"SubMission"
Teil 4
by Beryll & Vagabond

 

It isn’t true, that there can be no light in the darkness.
It will even shine brighter, when everything around is black.

It isn’t true, that there can be no love in a world full of hatred,
It will even warm you more, when everything around is cold.


Stürmisch zerzauste der Wind seinen wilden dunklen Lockenkopf, als Orli auf das Dach hinaus trat. Die Luft war nicht wirklich besser hier, die Abgase der Stadt machten das Atmen alles andere als zum Genuß und die Nacht war so trüb und regnerisch wie immer.
Orli hielt Ausschau nach seinem Freund der nun schon vor geraumer Weile das gemeinsame Zimmer verlassen hatte um hier draußen "seinen Gedanken nachzuhängen" wie Heath es nannte. Orli kannte das, Heath machte das öfter. Manchmal schien der blonde Elf einfach mal ein wenig allein mit sich sein zu müssen.

blau... blaue Blumen... samtige Blätter, die sich zärtlich gegen seine Haut schmiegten... seinen Körper einhüllten... unbeschreibliches Gefühl der Wärme... so zart... Finger durch stilles Wasser... Spuren die einen Sinn ergeben...Geheimnisse enthüllen... zentriert... klar... überlegen... von Wind umtoste Turmspitze... herabsehen auf die ganze Welt... alles mein... alles so klar... click... betende Menschen zu seinen Füßen... der betäubende Geruch von Weihrauch... Hände, die ihn berühren... voller Unterwürfigkeit... voller Hingabe... click... weise Kehle... sanft schlagender Puls gegen seine Lippen, daß Gefühl wenn die Zähne durch die Haut dringen... wenn das Blut zu fließen anfängt... der Geschmack... süß und bitter...

Vorsichtig schlich sich Orli an Heath heran, der an einer der schmutzigen Stahlkonstruktionen des Daches lehnte. Er erhaschte einen flüchtigen Blick auf das Gesicht des anderen, der so seltsam verträumt aussah... ob Heath an ihn dachte? Orli mußte lächeln. Er war nur noch wenige Schritte von dem Elf entfernt, als ihn plötzlich das seltsame Gefühl überkam, daß etwas nicht stimmte. Etwas an Heath's Gesichtsausdruck war merkwürdig...

...Geräusch von sich nähernden Schritten... Flüstern von Kleidung unter jaulendem Wind... kalt... kalt... naß... kalt... Heath fiel aus seinem Traumprogramm und schlug hart in der Realität auf. Jemand war mit ihm auf dem Dach. Er zuckte zusammen, als er sah, daß es Orli war. Verdammt, verdammt... hatte er nicht gesagt, daß er nicht gestört werden wollte...
Er warf einen Blick auf seine innere Cyberuhr und stellte fest, daß er viel länger in dem Traumprogramm geblieben war, als er vorgehabt hatte... verdammt... schon wieder... aber es war so schön... so angenehm entspannend.... einfach zu vergessen... Am liebsten wäre er einfach wieder untergetaucht, aber es gab einen Job zu erledigen und er wollte Orli nicht beunruhigen. Also setzte er ein Lächeln auf und sah Orli an. "Ist es schon Zeit?" fragte er möglichst nonchalant.

"Ja..." Orli musterte ihn mit einem mißtrauischen Blick. "Bist du soweit? Bray und Kira warten schon auf uns." Er half dem Elf auf die Füße und strich zärtlich eine widerspenstige Locke hinter einem spitzen Ohr zurück. "Laß uns die Daten abgeben und hören ob sie es wert waren, daß wir dafür 'unseren Arsch hingehalten haben'." grinste er. "Und ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue, mal wieder ins Matrix zu kommen..." Orli kicherte. "Es war wirklich schwer genervt zu tun, als Udo verkündete, daß Trinity uns vier bestellt hätte. Wenn der Vampy wüßte..." Orli gab Heath einen schnellen Kuß und zog ihn dann an der Hand hinter sich her. Sie hatten keine Zeit zu verlieren.

*****

Vor dem "Horny Pony" wartete schon einer von Udos Gorillas, der sie zum "Matrix" fuhr. Der Club war im Inneren einer alten Lagerhalle eingerichtet. Von draußen konnte man grell-weiße Lichter in den schmalen Fenstern zucken sehen. Von außen machte der Laden nicht viel her. Die Halle unterschied sich kaum von den anderen in dem abgewrackten Industriegebiet. Die Wände waren mit zahllosen Graffitis bedeckt, die schweren Stahlträger, die die Konstruktion hielten, waren angerostet.
Aber vor dem Eingang, der aus einer schweren doppelflügligen Metalltür bestand, hatte sich eine lange Schlange von Menschen, Elfen und Orks gebildet, die Einlaß begehrten. Aber die beiden riesigen Ork-Türsteher ließen kaum jemanden passieren. Kein Wunder, zu dieser Uhrzeit war der Laden schon gerammelt voll. Es war einfach kein Platz mehr für noch mehr Gäste.
Der Wagen, in dem Orli, Heath, Bray und Shakira saßen, fuhr um das Gebäude herum und hielt an der Hintertür. "Und seit bloß brav." ermahnte sie der Gorilla noch einmal, bevor er sie aussteigen ließ. "Sonst könnt ihr was erleben. Ich hol euch im Morgengrauen wieder ab!"
Einen kleinen Moment standen sie einfach nur da und genossen die Atmosphäre, aber der drängelnde Ton ihres Aufpassers trieb sie voran. Sie warfen ihm schnippische Blicke zu und grinsten, dann gingen sie - Bray voran - in die Halle. Ein langer schwach beleuchteter Gang führte zur großen Tanzfläche, von der schon schwere Stakkatogeräusche zu hören waren. Die vier passierten zahlreiche Türen zu "Hinterzimmern" in denen die verschiedensten Geschäfte der einen oder anderen Art abgewickelt wurden und standen dann schließlich am Eingang zum eigentlichen Herz vom Matrix.
Schwitzende Leiber wiegten sich im gleichbleibenden dröhnenden Beat der Musik und Elfen mit sichtbar aufgebesserten körperlichen Attributen tanzten in perfekter Synchronisation auf erhöhten Podesten. Breite Metalltreppen führten zu verschiedenen Etagen hinauf von denen man einen perfekten Blick auf die Tanzfläche hatte.

Bray atmete tief den Geruch von schwitzenden Leibern, betäubendem Rauch und Alkohol ein. Langsam entspannte er sich. Seine Haltung wurde aufrechter, sein Augen bekamen eine leicht gelblichen Schimmer, sein Gesicht zeigte nichts mehr von dem geschlagenen kleinen Jungen, der noch vor ein paar Minuten aus dem Auto gestiegen war. Er hatte seine Tarnung abgelegt wie einen Umhang, unter dem jetzt sein wahres Ich zum Vorschein kam.
Er ließ seinen Blick über die anderen drei gleiten und bemerkte, daß es bei ihnen nicht anderes war. Shakira hatte locker die Hände in die Hüften gestemmt und ließ den Blick über die Tanzfläche wandern wie eine geschmeidige Raubkatze, die nach lohnender Beute sucht. Ihre ganze Haltung drückte kaum kontrollierte Energie und Kraft aus. Jemand, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte.
Heath hatte den Kopf hoch erhoben und irgendwoher eine Sonnenbrille gezogen, die jetzt seinen blonden Haarschopf zurückhielt und die Datenbuchse an seiner Schläfe enthüllte. Er sah kühl und überlegen aus. Völlig unberührt von seiner Umgebung.
Und Orli... Bray grinste. Orli's Veränderung war die geringste und doch die deutlichste. Vom kleinen niedlichen Boytoy war er zum Jäger geworden. Er lehnte bequem an Heath’s Schulter und alles an ihm sagte >komm her und versuch es, wenn du meinst, daß du gut genug bist<. Und es war offensichtlich, daß niemand in diesem Schuppen gut genug für ihn war.
Es war schwer zwischen all diesen Leuten eine einzelne Person herauszupicken, aber sie wußten nach wem sie zu suchen hatten. Sie fanden *sie* wie immer an eine der riesigen Metallsäulen ganz in der Nähe gelehnt, ihr aufmerksamer Blick über die Tanzfläche gleitend.
Ihr athletischer Körper steckte in einem hautengem schwarzen Lackledersuit, ihre Augen waren hinter einer Sonnenbrille verborgen, die Arme selbstsicher vor der Brust verschränkt. Jeder Besucher wußte, daß sie die Chefin war. Viele hatten schon versucht, sich an sie heranzumachen, aber alle waren abgeblitzt. Je nach Aufdringlichkeit waren sie aus dem Laden geflogen, hatten sich gebrochene Knochen eingehandelt oder waren mit dem Gesicht nach unten auf der Müllhalde gelandet.
Trinity hatte ihre Finger in allen möglichen Geschäften. Keines davon war legal, aber alle wichtigen Stellen standen auf ihrer "Spenden-Liste". Niemand wußte, woher sie ihre Finanzen bezog, aber sie schien unerschöpfliche Reserven zu haben. Jeder wußte, daß es ungesund war, sich mit ihr anzulegen.
Sie stand mit dem Rücken zu ihnen, ihre Augen immer noch auf das wilde Wogen der Tanzflächen gerichtet. "Ich habe schon auf euch gewartet." Trinity's Stimme war wie eine kühle Brise. Die Frau drehte sich um und schenkte ihnen ein schmales kühles Lächeln.
Kira war jedesmal auf's neue verblüfft wie scharf Trinity's Sinne waren. Mit der Geschmeidigkeit einer Katze glitt Trinity an ihnen vorbei und wandte sich in Richtung einer der Treppen die zu den "nicht öffentlichen" Räumen führten. Bray verharrte einen Moment regungslos, als würde er in sich hinein horchen und folgte ihr dann mit Orli, Heath und Shakira dichtauf.
Bray spürte so etwas wie einen kühlen Lufthauch aus der Richtung in die sie gingen. Er war sich nicht ganz sicher, aber als Trinity eine der Türen öffnete, überrollte es ihn geradezu. Mehr magische Power, als er je zuvor bei irgend jemand gespürt hatte. Also war es anscheinend endlich soweit. Man traute ihnen genug, daß eine der wirklich wichtigen Figuren auftrat.
Es befand sich nur eine Person im Raum und die zog sofort alle Augen auf sich, obwohl ihre Körpergröße eher gering war. Die Frau lehnte mit verschränkten Armen an der Wand gegenüber der Tür und strahlte eine Macht aus, die es offensichtlich nicht nötig hatte, sich verborgen zu halten. Sie trug ein Leder-Catsuit, das teilweise nur aus geschickt angebrachten Riemen und bronzenen Schnallen bestand. Um die Hüften hing locker ein Waffengurt an dem ein schwerer Ritualdolch befestigt war der vor Energie beinahe vibrierte. An den Unterarmen trug sie schwere Lederschienen, die so aussahen als seien sie schon des öfteren im Kampf verwendet und mit dunklem Blut getränkt worden. Um ihren Hals lag ein breites goldenes Band. Ihre dunklen Haare standen struppig von ihrem Kopf ab und schienen immer ein wenig in Bewegung zu sein, als würde ein nur für sie spürbarer Wind sie umwehen. Ihre Augen waren hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen, aber Bray fühlte sich sofort von ihnen durchbohrt und durchleuchtet. Er hätte nicht sagen können, ob sie in seinen Gedanken gelesen hatte oder nicht, so gut war sie. "Mylady." Trinity nickte der Magierin zu. "Sie haben die Daten."
Die Fremde nickte Trinity einmal kurz zu. "Ganz ausgezeichnet." Aus einem lackglänzenden Koffer an ihrer Seite holte sie einen Laptop heraus und verband ihn mit dem Netz. "Der Chip?" fragte sie, ohne sich zu ihnen umzudrehen, und streckte ihre Hand aus. Heath begann hektisch in seinen Taschen zu kramen und holte dann einen kleinen Datenchip hervor, den er beinahe ehrfürchtig in die wartende Hand legte. 'Mylady' legte den Chip ein und verschiedene Entschlüsselungsprogramme stürzten sich wie reißende Wölfe darauf. Das würde eine Weile dauern...
Ihr schwarzer Haarschopf wippte angriffslustig, als sich die Frau zu ihnen wandte. "So... und ihr seid also 'unser Einsatzteam'." Es war eher eine Feststellung als eine Frage und es gefiel den vier gar nicht, wie die Fremde sie spöttisch musterte. Automatisch versuchte Heath sich größer zu machen und Orli breiter auszuschauen. Shakira pulte nervös an einem ihrer Hauer, während Bray so ruhig stand, als wäre er erstarrt – Kira, die gleich hinter ihm stand, konnte sehen, daß seine Nackenhaare gesträubt waren.
Die Sonnenbrille verhüllte, daß der Blick der Frau abschätzend und kalkulierend über jeden einzelnen der vier glitt. "Bray... Shakira... Heath.. und Orlando." Sie stand auf und lächelte kühl. "Ich bin 'Sue' und von mir werdet ihr ab sofort eure Aufträge bekommen. Solltet ihr in irgendwelche Schwierigkeiten geraten, kontaktiert ihr wie bisher Trinity, sie wird alles an mich weiterleiten. Und jetzt wollen wir mal sehen, ob euer letzter Auftrag erfolgreich war..." Mit diesen Worten wandte sie sich wieder dem Bildschirm des Computers zu, auf dem die endlosen Zahlen- und Ziffernreihen jetzt verstummt waren und ein Text in einer fremden Sprache mit eigenartig gewundenen verschnörkelten Buchstaben zu lesen war. 'Sue' schien keine Schwierigkeiten zu haben, ihn zu lesen.
Bray und Heath versuchten beide einen Blick auf den Text zu erhaschen, stellten aber schnell fest, daß sie nichts damit anfangen konnten. Sie wußten alle nicht recht, was sie von der Frau halten sollten. Irgendwie hätten sie sich wohl irgendein Lob oder wenigstens ein nettes Wort gewünscht. Schließlich waren sie es, die für diese Mission im wahrsten Sinne des Wortes 'den Hintern hinhielten'. Aber auf der anderen Seite war ihnen natürlich klar, daß die Magierin mit Sicherheit wichtigere Dinge im Kopf hatte, als ihr Ego zu streicheln. Also rissen sie sich zusammen und versuchten, professionell auszusehen.
Ihr Gesicht war so rätselhaft wie zuvor, jedoch jetzt unterlegt mit einem Hauch von Angespanntheit als Sue den Bildschirm wieder löschte. "Ich muß telefonieren." sagte sie zu Trinity und ging ohne zu zögern in den angewiesenen abhörsicheren Nebenraum.
Die Minuten verstrichen und keiner gab auch nur den leisesten Ton von sich. Alle warteten in einer Art stummer Ergebenheit. Endlich, nach einer halben Ewigkeit wie es schien, kam Sue zurück, das Comgerät noch in ihrer Hand.
Sie verstaute es sorgfältig, sog einmal tief Luft ein, verschränkte die Hände hinter dem Rücken und begann: "Herzlichen Glückwunsch Herrschaften - die Auswertung der Daten war ein voller Erfolg. Wir wissen nun, auf was es die Gegenseite abgesehen hat. Mein Boss denkt außerdem, daß ihr es euch verdient habt zu erfahren, was dieser Datenchip enthielt, den ihr unter... 'mühevollem Körpereinsatz' (sie grinste sarkastisch) ... beschafft habt."
Sie schaute einmal in die Runde um sich zu vergewissern das sie auch die volle Aufmerksamkeit genoß und fuhr dann fort. "Was ihr da aus der Arcologie entwendet habt, ist - unter anderem - der Text einer sehr alten Prophezeiung, abgefaßt in einer Sprache, die heute nur noch von sehr wenigen verstanden wird. Sehr pathetisch und hübsch zu lesen. Wichtiger ist jedoch - diese Prophezeiung kündigt unter anderem von der Geburt eines 'Retters', der der Welt das Licht wiederbringen wird und sie somit von den Mächten der Finsternis befreit... - Nun, wir wissen schon länger von dieser Prophezeiung, allerdings hatten wir bisher keinerlei Hinweis auf diesen besagten 'Erlöser', weder wie man ihn erkennen könnte, noch wo er zu finden wäre. Die Gegenseite scheint uns da einen Schritt voraus zu sein. - Der Feind hat eine junge Frau im Visier die sich "Pink" nennt. Wieso man ausgerechnet sie für den gesuchten Erlöser hält ist uns noch nicht klar, doch fest steht, daß die Frau auf keinen Fall in die Hände des Feindes fallen darf. Wir wissen wo sie sich aufhält und wahrscheinlich hat der Gegner ebenfalls schon einen Trupp auf sie angesetzt. Ihr werdet sie zuerst finden, schnellstens hierher ins Matrix bringen und mir übergeben. Unterschätzt sie nicht - wenn sie die Gesuchte ist, wird sie Mittel zu ihrer Verteidigung haben. Noch irgendwelche Fragen?"
Bray sprach schon, ehe er richtig nachgedacht hatte: "Aber wenn sie tatsächlich die Richtige ist, wird sie dann nicht freiwillig mit uns kommen?"
Sue sah ihn mit einem kühlen Lächeln an. "Mein lieber Junge, würdest du einfach mit einem Trupp mitgehen, der mitten in der Nacht in dein Haus einbricht und versucht dich irgendwohin mitzunehmen?" Der spöttische Unterton in Sue's Stimme war nicht zu überhören. Sie fuhr im Geschäftston fort. "Es ist anzunehmen, daß 'die Auserwählte' selbst noch nichts von der Prophezeiung und ihrer Position weiß. Das wird sie mißtrauisch machen. Höchstwahrscheinlich würde sie euch nicht glauben. Und ihr habt keine Zeit mit ihr zu diskutieren und sie zum Mitkommen zu bewegen - wenn es sein muß, wendet ihr Gewalt an. Ist sie erst einmal bei uns in Sicherheit, werden wir ihr alles erklären." Die Magierin blickte arrogant in die Runde. "Noch jemand?"
Shakira hob zaghaft die Hand. "Tschuldiging, Mam... aber wenn wir das hinkriegen... ist dieser beschissene Job dann endlich vorbei... ich mein... können wir dann endlich den blöden Vampy kaltmachen...?" Sie sprach damit aus, was sie alle eigentlich unbedingt wissen wollten.
Sue blickte die junge Orkin einen Moment lang nur völlig regungslos an, hinter ihr erlaubte sich Trinity einen tieferen Atemzug. "Darüber sprechen wir, wenn dieser Auftrag erledigt ist, Shakira. Ich wüßte nicht, warum ihr noch länger bei Kier bleiben solltet, wenn wir die Auserwählte erst einmal auf unserer Seite haben. Aber mit jeder Minute die wir hier noch weiter Zeit verschwenden, sinkt diese Möglichkeit beträchtlich. Ich würde also vorschlagen ihr packt eure Sachen und macht euch auf den Weg." Und mit diesen Worten wandte sie sich um und begann sorgsam ihren Laptop in den kleinen Koffer einzupacken. Das Gespräch war offensichtlich zu Ende.
Die vier beeilten sich so schnell wie möglich aus dem Zimmer zu kommen. Draußen auf dem Flur atmeten sie alle einmal tief durch. "Du meine Güte..." murmelte Heath endlich. "Die war ja kälter als Trockeneis..." und sprach damit aus, was sie alle fühlten. "Holen wir unseren Krempel und sehen wir zu das wir loskommen." knurrte Bray. Der Gedanke Kier den dünnen Hals umzudrehen, beflügelte doch enorm. Sie warteten nicht auf Trinity, die drinnen bei 'Sue' geblieben war, sondern eilten in den Keller des Matrix hinunter, wo ihre Sachen lagerten.

Bray war mit ein paar schnellen Schritten an der großen Truhe, klappte sie auf und zog seinen geliebten Mantel heraus. Das weiche braune Leder war mit Fransen, Federn, Pelzstücken und zahllosen anderen kleinen Fetischen verziert und für Bray roch es so sehr nach *Wolf*, daß es sich anfühlte, als würde er nach Hause kommen als er den Mantel überzog. Er steckte sich noch eine kleine Pistole hinten in den Bund seiner Jeans und war fertig. Die anderen benötigen wesentlich länger...

Orlando ging zu der schweren Metalltruhe, auf der ein großes grinsendes Smiley prangte über dem sich zwei Gewehre kreuzten. Nachdem er eine komplizierte Zahlenkombination eingegeben und einmal kräftig dagegen getreten hatte, sprang die Truhe auf und gab den atemberaubenden Inhalt frei. Mit eifrigen Händen und einem seligen Grinsen im Gesicht zog Orli die schwere Lederhose hervor, die wie eine zweite Haut anliegen würde. Er streifte sein Shirt ab und schlüpfte in das ebenfalls pechschwarze Ledertop, das kurz genug war um noch einen frechen Ausblick auf seinen Bauchnabel zu gewähren. Passende Stiefel, die ihm bis zu den Knien reichten und mit vielen blanken Schnallen besetzt waren; ein blitzendes, enganliegendes und unglaublich provozierend aussehendes Nietenhalsband; dazu passende schwere Armbänder mit Spikes und ein kleiner silberner Ring im linken Ohr; fehlte nur noch... ja! Mit einem Seufzer zog Orli die Pistolengurte heraus, die sich kurz darauf über seiner Brust gekreuzt schlossen und füllte sie mit dem entsprechenden 'Inventar'. Auf dem Rücken verstaute er das zusammensetzbare Scharfschützengewehr. Über das Ganze kam nun noch ein leichter mattglänzender Lackledermantel und Orlando Bloom war nicht mehr wiederzuerkennen. Lässig gegen die Wand gelehnt, beobachtete er die anderen bei ihrer 'Verwandlung'.

Heath ertappte sich dabei, daß er zunächst einfach nur dastand und zusah, wie Orli mit zärtlichen Bewegungen seine 'Ausrüstung' auspackte. Früher hatte er nie verstehen können, warum der Scharfschütze des Teams sich ausstaffierte wie eine Sado/Maso-Werbefigur aber jetzt wußte er es. Wie gerne würde er seine Hände jetzt über diesen Körper gleiten lassen... 'Später!' ermahnte er sich und ging zu seiner eigenen Kiste. Zunächst zog er das Hartschalen-Case heraus in den sein Cyberdeck verstaut war, öffnete es und loggte sich kurz ein, um zu checken, ob die lange Ruhezeit dem Deck auch nicht geschadet hatte. Sofort wurde er von mehreren begeisterten Sub-Routinen begrüßt, die sich freuten, endlich wieder aktiviert zu werden. Von außen gesehen vergingen nur Sekundenbruchteile, aber Heath nahm sich die Zeit, jede einzelne zu begrüßen. Er würde sein Deck auf diesem Einsatz wohl kaum brauchen, aber mitnehmen würde er es trotzdem. Dann zog auch er sich um. Glatte dunkelgraue Stoffhose, ein hautenges, schwach silbern glänzendes Shirt mit etwas zu langen Ärmeln, die seine Hände halb verbargen, eine gerade geschnittene dunkelgraue Lederjacke, unter der er seine Pistole verbergen konnte. Und die Sonnenbrille vor die Augen. Und aus dem verletzlichen Jungen war der Prototyp eines arroganten Elfen geworden.

Shakira nahm das ganze 'Aufgeputze' der Jungs mit einem amüsierten Kopfschütteln hin. Sie selbst würde nicht viel brauchen. Sie kramte 'ihre Kiste' hervor und ließ den Metalldeckel aufschnappen. Zuerst wühlte sie unter einem Haufen T-Shirts eines mit dem sinnreichen Aufdruck "BITCH" hervor und tauschte es mit dem aus, das sie gerade trug. Dann holte sie aus dem Inneren der Kiste zwei unglaublich schwere, wuchtige Metallarmschienen. - Wen sie damit traf, der würde mehr verlieren als nur seine Zähne! Dann schlüpfte sie noch in ihre klobigen Stiefel, die an den Spitzen mit Metallplatten und Spikes versehen waren und steckte ihren 'speziellen Schlagring' ein. Eine schon etwas ramponierte Lederjacke darüber - Fertig.

Bray und Heath folgten den beiden anderen zu den Motorrädern, die in der Tiefgarage des Matrix auf sie warteten. Eine schwere, laute Harley mit einem riesigen silbernen Totenschädel auf dem Lenker für Shakira und eine schlanke glänzend schwarze Maschine für Orli. Bray sah amüsiert zu, wie die beiden ihre Motorräder begrüßten wie lange vermißte Verwandte. Dann schwang er sich hinter Shakira auf die Harley und packte sie fest um die schmale Taille. "Aber bitte nicht wieder irgendwelche Stunts..." konnte er noch sagen, ehe sie aus der Garage brausten, dicht gefolgt von Orli, an dem sich Heath festklammerte.

*****

Orli schwang sich von der Feuerleiter auf's Dach und lief in leicht geduckter Haltung zur gegenüberliegenden Seite. Dort angekommen, kauerte er sich in den Schutz der schmalen Brüstung, die die Kante des Daches umgab und nahm das schon zusammengebaute Scharfschützengewehr von der Schulter. Er nahm sich einen Augenblick Zeit es noch einmal zu überprüfen. Dann legte er sich flach hinter die Brüstung, legte das Gewehr an und benutzte das Zielfernrohr, um einen ersten Blick in die Wohnung zu werfen, in der sich ihre Zielperson angeblich aufhielt.
Es war immer seine Aufgabe, erste Sondierungen durchzuführen, damit die anderen nicht in einer Falle tappten. Eine Falle wie die, die sich ihm jetzt darbot. Er erkannte auf den ersten Blick, daß in der Wohnung nicht alles zum Besten stand.
Mehrere Fenster waren zersplittert, die meisten Möbel umgeworfen und von einem Kampf beschädigt. Er ließ das Zielfernrohr langsam über die Räume wandern die er einsehen konnte. Überall bot sich ihm das gleiche Bild. Wer auch immer dort gekämpft hatte, es hatte eine ganze Weile gedauert. Aber jetzt schien alles ruhig zu sein.
Halt, was war das? Im letzten Zimmer bewegten sich noch Gestalten und es stieg Rauch von einem Feuer auf, das offenbar mitten im Raum brannte. Er stellte das Fernrohr schärfer ein und was er sah, ließ ihn zischend einatmen. Ein Mann in einem eleganten, anthrazitfarbenen Anzug stand neben dem Feuer, ein Buch in der Hand und riß gerade eine Seite heraus, um sie ins Feuer zu werfen. Er stand mit dem Gesicht zu Orli, so daß der deutlich die langen scharfen Reißzähne des Mannes sehen konnte. Eindeutig ein Vampir.
Orli aktivierte sein Com-Gerät. "Ein Vampir in der Wohnung. Es ist definitiv gekämpft worden. Zielperson nicht zu sehen." meldete er. Er hörte Kira am anderen Ende in ihr Gerät fluchen. Er wollte ihnen gerade grünes Licht geben hineinzugehen, als eine weitere Gestalt ins Bild trat. Ein riesiger Schwarzer, ebenfalls im Anzug. Oder eher in Teilen eines Anzugs. Er hatte sein Jackett abgelegt und schleppte gerade einen stark blutenden weiteren Mann zu dem Vampir hinüber. Er ließ sein Opfer zu Boden fallen und sagte irgendetwas zu dem Vampir, der daraufhin lachte. Dann bückte sich der Schwarze zu seinem Gefangenen hinunter, zückte ein Messer und begann ihm die Kleidung vom Leib zu schneiden, ohne sonderlich darauf zu achten, daß sich ein noch lebender Mensch darunter befand.
Orli sah atemlos zu. Irgendwie wußte er genau, was jetzt kommen würde. Er wußte, er hätte seinen Freunden irgendetwas sagen sollen, aber er war so paralysiert wie ein Kaninchen im Angesicht einer Schlange. Stumm sah er zu, wie der Schwarze den Kopf des Verletzten hoch riß, ihn hart küßte und sich dann zufrieden Blut von den Lippen leckte. Der Gefangene der beiden Vampire versuchte davon zu kriechen, wurde aber von dem Schwarzen gestoppt, der ihm einfach einen Fuß in den Nacken stellte. Der andere stand immer noch am Feuer und sah amüsiert zu.
Orli beobachtete voller Entsetzten, wie der Schwarze sich die Hose öffnete, den Gefangenen bäuchlings auf einen Tisch warf und dann brutal in ihn eindrang. Er glaubte den Schmerzensschrei des Mannes bis auf's Dach herüber hören zu können. Das riß ihn endlich aus seiner Starre. "Geht sofort da rein!" sagte er in sein Com-Link. Es sind zwei Blutsauger. Keine Ahnung, wo diese Pink ist, aber sie machen gerade einen Menschen fertig." Er wußte, daß man die Panik in seiner Stimme hören konnte, aber er hätte sie nicht unterdrücken können. "Wenn ihr drin seit, erledige ich einen von den Vampys." fügte er noch hinzu.

Heath hörte deutlich den Unterton von Panik in Orli's Stimme. Er wußte, wie leicht Orli aus dem Gleichgewicht geriet. Das Letzte, was sie jetzt brauchten, war ein Scharfschütze, der wild in der Gegend herumballerte. Sie sollten sich besser beeilen.
Er folgte Shakira mit langen Schritten die ausgetretene Treppe hinauf, bis zu der Wohnung in die sie wollten. Vor der Tür blieb Kira stehen, und sah ihn erwartungsvoll an. Heath warf einen kurzen Blick auf das Türschloß. Kein Problem. Er zog einen Satz Dietriche aus der Innentasche seine Lederjacke und machte sich kurz an dem Schloß zu schaffen. Es war ziemlich verzogen, aber er schaffte es dennoch, es lautlos zu öffnen. Die Tür schwang auf und gab einen Blick auf die Verwüstung im Inneren frei. Heath fragte sich einen Moment lang, warum die Tür noch intakt war. Aber jetzt gab es wirklich wichtigere Fragen.
Mit der eingespielten Dynamik eines Teams das schon lange zusammenarbeitete, hechteten sich die drei in den Raum, der nun vor ihnen lag. Kira und Heath sicherten ab und gaben Bray Deckung, der seine ganze Konzentration auf sein magisches Gespür legen mußte und bereits eifrig dabei war einen wirksamen Zauber gegen die Vampire vorzubereiten. Sein angriffslustiges Knurren verriet, daß die Vampys eine gewaltige Überraschung erleben würden. "Wir sind drin" teilte Kira Orli über ihr Com mit, während sie mit einem mächtigen Satz über eine im Weg stehende Couch sprang und zielstrebig auf den nächsten Raum zusteuerte, aus dem einige unschöne Geräusche drangen.
Heath hielt sich im Hintergrund. Er war von dem Quartett im Kampf der Nutzloseste und Bray hatte ihm einmal sehr deutlich erklärt, was er mit ihm machen würde, wenn er noch einmal einem Feuerball im Weg stand. Es hatte den Schamanen einiges an Kraft gekostet, den Zauber noch rechtzeitig wieder abzubrechen. So folgte er Kira und Bray in sicherem Abstand ins Nebenzimmer, die Pistole für den Fall erhoben, daß jemand versuchen sollte ihnen in den Rücken zu fallen.
Kira hatte kaum die Türschwelle überquert, als sie auch schon von der Faust des schwarzen Vampirs begrüßt wurde, der ihr mit unglaublicher Geschwindigkeit entgegenschoß. Shakira wich ebenso schnell aus. Ihr Körper war mit Cyberware ausgestattet, die sie sowohl schneller als auch stärker als einen normalen Ork machte. Von den Mundwinkeln des Vampirs troff immer noch Blut. Ob die beiden Vampire den anderen Mann erledigt hatten, war nicht auszumachen. Heath erhaschte lediglich einen flüchtigen Blick auf die regungslose Gestalt, die immer noch auf dem Tisch lag.
Der Elf versuchte auf den Schwarzen zu schießen der mit Shakira in einen heftigen Kampf verwickelt war, aber die beiden bewegten sich so schnell, das Heath es nicht wagen wollte einen Schuß abzufeuern. Womöglich traf er dann noch Kira! Der am Feuer stehende Vampir wollte versuchen seinem Kumpel zu Hilfe zu kommen, aber ein sicherer Schuß aus einem Scharfschützengewehr hinderte ihn daran. Orli hatte mit seiner üblichen Präzision einen Herzschuß gelandet, und obwohl der Vampir leicht ins taumeln geriet, brauchte es doch noch einiges mehr, um ihn endgültig auszuschalten.
Heath spürte, wie sich seine Nackenhaare plötzlich aufrichteten und wußte genau was das bedeutete. Er sah zu Bray hinüber, dessen Augen in wölfischem Feuer glühten. Unsichtbares Feuer schien vom Boden um ihn her aufzusteigen, sich in seinen Händen zu sammeln. Der Vampir hatte noch Zeit, wieder auf die Füße zu kommen und sie anzufauchen, dann wurde er von Flammen eingehüllt. Heath hörte ihn kreischen. Ein unheimliches, viel zu hohes Geräusch, das an Ohren und Nerven riß.
Der Schwarze machte daraufhin den Fehler, sich verwirrt zu seinem Artgenossen umzudrehen. Kira nutzte den Vorteil sofort und drehte seinen Kopf mit einem heftigen Ruck in ihre Richtung. Es war genug, um das Genick des Vampirs zu brechen, aber nicht genug, um ihn zu töten. Aber Kira hatte die Zeit gewonnen, die sie benötigte. Sie zog ihre schwere Pistole, hielt sie dem Vampir direkt an den Kopf und drückte ab. Sein Kopf zerplatzte wie eine reife Melone. Davon würde er sich nicht erholen. Von dem anderen war inzwischen nur noch ein Häufchen Asche übrig.
"Die Zielperson ist nicht hier, was machen wir denn jetzt nur?" fragte Kira Bray, der noch ein wenig erschöpft an der Wand lehnte. "Ist nicht zu ändern Shakira. Laßt uns abhauen Leute und zwar schnell. Kira - du schnappst dir den Mann! " Shakira nickte und warf sich die völlig regungslose Gestalt über die Schulter. Rasch verließen sie das Zimmer in dem inzwischen die Flammen immer höher zu lodern begannen.
Über ihr Com funkte Shakira Orlando an, der die Aktion immer noch vom Dach gegenüber sicherte. "Orli, wir brauchen einen Wagen - kannst du in der Umgebung was ausmachen?"
Der Scharfschütze begann die Gegend abzusuchen. Nicht weit entfernt stand etwas, das man mit viel gutem Willen als "fahrbaren Untersatz" durchgehen lassen konnte. Orli seufzte. "Wagen geortet... oder zumindest so etwas in der Art. Bin gleich bei euch." Und Orlando packte sein Gewehr sorgfältig zusammen und hastete dann die verrostete Feuerleiter hinunter, die vom Dach führte.
Wenig später hatte Heath das Schloß der alten Schrottkarre geknackt. Allerdings bedurfte es eines kräftigen Trittes von Shakira, um die eingerostete Tür aufzuwuchten. "Heath, du fährst." sagte Bray. "Ich sehe mal, ob unser Freund hier noch lebt." Er wandte sich Shakira zu und sie half ihm, die reglose Gestalt in den Fond des Wagens zu legen. "Wir folgen euch." erklärte sie dann, und sie und Orli eilten zu ihren Motorrädern.
Sie alle waren alles andere als guter Laune. Sie hatten es versaut. Die Vampire aus der Arcologie waren vor ihnen hier gewesen und nun war diese Pink in ihren Händen. Sie wußten, daß ihr Auftraggeber nicht begeistert sein würde über diese Entwicklung.

Bray versuchte diese Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen, während er sich auf den zerschlagenen Körper vor ihm konzentrierte, dessen Kopf schwer in seinem Schoß lag. Er ließ seine Wahrnehmung auf die Astralebene gleiten. Blutverlust. Viel zu viel. Mehrere gebrochene Knochen. Schwere Gehirnerschütterung. Eine der gebrochenen Rippen hatte sich in einen Lungenflügel gebohrt. Und natürlich Schock.
Eigentlich war es ein Wunder, daß der Mann immer noch lebte. Er mußte wirklich einen guten Grund haben, sich am Leben festzuklammern. Bray griff in sich nach dem mächtigsten Heilzauber, den er kannte. Es würde nicht reichen um alles zu heilen, dafür reichte seine Kunst nicht aus. Er konnte Knochenbrüche und Wunden an Organen behandeln, aber von der Gehirnerschütterung würde er sich so erholen müssen.
Ganz zu schweigen von dem Trauma der Vergewaltigung durch einen Vampir. Ein bitteres Lachen entkam Bray's Kehle. Wie schön mußte es sein, wenn einem noch auffiel, das man vergewaltigt wurde. Wie lange hatte er selbst das schon hinter sich gelassen... Vielleicht würde ihnen der Mann wenigstens irgendetwas nützliches sagen können. Als Bray aus seiner Heil-Trance wieder auftauchte, stellte er fest, daß sie schon fast wieder in der Gasse hinter dem Matrix waren.

Müde und ausgelaugt schleppten sie sich die Stufen empor und standen kurz darauf in Trinity's "Empfangsraum". 'Sue' war immer noch da und schien gerade etwas mit Trinity zu diskutieren, als die vier hereinstolperten.
Kira lud den Verletzten auf der nächstbesten Couch ab. Sie wagten es kaum Sue in die Augen zu sehen, die sie nun fragend anschaute. Heath hüstelte etwas verlegen, Kira kaute auf ihrer Unterlippe und Orli schaute an die Decke.
Bray seufzte und erklärte dann. "Die Zielperson war nicht mehr da als wir eintrafen, nur dieser Mann hier. Wir haben die Vampire ausgeschaltet die sich gerade an ihm zu schaffen machten und den Mann mitgenommen, keinerlei Spur jedoch von dieser Pink. Tut mir leid Mam."
Sue schien einen Moment zu überlegen und nickte dann knapp. Sie ging zu dem Mann hinüber und umfaßte sein Kinn um den Kopf etwas anzuheben. Sie schien sein Gesicht genauestens zu studieren und seufzte dann. "Viel scheint er nicht zu wissen. - Trinity du kümmerst dich um ihn. Wenn es ihm besser geht, kontaktierst du mich und wir werden weiter sehen. Was euch angeht Herrschaften..." sie wandte sich zu dem schon nervös wartenden Team um, "ihr geht bis auf weiteres zu Kier zurück und wartet bis ihr einen neuen Auftrag von mir erhaltet."
Entsetzte Gesichter starrten sie fassungslos an. Sue blickte genervt. "Irgendein Problem?" Kira schluckte und setzte zum sprechen an, aber Bray kam ihr zuvor. "Nein Mam. Kein Problem." sagte er langsam und mit Bedacht, aber seine Augen sprachen eine ganz andere Sprache.

*****

Bray spürte, wie die Wut die er gespürt hatte, immer mehr abebbte und einer stummen Verzweiflung Platz machte. Sie waren so nahe dran gewesen. So nahe... und nun waren sie weiter von ihrem Ziel entfernt als je zuvor. Bei dem Gedanken ins "Horny Pony" zurückzukehren stieg ihm bittere Galle in den Mund. Wie sehr er dieses Leben haßte. Diese ewige Aneinanderreihung von Schmerz, Demütigung und Niederlagen.
Er sah hinüber zu Shakira, die an der Bar saß und rapide ihr viertes Glas Scotch leerte. Sie hatte einen Ausweg gefunden. Aber sie kam sowieso am besten mit der Scheiß-Situation zurecht.
Sein Blick wanderte weiter zu Orli und Heath und er verspürte einen heißen Stich der Eifersucht. Sie hingen aneinander wie die Kletten. Gemütlich in einer der Nischen des Matrix sitzend, küßten sie sich, ohne ihrer Umgebung irgendwelche Beachtung zu schenken. Bray bemerkte wie Haß in ihm aufstieg. War den beiden egal, was gerade passiert war? Spielte es keine Rolle, daß sie schon wieder verloren hatten, wenn sie sich nur gegenseitig vögeln konnten? Anscheinend.
Und er konnte es ihnen nicht wirklich vorwerfen. Wie gern hätte er sich auch an irgend jemand festgehalten. 'Einsamer Wolf' sagte eine spöttische Stimme in seinem Kopf. Verdammt. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und sah zu, wie Orli und Heath aufstanden und engumschlungen in einem der Hinterzimmer verschwanden. Plötzlich war es viel zu heiß im Matrix. Er mußte hier raus. Sofort.
Ohne weiter nachzudenken, oder sich die Mühe zu machen jemandem Bescheid zu geben, verließ er den Laden durch die Hintertür und stapfte einfach in den Nieselregen hinaus. Er wußte nicht wohin er ging, hielt den Blick fest auf seine eigenen Füße gerichtet. Der Regen durchnäßte ihn in kurzer Zeit bis auf die Haut, aber es war ihm egal. Er wollte sich schlecht fühlen. Wollte am liebsten einfach im Regen ertrinken. Dann würde es wenigstens endlich ein Ende haben. Erst als eine Stimme ihn plötzlich ansprach, hob er den Kopf: "Hey Süßer, wohin so allein?"

'Podgy' fühlte sich gelangweilt. Es war eine öde Nacht gewesen. Keine Schlägerei mit einer gegnerischen Gang, keine Auseinandersetzung mit den Cops (die sich ja eh so gut wie nie hier blicken ließen) und auch sonst war nichts Aufregendes passiert. Sie hatten aus lauter Langeweile ein paar Autos aufgebrochen und einen Penner aufgemischt. Podgy - 24 Jahre alt, bullig, brutal und der Anführer der anderen 9 Jungs im Alter von 16 bis 22 Jahren, beschloß für "Aufregung" zu sorgen.
Ein gemeines Grinsen huschte über sein Gesicht, als er den dunkelhaarigen Jungen aus einer der Hintertüren des "Matrix" kommen sah. Der Bursche war allein...sehr allein. Podgy beschloß, etwas dagegen zu unternehmen. Seine Stimme troff vor falscher Süßlichkeit, als er ihn ansprach, während er mit schweren Schritten näher stiefelte. "Is gefährlich so allein hier rumzuschleichen... ich glaube meine Jungs und ich begleiten dich besser ein Stück, Kleiner." und mit einer weitausholenden Geste deutete er auf die übrigen Mitglieder seiner Gang, die sich in dem kalten schmutzigen Regen wie nasse Ratten um Bray versammelt hatten.

Bray starrte den dreckigen Ganger eine ganze Weile an, ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Nur noch eine häßliche Visage mit einer häßlichen Stimme, die häßliche Dinge sagte. Ein weiteres Mal in einer scheinbar endlosen Reihe. Nichts unterschied ihn und seine Freunde von Udos Kunden. Außer vielleicht, daß er ein bißchen verhungerter aussah. "Fuck off." knurrte Bray, ohne viel Überzeugung. Er war einfach zu müde.

"Da seht ihr's wieder Leute" säuselte Podgy mit schlecht gespielter Bekümmertheit "Das hat man nun davon wenn man nett ist. - Scheint ganz so als müßten wir hier jemandem erstmal ein paar Manieren beibringen, meint ihr nicht? " Podgy's fette Hand griff nach Bray's Mantel, um sich darin festzukrallen. Seine Gefolgschaft johlte vor Begeisterung. Es war wirklich ein ziemlich langweiliger Tag gewesen.

Bray trat halbherzig nach dem Typ, der offenbar der Anführer dieser armseligen Ausrede für eine Gang war. Irgendein kleiner Teil in ihm wußte, daß er sich wehren sollte. Daß er diese Typen einfach wegfegen konnte. Aber wozu? Wozu sich die Mühe machen? Es spielte doch keine wirkliche Rolle, was sie mit ihm machten. Es würde sich nicht von dem unterscheiden, was sowieso tagtäglich mit ihm geschah. Es interessierte niemanden, was aus ihm wurde. Warum also kämpfen.

Podgy wuchtete den Jungen zu sich heran und sein abgestandener säuerlicher Bieratem wallte über Bray's Gesicht. "Du solltest dich jetzt wirklich ganz schnell bei Podgy entschuldigen, Kleiner! Wäre echt besser für dich!" Die Finger des Ganger’s preßten grob in Kleidung und Fleisch. Der Kreis der anderen Gangmitglieder zog sich jetzt enger und enger um das Schauspiel in ihrer Mitte. Auf der Straße ringsum schien niemand Notiz zu nehmen. Die wenigen Leute, die an dieser verlassenen Seitengasse vorbei kamen, hasteten schnell weiter, ohne einen weiteren Blick auf die Szenerie zu werfen.
"Lohos doch P..p..podgy" stotterte ein kleiner schmächtiger Junge in abgerissenen Lederklamotten enthusiastisch "mach den Sch..sch...scheißer fertig!" Podgy grinste. Mit einem kräftigen Schubs stieß er den Schamanen zu Boden und hatte seine Faust auch schon schmerzhaft in Bray's Haaren versenkt, bevor dieser Anstalten machen konnte, sich weiter als bis zu seinen Knien zu erheben. Podgy's andere Hand - dessen Gelenk ein breites Lederarmband zierte, das mit Spikes besetzt war- nestelte bereits an seiner Hose herum. "Weißte was?" quetschte er zwischen seinen gelblichen Zähnen hervor "Ich hab' grad 'ne Spitzenidee wie du meine Vergebung erbitten kannst."

Einen Augenblick wallte Zorn in Bray auf, meldete sich *Wolf* in ihm zu Wort. Aber ebenso schnell wie er aufgetaucht war, verlosch das Feuer wieder. Bray starrte schweigend auf den Schritt des Ganger's vor ihm. Ließ den Geruch von ungewaschenem Schwanz über sich hinwegrollen. 'Da hast du's' sagte die kleine Stimme in ihm. 'Du bist ja doch nur eine Nutte, sieh es endlich ein und mach deinen Job'. Als einer der anderen Ganger dazu trat und ihn mit hartem Griff zwang den Mund zu öffnen, wehrte er sich nur noch 'für's Protokoll'. Eigentlich war es ihm egal. 'Podgy' schob seinen kleinen dreckigen Schwanz in seinen Mund und Bray spürte nicht einmal mehr den Wunsch ihn zu beißen. Er ließ es einfach geschehen. Tat nichts dagegen, aber auch nichts dafür. Ließ sich einfach ficken. Er war es so leid. Hoffentlich würden sie ein Ende machen. Ein endgültiges Ende. Und wenn nicht? War es ihm auch egal. Er fühlte sich, als wäre er innerlich eh schon gestorben.

Begleitet von den anfeuernden Rufen seiner Freunde, stieß Podgy wieder und wieder hingebungsvoll in Bray's offensichtlich willigen Mund. Er ließ sich Zeit. Als Anführer war es sein gutes Recht den Jungen als erster zu benutzen, wohl wissend, daß später kaum noch viel von ihm übrig sein würde - seine Jungs hatten schon zu lange nichts niedliches mehr zum spielen gehabt. So beschäftigt, bemerkte zuerst niemand die dunkel gekleidete Gestalt, die das Spektakel aus der Ferne verfolgte und nun mit schnellen Schritten in ihre Richtung kam. Die leisen energischen Worte, die sie schnell und hastig hervorstieß, vom Wind verschluckt.

Ewan mühte sich mit den Worten ab. Es war nicht leicht richtig zu rezitieren und gleichzeitig zu rennen als ginge es um sein Leben. Die Formel, die er erst vor kurzem für viel Geld von einem Hacker abgekauft hatte, der bekannt dafür war das er gerne die geheimen Dateien von Arcologiemagiern knackte, holperte schwerfällig über seine Lippen. Ewan fauchte grimmig. <Ihr Scheißkerle. Gleich könnt ihr was erleben. Verdammt Bray, halt durch.> Ein Bündel rotzuckender Blitze zentrierte sich in Ewan's Handfläche und mit einem Schrei lies er es auf den Anführer der Ganger los, der gerade dabei war seine Hose zuzuknöpfen und Bray an den nächsten weiterzureichen.
Für einen Augenblick schaute Podgy nur dümmlich verwirrt, als die Blitze wie glühende Lava seine Tonnenbrust trafen, dann fiel er einfach nach hinten um. Ewan lächelte zufrieden - man sollte sich eben besser nicht mit ihm anlegen! Doch das Gefühl der Überlegenheit ebbte sehr rasch ab, als die anderen Ganger in ihre Jacken griffen um große, sehr gemein aussehende Waffen herauszuholen. Und als Podgy -der eben noch mächtig tot aussah- plötzlich zuckte und begann sich leise fluchend aufzurappeln, da wußte Ewan das er es vermasselt hatte.
"Fuck..." war das einzige was er noch herausbrachte, bevor die erste Kugel aus Podgy's Knarre ihn traf. Der wuchtige Körper des Ganger's hatte den fehlgeschlagenen Zauber sehr schnell abgeschüttelt und Podgy drückte mit einem boshaften Grinsen ein zweites Mal ab, und dann ein drittes Mal. Groß und bedrohlich stand er vor Ewan, der keuchend auf dem Boden lag und gegen den unsäglichen Schmerz ankämpfte der in ihm brannte. "Mach's gut du kleines Stück Shit." fauchte Podgy und zielte auf den Punkt zwischen Ewan's Augen...

Im ersten Moment fragte sich Bray einfach nur ein wenig geistesabwesend, warum sie jetzt plötzlich von ihm abgelassen hatten. Er spuckte aus und war gerade dabei, sich aufzusetzen, als er erst einen und dann noch zwei Schüsse hörte. Er hatte noch Zeit sich zu wundern, warum er keine Schmerzen verspürte, als *Wolf* in seinem Herzen aufheulte in endlosem, rasendem Zorn. Mit einem tiefen Grollen in der Kehle kam Bray auf die Füße, die Augen gelblich glühend wie die eines Raubtieres. Was er sah, raubte ihm den Atem: Ewan, der blutend am Boden lag. Der Ganger, der über ihm stand, bereit abzudrücken... Es geschah nur selten, daß Bray dem Tier in sich ganz und gar nachgab, aber dies war einer dieser Momente. Er reagierte, ohne zu denken.
Der Ganger hatte noch Zeit sich umzudrehen und Bray anzusehen, als er die ganze Macht *Wolf’s* beschwor. Es war ein Flammenmeer, das an Bray emporstieg und sich dann in einer rasenden Welle von ihm ausbreitete, den Anführer der Ganger zurückfegte und bis auf die Knochen verbrannte, sich weiter ausbreitete, die anderen erfaßte, gegen die Wände der Gasse zurückschleuderte und nur noch verkohlte Reste an den Wänden zurückließ. Einzig Ewan blieb verschont. Bray warf den Kopf in den Nacken und brüllte seinen Schmerz in den gleichgültigen Himmel hinauf. Dann war er mit wenigen Schritten an Ewan's Seite und kniete neben ihm nieder. Der Magier war bei Bewußtsein, aber das Leben verließ seinen Körper schnell.

"Bray..." Ewan versuchte nach ihm zu greifen, aber er war bereits so schwach, daß es schon Mühe machte, nur die Augen offenzuhalten. Mühsam preßte er die Worte hervor, sich an den letzten Rest von Leben klammernd, der noch in ihm war "Ich hatte solche Angst um dich... bist du okay?" seine Stimme wisperte nur noch kraftlos. Alles schien so still um ihn herum, so zeitlos... und es war so kalt... Regentropfen wie Hammerschläge auf seiner Haut, Eisigkeit, Einsamkeit... aber nein - Bray war hier! Bray war hier mit ihm, würde bei ihm bleiben, wenn er jetzt starb... "Bray..." Blut auf Ewan's bleichen Lippen.

Nein... Es war nicht mehr als ein Wispern in Bray's Herz. Wieso hatte Ewan sich eingemischt? Wieso war er nicht vorbeigegangen? Hatte er nicht gesagt, daß er Bray nicht brauchte? War er nicht gegangen, ohne nur einmal zurückzublicken? Und nun lag er hier in seinem eigenen Blut und alles was er fragte war ob Bray okay war?
*Wolf* stand an Bray's Seite und sah auf den Magier hinab. Schweigend und unnachgiebig. Raubtier. Dann sah er Bray an und in seinen Augen war stummer Vorwurf. Und Bray verstand. *Wolf* hatte den Magier akzeptiert und nun gab es nur noch einen Weg, wohin der auch immer führten mochte. *Wolf* verrät nie sein Rudel. Sanft zog der den Kopf des Magiers in seinen Schoß und strich über seine Stirn. Dann griff er tief in sich hinein und aktivierte einen anderen Zauber.
Vorsichtig glitten seinen Hände über Ewan's Körper, verharrten kurz über den Stellen, wo die Kugeln sich in Fleisch versenkt hatten. Wie feiner Nebel stieg das Metall aus dem Körper des Magiers und löste sich auf. Unter Bray's kundigen Händen wuchsen Knochen wieder zusammen, wob sich Fleisch und Haut neu, ersetzte Magie und Energie verlorenes Blut, bis keine Spur mehr blieb von den Verletzungen.

Wieso war der Himmel so blau? Noch nie hatte er einen so blauen Himmel gesehen, so leuchtend... nicht mal in den unendlichen astralen Weiten war der Himmel so strahlend. Ein Gefühl von tiefem Frieden erfaßte Ewan und er lies sich einfach treiben. Sanfte Stimmen schienen ihn zu rufen, Hände ihn zu berühren und eine griff nach ihm, dann - Schwärze. Er fiel... Hilflosigkeit, Angst... dann plötzlich ein sanfter Faden leuchtenden Lichts, einen Pfad markierend aus der Dunkelheit. Gelbe funkelnde Augen die in ihn blickten... Vertrautheit, Wärme, Akzeptanz... "Komm mit mir Ewan. Komm zurück. Komm zurück zu mir." Naßkalter Regen der klopfend auf Haut traf, harter Boden unter seinem Körper, der verbrannte Geruch von Fleisch... Einen plötzlichen ruckhaften Atemzug nehmend, schlug Ewan die Augen auf.

Bray öffnete langsam die Augen und atmete tief durch. Wieder einmal hatte er dem Tod eine Seele abgerungen. Es kostete ihn viel Kraft, diese Magie zu wirken, aber... Er senkte den Blick und blickte in Ewan's Augen, die offen waren und ihn voller Verwunderung anstarrten. Plötzlich fühlte er Unsicherheit in sich aufsteigen. Was nun? Wie sollte er Ewan erklären, was er gerade getan hatte?

"Was..?" Ewan's Kopf schwirrte. Er verstand nicht. Was war passiert? War er tot? Aber so sah doch sicherlich kein Leben nach dem Tod aus, oder? Ewan's Hände tasteten nach den Stellen wo noch Minuten zuvor Kugeln eingeschlagen waren, sein Fleisch zerrissen hatten, begleitet von Schmerzen die unvorstellbar gewesen waren. Doch jetzt verrieten nur noch die großen Löcher und Fetzen in seiner Kleidung, daß all das wirklich passiert war. Aber wie war das möglich das alle seine Wunden geheilt waren? Das er dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen war?
Nur ein Magier von beträchtlicher Macht konnte derartige Magie wirken, Ewan wußte, daß er es nicht konnte. Also wer hatte es getan? Außer ihm und Bray war niemand weiter hier... Bray. Ewan schloß für einen kurzen Moment die Augen und versuchte sich zu erinnern. Feuer...Schreie, entsetzliche Schreie...der Geruch verbrannter Leiber, der immer noch die Luft erfüllte... glühende gelbe Augen... ein Schrei aus heiserer Kehle, tierisch und erbarmungslos, der Ruf eines Wolfes... Bray.
Ewan starrte fassungslos auf den erschöpft wirkenden Jungen über sich, den er nun schon so lange zu kennen geglaubt hatte. "Du hast das getan." flüsterte er. "Die Ganger töten, meine Wunden heilen... das warst du, nicht wahr?" <Und ich habe es nicht bemerkt.> wisperte die Stimme seines Ego's mit verletzter Eitelkeit.

Bray spürte Angst in sich aufsteigen. Was, wenn Ewan nun wütend wurde? Was, wenn er wieder einfach ging? Aber ihm blieb nun keine andere Wahl als ehrlich zu sein. Ganz langsam ließ er all die Hüllen und Schichten der Tarnung, die er um seine Aura gewunden hatte, fallen und ließ Ewan sehen, was sich wirklich darunter verbarg. "Ja." beantwortete er Ewan's Frage leise. "Ich war es."

Wie eine Woge spülte der Ansturm mentaler Energie über ihn hinweg, als Bray seine wahre Aura vor ihm offenbarte. Ewan keuchte. Es war offensichtlich, das Bray's Magie weit über den Fähigkeiten von Ewan stand. Das war auch der Grund, warum der Schamane es so gut vor ihm hatte geheim halten können. Es war nun nicht gerade so das Bray seine Kunst bereits perfektioniert hatte, aber er verfügte mit Sicherheit über ein breites Spektrum an Zaubern und konnte die Energien seiner Magie verläßlich in die gewünschte Richtung lenken. Etwas von dem Ewan oft noch meilenweit entfernt war, wie er heute wieder sehr eindrücklich bewiesen hatte.
"Und ich wollte *dich* retten." sagte der Magier in bitterem Tonfall. "Ohne dich wäre das heute mein Tod gewesen." Er wußte nicht was er sagen sollte. Er kam sich so dumm vor, so schwach. Die ganze Zeit war er Bray gegenüber arrogant und überheblich gewesen, hatte er gedacht das er über dem anderen stand und gönnerhaft auf ihn herunter geblickt, und jetzt brach das alles plötzlich zusammen wie ein Kartenhaus.
Der Magier schluckte. Wie leicht hätte Bray ihn töten können - bei jedem Streit den sie in den letzten Monaten gehabt hatten. Zu was hatte er den anderen nicht alles gezwungen... Warum nur hatte Bray sich das gefallen lassen? Ewan verstand nichts mehr.

"Aber du hast mich gerettet." sagte Bray leise und während er es aussprach wurde ihm bewußt, daß es wahr war. "Wenn du nicht eingegriffen hättest, hätte ich mich einfach von ihnen umbringen lassen. Es war mir so egal..."
Er ließ müde den Kopf hängen und sah auf seine Hände hinunter. Wie weit war es mit ihm gekommen. Hatte er sich wirklich so sehr selbst verloren, daß sein Leben ihm nichts mehr wert war? Anscheinend schon. Und Ewan? Bray spürte Tränen in sich aufsteigen. Ewan würde wahrscheinlich gleich irgendetwas wütendes sagen, Bray von sich stoßen und gehen. Noch eine Niederlage. Er konnte eben nichts richtig machen.
In Gedanken schlang er die Arme um *Wolf* und suchte Trost in seinem warmen Nackenfell. 'Nicht mehr lange' dachte er. 'Nicht mehr lange und ich komme endgültig zu dir. Diesmal hat es noch nicht geklappt, aber bald. Bald ist es vorbei.'

Ewan schüttelte seinen Kopf um das Gefühl von Taubheit heraus zu bekommen, das ihn immer noch gefangen hielt. Er versuchte sich aufzusetzten, aber er fühlte sich so seltsam. Er hatte Angst das seine Beine sofort wieder unter ihm nachgeben würden wenn er jetzt aufstand, also blieb er einfach so wie er war. Bray's Worte hallten immer noch in ihm nach. 'Ich hätte mich einfach von ihnen umbringen lassen...' - "Wie meinst du das 'du hättest dich von ihnen umbringen lassen'?" Ungläubig schaute Ewan in die dunklen Augen des anderen. Wovon sprach Bray nur? Ewan war sich sicher, daß er ihn nur falsch verstand. Es mußte doch so sein?

"Es spielt doch eh keine Rolle mehr." antwortete Bray, immer noch darauf wartend, daß Ewan aufstand und ging. "Es interessiert doch niemanden, ob ich am Leben bin oder tot."

Es war fast so etwas wie Horror das sich jetzt in Ewan's Augen schlich. "Was sagst du da?" wisperte er. "Sicher hast du Menschen die dich vermissen würden? Freunde... " Ewan schluckte. Ihr letzter Streit fiel ihm ein. Sie hatten sich im Zorn getrennt und er hatte vorgehabt den anderen nie wieder zu sehen, sicher in dem Gefühl das es das beste wäre. Das beste für ihn selbst.
Wenn du dein Herz niemandem öffnest, kannst du auch nicht verletzt werden. Er hatte diesen weisen Ratschlag stets beherzigt. Doch dann... er hatte sich noch nie so trostlos gefühlt, so leer. Ewan stellte fest das alles an ihm sich nach Bray sehnte. Es war nicht nur der körperliche Aspekt, er vermißte auch Bray's Sticheleien, den Klang seiner Stimme, dieses wilde Feuer in seinen Augen wenn er wütend war, die beruhigende Vertrautheit von Bray's Körper neben seinem.
An jedem Tag der seither vergangen war, hatte Ewan an Bray denken müssen und einmal - in der schützenden Dunkelheit seines Zimmers - hatte er es sogar zugelassen, daß Tränen über sein Gesicht rollten. Und dann hatte er Bray in den Händen dieser Ganger gesehen und es hatte kein Zögern und kein Nachdenken gegeben, nur schiere Angst um Bray.
Die Angst ihn zu verlieren, war so unglaublich groß gewesen, Ewan wußte, er hätte sein Leben für ihn gegeben - und beinahe hätte er es ja auch, nicht wahr? Ewan legte vorsichtig seine Hand an Bray's Wange, zwang den anderen somit ihn anzusehen. "Mir ist es nicht egal ob du tot bist oder nicht. Ich wäre heute für dich gestorben, Bray, und ich hätte es keine Sekunde bereut. Du...bedeutest mir so viel... Du hast mich zu dir zurückgeholt, jetzt bitte ich dich - bleib du auch bei mir!"

Bray sah auf den Magier hinunter und fragte sich, ob es nur sein Wunschdenken war, das ihm die Worte vorgaukelte die Ewan gerade gesagt hatte. Hatte er ihn wirklich gebeten zu bleiben? Aber der Ausdruck in seinen Augen ließ keinen Zweifel an seiner Ehrlichkeit. 'Aber du hast gesagt, daß du mich nicht brauchst' weinte die Stimme in seinem Kopf.
*Wolf* stupste Bray sanft an. 'Er wäre für dich gestorben. Wolf mates for life' erklärte Bray's Totem-Geist sanft. Bray warf ihm einen schrägen Blick zu und spürte gleichzeitig wie sein Herz wieder zu schlagen begann. Irgendwie fühlte es sich an, als sei es in Erwartung eines baldigen Todes stehengeblieben und jetzt erst neu erwacht. 'Ich dachte, du kannst ihn nicht leiden' sagte Bray zu *Wolf*. Der schnaubte nur abfällig und trottete davon. Offenbar war sein Totem nicht willens, mit ihm zu diskutieren.
Bray wandte seine volle Aufmerksamkeit wieder Ewan zu. "Danke." sagte er, beugte sich zu dem Magier hinunter und küßte ihn sanft auf die Stirn.

Ewan's Arme ergriffen den Körper vor ihm, als hätten sie ein eigenes Leben. Er hielt Bray fest umschlossen und wollte ihn nie wieder loszulassen. "Aber ich verstehe nicht" fragte er fassungslos, "wenn du so mächtig bist - warum bleibst du dann bei Udo? Du könntest einfach gehen, ihn töten, er hätte dich niemals dort halten können! Warum hast du erlaubt das man dir das antut?" Und leise, mit einem schmerzvollen Zittern in der Stimme, fügte er hinzu "Warum hast du es mir so lange Zeit erlaubt?"

"Ich..." Tja, was nun? Was konnte er Ewan sagen, daß auch nur halbwegs glaubwürdig wirken würde. Natürlich hätte er Udo jederzeit töten können. Ebenso wie Shakira oder Orli das gekonnt hätten. Konnte er Ewan genug trauen? Im anvertrauen, warum sie in diesem Höllenloch aushielten und alles über sich ergehen ließen? "Ich habe dort etwas zu erledigen." antwortete er. "Etwas sehr wichtiges. Und egal was es mich kostet, es muß getan werden."
Er nahm Ewan's Hände in seine. "Niemand darf erfahren was ich wirklich kann, sonst war alles was ich bisher erduldet habe umsonst. Versprich mir, daß du es für dich behältst! Bitte!" Er versuchte die Dringlichkeit seiner Bitte auf Ewan zu übertragen. Und spürte schon die nächste Frage in Ewan aufwallen. 'Was ist so wichtig, daß du dir das antust?'

Ewan strich sich mit beiden Händen durch's Haar, er versuchte krampfhaft seine Gedanken zu ordnen, aber er hatte das Gefühl das alles nur noch verwirrter und unklarer wurde. Was konnte denn nur so wichtig sein das Bray diese Höllenqualen auf sich nahm? Ewan fiel nicht eine einzige Sache ein die das gerechtfertigt hätte. Der Magier seufzte. "Und wirst du mir auch verraten was so wichtig ist, daß man sich dafür jeden Tag von Arschlöchern wie mir vögeln läßt?"

Bray mußte lächeln und gab unwillkürlich dem Wunsch nach dem Magier, der immer noch in seinem Schoß lag, ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen. Dann beugte er sich zu Ewan's Ohr herunter und flüsterte: "Ich verrate dir noch ein Geheimnis: Ich finde es gar nicht so übel, wenn du mich fickst... Tatsächlich hätte ich gar nichts dagegen, wenn du mal wieder vorbeikommen würdest..."
Er wußte, daß Ewan nicht ruhen würde, bis er die ganze Wahrheit kannte, aber es konnte auch nicht schaden, ihn ein bißchen abzulenken. 'Er hat mich vermißt' dachte Bray fast ein wenig verträumt. Er spürte, wie sein Blut heißer durch seine Adern rann. Ihre letzte Session war gar kein schlechter Anfang gewesen. Wie mochte Sex zwischen ihnen erst werden, wenn sie beide voll bei der Sache waren?

Ewan mußte grinsen. <Na schau mal einer an... > Beinahe stürmisch zog er den Kopf des anderen zu sich heran, während er sich selbst ein wenig empor reckte, um seine Lippen auf die des Schamanen zu pressen. Nur zehn Sekunden und einen atemraubenden leidenschaftlichen Kuß später, ließ sich Ewan wohlig und selbstzufrieden in Bray's Umarmung zurückfallen. "Ich wußte es doch." grinste der Magier unverschämt "Es braucht keinen Feuerball um jemanden zum *schmelzen* zu bringen."

Der Magier bettelte geradezu um eine spöttische Antwort, aber im Moment war Bray einfach zu zufrieden mit sich - wenn schon nicht mit der Welt, dann wenigstens das - und brachte es nicht über's Herz Ewan von seiner selbstherrlichen kleinen Wolke zu kippen. Dazu würde er später noch genug Zeit haben, wenn der Magier feststellte, was Bray ihm bisher alles vorenthalten hatte in der Sparte "sexuelle Befriedigung". Immerhin etwas, zu dem dieser Aufenthalt im Bordell gut gewesen war - er war sich sicher jeden Liebhaber, männlich oder weiblich egal welcher Rasse, befriedigen zu können. Was für eine dubiose Fähigkeit... Aber anscheinend war es ihm tatsächlich gelungen, Ewan von seinen neugierigen Fragen abzulenken. Vielleicht würde er es ja doch erstmal vergessen.

Ewan streckte und dehnte sich ein wenig und machte dann Anstalten aufzustehen. Sie sollten nicht so lange in diesem kalten schmutzigen Regen bleiben, es gab definitiv angenehmere Plätze. Ewan dachte an sein Zimmer in der alten Fabrikhalle, die er mit seinen Freunden bewohnte. Sie hatten sich dort ein gemütliches und unglaublich cooles Heim geschaffen. Ewan sah sich schon mit Bray auf seinem breiten Bett liegen, eingekuschelt in viele weiche Decken... wie es wohl sein mochte mit Bray außerhalb des "Horny Pony" zusammen zu sein? Diesmal nicht als Kunde mit seiner Nutte, sondern nur als Liebende...
Ewan verharrte plötzlich mitten in der Bewegung. Bray würde doch mitkommen, oder? Dieser ganze Blödsinn das er angeblich nicht von Udo weg konnte weil er dort was zu erledigen hatte... Ewan preßte die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen. "Hör mal Bray... du kommst doch jetzt mit zu mir, oder? Ich meine, Du gehst doch nicht wirklich wieder zu Udo zurück, nicht wahr?" Verzweifelt bettelten Ewan's grün schimmernde Augen Bray an.

'Wohl doch nicht' gab Bray seine Hoffnung auf, daß Ewan locker lassen würde. Und schon wieder dieselbe Diskussion. Hoffentlich würde sie diesmal besser verlaufen. "Ewan, ich muß zurück. Ich bin noch nicht fertig mit dem was ich dort tun muß." 'Leider' fügte er in Gedanken hinzu. 'Wäre dieser blöde Job heute nur gut ausgegangen... dann könnte ich mich jetzt bei Ewan einrollen und mehrere Monate Urlaub von meinen Alpträumen machen.'
Aber soweit war es noch nicht. Noch mußte er weiter durchhalten. Er sah den Magier flehend an. "Bitte mach es mir nicht noch schwerer. Natürlich würde ich lieber mit dir kommen. Aber ich kann nicht. Ich kann meine Freunde nicht im Stich lassen." Ups... das hätte er nicht sagen sollen. Jetzt wußte Ewan, daß er nicht allein in dieser Sache steckte. Verdammt.

Der Magier sah ihn einfach nur mit grüblerisch gerunzelter Stirn an und wartete. Er war sich sicher das der große Knall gleich kommen würde. <Aha... es sind also noch mehrere in "geheimer Mission" im Horny Pony unterwegs, ganz fantastisch. > dachte er sich und laut fragte er "Wie bitte? Du willst mir jetzt nicht etwa sagen, daß alle Nutten in Udo's Laden eigentlich irgendeiner obskuren 'ungemein wichtigen Sache' nachgehen, oder? Und dafür jeden Abend die Beine breit machen und sich ficken lassen!" Ewan bemühte sich ruhig zu bleiben. Er würde diesmal nicht ausrasten, nein... er würde ganz ruhig bleiben und diesen Bullshit erstmal auf sich einwirken lassen um vielleicht -irgendwann- einen verborgenen Sinn darin zu entdecken.

Bray seufzte tief. "Nein." sagte er mit soviel Geduld, wie er aufbringen konnte. "Es sind nicht 'alle' Nutten. Und wenn sie erfahren, daß ich es dir erzählt habe, werden sie mich wahrscheinlich für verrückt erklären weil ich dir traue. Aber was soll's, du steckst jetzt sowieso mit drin. Wir arbeiten da, weil es die einzige Möglichkeit ist, regelmäßig in die Arcologie zu kommen. Und was wir da drin machen, werde ich dir nicht erzählen. Dazu ist das Risiko einfach zu hoch. Für dich und für mich und für die anderen." Er packte Ewan's Hände. "Glaubst du, ich würde das machen, wenn es nicht wichtig wäre? Glaubst du, ich mache das zu meinem Vergnügen? Fuck, wenn diese Sache vorbei ist, werde ich das "Horny Pony" persönlich einäschern." 'Falls ich es vor Kira schaffe'....

Die Frage, ob das alles vielleicht nicht nur einem verrückten Drogentrip von Bray entsprang, brannte Ewan auf der Zunge. Er schluckte sie hinunter. Das letzte was er jetzt wollte, war Bray schon wieder zu verletzen. Aber das war doch alles verrückt, oder etwa nicht? Aber wie konnte er Bray nur von diesem Wahnsinn abhalten? Mit unschuldigem Gesicht ließ sich Ewan wieder gegenüber von Bray nieder. Er hatte noch eine ganz besondere Überzeugungstaktik parat, die für gewöhnlich nicht versagte... Sanft ließ er seinen Körper gegen Bray gleiten und umschlang den anderen fest. Seine Lippen ganz nah zu Bray's Ohr bringend, flüsterte er "Und du glaubst ernsthaft, daß ich dich jetzt gehen lasse, wenn diese 'wichtige Aufgabe von dir' so gefährlich ist?"
Spielerisch begann Ewan's Zunge kleine Kreise auf die empfindliche Haut entlang des Halses zu malen, während seine immer noch etwas klammen Hände unter das Shirt des Schamanen krochen, um über herrlich warme Haut zu streichen. "Komm mit zu mir." flüsterte Ewan und stöhnte leise und anzüglich in das Ohr das er gerade ausgiebig mit seiner Zunge erforschte. "Wenigstens für diese Nacht..."

Bray ließ den Kopf zurückfallen und ein leises Grollen entkam seiner Kehle. Sollte er Ewan sagen, daß er sowieso genau das vorgehabt hatte? Nein, besser nicht. Dann würde er sich mehr Mühe geben, ihn zu halten. Einen langen Moment ließ er die Liebkosungen des Magiers über sich rollen. "Aber nur bis zum Morgengrauen." brachte er endlich hervor. "Dann muß ich wieder im "Matrix" sein!"

<Ein Anfang.> dachte sich Ewan - soweit er überhaupt noch denken konnte, denn im Moment übernahmen seine Hormone diese Aufgabe fast vollständig für ihn. "'kay." quetschte er hervor und versuchte die schwierige Aufgabe zu meistern den anderen hochzuziehen, während er gleichzeitig beide Hände in dessen Hose gleiten ließ um Bray's wundervollen knackigen Hintern zu umfassen. Immer wieder anhaltend um den anderen zu küssen, begann Ewan den Schamanen zu seinem Motorrad zu ziehen, das er beim 'Matrix' geparkt hatte.

*****

Heath versuchte mit den Händen irgendwie unter Orli's hautenges Ledertop zu kommen, aber es widersetzte sich auf's äußerste. Es sah einfach unglaublich geil aus, aber praktisch war es nicht gerade. Aber dazu war es schließlich auch nicht gedacht. Kein Nutten-Outfit, dachte Heath mit einem fröhlichen Grinsen. Er ließ sich von Orli durch die Tür zum Hinterzimmer ziehen und dann gegen die zufallende Tür schieben. Ließ den Kopf gegen die Tür zurückfallen und sich von Orli mit Küssen bedeckten.
Seine Sinne schwammen regelrecht in Orli. Sein Geruch, so anderes an diesem Abend. Kein billiges Parfum, sondern das Schmieröl von seinen Waffen und vielgetragenes Leder. Die Geräusche. Sein heftiges Atmen, leises klimpern von den Schnallen und Nieten an seiner Kleidung, Leder das gegen Leder reibt. Das Gefühl des kalten Metalls der Nieten an Orli's Armbändern, als seine Hände gierig unter Heath’s Shirt fuhren.
Hmmm... es fühlte sich alles so gut an. Er hatte gerade noch genug Geistesgegenwart, die Aufzeichnungsfunktion in seiner Headware zu aktivieren. Diesmal würde er sich nicht auf die unzuverlässigen Erinnerungen verlassen, die sein Gehirn speicherte. Diesmal würde er sich sozusagen einen Live-Mitschnitt ziehen.

Oh Mann, er war so tierisch heiß auf Heath - es war unglaublich! Das Adrenalin des eben erst zurückliegenden Einsatzes pochte noch wild in seinen Adern und mischte sich mit dem Frust und der Enttäuschung, daß alles scheinbar umsonst gewesen war. Mit hastigen Bewegungen streifte Orli die Lederjacke von Heath's Schultern und ließ seine Hände unter das silbern glänzende Shirt gleiten. Sein Körper drängte sich gegen den des Elfen, seine Hüften bewegten sich wie von ganz allein, fordernd und stürmisch.
Er schob Heath's Sonnenbrille hoch, um sie in den blonden Locken zu verankern, und schenkte seinem Geliebten einen langen hungrigen Blick. Orli's Hände fuhren am Rücken des Elfen hinab bis zum Bund der enganliegenden Hose und zwängten sich hinein um die herrlichen Wölbungen darunter mit beiden Händen zu umfassen. Wild begann er das feste Fleisch zu massieren, während seine Zunge sich heiß und feucht in Heath's Mund drängte.

Heath sog Orli's Zunge noch weiter in seinen Mund. Ließ seine eigene Zunge um die des anderen gleiten. Gab ihm sozusagen einen Vorgeschmack darauf, was er alles konnte. Er schlang die Arme fest um den kleineren Orli und zog ihn so nahe an sich, daß ihre Körper sich überall berührten. Daß Orli Heath's harte Erektion spüren konnte, die sich gegen ihn preßte. Zärtlich nagte er an der Unterlippe des anderen, tastete mit der Zunge über die ebenmäßigen weißen Zähne, die er so selten in einem Lächeln sah.
Grub dann die Hand in die Haare des Menschen und zog seinen Kopf zurück, um seinen Hals küssen zu können. Langsam arbeitete er sich wieder nach oben zu einem von Orli's Ohren und begann die zierlichen Rundungen mit der Zunge zu erkunden.
Als Orli ihn von der Tür weiter in den Raum zog, nahm sich Heath kurz die Zeit dem Blick des anderen zu folgen. Er spürte, wie ein heißer Schauer durch seinen Körper lief. Billardtisch... wie absolut... archetypisch. Erneut machten sich seine langen, schlanken Finger an Orli's Top zu schaffen und diesmal gelang es ihm einen Weg darunter zu finden. Noch ehe sie den Tisch erreicht hatten, hatte er es Orli soweit über den Kopf gezogen, daß er den anderen damit für einen Moment effektiv fesselte.
Er nutzte die Gelegenheit, um Orli gegen die Kante des Tisches zu drängen und ihn erneut wild zu küssen. Er wollte Orli. Wollte ihn unbedingt und sofort. Nur ob er ihn über oder unter sich wollte, war er noch nicht ganz sicher. Also packte er Orli und hob ihn mit überraschender Kraft auf den Tisch. Dann begann er die Knöpfe an der Hose des anderen zu öffnen.

Na aber hallo! War das wirklich sein süßer blonder Geliebter der sonst immer so unschuldig wirkte? Heath schien es ja wirklich eilig zu haben. Orli war es nur recht, er konnte es gar nicht erwarten endlich den nackten Körper des Elfen gegen seinem zu spüren. Beinahe fauchend bäumte er sich gegen die Hände die geschäftig an seiner Hose nestelten und befreite sich hastig endgültig von seinem Top, das nun auf seiner schweiß-nassen Haut förmlich zu kleben schien.
Orli zog Heath eilig mit ihm auf den Tisch und genoß es, wie der andere schweratmend auf ihm lag. Seine Hände strichen rhythmisch über die Ausbeulung an Heath's Hose, aber er kam nicht mehr dazu sie zu öffnen, denn in eben diesem Moment hatte der Elf Orli's Glied aus der engen Lederhose befreit und schenkte ihm reichlich Zuwendung. Orli stöhnte und stieß seine Hüften dem anderen entgegen, während er seinen Kopf nach hinten fallen ließ und die Augen schloß.

Heath nahm sich einen Augenblick Zeit den Anblick seines Lovers zu genießen, wie seinen Augenlider über den geschlossenen Augen flatterten, wie sich die Hände in irgendetwas zu verkrallen versuchten und nur den unnachgiebigen Bezug des Billardtisches fanden. Er hielt Orli's Glied fest in der Hand und gab ihm kaum Spielraum, drückte sanft zu und ließ wieder los, ließ den Daumen sanft über den geschwollenen Kopf des Schwanzes gleiten.
Orli wimmerte verzweifelt und Heath konnte kaum glauben, wie sehr ihn das Geräusch erregte. Er ließ sich wieder vom Tisch gleiten bis er zwischen Orlis Beinen stand, genoß noch einmal den Anblick des Festmahls, das vor ihm ausgebreitet lag. Dann beugte er sich herunter und nahm Orli's Schwanz in den Mund bis ganz zur Wurzel. Orli gab ein ungläubiges Quieken von sich und verkrallte sich automatisch in Heath’s Haarschopf.

"OhGottohHeathohGott..." Orlando stammelte beinahe panisch, als die Gefühle ihn überschwemmten. Er war sich nicht sicher wie lange er das aushalten konnte, ohne zu explodieren. "Bitte Liebster, bitte..." er wußte nicht einmal worum er bat, aber er wußte, daß er es *jetzt* brauchte, oder die Hitze seiner Leidenschaft würde ihn verbrennen. Er schluchzte fast, so überwältigend war dieses Gefühl. Als Heath ihn tief in seinen Mund nahm, bäumte sich Orli auf und schrie, um gleich darauf wieder schwach auf den harten Billardtisch zurückzufallen. Er war fast soweit, nur noch einmal und er würde...

Sollte er oder sollte er nicht...? Heath hatte nur einen Sekundenbruchteil sich zu entscheiden. Langsam ließ er die Lippen über Orli's Glied gleiten, strich ganz langsam und vorsichtig mit der Zunge darüber, kitzelte die empfindliche Öffnung mit der Zungenspitze. Das war zuviel für Orli, mit einem erstickten Schrei kam er und Heath sog seinen Schwanz im selben Moment wieder tief in seine Kehle, nahm jedes bißchen von Orli in sich auf, saugte an seinem Schwanz, bis Orli mit einem erschöpften Stöhnen in sich zusammensackte.
Heath nahm sich Zeit Orli's Glied sorgsam sauber zu lecken. Er wollte einfach nicht von ihm lassen. Zärtlich saugte er an der Spitze und spürte, wie ein Schauer durch Orli's ganzen Körper ging. Heath zog eine seiner eleganten Augenbrauen hoch. Ob er es schaffen konnte, daß Orli sofort wieder hart wurde?

Orli kam schnell und heftig, sein ganzer Körper zitterte als stände er unter Strom und er glaubte schon allen Ernstes das er ohnmächtig werden würde. Aber Heath's talentierte Zunge ließ das nicht zu. Orli wimmerte als der heiße Mund seines Lovers sich erneut um ihn schloß und sanft zu saugen begann. Er konnte nicht mehr, er war fertig... oh Gott... es war beinahe schmerzhaft wie sein Schwanz begann wieder steif zu werden. Orli fühlte sich unglaublich geschwächt von diesem unglaublichen Orgasmus zuvor, aber sein Körper ignorierte schnell jedwede Müdigkeitserscheinung und erneut begann es in ihm zu brodeln.

Hmmm... das Gefühl, wie Orli's Schwanz in seinem Mund sich erneut mit Blut fühlte, wie er länger und immer härter wurde, sich beinahe schmerzhaft gegen seinen Gaumen drückte. Der Geschmack von Samen und Orli. Heath fühlte sich ganz schwindlig von all diesen überwältigenden Eindrücken. Erneut baute sich Spannung in Orli's Körper auf und Heath fragte sich neugierig, ob es ihm auch gelingen würde Orli's Aufmerksamkeit so zu fesseln, daß er erneut in Heath's Mund kommen würde. Mit allem was er in den Jahren bei Udo gelernte hatte, machte er sich ans Werk.

Orli's Hände fuhren auf dem kratzigen Bezug des Billardtisches herum, suchten nach Halt und fanden keinen. Er ließ sie über seinen schwitzigen Körper nach unten gleiten, erneut Heath's wundervolle Locken packend und vergrub seine Finger darin. Orli's Kehle war durchgebogen und aus seinem halbgeöffneten Mund kamen in unregelmäßiger Reihenfolge Ermutigungen, Flüche, Liebesgeflüster und kehliges heiseres Stöhnen. "Hör nicht auf... ja genau so... oh bitte, ja...oh fuck..."
Ein Teil von Orli sehnte sich danach, Heath die gleiche Behandlung zuteil werden zu lassen, aber sein Körper gehorchte ihm schon lange nicht mehr. Er war seinem Geliebten willenlos ausgeliefert und der blonde Teufel wußte das genau. Orli's Grinsen erstarb auf seinen Lippen, als die Zunge des Elfen in schnellem Tempo die Spitze seines Schwanzes umspielte, gierig die Tropfen aufleckend, die sich bereits erneut darauf zu bilden begannen. "Fuck..."

Orli bäumte sich unter ihm auf, packte mit beiden Händen Heath’s Haare und rammte seinen Schwanz tief in dessen gierigen Mund. Zweimal, dreimal... dann kam er erneut, mit einer Mischung aus Fluch und Schrei. Einen langen Moment blieb sein Körper zum zerreißen gespannt, dann brach er zusammen und blieb keuchend liegen. 'Noch einmal?' dachte Heath und leckte erneut jedes bißchen Samen mit der Zunge auf, wie eine Biene die Nektar sammelt.
Er hob langsam den Kopf und sah auf Orli herunter, der zitternd dalag. "Noch mal?" fragte er ganz unschuldig. Er wartete, bis Orli die Augen geöffnet hatte und leckte sich dann voller sinnlichem Vergnügen über die Lippen.

"Willst Du mich umbringen?" keuchte Orli und ließ seinen Blick über Heath wandern, der da so hingebungsvoll zwischen seinen Schenkeln stand. "Komm her du Teufel." knurrte er dann und sammelte all seine verbliebenen Kräfte, um den blonden Elf auf sich zu ziehen.
"Ja, nochmal," hauchte er Heath ins Ohr, dessen Spitze er spielerisch mit seiner Zunge umkreiste, "aber diesmal will ich dich in mir spüren. Ich will das du mich fickst Heath, gleich hier, schnell und hart. Was denkst du, kriegst du das hin?" grinste er schelmisch, und seine Hand glitt nach unten um endlich Heath's Schwanz aus der grauen Stoffhose zu befreien.
Wie gut es sich anfühlte ihn in der Hand zu haben, doch Orli's Verlangen nach dem Elf war zu groß, als daß er sich lange mit bloßen Liebkosungen zufrieden gegeben hätte. Hektisch begann er, Heath völlig von dem störenden Material der Stoffhose zu befreien.

Heath gab ein tiefes, kehliges Schnurren von sich. Ob er es schaffen würde, Orli zu ficken? Was für eine Frage! Wenn er mit seinem Lover fertig war, würde der tatsächlich das Bewußtsein verlieren. Während Orli's Finger seinen sowieso schon steinharten Schwanz weiter reizten, zog er Orli's enge Lederhose ganz herunter. Einen Moment kämpften sie beide mit dem unkooperativen Kleidungsstück. Dann streifte Orli es mit den Füßen ab und öffnete bereitwillig seine Beine für Heath.
Heath glitt mit den Fingern zu Orli's Eingang, aber der gab ein ungeduldiges Zischen von sich. "Jetzt!" fauchte er und zog Heath an seinem Schwanz näher zu sich heran. Heath folgte nur zu gern.

Kein Aufschub mehr, kein Necken oder Spielereien, Orlando brauchte es jetzt und sofort. Wollte seinen Geliebten tief in sich spüren und von ihm genommen werden, bis die Welt in einem Wirbel der Glückseligkeit unterging. Er drängte sich ihm entgegen, stieß seine bereits vor Verlangen pochende Öffnung gegen Heath's köstliche Härte und schrie, als Schmerz und Vergnügen für einen Moment verschmolzen. Dann gab es nur noch das Gefühl von dem Elfen genommen zu werden.
Heath's Hand wand sich um Orli's Glied und begann es im Rhythmus zu seinen drängenden Stößen zu massieren. Orli's Zunge schnellte aus seinem Mund um seine trockenen Lippen zu benetzen, während sich seine Finger in Heath's Oberarme krallten, um ihn noch näher zu sich ranzuziehen.

Orli war heiß. Heiß und unglaublich eng. 'Wie macht er das...' konnte Heath noch denken, als Orli ihn noch tiefer in sich und um ihn zusammen zog. Mit einer Mischung aus Stöhnen und Wimmern, begann Heath hektisch in den anderen hineinzustoßen. Er hatte es ihm richtig besorgen wollen, aber alle seine Pläne gingen in einem Meer aus gedankenloser Gier unter.
Es fühlte sich so gut an. So unglaublich gut. Orli wand sich unter ihm und gab die exquisitesten Geräusche von sich. Heath vergrub das Gesicht an seinem Nacken und stützte sich gleichzeitig mit den Händen ab, um noch härter in den willigen Körper unter ihm hineinstoßen zu können. Er spürte, wie sich Orli immer mehr um ihn spannte, bis er sich kaum noch in ihm bewegen konnte, bis die Menge an Daten die sein Schwanz zu liefern versuchte, einfach zu viel wurde. Mit einem letzten Wimmern verbiß er sich in Orli's Schulter und kam.

Orli war sich sicher, daß der Billardtisch in Flammen stand. Er keuchte und stöhnte bis seine Kehle heiser war, bis nur noch ein leises Wimmern und Schluchzen herauskam. Seine Muskeln griffen nach Heath, massierten dessen Schwanz, zogen ihn tiefer in sich hinein. Als Orli Heath's Orgasmus nahen fühlte, wußte er, daß der Strudel der Lust ihn mit sich reißen würde.
Es war einfach zuviel. - Seine Finger kratzen über den Rücken des Elfen, verzweifelt nach Halt suchend, und er spürte Heath's Atem über seinen Hals streichen. Der Mund des Elfen fand seine Schulter und er biß zu, sehr hart, beinahe als wollte er seine Zähne in ihn versenken, und der Reiz des Schmerzes, kombiniert mit Lust und dem Gefühl von Heath's heißem Samen der sich in ihn ergoß, war genug um ihn ebenfalls kommen zu lassen. Orli war sogar zu schwach zu schreien. Er bäumte sich noch einmal auf und fühlte dann auch schon wie Schwärze ihn umhüllte... es war einfach zuviel.

Heath blieb erschöpft auf Orli liegen und rang um Atem. Für einen Augenblick war ihm schwarz vor Augen geworden, aber er konnte sich ja später alles noch einmal in Ruhe ansehen. Im Moment machte er sich Sorgen um Orli, der völlig reglos unter ihm lag. Er rollte sich von dem anderen herunter und sah ihn beunruhigt an. "Orli?" fragte er leise und strich dem anderen die schweißnassen Locken aus dem Gesicht. "Liebster?" Orli reagierte nicht.
Also beugte sich Heath über ihn, küßte ihn und atmete gleichzeitig Sauerstoff in seine Lungen. So ernst hatte er es nun auch wieder nicht gemeint mit dem 'bewußtlos ficken'. Unruhig fragte er sich, ob er seinem Geliebten ernstlichen Schaden zugefügt hatte, als der sich zu regen begann.

"Oh fuck... war das geil." Orli lallte noch ein bißchen, sein Kopf war schwindlig, sein Arsch tat ihm weh und sein Mund fühlte sich pelzig an und ob er jemals wieder ein Gefühl in seinem Schwanz haben würde, war noch nicht mit Sicherheit zu sagen - und trotzdem grinste Orlando wie ein Idiot. Das war mit Abstand der beste Sex seines ganzen Lebens gewesen!
Orli preßte seine Lippen wieder auf den süßen Mund über ihm und schloß erneut seine Augen, er war so verdammt müde. Ein Bett wäre jetzt genau das richtige! Aber der Gedanke, daß sie dafür wieder zu Udo zurück mußten, verdarb ihm die Vorfreude darauf.

*****

Bray kämpfte gegen seine Müdigkeit. Auf dem Weg zu Ewan's Motorrad hatte die Erregung die der Magier in seinem Körper entfachte, ihn wachgehalten, aber inzwischen hatte sich Müdigkeit wie eine warme Decke über ihn gesenkt. Daß er hinter Ewan auf dessen Motorrad saß, eng an ihn gekuschelt, den Kopf an seine Schulter gelehnt, trug auch nicht gerade dazu bei, ihn wachzuhalten.
Er schloß die Augen und vergrub die Nase in Ewan’s langen Haaren. Hmm... warm, vertraut. Der Wolf in ihm, wünschte nichts mehr, als sich einfach einzurollen, jetzt, wo sein mate bei ihm war. Aber seine Vernunft war gerade noch wachsam genug, um ihn zu warnen, daß er dann vermutlich vom Motorrad fallen würde. Er hatte in dieser Nacht einfach zu viele heftige Zauber gewirkt. Er fühlte sich ausgelaugt. Ob Ewan ihm wohl sehr böse sein würde, wenn er sich einfach nur in seinen Arm kuschelte und endlich einmal eine Nacht in Sicherheit und ohne Angst schlief?

Es war wunderbar so durch die Nacht zu rauschen; mit Bray dicht hinter ihm, dessen warmer Atem im Nacken, die Hände um Ewan's Hüften gelegt. Ewan konnte es kaum abwarten ihn mit zu sich "nach Hause" zu bringen. Dann konnten sie das fortführen womit sie soeben begonnen hatten... Was die anderen wohl zu Bray sagen würden? Würden sie ihn akzeptieren?
Es dauerte nicht lange und sie hielten vor dem großen Lagerhaus in dem Ewan zusammen mit seinen Freunden wohnte. "Wir sind da." flüsterte der Magier Bray zu und drehte seinen Kopf leicht, um ihn anzuschauen. "Ich freue mich so sehr, daß du diese Nacht hier bleiben willst. Du wirst es nicht bereuen, das verspreche ich dir!" und seine Lippen suchten die von Bray.

Bray lächelte verschlafen. Er wollte Ewan ebenfalls küssen, aber dann mußte er gähnen. Etwas verschämt kratze er sich hinter dem Ohr. "Sorry." murmelte er dann. "War eine ziemlich harte Nacht bisher." Der Magier zuckte die Achseln. "Komm erstmal rein." sagte er und nahm Bray bei der Hand. Bray betrachtete das Gebäude mit soviel Neugierde, wie er in seinem momentanen Zustand aufbringen konnte.
Das Rolltor, das offenbar der Haupteingang war, zierte ein riesiges Graffiti, das offenbar das Symbol von Ewan's Gang zeigte. Ein grinsender Totenschädel mit Sonnenbrille. Der Magier zog das Tor hoch und winkte Bray, ihm zu folgen.
Die Halle war ziemlich hoch. Ursprünglich hatte sie wohl aus einem einzigen großen Raum bestanden, aber irgend jemand hatte zahllose kleinere Zwischenböden in verschiedenen Höhen eingezogen, die jetzt als Schlafplätze der Gangmitglieder dienten. Auf einigen brannten kleine Lagerfeuer, andere wurden von Lampen oder Lichterketten beleuchtet. Die Plattformen waren mit Leitern, Strickleitern und schmalen Stegen verbunden. Unten in der Halle standen die Motorräder der Gang, zu denen Ewan jetzt auch seines schob. Dazwischen reckten sich seltsame Metallfiguren nach oben, die anscheinend aus Schrott und Gerümpel zusammengeschweißt waren.
Ewan wandte sich gerade zu Bray, um irgend etwas zu sagen, als sich eine schlanke, blonde Frau von einer der niedrigeren Plattformen schwang und ihnen entgegenkam. "Na Ewan, wen hast du denn da mitgebracht?" fragte sie. Bray sah sie sich interessiert an. Sie trug enge Jeans, ein knappes Top und auf ihrer blonden Mähne saß eine Sonnenbrille. Viel interessanter war jedoch der Anblick den sie im Astralraum bot. Ihr Körper war durchzogen von schwarzen Linien und Flecken. Sie mußte eine große Menge Cyberware haben, die ihre körperlichen Fähigkeiten aufpolierten. Sie bewegte sich mit der Geschmeidigkeit einer jagenden Raubkatze. Und eindeutig unnatürlich schnell.
"Nikita, das ist Bray." erklärte Ewan. "Oh, dein kleiner Loverboy? Wieso bringst du den denn mit nach Hause?" Nikita musterte Bray neugierig. Ewan setzte zu einer Antwort an, aber Bray kam ihm zuvor bevor er irgend etwas verräterisches sagen konnte. "Der Herr Magier braucht mal ein bißchen Abwechslung." sagte er mit einem anzüglichen Lächeln. Nikita grinste breit. "Na dann wünsche ich dir viel Spaß!" sagte sie fröhlich zu Ewan, klopfte ihm ermutigend auf die Schulter und verschwand wieder im Halbdunkel der Halle.
Ewan sah Bray an und lächelte schief. Ein wenig unwohl fühlte er sich schon beim Gedanken daran, daß Nikita glaubte, daß der Junge nur sein Fucktoy war. Aber wenn Bray es so wollte... Und nichts spielte heute Abend wirklich eine Rolle, außer daß er mit dem Schamanen zusammensein konnte. Das erste Mal einschlafen mit diesem wunderbaren Körper in seinen Armen - wie lange hatte Ewan davon geträumt! Stürmisch zog er Bray hinter sich her und verschiedene Treppen und Leitern hinauf, bis sie auf einer großflächigen Ebene standen. Es war ziemlich dunkel hier.
Ewan grinste Bray an und schloß dann seine Augen. Bray konnte spüren, wie er Magie in sich sammelte. Ewan runzelte seine Stirn und streckte die rechte Hand aus, ließ sie einen weitläufigen Halbkreis beschreiben, während er irgend etwas vor sich hinmurmelte. Bray lächelte. Magier waren doch zu komisch. Für alles brauchten sie Formeln und Gesetze. Trotzdem war er beeindruckt als jetzt im ganzen Raum Kerzen zu knisterndem, loderndem Leben erwachten. Der Raum wurde in ein warmes Meer von Rot getaucht. Winzige Staubflocken tanzten wie Sterne in dem flackernden Kerzenlicht.
Unwillkürlich kuschelte sich Bray dichter an Ewan. Es war beinahe traumhaft romantisch. - Der Raum war in recht dunklen, aber nicht düster wirkenden Farben gehalten, die das Licht der vielen Kerzen wunderbar verstärkten. Ein großes Bett stand seitlich in einer Art Alkoven, übersät mit unzähligen flauschigen Decken und vielen großen und kleinen Kissen. Zu beiden Seiten des Bettes standen große Kerzenständer, die Dutzende gewundener roter und schwarzer Kerzen hielten.
Regale zogen sich in langen Reihen an den Wänden entlang, gefüllt mit den unterschiedlichsten Utensilien und vor allem auch - Bücher! Wer las heutzutage noch richtige Bücher? Bray lächelte. Es gab offensichtlich noch einiges an Ewan zu entdecken!
Mit einem Ausruf der Begeisterung griffen Bray's Finger zu dem gewaltigen Stapel aus Manga und Comic-Heften der in einer Ecke aufgetürmt war. Noch eine Leidenschaft, die sie beide offensichtlich teilten! Ewan grinste, als er sah, daß der Schamane offenbar dabei war seine ganze Aufmerksamkeit einem dieser Hefte zuzuwenden. Er kauerte sich hinter den Jungen, der ehrfürchtig vor dem Stapel kniete, und schob sacht dessen Haare zur Seite, um den schimmernden Nacken mit leichten Küssen zu bedecken. "Gefällt es dir hier?" fragte er den anderen leise, während er liebevoll durch dessen dunkles Haar strich.

Bray lehnte den Kopf zurück gegen Ewan's Schulter, warf noch einen etwas sehnsüchtigen Blick in Richtung des Spiderman-Heftes das er in dem Stapel erspäht hatte und schloß dann mit einem tiefen Seufzen die Augen. Diverse Wünsche und antrainierte Verhaltensweisen kämpfen um die Oberhand in ihm. Die "Erziehung" die er bei Udo genossen hatte, befahl ihm, sich sofort ausschließlich um Ewan zu kümmern, seine Neugierde ließ ihn darüber nachdenken, was für Schätze sich wohl noch in den beinahe achtlos aufgestapelten Heften verbargen. Und sein Körper verlangte laut und sehr nachdrücklich nach Schlaf. Er ließ den Kopf zur Seite sinken, als Ewan seinen Nacken küßte, sanft an seinem Hals knabberte. Wenn sich sein Kopf nur nicht so verdammt schwer anfühlen würde.
Sich einfach nur in Ewan's Armen einzurollen, vorzugsweise mit einem Manga zum einschlafen, das war so ziemlich die Idealvorstellung. Aber der Magier hatte sicher andere Pläne und Bray war sich nicht sicher, ob er es über's Herz bringen würde, Ewan das zu sagen.

Ewan spürte wie der warme Körper in seinen Armen immer schwerer wurde. Bray mußte sehr müde und erschöpft sein. Nach all den Geschehnissen heute war das ja auch kein Wunder. Ewan konnte sich vage vorstellen, was es den anderen gekostet haben mochte, die gesamte Gang zu rösten und dann auch noch Ewan das Leben zu retten. Ein Wunder das der Schamane sich überhaupt noch auf den Beinen halten konnte. Ewan's eigener Körper fühlte sich merkwürdigerweise seltsam energiegeladen an, die Nahtoderfahrung hatte offensichtlich all seine Sinne auf Äußerste angespannt. Diese Anspannung drängte nun danach gelöst zu werden.
Alles an ihm kribbelte, aber er konnte das Bray doch jetzt nicht zumuten! Sicherlich reichte dem anderen auch die unschöne Erfahrung die er heute mit dieser verdammten Gang gemacht hatte. Ewan unterdrückte ein Seufzen. "Müde?" flüsterte er und streichelte sanft über die Arme des Schamanen.

Bray kuschelte sich noch näher an Ewan's angenehme Wärme. "Mhm..." Gott, er konnte nicht einmal mehr die Augen offen halten. "Tut mir leid..." murmelte er. "War eine schreckliche Nacht bisher..." Er drehte sich zu dem Magier um, schlang ihm die Arme um den Hals, küßte ihn kurz, rieb dann seine Nase an der des anderen und lehnte schließlich seine Stirn an Ewan's.

Das Verlangen in Ewan tat einen leisen bedauernden Seufzer, aber seine Zuneigung für Bray akzeptierte die Bitte sofort. "Natürlich, ich verstehe das. Komm laß uns schlafen gehen. Es wird andere Nächte geben..." Sorgsam begann Ewan die immer noch leicht nasse Kleidung des anderen auszuziehen. "Du erkältest dich noch. Wir bringen dich besser schnell in mein warmes kuscheliges Bett, hm?" und er zwinkerte dem Schamanen verschmitzt zu. Der Magier warf seine eigene Kleidung achtlos in eine Ecke und warf einen zärtlichen Blick zu dem auf seinem Bett liegenden, nun schon beinahe schlafenden Jungen. "Na? Noch eine Gute-Nacht-Geschichte?" neckte er und hielt das Spiderman Heft in die Höhe, das der andere vorhin so sehnsüchtig angeblickt hatte.

Bray war sich immer noch nicht sicher, ob er wirklich glaubte, daß Ewan ihn so einfach nur bei sich schlafen ließ. Er fühlte sich schon ganz wirr vor Müdigkeit. Aus irgendeinem Grund fiel ihm plötzlich ein, daß er seinen siebzehnten Geburtstag vergessen hatte, der vor ein paar Tagen gewesen war. Er sah Ewan mit einem verträumten Lächeln an und fragte sich, ob das wohl jetzt ein verspätetes Geschenk war. Er schüttelte nur den Kopf, als Ewan ihn fragte, ob er eine Gute-Nacht-Geschichte hören wollte und streckte mit einem müden Grollen die Arme nach dem Magier aus. Als der neben ihm ins Bett kam, rollte er sich einfach bei ihm ein, den Kopf an seine Brust gekuschelt und ließ sich in die wohlige Umarmung sicheren Schlafes gleiten.

Ewan's Arme schlossen sich glücklich um Bray. Was für ein wunderbares Gefühl so einzuschlafen und zu wissen, daß man am anderen Morgen aufwachen würde und das erste was man sah, würde das Gesicht dieses herrlichen Jungen sein! Eine Welle der Wohligkeit überschwemmte den Magier geradezu. <So müßte es immer sein.> dachte er noch, bevor auch ihm die Augen langsam zufielen und er hinüber glitt in einen sanften Traum voll von Hoffnung und Zufriedenheit.

*****

Bray wußte nicht genau was so nachdrücklich an seiner Aufmerksamkeit zerrte, aber es ließ ihm keine andere Wahl, als sich von der wohligen Wärme die seinen Schlaf dominierte loszureißen. Er schlug langsam die Augen auf und fragte sich verwirrt, wo er eigentlich war. Jedenfalls nicht in seinem eigenen Bett. Dann erinnerte er sich an die vergangene Nacht und dann fiel ihm siedendheiß ein, daß er unbedingt vor Morgengrauen zurück im Matrix sein mußte, wenn er die anderen nicht in fürchterliche Schwierigkeiten bringen wollte. *Wolf* saß im Astralraum neben ihm und gab ein bekräftigendes Bellen von sich. Bray wurde bewußt, daß es sein Totem gewesen war, daß ihn so nachdrücklich geweckt hatte. Er dankte seinem Schutzgeist. Er hatte zwar nur eine knappe halbe Stunde Zeit um zurückzukommen, aber besser als zu spät.
Er setzte sich auf, streckte sich und sah dann auf Ewan herunter, der neben ihm lag und friedlich schlief. Es tat ihm entsetzlich leid den Magier aufzuwecken, aber noch weniger wollte er einfach so verschwinden. Also beugte er sich zu ihm herunter und küßte ihn vorsichtig.

...sie standen auf einem Berggipfel... beinahe schien es, als könnten sie den Himmel berühren. So friedlich war es hier... Ewan schlang seine Arme um Bray, um ihn nie wieder loszulassen und ihre Lippen näherten sich in einem vielversprechenden Kuß... - Die Szenerie um ihn begann zu verschwimmen, als des Magier’s Sinne in die Wirklichkeit erwachten, aber die federleichte Berührung des Kusses blieb. Ewan schlug blinzelnd seine Augen auf. Er lächelte als er Bray sah, und er streckte die Hand aus, um ihn näher zu sich heran zu ziehen.

Bray ließ es zu das der Kuß ein wenig länger wurde als er eigentlich geplant hatte, aber das warnende Heulen seines Totems hielt ihn davon ab seiner erwachenden Leidenschaft nachzugeben. "Ewan, ich muß zurück zum Matrix." sagte er.

Ewan blinzelte hart. Er hatte so gehofft den anderen zum bleiben bewegen zu können! "Geh nicht Bray." bat er erneut. "Bleib doch hier bei mir, bitte. Zumindest noch einen Tag? Diese eine Nacht? Wir könnten es uns richtig gemütlich machen. Ich bin sicher, daß ich das mit Udo irgendwie klären kann." Ewan wußte das er beinahe verzweifelt klang.

"Ich kann wirklich nicht bleiben." Bray zog Ewan noch einmal fest an sich. "Ich würde auch lieber hier bleiben und den Tag mit deinen Comics verbringen." Er grinste breit über die Empörung, die dieser Kommentar auslöste. "Aber ich muß wirklich zurück." Er biß den Magier spielerisch in die Nase. "Jetzt sei ein Schatz und fahr mich zurück zum Matrix. Ist ja nicht so, als würden wir uns nie wieder sehen. Oder bleibst du immer noch dabei, daß du keinen Fuß mehr ins "Horny Pony setzt?"

"Wenn das der einzige Weg ist, um mit dir zusammen sein zu können..." Ewan schaute betrübt. Er ließ seinen Blick über die vertraute gemütliche Atmosphäre seines Zimmers schweifen. "Dabei wäre es hier soviel angenehmer. Nicht wie bei Udo, wo das rosige Plüsch mich ständig daran erinnert das ich in 'nem beschissenen Bordell bin." Der Magier schmollte beinahe.

Bray mußte grinsen. "Na, wenn du bereit bist ein bißchen mehr anzulegen, bietet Udo auch Lieferservice an..." erklärte er im Spaß. "Oder wenn du es lieber spartanisch hast, kann ich dir mal das Zimmer zeigen, das ich mit drei Kollegen teile..."

"Lieferservice? Du meinst, ich könnte dich auch hierher... ähm... 'bestellen'?" Ewan schaute verlegen, aber die Idee gefiel ihm. Er wußte zwar, daß er seine Kumpels um das nötige Geld dafür würde anpumpen müssen, aber das war ihm die Sache allemal wert. Hmmm... Bray und er in seinem schönen weichen Bett, Kerzen, Musik, zusammen einschlafen und aufwachen... Ewan seufzte glücklich, einen verträumten Ausdruck im Gesicht. "Wenn es denn nicht anders geht. - Na dann mal los, auf zum Matrix." seufzte er schließlich und hüpfte aus dem Bett, um sich anzuziehen.

Es war kaum zu glauben, aber offenbar zog Ewan tatsächlich in Erwägung ihn hierher zu bestellen. Bray schüttelte ein wenig verwirrt den Kopf. Magier hatten anscheinend wirklich zuviel Geld...
Er stand ebenfalls auf und sammelte seine immer noch feuchten Klamotten auf. Wenigstens hatte er seinen Mantel im Matrix gelassen. Aber mit dem Mantel wäre er wahrscheinlich nicht so naß geworden. Und die Ganger hätten sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht an ihn heran getraut, wenn sie die schamanischen Zeichen darauf gesehen hätten. Kurze Zeit später kletterten sie beide nach unten.

Das Grau des Himmel über ihnen wurde heller, als sie sich dem Matrix näherten. Ein neuer Tag brach an. Ewan lies ein wenig traurig den Kopf hängen, als Bray vom Motorrad abstieg und sich zu ihm wandte, um sich zu verabschieden. "Tja dann..." sagte Bray. "Tja dann..." sagte Ewan und lächelte schief.
Beinahe gleichzeitig beugten sie sich vor, um einen letzten feurigen Kuß zu teilen, bevor sich der Schamane langsam umwandte um zu einer der vielen Hintertüren des Matrix zu gehen, und Ewan sein Motorrad noch einmal aufheulen ließ. Es klang fast wie ein Winseln. Bray drehte sich um und lächelte. "Bis bald?" fragte er, ein wenig Unsicherheit schwankend in seiner Stimme. Ewan nickte und blinzelte angestrengt die Tränen weg, die in seine Augen steigen wollte. "Versprochen." Und sich einen Ruck gebend, zog er den Kragen seiner Jacke höher und brauste davon, bis er nur noch ein winziger Punkt in der Ferne war.

*****

Go, beloved
run fast
run far
take my heart
away with you
carry it
out of darkness
and keep it safe
close to your own
so it may
stay warm and alive
while I remain
cold and unfeeling
without pain

 

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TEIL 5

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