglich hatte sie wohl aus einem einzigen
großen Raum bestanden, aber irgend jemand hatte zahllose kleinere Zwischenböden
in verschiedenen Höhen eingezogen, die jetzt als Schlafplätze der
Gangmitglieder dienten. Auf einigen brannten kleine Lagerfeuer, andere wurden
von Lampen oder Lichterketten beleuchtet. Die Plattformen waren mit Leitern,
Strickleitern und schmalen Stegen verbunden. Unten in der Halle standen die
Motorräder der Gang, zu denen Ewan jetzt auch seines schob. Dazwischen
reckten sich seltsame Metallfiguren nach oben, die anscheinend aus Schrott und
Gerümpel zusammengeschweißt waren.
Ewan wandte sich gerade zu Bray, um irgend etwas zu sagen, als sich eine schlanke,
blonde Frau von einer der niedrigeren Plattformen schwang und ihnen entgegenkam.
"Na Ewan, wen hast du denn da mitgebracht?" fragte sie. Bray sah sie
sich interessiert an. Sie trug enge Jeans, ein knappes Top und auf ihrer blonden
Mähne saß eine Sonnenbrille. Viel interessanter war jedoch der Anblick
den sie im Astralraum bot. Ihr Körper war durchzogen von schwarzen Linien
und Flecken. Sie mußte eine große Menge Cyberware haben, die ihre
körperlichen Fähigkeiten aufpolierten. Sie bewegte sich mit der Geschmeidigkeit
einer jagenden Raubkatze. Und eindeutig unnatürlich schnell.
"Nikita, das ist Bray." erklärte Ewan. "Oh, dein kleiner
Loverboy? Wieso bringst du den denn mit nach Hause?" Nikita musterte Bray
neugierig. Ewan setzte zu einer Antwort an, aber Bray kam ihm zuvor bevor er
irgend etwas verräterisches sagen konnte. "Der Herr Magier braucht
mal ein bißchen Abwechslung." sagte er mit einem anzüglichen
Lächeln. Nikita grinste breit. "Na dann wünsche ich dir viel
Spaß!" sagte sie fröhlich zu Ewan, klopfte ihm ermutigend auf
die Schulter und verschwand wieder im Halbdunkel der Halle.
Ewan sah Bray an und lächelte schief. Ein wenig unwohl fühlte er sich
schon beim Gedanken daran, daß Nikita glaubte, daß der Junge nur
sein Fucktoy war. Aber wenn Bray es so wollte... Und nichts spielte heute Abend
wirklich eine Rolle, außer daß er mit dem Schamanen zusammensein
konnte. Das erste Mal einschlafen mit diesem wunderbaren Körper in seinen
Armen - wie lange hatte Ewan davon geträumt! Stürmisch zog er Bray
hinter sich her und verschiedene Treppen und Leitern hinauf, bis sie auf einer
großflächigen Ebene standen. Es war ziemlich dunkel hier.
Ewan grinste Bray an und schloß dann seine Augen. Bray konnte spüren,
wie er Magie in sich sammelte. Ewan runzelte seine Stirn und streckte die rechte
Hand aus, ließ sie einen weitläufigen Halbkreis beschreiben, während
er irgend etwas vor sich hinmurmelte. Bray lächelte. Magier waren doch
zu komisch. Für alles brauchten sie Formeln und Gesetze. Trotzdem war er
beeindruckt als jetzt im ganzen Raum Kerzen zu knisterndem, loderndem Leben
erwachten. Der Raum wurde in ein warmes Meer von Rot getaucht. Winzige Staubflocken
tanzten wie Sterne in dem flackernden Kerzenlicht.
Unwillkürlich kuschelte sich Bray dichter an Ewan. Es war beinahe traumhaft
romantisch. - Der Raum war in recht dunklen, aber nicht düster wirkenden
Farben gehalten, die das Licht der vielen Kerzen wunderbar verstärkten.
Ein großes Bett stand seitlich in einer Art Alkoven, übersät
mit unzähligen flauschigen Decken und vielen großen und kleinen Kissen.
Zu beiden Seiten des Bettes standen große Kerzenständer, die Dutzende
gewundener roter und schwarzer Kerzen hielten.
Regale zogen sich in langen Reihen an den Wänden entlang, gefüllt
mit den unterschiedlichsten Utensilien und vor allem auch - Bücher! Wer
las heutzutage noch richtige Bücher? Bray lächelte. Es gab offensichtlich
noch einiges an Ewan zu entdecken!
Mit einem Ausruf der Begeisterung griffen Bray's Finger zu dem gewaltigen Stapel
aus Manga und Comic-Heften der in einer Ecke aufgetürmt war. Noch eine
Leidenschaft, die sie beide offensichtlich teilten! Ewan grinste, als er sah,
daß der Schamane offenbar dabei war seine ganze Aufmerksamkeit einem dieser
Hefte zuzuwenden. Er kauerte sich hinter den Jungen, der ehrfürchtig vor
dem Stapel kniete, und schob sacht dessen Haare zur Seite, um den schimmernden
Nacken mit leichten Küssen zu bedecken. "Gefällt es dir hier?"
fragte er den anderen leise, während er liebevoll durch dessen dunkles
Haar strich.
Bray lehnte den Kopf zurück gegen Ewan's Schulter, warf
noch einen etwas sehnsüchtigen Blick in Richtung des Spiderman-Heftes das
er in dem Stapel erspäht hatte und schloß dann mit einem tiefen Seufzen
die Augen. Diverse Wünsche und antrainierte Verhaltensweisen kämpfen
um die Oberhand in ihm. Die "Erziehung" die er bei Udo genossen hatte,
befahl ihm, sich sofort ausschließlich um Ewan zu kümmern, seine
Neugierde ließ ihn darüber nachdenken, was für Schätze
sich wohl noch in den beinahe achtlos aufgestapelten Heften verbargen. Und sein
Körper verlangte laut und sehr nachdrücklich nach Schlaf. Er ließ
den Kopf zur Seite sinken, als Ewan seinen Nacken küßte, sanft an
seinem Hals knabberte. Wenn sich sein Kopf nur nicht so verdammt schwer anfühlen
würde.
Sich einfach nur in Ewan's Armen einzurollen, vorzugsweise mit einem Manga zum
einschlafen, das war so ziemlich die Idealvorstellung. Aber der Magier hatte
sicher andere Pläne und Bray war sich nicht sicher, ob er es über's
Herz bringen würde, Ewan das zu sagen.
Ewan spürte wie der warme Körper in seinen Armen
immer schwerer wurde. Bray mußte sehr müde und erschöpft sein.
Nach all den Geschehnissen heute war das ja auch kein Wunder. Ewan konnte sich
vage vorstellen, was es den anderen gekostet haben mochte, die gesamte Gang
zu rösten und dann auch noch Ewan das Leben zu retten. Ein Wunder das der
Schamane sich überhaupt noch auf den Beinen halten konnte. Ewan's eigener
Körper fühlte sich merkwürdigerweise seltsam energiegeladen an,
die Nahtoderfahrung hatte offensichtlich all seine Sinne auf Äußerste
angespannt. Diese Anspannung drängte nun danach gelöst zu werden.
Alles an ihm kribbelte, aber er konnte das Bray doch jetzt nicht zumuten! Sicherlich
reichte dem anderen auch die unschöne Erfahrung die er heute mit dieser
verdammten Gang gemacht hatte. Ewan unterdrückte ein Seufzen. "Müde?"
flüsterte er und streichelte sanft über die Arme des Schamanen.
Bray kuschelte sich noch näher an Ewan's angenehme Wärme. "Mhm..." Gott, er konnte nicht einmal mehr die Augen offen halten. "Tut mir leid..." murmelte er. "War eine schreckliche Nacht bisher..." Er drehte sich zu dem Magier um, schlang ihm die Arme um den Hals, küßte ihn kurz, rieb dann seine Nase an der des anderen und lehnte schließlich seine Stirn an Ewan's.
Das Verlangen in Ewan tat einen leisen bedauernden Seufzer, aber seine Zuneigung für Bray akzeptierte die Bitte sofort. "Natürlich, ich verstehe das. Komm laß uns schlafen gehen. Es wird andere Nächte geben..." Sorgsam begann Ewan die immer noch leicht nasse Kleidung des anderen auszuziehen. "Du erkältest dich noch. Wir bringen dich besser schnell in mein warmes kuscheliges Bett, hm?" und er zwinkerte dem Schamanen verschmitzt zu. Der Magier warf seine eigene Kleidung achtlos in eine Ecke und warf einen zärtlichen Blick zu dem auf seinem Bett liegenden, nun schon beinahe schlafenden Jungen. "Na? Noch eine Gute-Nacht-Geschichte?" neckte er und hielt das Spiderman Heft in die Höhe, das der andere vorhin so sehnsüchtig angeblickt hatte.
Bray war sich immer noch nicht sicher, ob er wirklich glaubte, daß Ewan ihn so einfach nur bei sich schlafen ließ. Er fühlte sich schon ganz wirr vor Müdigkeit. Aus irgendeinem Grund fiel ihm plötzlich ein, daß er seinen siebzehnten Geburtstag vergessen hatte, der vor ein paar Tagen gewesen war. Er sah Ewan mit einem verträumten Lächeln an und fragte sich, ob das wohl jetzt ein verspätetes Geschenk war. Er schüttelte nur den Kopf, als Ewan ihn fragte, ob er eine Gute-Nacht-Geschichte hören wollte und streckte mit einem müden Grollen die Arme nach dem Magier aus. Als der neben ihm ins Bett kam, rollte er sich einfach bei ihm ein, den Kopf an seine Brust gekuschelt und ließ sich in die wohlige Umarmung sicheren Schlafes gleiten.
Ewan's Arme schlossen sich glücklich um Bray. Was für ein wunderbares Gefühl so einzuschlafen und zu wissen, daß man am anderen Morgen aufwachen würde und das erste was man sah, würde das Gesicht dieses herrlichen Jungen sein! Eine Welle der Wohligkeit überschwemmte den Magier geradezu. <So müßte es immer sein.> dachte er noch, bevor auch ihm die Augen langsam zufielen und er hinüber glitt in einen sanften Traum voll von Hoffnung und Zufriedenheit.
*****
Bray wußte nicht genau was so nachdrücklich an seiner
Aufmerksamkeit zerrte, aber es ließ ihm keine andere Wahl, als sich von
der wohligen Wärme die seinen Schlaf dominierte loszureißen. Er schlug
langsam die Augen auf und fragte sich verwirrt, wo er eigentlich war. Jedenfalls
nicht in seinem eigenen Bett. Dann erinnerte er sich an die vergangene Nacht
und dann fiel ihm siedendheiß ein, daß er unbedingt vor Morgengrauen
zurück im Matrix sein mußte, wenn er die anderen nicht in fürchterliche
Schwierigkeiten bringen wollte. *Wolf* saß im Astralraum neben ihm und
gab ein bekräftigendes Bellen von sich. Bray wurde bewußt, daß
es sein Totem gewesen war, daß ihn so nachdrücklich geweckt hatte.
Er dankte seinem Schutzgeist. Er hatte zwar nur eine knappe halbe Stunde Zeit
um zurückzukommen, aber besser als zu spät.
Er setzte sich auf, streckte sich und sah dann auf Ewan herunter, der neben
ihm lag und friedlich schlief. Es tat ihm entsetzlich leid den Magier aufzuwecken,
aber noch weniger wollte er einfach so verschwinden. Also beugte er sich zu
ihm herunter und küßte ihn vorsichtig.
...sie standen auf einem Berggipfel... beinahe schien es, als könnten sie den Himmel berühren. So friedlich war es hier... Ewan schlang seine Arme um Bray, um ihn nie wieder loszulassen und ihre Lippen näherten sich in einem vielversprechenden Kuß... - Die Szenerie um ihn begann zu verschwimmen, als des Magier’s Sinne in die Wirklichkeit erwachten, aber die federleichte Berührung des Kusses blieb. Ewan schlug blinzelnd seine Augen auf. Er lächelte als er Bray sah, und er streckte die Hand aus, um ihn näher zu sich heran zu ziehen.
Bray ließ es zu das der Kuß ein wenig länger wurde als er eigentlich geplant hatte, aber das warnende Heulen seines Totems hielt ihn davon ab seiner erwachenden Leidenschaft nachzugeben. "Ewan, ich muß zurück zum Matrix." sagte er.
Ewan blinzelte hart. Er hatte so gehofft den anderen zum bleiben bewegen zu können! "Geh nicht Bray." bat er erneut. "Bleib doch hier bei mir, bitte. Zumindest noch einen Tag? Diese eine Nacht? Wir könnten es uns richtig gemütlich machen. Ich bin sicher, daß ich das mit Udo irgendwie klären kann." Ewan wußte das er beinahe verzweifelt klang.
"Ich kann wirklich nicht bleiben." Bray zog Ewan noch einmal fest an sich. "Ich würde auch lieber hier bleiben und den Tag mit deinen Comics verbringen." Er grinste breit über die Empörung, die dieser Kommentar auslöste. "Aber ich muß wirklich zurück." Er biß den Magier spielerisch in die Nase. "Jetzt sei ein Schatz und fahr mich zurück zum Matrix. Ist ja nicht so, als würden wir uns nie wieder sehen. Oder bleibst du immer noch dabei, daß du keinen Fuß mehr ins "Horny Pony setzt?"
"Wenn das der einzige Weg ist, um mit dir zusammen sein zu können..." Ewan schaute betrübt. Er ließ seinen Blick über die vertraute gemütliche Atmosphäre seines Zimmers schweifen. "Dabei wäre es hier soviel angenehmer. Nicht wie bei Udo, wo das rosige Plüsch mich ständig daran erinnert das ich in 'nem beschissenen Bordell bin." Der Magier schmollte beinahe.
Bray mußte grinsen. "Na, wenn du bereit bist ein bißchen mehr anzulegen, bietet Udo auch Lieferservice an..." erklärte er im Spaß. "Oder wenn du es lieber spartanisch hast, kann ich dir mal das Zimmer zeigen, das ich mit drei Kollegen teile..."
"Lieferservice? Du meinst, ich könnte dich auch hierher... ähm... 'bestellen'?" Ewan schaute verlegen, aber die Idee gefiel ihm. Er wußte zwar, daß er seine Kumpels um das nötige Geld dafür würde anpumpen müssen, aber das war ihm die Sache allemal wert. Hmmm... Bray und er in seinem schönen weichen Bett, Kerzen, Musik, zusammen einschlafen und aufwachen... Ewan seufzte glücklich, einen verträumten Ausdruck im Gesicht. "Wenn es denn nicht anders geht. - Na dann mal los, auf zum Matrix." seufzte er schließlich und hüpfte aus dem Bett, um sich anzuziehen.
Es war kaum zu glauben, aber offenbar zog Ewan tatsächlich
in Erwägung ihn hierher zu bestellen. Bray schüttelte ein wenig verwirrt
den Kopf. Magier hatten anscheinend wirklich zuviel Geld...
Er stand ebenfalls auf und sammelte seine immer noch feuchten Klamotten auf.
Wenigstens hatte er seinen Mantel im Matrix gelassen. Aber mit dem Mantel wäre
er wahrscheinlich nicht so naß geworden. Und die Ganger hätten sich
mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht an ihn heran getraut, wenn sie
die schamanischen Zeichen darauf gesehen hätten. Kurze Zeit später
kletterten sie beide nach unten.
Das Grau des Himmel über ihnen wurde heller, als sie sich
dem Matrix näherten. Ein neuer Tag brach an. Ewan lies ein wenig traurig
den Kopf hängen, als Bray vom Motorrad abstieg und sich zu ihm wandte,
um sich zu verabschieden. "Tja dann..." sagte Bray. "Tja dann..."
sagte Ewan und lächelte schief.
Beinahe gleichzeitig beugten sie sich vor, um einen letzten feurigen Kuß
zu teilen, bevor sich der Schamane langsam umwandte um zu einer der vielen Hintertüren
des Matrix zu gehen, und Ewan sein Motorrad noch einmal aufheulen ließ.
Es klang fast wie ein Winseln. Bray drehte sich um und lächelte. "Bis
bald?" fragte er, ein wenig Unsicherheit schwankend in seiner Stimme. Ewan
nickte und blinzelte angestrengt die Tränen weg, die in seine Augen steigen
wollte. "Versprochen." Und sich einen Ruck gebend, zog er den Kragen
seiner Jacke höher und brauste davon, bis er nur noch ein winziger Punkt
in der Ferne war.
*****
Go, beloved
run fast
run far
take my heart
away with you
carry it
out of darkness
and keep it safe
close to your own
so it may
stay warm and alive
while I remain
cold and unfeeling
without pain
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