"SubMission"
Teil 15
by Beryll & Vagabond

 

Heath sah zu, wie ein Wagen nach dem anderen an ihm vorbeifuhr. Der Regen fiel jetzt ganz regelmäßig und er war längst naß bis auf die Haut. Das dünne T-Shirt und die sowieso viel zu engen Jeans klebten an seinem Körper und überließen nichts der Fantasie. Ein zu dünner Elfenjunge, der am Straßenrand auf einen Kunden wartete. Einer von vielen. Viel zu große graue Augen, die aus einem zu schmalen Gesicht voller Unsicherheit auf eine feindselige Welt hinaus blickten.
Heath war jung. Nicht nur nach den Standards eines Elfen, sondern auch für einen Menschen. Gerade mal siebzehn. Und sein Leben war eigentlich schon vorbei. Bisher hatte er sich mit dem programmieren von SimChips über Wasser halten können, aber der Dealer, der ihm seine Sachen abgenommen hatte, war vor ein paar Tagen erschossen worden und es war ihm nicht gelungen in der kurzen Zeit einen anderen zu finden.
Hunger und Verzweiflung trieben ihn hier her. Zu der Straße, die er bisher gemieden hatte, wie der Teufel das Weihwasser. Er hatte immer hochnäsig auf die Stricher herabgesehen, die hier versuchten ihr Leben zu fristen. Jetzt war er einer von ihnen und er hatte Angst. Nie zuvor hatte er seinen Körper verkaufen müssen.
Er schloß die Augen und ein Zittern lief durch seinen Körper. Verdammt, er hatte noch nicht einmal eine Freundin gehabt. Er hatte sich immer nur für Computer interessiert. Und nun... Er versuchte tief durchzuatmen, aber ein Kratzen in seiner Kehle machte den Versuch zu nichte und er mußte statt dessen husten. Auch das noch. Nicht mehr lange und er würde nur eine der vielen Leichen sein, die jeden Morgen in der Bay trieben.
Krampfhaft sammelte er sein letztes bischen Mut und öffnete seine Augen wieder. Er würde es schaffen. Er hatte es bisher immer geschafft. Er würde auch das hier überleben. Irgendwie würde er sich selbst wieder aus diesem Sumpf ziehen. Egal was er dafür tun mußte. Er versuchte ein verführerisches Lächeln aufzusetzen, aber er war sich sicher, daß es ihm nicht sonderlich gut gelang.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, blieb ein alter, gebückt gehender Mann stehen, und sah neugierig zu ihm herüber. Heath hatte das Gefühl, daß sich seine Augen tief in ihn hinein bohrten und er betete stumm. ‚Nicht der, wenn es einen Gott gibt, bitte nicht der.’
Als wäre sein Gebet erhört worden, hielt einer der Wagen plötzlich vor ihm und das Fenster wurde herunter gekurbelt. Heath tat das, was er bei den anderen Jungen beobachtet hatte, die hier standen. Er ging zu dem Wagen, beugte sich herunter und sah hinein.
Am Steuer saß ein großer Schwarzer. Breitschultrig, beinahe bullig, sah er aus, als könnte er Heath’s Rücken mit einem einzigen Griff brechen. Angst packte Heath’s Herz und ließ es nicht wieder los, aber dennoch blieb er, wo er war.
"Na, Kleiner, wieviel nimmst du denn für die Nacht?" fragte der Schwarze. "Zwanzig für 'ne Stunde, fünfzig für die Nacht." Auch das hatte er von den anderen Jungs gehört. Und er versuchte, es so überzeugend wie möglich rüber zu bringen. Der Schwarze musterte ihn nachdenklich und Heath kam sich vor, wie ein Stück Fleisch, das zum Verkauf stand. Aber das war er ja auch. Nicht mehr und nicht weniger. Er schluckte den Klumpen herunter, der sich in seiner Kehle gebildet hatte und versuchte es noch einmal mit einem Lächeln.
"Is okay, steig ein." sagte der Schwarze und Heath wußte nicht, ob er erleichtert oder entsetzt war. Aber er stieg gehorsam ein, ehe der "Kunde" es sich anderes überlegen konnte. Als er neben dem Mann saß, wurde ihm erst richtig bewußt, wie groß und breit er war. Als Elf war Heath selbst eher hochgewachsen, aber der Schwarze überragte ihn sicherlich und war locker doppelt so breit wie der magere Junge. Der Schwarze trug schweres schwarzes Leder und in seinem Gesicht war nichts sanftes oder freundliches. Er würde sicherlich kein Verständnis dafür aufbringen, daß Heath noch nie so etwas getan hatte.
Heath starrte auf seine Hände, die gefaltet in seinem Schoß lagen, und versuchte, seine Angst nicht zu zeigen. Ich hab keine andere Wahl, sagte er sich immer wieder, aber das machte es nicht einfacher. Eher schlimmer.
Die Fahrt schien Heath ewig zu dauern. Und die ganze Zeit wagte er es nicht, den Mann neben sich anzusehen. Statt dessen starrte er nach draußen und sah zu, wie die grauen Häuserfronten der Stadt an ihm vorbeizogen. Endlich hielt der Wagen, der Motor erstarb und er hatte keine andere Wahl mehr, als seine Aufmerksamkeit wieder seinem Kunden zuzuwenden.
Der öffnete die Fahrertür, stieg aus, schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch und gestikulierte Heath, ebenfalls auszusteigen. Wenigstens will er es nicht hier im Auto mit mir treiben, dachte Heath und fragte sich dann sofort, ob das wirklich ein Vorteil war. Dann wäre es vielleicht wenigstens schnell vorbei gewesen. Aber er stieg aus und folgte dem Mann zu dem Haus, das hinter einem hohen Eisenzaun aufragte. Sie waren in einem der wenigen besseren Teile der Stadt. Anscheinend war sein Kunde nicht unbedingt arm. Heath fragte sich, warum er es dann nötig hatte, sich Straßenstricher aufzulesen. Aber vielleicht stand er ja auf durchgefrorene, halb verhungerte Elfenkids.
Heath folgte ihm zum Haus und wartete wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, während der Mann die Tür aufschloß. Von drinnen kam ihm angenehm warme Luft entgegen und obwohl er solche Angst hatte, beeilte er sich, hineinzukommen. Ihm war einfach zu kalt. Der Mann kam hinter ihm herein und schloß die Tür wieder. Heath drehte sich zu ihm um und sah ihn fragend an.
Der Mann grinste breit und zeigte eine Reihe blitzend weißer Zähne. "Mein Name ist Morpheus." sagte er. "Und wie heißt du, Kleiner?" Heath fühlte sich nicht wohl dabei, einem Fremden seinen Namen zu nennen, aber ihm war so kalt und er hatte so viel Angst, daß ihm auf die Schnelle kein anderer einfiel. Also nannte er seinen eigenen Namen.
"Na komm, Kleiner." sagte der Schwarze, legte ihm eine große Hand auf die schmale Schulter und schob ihn in Richtung der Treppe, die im Flur begann. "Erstmal solltest du duschen und dich aufwärmen, so bist du ja zu nichts zu gebrauchen." Heath bemerkte jetzt erst, daß seine Zähne klapperten und daß er instinktiv die Arme um sich geschlungen hatte. Er wollte nicht dankbar sein, er wollte nicht in seiner Wachsamkeit nachlassen, er wollte diesem Kerl nicht vertrauen. Aber er stellte fest, daß ihm nichts davon gelang. Er ließ sich widerstandslos nach oben führen.
"Zieh die nassen Sachen aus." befahl Morpheus, als sie in einem kleinen, gemütlichen Badezimmer angelangt waren und Heath gehorchte. Dafür wurde er schließlich bezahlt. Der Schwarze stellte inzwischen das Wasser in der Dusche an und als Heath sich fertig ausgezogen hatte, erfüllte bereits heißer Dampf das Badezimmer. Der Schwarze nahm Heath’s nasse Sachen.
"Dusch dich." befahl er. "Ich schick dir jemand vorbei, der dir andere Sachen bringt." Und damit verließ er das Zimmer und schloß sorgfältig die Tür hinter sich. Heath sah ihm verwirrt nach. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Aber darüber würde er mit Sicherheit nicht diskutieren. Eine ganze Weile stand er unter dem heißen Wasser und ließ es seinen völlig durchgefrorenen Körper wieder zum Leben erwecken.
Als er nach mehreren Minuten endlich aus der Dusche trat, befand sich eine weitere Person im Zimmer. Auf dem Rand der Badewanne hockte ein menschlicher Junge, der vielleicht vierzehn oder fünfzehn sein mochte. Seine braunen Haare waren ein filziger Mop, der unordentlich von seinem Kopf abstand. Er trug verwaschene Jeans und einen zu weiten Pulli mit viel zu langen Ärmeln. Unter den Haaren blickten große grüne Augen hervor und beobachteten ihn mit einer Mischung von Mißtrauen und Neugierde, wie er sie eher bei einem wilden Tier erwartet hätte.
Als Heath einen Schritt auf ihn zu machte, zuckte er zusammen und sein Mund verzog sich zu einem stummen Knurren. Heath blieb vorsichtig stehen, während der Junge sichtlich darum rang, seine Fassung wieder zu gewinnen. Dann schob er mit dem Fuß ein Bündel Kleidung zu Heath hinüber. Heath hob die Sachen auf und zog sie an, ohne sie sich näher anzusehen. Statt dessen behielt er den Jungen im Auge, der ihn ebenfalls weiterhin anstarrte.
"Bray." sagte der und zeigte auf sich selbst, als Heath fertig war. "Heath." antwortete er, mit einer ähnlichen Geste. Der Junge lächelte plötzlich...

"Kennen wir diesen Morpheus?" "Nein, Herr... ich kann aber noch mal unsere Daten mit dem Archiv vergleichen..."
Die Stimmen schienen von weit weg zu kommen und hallten unnatürlich in seinen Ohren. Viel zu laut und trotzdem so unwirklich. Kalt. Heath war so entsetzlich kalt. Ganz langsam kehrte das Gefühl für seinen Körper zurück und er wurde sich bewußt, daß er immer noch auf dem Metalltisch lag.
Die Angst ließ sein Herz schmerzhaft mehrere Schläge aussetzen. Seine Headware... Sie waren dabei sich in seine Headware zu hacken! Die Informationen herauszuziehen, die dort gespeichert waren. Und über die Headware konnten sie auch sein natürliches Gedächtnis anzapfen. Sein ganzes Leben lag vor ihnen, wie ein offenes Buch.
Ein Schauer lief durch seinen Körper und Schmerz meldete sich zu Wort. Er war verletzt. Sein Körper bedeckt mit seinem eigenen Blut und eisigem Schweiß. Die Erinnerung wollte nur schwerlich kommen. Zu wirklich schienen die Erinnerungen die ihm aufgezwungen worden waren.
Der Vampir hatte ihn vergewaltigt. Und es natürlich nicht für nötig befunden, sich um die Wunden seines Opfers zu kümmern. Jeder Atemzug tat weh.
Heath versuchte die Augen zu öffnen, aber selbst das fiel ihm schwer. Die Wimpern waren mit getrockneten Tränen verklebt und er fühlte sich so müde. So schwer...
"Nicht nötig. Mach einfach weiter. Vielleicht finden wir ja noch etwas genaueres..."

...Der dumpfe Beat, der den großen Raum des "Matrix" erfüllte, blieb langsam hinter ihnen zurück. Heath hätte wesentlich mehr Lust gehabt, sich jetzt dort unten mit Orli auf der Tanzfläche zu amüsieren, als zu einem Meeting mit ihren Auftraggebern zu gehen. Aber er wußte auch, daß dieser Auftrag ihr weiteres Schicksal entscheiden konnte. Vielleicht hatte Kira ja recht. Vielleicht würden sie ihrem Aufenthalt im "Horny Pony" ja wirklich ein Ende machen können.
Nachdenklich starrte er Trinity's Rücken an und fragte sich, wer es wohl war, der im Hinterzimmer auf sie wartete. Jemand, der in der Befehlsstruktur eindeutig weiter oben stand. Von den 'Higher-Ups' hatten sie nichts wirklich Neues mehr gehört, seit Morpheus verschwunden war. All ihre Aufträge hatten sie von Trin erhalten. Anscheinend kam diese ganze verfahrene Angelegenheit nun wirklich in Gang.
Er betrat das kleine Hinterzimmer als letzter und wandte sich neugierig der Gestalt zu, die an der gegenüberliegenden Wand lehnte...
Und starrte verwundert auf den verwaschenen Fleck, wo eigentlich... ja, was eigentlich... er stellte verwirrt fest, daß er nicht wußte, was sich dort hätte befinden sollen. Er sah zu den anderen, aber die taten so, als wäre nichts besonderes los, als könnten sie an dieser Stelle... etwas... sehen.
Erneut starrte er die Stelle an und versuchte zu erkennen, was sich hinter dem verwischten Klecks befand. Scharfe Schmerzen schossen plötzlich durch seinen Kopf. Er hob die Hand zur Schläfe und versuchte sich noch mehr zu konzentrieren, versuchte es wirklich, aber die Schmerzen wurden immer stärker, bohrten sich wie scharfe Messer durch seinen Schädel.
Er sah, daß Bray mit dem sprach, was sich hinter dem Fleck verbarg, aber er konnte die Antworten nicht verstehen. Langsam aber sicher, wurden die Bewegungen der anderen immer langsamer und Heath stellte fest, daß auch er sich kaum noch rühren konnte. Das Atmen wurde immer schwerer, mühsamer. Er versuchte die anderen zu warnen, aber er bekam keinen Ton mehr heraus.
Alles um ihn herum und auch er selbst waren zum Stillstand gekommen. Dennoch hörte er, wie hinter ihm die Tür geöffnet wurde und dann trat eine Gestalt, die ihm irgendwie bekannt vorkam, in sein Sichtfeld. Ein alter Mann, gebückt gehend, mit schmutzig grauem Schnauzbart, der sich langsam auf den verwaschenen Fleck zu bewegte, einmal um ihn herum ging und sich dann zu Heath umdrehte, um ihn mit seinen kleinen, tiefliegenen Augen anzufunkeln...

"Das ist es... Das muß es sein!" Die Stimme des Vampirs, der ihn zuerst verhört hatte, bahnte sich einen Weg in die gefrorene Erinnerung und Heath wurde klar, daß es nicht wirklich war. Daß er nur sah, was sie sich in seinem Kopf ansahen. Mit aller Macht versuchte er die Erinnerung zurückzudrängen und das Bild verblaßte vor seinem geistigen Auge.
"Verdammt! Er wehrt sich immer noch!" Schmerz, als eine Hand ihn bei den Haaren packte und seinen Kopf hochriß. "Du kleines Miststück!" Mühsam zwang sich Heath seine Augen zu öffnen und starrte in das tiefe Blau der Augen des Vampirs.
Er hatte nicht die Kraft zu einem spitzfindigen Kommentar, es wäre ihm nicht mal einer eingefallen. Aber in seinen Augen mußte immer noch Widerstand stehen, denn der Vampir ließ ihn fallen und wandte sich erneut an seinen Gehilfen.
"Brich ihn endlich!" verlangte er. "Ich will Ergebnisse sehen! Wer verbirgt sich hinter diesem Fleck?!"
"Ja, Herr. Natürlich..."

...Mit einem stummen Schluchzen preßte Heath sein Gesicht noch fester in die unnachgiebige Matratze unter ihm. Nicht daß es noch viel weiter gegangen wäre. Die große, schwitzige Hand, die in seinen Haaren verkrallt war und seinen Kopf nach unten drückte, gab ihm sowieso keine andere Möglichkeit.
Das gleichförmige Stoßen in seinen erschöpften Körper ging weiter. Es hatte inzwischen beinahe etwas mechanisches. Rein, raus, rein, raus. Stechende Schmerzen, wenn der harte Schwanz sich seinen Weg hinein bahnte, ziehende Schmerzen, wenn er wieder herausgezogen wurde.
Schweiß von dem Mann über ihm tropfte auf seinen Rücken. Wenigstens hatte sich dieser nicht mit seinem ganzen Gewicht auf ihn gelegt, sondern stütze sich mit einer Hand ab.
Inzwischen war Heath selbst für so winzige Dinge dankbar. Er war dankbar, wenn der Mann, der ihn gerade fickte, endlich kam, war dankbar, wenn er für einen kurzen Moment frei atmen konnte, während er auf den nächsten wartete, war dankbar, wenn einer von ihnen tief in ihn eindrang und dort verharrte – alles um dem ewigen Stoßen zu entgehen.
Er hatte keine Angst mehr. Das hier war schlimmer als alles, was er sich jemals hatte vorstellen können. Ein kleiner Teil von ihm, der sich irgendwo verkrochen hatte, wußte, daß es nicht ewig weitergehen würde. Daß dies nur ein Teil seiner "Ausbildung" war. Daß irgendwann der nächste Teil beginnen würde, daß er dann das Schlimmste überstanden hatte.
Morpheus hatte ihnen alles darüber erzählt, wie neue Nutten gefügig gemacht wurden. Daß man sie zuritt, bis ihr Wille gebrochen war, bis sie bereit waren alles zu tun, um dieser Qual zu entgehen. Dann erst würde man anfangen ihnen beizubringen, wie man einen Kunden fachmännisch befriedigte. Sie hatten ihm zugehört und jeder einzelne von ihnen hatte versucht, sich darunter etwas vorzustellen.
Wahrscheinlich war der einzige, der wirklich wußte, was auf sie zukam, Orli gewesen. Heath hatte den seltsam gehetzten Ausdruck in seinen Augen gesehen und sich gefragt, ob der schwarzhaarige Junge es schaffen würde, ob er stark genug war. Er hatte Orli für schwach gehalten. Nun wußte er, daß Orli wahrscheinlich auch derjenige war, der diese Hölle am ehesten überstehen würde.
Solange, bis sein Wille gebrochen war... Heath kniff fest die Augen zusammen. Er war soweit. Er würde alles tun – alles – wenn das hier nur aufhören würde. Er würde ihren Auftrag verraten, würde seine Freunde ohne zu zögern an den Vampir verkaufen, würde Morpheus, der ihn von der Straße gerettet hatte, selbst die Kehle durchschneiden, wenn es nur aufhörte. Aber niemand interessierte sich dafür, wollte wissen, was in seinem Kopf vorging. Alles was die Kerle wollten, die in diesen Raum kamen, war, ihren Schwanz in den bereiten Körper zu stecken, der auf dem schmutzigen Bett lag.
Das Stoßen wurde schneller und die Hand in seinem Haar packte noch fester zu, zog seinen Kopf hoch, bis sein Rücken schmerzhaft durchgebogen wurde. Heath schrie auf, als der Mann seinen Schwanz noch einmal tief in ihn hinein rammte und kam.
Der Kerl ließ ihn fallen wie einen schmutzigen Lappen und zog seinen Schwanz aus Heath. Heath biß sich auf die blutigen Lippen und blieb einfach bewegungslos liegen, rang um Atem. Er spürte, wie der Samen des "Kunden" aus seinem Arsch und seine Beine herunter lief. Zu viele hatten ihn an diesem Tag schon gefickt. Seine Augen brannten, aber es wollten keine Tränen kommen. Er hatte keine mehr.
Der Kerl gab ihm einen abschließenden Klaps auf den Hintern und erhob sich dann vom Bett. Heath hörte, wie ein Reißverschluß hochgezogen wurde, dann die Tür. Einundzwanzig, zweiundzwanzig. Wieder die Tür. Das Geräusch eines Reißverschlusses, der geöffnet wurde, ein schweres Gewicht, das sich auf dem Bett niederließ.
Heath wandte den Kopf zur Seite, um zu sehen, wer es diesmal war. Er wußte nicht, welches perverse Interesse ihn dazu trieb. Bisher hatte er es so gut es ging vermieden, seine Peiniger anzusehen.
Ein eisiger Schauer lief über seinen Rücken, als er den widerlichen alten Mann erblickte, der mit einem väterlichen Grinsen auf ihn heruntersah, während seine kalten Hände bereits gierig über Heath’s Rücken wanderten...

...kalte Hände, die gierig über seinen Brustkorb fuhren. Zu scharfe Fingernägel, die zu empfindliche Haut ritzten, neue Schmerzen zu alten hinzufügten.
Müdigkeit, die wie eine entsetzlich schwere Decke über Heath lag und ihm die Luft zum atmen raubte, ihn immer weiter nach unten zog, um ihn zu ersticken.
Dann Kälte, entsetzliche Kälte, die sich einen Weg in seinen wunden Körper bahnte, ihn zurück an die Oberfläche riß, ihn zwang die Augen zu öffnen und der Realität zu begegnen.
Aber Erinnerung, Realität und Wahnsinn verschmolzen zu einem untrennbaren Wirrwarr, als Heath den selben, widerlichen alten Mann erblickte, der über ihm lag, der in ihn stieß, so wie er es auch in seiner Erinnerung getan hatte, der mit gebleckten Fangzähnen auf ihn heruntergrinste.
Einen Augenblick starrte Heath ihn nur in stummem Entsetzen an. Dann zerbrach das letzte bischen Willen, das er sich noch bewahrt hatte, und er schrie. Schrie all den Schmerz die Angst und den Schrecken heraus, und verlor sich ganz und gar in dem irrsinnigen Durcheinander, das nun in seinem Kopf herrschte.

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Der Thronsaal war grell erleuchtet von den gleißenden Neonröhren, die sich wie das futuristische Netz einer Spinne über die Decke und an den Wänden entlang zogen. Schwarzes Glas, gehalten von Stahlträgern, bildete den Fußboden und in der undurchschaubaren Tiefe des Glases blitzen gelegentlich wirre Lichter auf, wie verlorene Seelen die die Fürstin dort hinunter verbannt haben mochte. Es war ein Meisterwerk der Verwirrungskunst und erfüllte die Besucher von Fürstin Liviana mit Furcht und Ehrfurcht zugleich.
Der einzige Gedanke der sich in Ardeth Bey regte, als er lautlos in den Saal glitt, war, ob sie sich wohl selbst auch verwirrte. Anders war es nicht zu erklären, daß sie ihrem unzuverlässigen Sicherheitschef gestattete, eine solche Show zu veranstalten.
Na gut, er hatte endlich herausgefunden wer hinter dem unglaublichen Anschlag auf die Arcologie steckte. Wem es gelungen war ihr die Erlöserin unter der Nase wegzustehlen. Aber diese Information brachte ihr rein gar nichts, denn weder wußte sie, wo ihre Erzrivalin, Fürstin Mary, die Erlöserin hingebracht hatte, noch hatte sie irgendeine Handhabe gegen die wesentlich ältere und mächtigere Fürstin. Sicher, sie würde Pläne schmieden, aber er bezweifelte, daß sie eine Lösung für ihr Problem finden würde. Wieder einmal hatte sie eine Runde gegen Mary verloren.
Livina's kaum unterdrückter Zorn durchsetzte die Arcologie schon seit Tagen wie ein langsam tötendes Gift und Ardeth fragte sich, wen es wohl als erstes erwischen würde. Er hoffte, daß es derjenige sein würde, der es am meisten verdiente. Derjenige, der ihr dieses Problem eingebrockt hatte. Elijah.
Die Teile des Hofstaates, die sich entschieden hatten zu kommen, beobachteten voller Langeweile, wie Elijah vor dem Thron auf und ab stolzierte wie ein Pfau und der Fürstin noch einmal lang und breit berichtete, was er herausgefunden hatte.
Liviana selbst kauerte auf ihrem Thron wie ein Raubvogel bereit zum Todesstoß. Ihre schwarzen Augen folgten jeder Bewegung Elijah's und Ardeth fragte sich amüsiert, ob er gar nicht mitbekam, in was für einer Gefahr er schwebte. Jede Maus verstand es besser sich zu schützen, indem sie sich ganz still verhielt, wenn sie in den Blick eines Raubtieres geraten war. Ihm sollte es nur recht sein.
Dann blieb Ardeth’s Blick plötzlich an dem Körper hängen, der vor dem Thron am Boden lag und sein Herz zog sich unerwartet und schmerzhaft zusammen. Für einen Moment gaukelten ihm seine Augen vor, dieser Schopf blonder Haare würde Ryan gehören, und all der Schmerz der ihn in den letzten Tagen gequält hatte, brach erneut hervor.
Elijah hatte zwar herausgefunden wer die Erlöserin gestohlen hatte, aber das hatte ihn keinen Schritt näher zu Ryan gebracht und inzwischen war Ardeth sich sicher, daß der unfähige Schwachkopf auch nichts finden würde. Er hatte verzweifelt versucht sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß er seinen Sonnenschein, sein Licht, seine Liebe, nie wiedersehen würde, aber es war ihm nicht gelungen. Es mußte doch irgendeinen Weg geben Ryan zu finden...
Er glitt näher zum Thron und erneut wurde sein Blick von dem nackten Körper des Elfen-Jungen angezogen, den er so unüberlegt Elijah ausgeliefert hatte. Vielleicht wäre er in der Lage gewesen aus dem Jungen herauszuholen wo Ryan sein könnte. Nicht mit grausamer Folter, sondern mit der Subtilität eines alten Vampirs der das Vertrauen jedes Sterblichen erlangen konnte, wenn er es nur wollte.
Aber nun war von dem Elfen nicht mehr viel übrig. Die vormals glatte Haut war übersäht mit Schnitten, Kratzern und Blutergüssen. Er war noch dünner als zuvor und ihn umgab eine Aura die Ardeth einen Schauer über den Rücken jagte. Er war nahe an der Grenze des Wahnsinns. Es brauchte nur noch sehr wenig und der Geist dieses Jungen würde endgültig und unwiederbringlich zerbrechen. Schon jetzt war es fraglich, ob er noch zu retten war. Und Elijah schien eher das Gegenteil zu planen.
Er kauerte sich jetzt neben dem regungslosen Körper nieder und zog den Kopf an den blonden Haaren hoch. "Er hat alles preisgegeben was er weiß, nun soll er seine Strafe erleiden!" verkündete er pathetisch.
Wieder drängte sich Ardeth der Gedanke auf, daß dies auch hätte Ryan sein können. Wenn er seinen Geliebten nicht zu sich genommen hätte, wenn ihn niemand beschützt hätte... Er versuchte diese Gedanken zu ersticken, aber sie gewannen nur an Kraft.
Ich habe ihm das angetan, dachte er mit Abscheu. Ich habe den Jungen an dieses Monster Elijah ausgeliefert und ich wußte genau, was passieren würde. Ich hätte es genausogut selbst tun können. Wenigstens würden seine Schmerzen nun bald vorüber sein...
Aber Elijah's nächste Worte machten diese Hoffnung zunichte. "Ich werde ihn zu meinem Nachkommen machen und er soll die Ewigkeit in Leid verbringen für die Schmach, die er unserer Fürstin angetan hat!" Desinteressierter Applaus belohnte diese Ankündigung, aber Ardeth entging nicht, wie sich die Augenbrauen der Fürstin noch mehr zusammenzogen.
Bevor er jedoch irgendetwas sagen oder tun konnte, beugte Elijah sich bereits über den Jungen und schlug seine Fänge in den entblößten Hals. Ardeth spürte die Wellen der grenzenlosen Panik, die von dem Jungen ausgingen, gegen sich anbranden und plötzlich gab es nur noch eins, das er tun konnte.
Mit wenigen Bewegungen war er neben Elijah und als der den letzten Tropfen aus dem Jungen gesogen hatte, war es Ardeth der sprach. "Durch die Unfähigkeit unseres Sicherheitschefs habe ich mein Haustier eingebüßt. Als Wiedergutmachung verlange ich diesen Elfen für mich."
Es waren nur wenige Sekunden, die ihnen allen nun blieben, bis der Elf sterben würde. Wenn ihm niemand Blut gab, würde sein Leben erlöschen. Aber das plötzlich grausame Lächeln auf den Lippen der Fürstin gab Ardeth die Antwort, die er erhofft hatte. Während Elijah noch zu Widerspruch ansetzte, fällte sie bereits ihr Urteil: "Gewährt."
Ohne zu zögern zog Ardeth den Jungen aus Elijah's tödlicher Umarmung. Er ritzte sein Handgelenk mit seinen Fängen und preßte es dann gegen den Mund des Elfen. 'Trink!' befahl er dem müden verwirrten Geist, der sich ins Nichts zu flüchten versuchte. 'Trink und lebe!" Der Junge hatte ihm nichts entgegenzusetzen. Blut begann in seinen Körper zurückzufließen. Altes, mächtiges Blut, das ihn tötete und belebte zugleich, das ihn für immer veränderte.

Atmen, atmen... verzweifelt nach Luft ringen und doch keinen einzigen Zug in die Lungen bekommen, und trotzdem nicht sterben... und trotzdem nicht leben... Ein unmenschliches Keuchen drang in sein Bewußtsein, rasselte in seinen Ohren und hob wieder und wieder seinen Brustkorb, zwang ihn zu einer Bewegung, die seinem Körper auf einmal seltsam fremd erschien.
"Du brauchst nicht mehr zu atmen.", drang eine tiefe und ihm irgendwie bekannt vorkommende Stimme an sein Ohr. "Dein Körper braucht keinen Sauerstoff mehr. Nur noch Blut."
‚Blut?' Er zwang sich die Augen zu öffnen und erwartete blendendes Licht, doch um ihn herum war nur die sanfte Helligkeit vieler Kerzen. Er lag auf einem Bett. Ein großes Bett, angenehm und weich. Doch die Tatsache das er nackt war, war nicht gut, machte ihm Angst.
Verwirrt starrte der blonde Elf zu dem Mann, der neben dem Bett in einem Sessel saß, und ihn aufmerksam anschaute. Dunkel war er, hoheitsvoll, und die samtige Dämmrigkeit des Raumes lag wie einen kostbarer Mantel über ihm. Er kannte diesen Mann. Hatte ihn schon einmal gesehen. Wo? Und wer... wer war er selbst? Erschrocken wich er vor ihm zurück, verängstigt das er auf keine dieser Fragen eine Antwort hatte. "Hab keine Angst, Heath, ich werde dir nicht wehtun."
‚Heath? Heath... Das war... sein Name! Nicht?' Heath schluckte und fuhr sich übers Gesicht. "Was...?" Und plötzlich kamen die Erinnerungen zurück, der Schmerz, die Verzweiflung... Er sah sich wieder auf dem Tisch liegen, die Vampire über ihn gebeugt. Sie quälten ihn und gruben in seinem Verstand, holten all das hervor was er so gerne vergessen wollte... Und Heath begann zu schreien, heiser und krächzend erst, dann schrill und durchdringend, mit einer Stimme die ihm fremd schien, so unmenschlich... Was hatten sie nur mit ihm getan?
Seine Finger kratzten über seinen bleichen Körper, bohrten sich in sein Fleisch. Das war nicht sein Körper! Das war nicht er! Alles war... falsch... so entsetzlich falsch!
Klebrige Tränen rollten seine Wangen herab, während er hysterisch lachte. Oh, er wusste genau was hier vorging! Sie waren immer noch in seinem Verstand! Spielten mit ihm. Gaukelten ihm Dinge vor, um ihn zum sprechen zu bewegen. Aber er würde ihnen nichts sagen. Nichts hiervon war real. Absolut nichts!
"Es ist nicht real!!", schrie er wieder und wieder, während er an seinen Haaren riß, um durch den Schmerz seiner Verwirrung zu entgehen, "Nicht real..."

Ardeth war mit einer schnellen Bewegung neben dem Jungen auf dem Bett, packte seinen Hände bei den Handgelenken und hinderte ihn mit sanfter Gewalt daran, sich weiter zu verletzten. Noch immer rannen blutige Tränen über Heath’s Gesicht und noch immer wimmerte er, die Augen fest geschlossen, verzweifelt versuchend die Realität auszusperren, zu verleugnen.
Er stand am Abgrund des Wahnsinns und Ardeth spürte wiederum, daß nur noch ein winziger Stoß notwendig war, um ihn hineinzustoßen. Es hatte keinen Sinn auf ihn einzureden, er würde ihm nicht zuhören...
Vorsichtig berührte sein Geist den des Elfenjungen. Er hatte dies nicht tun wollen, hatte sich nicht dem Scherbenhaufen stellen wollen, den er mit verursacht hatte, aber wenn er dem Kind helfen wollte, mußte er sich seinen Ängsten und seiner Verzweiflung öffnen.
Wie eine dunkle Woge brach der angestaute Schmerz des Jungen über ihn herein. Ardeth ließ es zu, ließ die Dunkelheit des anderen durch sich hindurch fließen. Er hatte gewußt, daß Elijah und sein Gehilfe den Elfen gequält hatten, aber er hatte nicht wirklich verstanden, was es für den Jungen bedeutete. Nun empfand er mit, wie es gewesen war die Kontrolle über die eigenen Erinnerungen, die Grenze zwischen Realität und Vorstellung, zu verlieren.
Er spürte den Schmerz, spürte auch all die aufgewühlten Erinnerungen eines viel zu dunklen Lebens, und er empfand mit Heath.
Er ließ sich von dem Sturm der Verzweiflung mitreißen, immer auf der Suche nach Fetzen Licht, nach einem Stückchen von dem Elfenjungen, der sich in seine Wohnung geschlichen hatte, mit mehr Mut als ein Sterblicher haben sollte.
Was er endlich fand, war eine Überraschung. Erinnerungen, die Elijah als unwichtig zur Seite geworfen hatte, an die sich aber das letzte bißchen Kraft und Licht im Verstand des Jungen klammerte. Er, zusammen mit einem anderen Jungen, einem schwarzhaarigen Menschen, den er über alles zu lieben schien.
Vorsichtig streckte Ardeth seine geistigen Finger nach diesen Bildern aus und gab ihnen mehr Energie, mehr Kraft.
"Gib nicht auf, Kind, hab keine Angst mehr, sie können dir nicht mehr wehtun..."

Orli?", wisperte Heath unter Tränen, unfähig Realität von Fantasie und Erinnerung zu unterscheiden, und klammerte sich an den anderen Vampir, der in seiner Vorstellung zu Orlando wurde. "Orli... du bist gekommen. Laß mich nie mehr allein, bitte, bitte... es tut mir alles so leid..." Müde lehnte der Elf seinen Kopf an die Brust des anderen, doch fuhr zurück, als er keinen Herzschlag dort fand. Mit einem Schlage verblasste die Fantasie und Heath wimmerte gequält, als er seinen Fehler erkannte.
Doch da war die Stimme des Vampirs die ihn beruhigte, ihn tröstete, sanft zu ihm sprach in seinen Gedanken... 'Hab keine Angst'... Hände strichen über seinen Kopf, seine Wangen, wischten das Blut davon ab. Das Blut... Woher kam nur all das Blut? Entsetzt fasste sich Heath ins Gesicht, fuhr mit den Fingerspitzen durch die klebrigen Bluttränen, und blickte den Vampir vor ihm panikerfüllt an.
"Nein... Bitte, sag mir, das das nicht wahr ist. Es ist nur eine Illusion, nicht wahr? Bitte, sag mir, das ihr mir das nicht angetan habt...", und neue Bluttränen quollen hervor, als der junge Elf die Wahrheit erkannte.

Erneut wallte Mitgefühl für den Jungen in Ardeth auf. Er wußte nur zu gut, was es bedeutete ein Vampir zu sein der sich nach seiner Menschlichkeit sehnte. Aber noch immer war er sich sicher, daß es richtig gewesen war, den Elfen nicht Elijah zu überlassen. Er fuhr fort ihm sanft über die Haare zu streichen.
"Es tut mir leid, Kind." murmelte er sanft. Er spürte erneut Schmerz und Angst in Heath aufsteigen und sprach weiter. "Ich werde es dir so leicht wie möglich machen. Es muß nicht schrecklich sein. Ich weiß, du siehst jetzt nur Dunkelheit, aber es ist nicht alles vorbei. Du bist kein Monster."
Er spürte Heath's Emotionen so stark als wären es seine eigenen und nun wurde ihm erst bewußt, was er getan hatte. Er hatte nicht nur den jungen Elfen vor einem schlimmeren Schicksal bewahrt, er hatte ihn auch zu seinem Nachkommen, seinem Kind gemacht, und nun würde er sich um ihn kümmern müssen. Ihn lehren, das Tier in sich zu beherrschen.
Mit einer gewissen Erleichterung stellte er fest, wie schwach das Biest in Heath zu sein schien. Offenbar hatte sich auch dies durch Ardeth’s Blut auf sein Kind übertragen.

Heath lachte auf. "Nein? Kein Monster... So wie ihr keine seid, ja? All die Dunkelheit, die Kälte und Verzweiflung mit der ihr diese Stadt verflucht - ist das etwa nicht schrecklich?" Der Elf blickte anklagend in die Augen des Vampirs. Panik erfüllte erneut seine Stimme. "Kein Monster... Alles Lüge!!! Ich kann es doch spüren, kann es doch in mir fühlen!" Warum blieb der Vampir nur so ruhig? War er nicht wütend, das sein 'Geschöpf' so ohne jeden Respekt für seinen Erzeuger war? Nur Heath war es egal. Oder? Ein eigenartiges Gefühl erfaßte ihn in der Nähe des anderen. Beinahe etwas wie 'Vertrautheit'. 'Ich bin an ihn gebunden', realisierte er, und der Gedanke erschreckte ihn.
"Ich kann so nicht leben!" , schrie er den anderen Vampir verzweifelt an. "Und warum sollte ich? Ich habe so viele Gründe zu sterben... Wenn Ihr mir wirklich helfen wollt, dann tötet mich. Beendet meinen Schmerz, ich bitte Euch."

Ardeth sah schweigend auf den Jungen hinab. Der Schmerz in ihm war echt und groß, und ein Teil von Heath sehnte sich tatsächlich nach dem Tod. Dennoch gab es einen anderen Teil in ihm, der sich ans Leben klammerte. Der sich nichts mehr wünschte als eine weitere Chance. Und Ardeth wollte ihn nicht so einfach aufgeben, nachdem er sich die Mühe gemacht hatte ihn zu retten. Ganz zu schweigen davon, daß dieser Elf vielleicht seine einzige Möglichkeit war, Ryan wiederzufinden.
Und trotz all dem gebot ihm sein Herz, den Wunsch dieses neugeborenen Kindes zumindest nicht rundheraus abzuschlagen.
"Wenn du es wahrhaftig willst, wird es dir nicht schwer fallen, den Tod zu finden. Die Sonne wird bald aufgehen, ihre Strahlen werden dein Leid für immer beenden." sagte er sanft. "Und solltest du dazu nicht den Mut finden, bin ich bereit es für dich zu tun. Dein Leben gehört mir, aber ich will es nicht behalten, wenn es dich nur quält."
Er seufzte tief und zog seine geistigen Fühler langsam und vorsichtig aus der Seele des anderen zurück.
"Aber bedenke, aus dem Tod gibt es keinen Weg zurück, keine weitere Chance. Bist du dir auch ganz sicher, daß du keinen Grund hast zu leben?"

Eine Zeit lang erfüllte nur Schweigen den Raum. Heath's Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengepreßt, als er sich die Frage des Vampirs selbst immer wieder stellte. 'Habe ich noch einen Grund zu leben? Welchen? Wenn Orli tot ist...' Er tiefer schmerzvoller Seufzer entrang sich seiner Brust und der Elf ließ den Kopf hängen.
"Vielleicht, wenn ich wüßte, daß meine Freunde noch am Leben sind? Wenn ich irgendetwas tun könnte, um...' Heath ließ den Satz unvollendet. Es hatte ja doch keinen Sinn sich an solch unsinnige Hoffnungen zu klammern. "Meine Freunde, sie...sie sind tot, nicht wahr?" fragte er, bemüht, seine Stimme nicht zittern zu lassen.

Nun, da sich Ardeth vom Schmerz des Jungen getrennt hatte, stieg sein eigener Verlust erneut in ihm auf. "Nein," antwortete er, seine Stimme ruhig, aber nicht ganz in der Lage die Trauer zu verbergen, die in ihm lauerte, "sie sind alles andere als tot. Sie haben der Fürstin die Erlöserin gestohlen. Und sie haben..." Er schloß die Augen und dachte an Ryan, an sein Lächeln, an das Leuchten seiner Augen, und fragte sich wiederum, ob daß Licht seines Lebens noch leuchtete, oder ob die Freunde dieses Elfen ihn umgebracht hatten.
"Erinnerst du dich an den blonden Jungen, der hier bei mir war? Sie haben ihn mitgenommen..."

Sie lebten noch! Shakira, Bray und Orli - sie waren noch am Leben! Erleichterung flutete durch Heath wie eine warme Welle, vertrieb für einen Moment die Kälte in ihm. 'Und sie konnten entkommen!', lachte etwas in ihm‚ ‚Mit der Erlöserin!' Dann hatten sie gesiegt! Mit einem beinahe glücklichen Lächeln schaute Heath zu dem Vampir vor ihm auf, und schrak zurück als er die Sorge und die Trauer darin sah. Fast hätte er dem plötzlichen merkwürdigen Impuls nachgegeben und die kalte Wange des Mannes tröstend gestreichelt, aber seine Hand fiel zurück auf's Bett, als der letzte Satz des Vampirs vollends in seinen Verstand sickerte. 'Der blonde Junge... strahlende Augen in denen kindliche Freude schimmerte...' Ja, Heath erinnerte sich. Und er verstand! Sarkasmus und Berechnung waren in seiner Stimme, als er dem Vampir antwortete.
"Ich verstehe... Deswegen also das alles. Deshalb habt Ihr mich zum Vampir gemacht. Ihr wollt, daß ich Euch helfe die Erlöserin wiederzufinden... und den Jungen - ist es nicht so? Ihr glaubt, das ich meine Freunde verraten werde, jetzt da Ihr mir meine Seele genommen habt! Aber Ihr irrt Euch, 'Mylord'. Denn ich werde Euch nichts sagen." Und damit ließ sich Heath auf das Bett zurücksinken, um den Vampir herausfordernd anzublicken.

Dumm war der Junge nicht. Aber das hatte Ardeth ja schon vorher gewußt. Sonst wäre es ja gar nicht erst zu dieser ganzen Situation gekommen. Die Mischung aus Triumph und Bitterkeit in seinen Augen war schmerzlich und beruhigend zugleich. Vermutlich würde er von dem Elfen tatsächlich nichts erfahren. Wenn er überhaupt noch etwas wußte, daß Elijah nicht herausgefunden hatte. Aber zumindest bettelte er nicht mehr um den Tod.
Mit einem großzügigen Maß an Selbstironie fragte sich Ardeth, wie lange es wohl dauern würde, bis sein Nachkomme versuchte, der Arc zu entkommen. Nicht lange vermutlich. Seine Liebe zu dem Menschen würde ihn ziehen wie an Ketten. So wie Ardeth’s Liebe zu Ryan an seinem Herzen zehrte und drohte es zu zerreißen. Aber er konnte wohl kaum erwarten, daß dieser Elf ihm jemals glauben würde, daß die Erlöserin ihm vollkommen egal war.
"Deine Seele ist deine eigene und was du mit ihr tust allein deine Sache." antwortete er kalt. "So wie du deinen Orli liebst, liebe ich diesen 'Jungen', aber das wirst du weder glauben noch verstehen. Es spielt keine Rolle."
Er stand vom Bett auf und sah den Elfen an, in dessen Augen nun ein wenig Verwirrung zu lesen war. "Mag sein, daß du deinen sterblichen Vater nie gekannt hast, aber wenn du mich brauchst, werde ich da sein. Mein Blut fließt in deinen Adern, ich trage Verantwortung für dich, ob es dir gefällt oder nicht. Im Schrank wirst du Kleidung finden, die dir passen könnte. In meinen Gemächern kannst du dich frei bewegen. Wenn du Fragen hast, frage. Du findest mich in meinem Arbeitszimmer. Und wo das ist, weißt du ja..."

Verdammt. Versteh einer die Vampys! Verdutzt starrte Heath dem anderen Mann nach, als dieser sich einfach umdrehte und den Raum verließ. Wo waren die Wutausbrüche? Die Drohungen und Einschüchterungsversuche? Die trügerischen Versprechungen? Der Elf blinzelte und versuchte den Rest an Müdigkeit aus seinen Gliedern zu verscheuchen, als er sich langsam aufsetzte, um den Ratschlag des Mannes zu befolgen und sich etwas anzuziehen.
' Wow...' Andächtig befühlte Heath den teuren Stoff der Kleidungsstücke, die den wuchtigen Holzschrank ausfüllten. Das war eindeutig was anderes als zerissene Jeans und schmutzige Shirts! Heath wählte eine schwarze enganliegende Hose aus weichem anschmiegsamen Leder -echtes Leder!-, und ein Hemd aus einem wunderbar glänzenden Stoff.
Der junge Elf fühlte sich ganz eigenartig in diesen schönen Sachen, beinahe als wäre er etwas 'besonderes'. Während er seine widerspenstigen Locken kämmte, mußte Heath an den Jungen denken, dem diese Sachen wohl gehörten, und dem er jetzt gar nicht mal so unähnlich sah...
Heath hatte immer geglaubt, daß es das schrecklichste der Welt sein mußte, von einem Vampir als 'Haustier' gehalten zu werden, aber eigentlich hatte der blonde Junge ja ganz glücklich ausgesehen, nicht wahr? Und wenn sich Heath den ganzen Luxus hier so anschaute, fand er das auch gar nicht mehr so überraschend. Ob der Vampy vielleicht doch nicht gelogen hatte? 'Vielleicht liebt er den Jungen ja wirklich...' dachte Heath, und schüttelte verwundert den Kopf. 'Aber Vampire können doch nicht lieben!'
Heath runzelte verwirrt die Stirn. Aber er selbst liebte Orli doch auch immer noch, obwohl er ja jetzt ein Vampir war! Oder? Der Elf horchte in sich hinein - Doch, es war immer noch da, das vertraute Gefühl tiefer Sehnsucht und Verlangens nach dem dunkelhaarigen Jungen, den er so verletzt hatte. Wie konnte das sein? Er hatte doch jetzt keine Seele mehr, oder etwa doch? Irgendwie schienen alle Dinge die Heath über Vampire gelernt hatte, in seinem Fall nicht zuzutreffen. Auf seinen 'Erzeuger' ebenfalls nicht - und das war wohl der Schlüssel zu diesem Rätsel. Warum war dieser Vampir so anders als die anderen? Und gab es noch mehrere wie ihn?' - Es schien ganz so, als käme er nicht darum herum, sich ein wenig näher mit dem anderen Vampir zu befassen, erkannte Heath.
Und so fand sich Heath einige Minuten später dann doch auf dem Weg zum Arbeitszimmer des Vampirs. Er brauchte jedoch einige Zeit bis er dort ankam, denn immer wieder hielt er inne, um sich einige seltsame und faszinierende Dinge in der Wohnung anzuschauen. Eine wahre Schatzgrube! Das war ihm schon während des Runs aufgefallen - nur hatte er da keine Zeit gehabt, sich näher umzusehen. Jetzt hatte er sie. Mehr Zeit als ihm lieb war. Heath seufzte, und ging weiter in Richtung Arbeitszimmer. Dort angekommen, verharrte er, und lehnte sich ein wenig unschlüssig gegen den Türrahmen. "Ich...", begann er, "Ihr habt gesagt, ich könnte Fragen stellen."

Ardeth sah von dem Buch auf, das er die letzten Minuten angestarrt hatte, ohne es wirklich zu lesen, und konnte ein Zusammenzucken nicht unterdrücken, als er den Elfenjungen sah. In Ryan's Kleidung sah er seinem Geliebten schmerzlich ähnlich. Nur im ersten Moment, bis die spitzen Ohren und der schlankere Körperbau das Bild zerstörten und Ardeth klar machten, daß dies niemand war, an den er sich anlehnen konnte. Und noch viel weniger jemand, der sein Leben wärmen würde.
Mit einem lautlosen Seufzen riß er sich von seinen düsteren Gedanken los.
Er hatte nicht wirklich erwartet, daß Heath so schnell bei ihm auftauchen würde. Auch das sprach für die Intelligenz des Jungen.
Mit nachdenklich schräg gelegtem Kopf musterte er ihn. Er spürte die Angst und Verwirrung des Jungen nahe unter der Oberfläche seiner Gedanken, aber im Moment hatte er den Schmerz unter Kontrolle. Er würde wieder hervorbrechen und noch bedurfte es nur wenig, ihn erneut an den Rand des Wahnsinns zu bringen, dem er gerade entkommen war. Aber er war auch stark. Stärker als Ardeth bei seinem geringen Alter erwartet hätte.
Und das Tier in ihm war seltsam schwach. Nicht mehr als ein ärgerliches Jaulen, nicht das zornige Toben, das man bei einem neugeborenen Vampir hätte erwarten können. Wie merkwürdig. Es war sehr lange her, daß Ardeth Nachkommen geschaffen hatte, aber nie waren sie so gewesen. So ruhig, so... vernünftig. Und sie waren in einem wesentlich besseren Zustand gewesen, als Ardeth sie genommen hatte.
Es würde interessant sein zu beobachten, wie Heath reagierte, wenn der Hunger in ihm erwachte.
Er sah den jungen Elfen aufmerksam an. "Ja?"

Nervös ging Heath ein paar Schritte näher und wartete bis der andere ihm mit einem kurzen Nicken und einer geschmeidigen Handbewegung einen Stuhl anbot. Zögerlich ließ er sich in den hohen weichen Sessel gleiten und begann an den verzierten Armlehnen herumzuspielen, fuhr mit den Finger die Schnitzereien in dem dunklen Holz nach und zupfte an dem Stoff, der darunter begann.
Fragen... so viele Fragen brannten ihm auf der Zunge, und vor den meisten Antworten fürchtete er sich. Und welche Frage als erstes stellen? Welche Hoffnung als erstes zerstören?
"Ich dachte immer, wenn man ein Vampir wird, stirbt all das was man vorher war... Ich dachte, daß man nichts mehr fühlt. Nichts außer Wut und Haß. Aber ich... Bei mir ist das anders. Und ich denke auch bei Euch. Wie kann das sein?"
Unsicher hielt Heath inne und kaute nervös an seiner Unterlippe. Er war sich bewußt, daß er sich hier auf sehr dünnem Eis befand. Was, wenn dem anderen Vampir seine Fragen nicht gefielen? Was, wenn er dachte, daß dieser Nachkomme eine Enttäuschung war? Eben *weil* er nicht so war, wie ein Vampir eigentlich zu sein hatte! 'Ich hab nichts zu verlieren.', sagte sich der Elf immer wieder und blickte dem anderen Mann entschlossen ins Gesicht.

Das war eine Frage, die Ardeth zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet hatte. Vorwürfe, Beschimpfungen, ängstliches Betteln, damit hatte er eher gerechnet. Nicht sorgfältiges Analysieren der Situation. Aber der Junge hatte natürlich recht. Nur hatte Ardeth nicht gedacht, daß er selbst so schnell bemerken würde, daß er sich von dem unterschied, was man von einem neugeborenen Vampir erwarten sollte.
"Vampire wählen ihre Nachkommen üblicherweise sehr sorgfältig aus," begann er vorsichtig zu erklären, "sie wählen Wesen, in deren Charakter Züge wie Grausamkeit, Haß und Zorn bereits reichlich vorhanden sind. Jeder Vampir ist in der Lage zu fühlen was ein Sterblicher fühlt, nur genießt er meist die dunklen Gefühle mehr als die freundlicheren. Das Biest, das Böse wohnt in jedem Vampir, es ist ein Fluch, der im Blut ist. Aber wie stark es zum Vorschein kommt, hängst sehr vom ursprünglichen Wesen ab, und auch vom Blut seines Erzeugers. Und nicht zuletzt auch davon, wie hungrig er ist. Je größer der Hunger, desto stärker wird das Tier in uns, desto weniger sind wir in der Lage uns zu beherrschen, desto mehr giert das Biest nach Blut, nach Tod. Wenn du in dich hineinhorcht, wirst du das Tier hören, wie es nach Nahrung verlangt, und es lebt von Blut und Schmerz."
Nachdenklich und auch ein wenig neugierig beobachtete er, wie Heath auf diese Informationen reagieren würde.

Der junge Elf wurde sehr still. Das alles unterschied sich doch sehr von dem, was man ihn über Vampire gelehrt hatte. Aber im Grunde genommen war das Ergebnis wohl das gleiche
' Dann bin ich doch nicht anders.', dachte er bei sich, und nicht ohne Angst '*Es* ist nur noch nicht erwacht. Das Biest in mir schläft noch. Doch sobald es hungrig wird...' Heath schloß verzweifelt die Augen. 'Ich will das nicht. Ich will nicht so werden wie sie. Ich will niemandem weh tun müssen.'
Mit einem Ruck stand Heath auf, um das Zimmer zu verlassen, doch er blieb hilflos in der Mitte des Raume stehen, als er erkannte, das er nirgendwo hin konnte. Egal wohin er auch ging, es gab keine Flucht von seiner jetzigen Situation.
Und schon konnte er es in sich fühlen - dunkel und verzehrend, ein Knurren und Reißen, das sich in ihm ausbreitete, und mit jedem verzweifelten Versuch von ihm es zu unterdrücken, nur noch stärker wurde.
Heath ballte die Hände zu Fäusten bis er dachte seine Knochen würden brechen. "Ich werde niemanden töten!", sagte er leise, den Kopf leicht zu dem Vampir am Schreibtisch gewandt. "Ich sterbe eher, als das ich jemanden töte nur damit ich leben kann!"

Ardeth lächelte. Er spürte das Tier in Heath sein häßliches Haupt erleben, aber der Junge hielt es fest an einer kurzen Kette. Und offenbar war ihm überhaupt nicht bewußt, wie ausgezeichnet er die Kontrolle behielt. Selbst wenn er nach einem Nachkommen gesucht hätte, hätte er wohl keinen gefunden, der so gut zu ihm gepaßt hätte. Wie merkwürdig. Vielleicht lag doch ein tieferer Sinn hinter der Tatsache, daß dieser junge Elf in seine Existenz gestolpert war.
Er stand auf und ging zu Heath hinüber, der ihn abweisend anstarrte. "Du mußt nicht töten." sagte er. "Sag mir, wie oft haben schon Vampire von dir getrunken, ohne dich zu töten? Nichts zwingt einen Vampir, sein Opfer 'auszutrinken'. Wer das Tier unter Kontrolle hält, kann einfach nur wenig Blut nehmen. Die Sterblichen lieben das Gefühl, wenn man von ihnen trinkt, das weißt du. Es ist weder grausam noch schrecklich, wenn man sie nicht tötet."
Sanft berührte er die Schläfe des Jungen und gab ihm ein weniger seiner eigenen Kraft, noch ein wenig mehr Kontrolle, über das Biest, das an seinen Ketten zerrte. "Ich habe seit Jahrzehnten keinen Sterblichen getötet." fügte er nachdenklich hinzu. "Und das Verlangen danach, zu verletzten, Schmerzen zuzufügen, schläft tief in mir."

"Bei jedem Vampir dem ich in meinem Leben begegnet bin, war das anders.", antwortete Heath und senkte den Kopf, als ihn die furchtbaren Erinnerungen an das überrollten, was er all die Jahre lang hatte durchmachen müssen. Ein Zittern durchfuhr ihn, und er merkte das auch die Hand leicht zitterte, die seine Schläfe berührte. Ob der Vampir es sehen konnte? Konnte er es in Heath's Verstand sehen, was Vampire ihm angetan hatten? Wie sie ihn benutzt hatten, von seinem Blut getrunken hatten - weil dies die einzige Art war wie sie Vergnügen empfanden...
Mit einer unerwartet schnellen Bewegung nahm Heath das Handgelenk des anderen in einen festen Griff und schaute ihm zynisch in die Augen.
"Habt Ihr es gesehen, ja?", zischte er angewidert, "Habt Ihr gesehen wie sehr die Sterblichen es *lieben*, wenn man von ihnen trinkt? Weder grausam noch schrecklich... nein...", er lachte zynisch. Ein Lachen das bald schon in ein Schluchzen überging. Erschrocken über sich selbst und seinen plötzlichen Wutausbruch, ließ Heath die Hand des anderen Mannes los und wich ein paar Schritte zurück.

"Schau genauer hin, Kind." sagte Ardeth, und trat erneut auf Heath zu. "Sie haben dir weh getan, sie haben sich genährt von deinem Schmerz. Aber was hast du empfunden, als sie von dir getrunken haben? Ich sehe, daß es dich berauscht hat." Heath funkelte ihn erneut zornig an. Das Tier machte sich seinen Zorn zunutze, hungerte danach.
"Spürst du es jetzt?" fragte Ardeth. "Spürst du, wie es an den Ketten zerrt, die deine Menschlichkeit ihm anlegt? Es will deinen Zorn. Es will, daß du haßt, daß du zuschlägst. Es will nicht erlauben, daß du Hoffnung spürst. Hoffnung ist sein Feind, Hoffnung macht dich menschlich. Hoffnung läßt dich Wärme spüren, läßt dich an Licht und Gutes denken. Läßt dich Liebe fühlen."

"Ja...", brach es kläglich aus Heath hervor "Aber ich darf die Hoffnung in mir nicht aufgeben. Es ist doch das einzige was mich all die Jahre am Leben gehalten hat, wie könnte es jetzt anders sein? Ob unsterblich oder nicht - ohne sie bin ich nur eine leere Hülle. Ich habe nur noch meine Hoffnung. Und meine Liebe."
' Orli...', dachte Heath und seufzte, 'Er wird mich für immer hassen, wenn er erfährt, was ich jetzt bin. Da ist keine Chance das er mich lieben kann als das was ich jetzt bin.' Verzweifelt ließ Heath den Kopf hängen und spürte bereits wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.
"Ich fürchte, daß Biest in mir hat bald gewonnen. Denn es gibt nichts mehr auf was ich hoffen kann..." sagte er mit unendlich viel Schmerz in der Stimme.

Ardeth gab dem Wunsch nach, den Jungen in seine Arme zu ziehen, und Heath wehrte sich nicht. "Wenn er dich so sehr liebt wie du ihn, dann wird es keine Rolle spielen was du bist." murmelte er, in Gedanken sowohl bei Ryan, als auch bei dem zitternden Jungen in seinen Armen. "Ich weiß, du glaubst mir nicht, kannst mir nicht glauben, aber was du bist, ändert nichts an deinen Gefühlen. Und es ist einem Sterblichen sehr wohl möglich einen Vampir zu lieben. Das Tier haßt es, denn es gibt dir Kraft, es läßt dich Leben spüren, läßt dich beinahe atmen, es ist als würdest du die Sonne sehen..."
Ardeth brach ab, zu groß war sein eigener Schmerz. Ryan nie wieder zu sehen, nie wieder seine Wärme zu spüren, wenn er erwachte? Wie konnte er selbst noch Hoffnung finden? Und dieses dumme Kind war daran schuld, daß er seinen Geliebten verloren hatte. Konnte er das wirklich so einfach verzeihen? Sollte er den Elfen nicht in Stücke reißen, statt ihn zu trösten? Aber das Tier in ihm schwieg und er spürte keinen Haß, nur Mitgefühl.
Und zum ersten Mal wurde ihm bewußt, daß es anderes gewesen wäre, wenn er Ryan nicht geliebt hätte. Selbst jetzt, da Ryan nicht bei ihm war, spürte er noch etwas von dessen Wärme in seinem Herzen. Er hatte sich verändert.

Langsam ließ das Zittern in Heath nach, die Umarmung des Vampirs beruhigte ihn. Die starken Arme wirkten nicht bedrohlich, sondern versprachen Schutz, und die Dunkelheit die der Vampir so natürlich ausstrahlte, umhüllte Heath wie eine Decke der Geborgenheit, ließ ihn die Augen schließen und sich fester an den anderen drücken.
Wie gerne wollte er die Worte glauben, die der Vampir ihm zuflüsterte! Wie gerne wollte er darauf hoffen, das Orli ihn trotzdem lieben würde! Heath beschloß ganz fest daran zu glauben, beschloß, sich an diese Hoffnung zu klammern, die alles war, worauf er dieses neue Leben gründen konnte.
Und vielleicht... vielleicht konnte er Orli ja gerade dadurch helfen, das er jetzt ein Vampir war! Wenn Orli und die anderen noch am Leben waren, so waren sie doch noch immer in Gefahr. So ziemlich alle Vampire der Stadt mußten hinter ihnen her sein... Heath's Gedanken überschlugen sich. Ob es möglich war, seinen Freunden Informationen zukommen zu lassen? Vielleicht wenn er wußte, was die Vampys planten, dann konnte er... Der Elf merkte wie ihn neue Kraft zu durchströmen begann, Entschlossenheit. Sein neues Dasein zu betrauern oder gar den endgültigen Tod zu wählen, nutzte keinem.
Er wollte nicht, daß all die Qualen die er erlitten hatte, am Ende doch umsonst gewesen waren. Er hatte einmal an etwas geglaubt - und das tat er immer noch. Ob er jetzt einer von *ihnen* war, spielte keine Rolle - entscheidend war nur auf welcher Seite er kämpfte. Und mit seinen neuen Kräften war doch sicher einiges zu bewegen...
Heath sah auf in die dunklen geheimnisvollen Augen seines Erzeugers und versuchte ein
scheues Lächeln. 'Danke.' flüsterte er.

 

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TEIL 16

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