"SubMission"
Teil 10
by Beryll & Vagabond
Gleißendes Licht fiel von einer einzigen Lampe auf den
schweren Metalltisch, der die Mitte der kleinen Kammer dominierte. Auf dem Tisch
lag die schlanke, reglose Gestalt des Elfen, den Ardeth so voreilig Elijah überlassen
hatte. Metallfesseln hielten seine Hand- und Fußgelenke an den Tisch gekettet.
Ardeth stand ein wenig abseits in der Dunkelheit, eingehüllt in seinen
Schattenmantel, unbemerkt von dem anderen Vampir in der Kammer und fragte sich,
ob das wirklich eine so gute Idee gewesen war. Die Wahrscheinlichkeit, daß
Elijah den Elfen bei einem seiner kleinen Spielchen, die er Verhör nannte,
umbringen würde, ohne irgendetwas von ihm zu erfahren, schien erschreckend
hoch. Der Sicherheitschef war einfach nicht in der Lage, seine Gelüste
zu kontrollieren.
Ardeth hatte schweigend zugesehen, wie er den Jungen in seinem Schlafzimmer
getötet hatte. Ein dreckiges Schauspiel, das Elijah in ein bluttriefendes
Ungeheuer verwandelt hatte. Das sich dieses unschuldige Gesicht zu seiner solchen
Maske aus perversem Vergnügen verziehen konnte. Dies war ein wirkliches
Monster. In ihm fand Ardeth alles, was er an der Rasse der Vampire verabscheute.
Aber die Entscheidung war getroffen worden und nun war es zu spät sie zu
ändern.
Viel zu spät, denn Ardeth spürte, wie sich eine weitere Präsenz
im Raum bildete und körperliche Gestalt annahm. Instinktiv, zog er seine
Tarnung enger um sich, obwohl er wußte, daß die Fürstin ihn
längst bemerkt hatte. Aber ihr Zorn richtete sich nicht auf ihn, sondern
einzig auf den unfähigen Sicherheitschef.
Wie eine finstere Rachegöttin trat sie aus den Schatten. Ihre rabenschwarzen
Haare fielen zwischen den noch schwärzeren Flügeln fast bis zum Boden
herab. Mit Kleidung gab sich die Fürstin nicht ab, ihr Körper war
nur hier und da mit rostroten Malereien verziert. Blut, wie Ardeth wußte.
Hier und da ein silbernes Schmuckstück, daß neben ihrer bedrückend
perfekten Schönheit kaum auffiel. Sie gab den Worten entsetzlich schön
eine ganz neue Bedeutung. Ihre Präsenz füllte den plötzlich viel
zu kleinen Raum aus und drückte sowohl Ardeth wie auch Elijah regelrecht
gegen die Wand. In ihren Augen brannte unheiliger Zorn. Elijah tat das einzig
sinnvolle und fiel sofort vor ihr auf die Knie.
In Fürstin Liviana's Stimme war kein Funke Geduld, als sie ihre Frage stellte:
"Wo ist sie?" Ardeth hörte keine Antwort von Elijah, aber er
spürte, wie die Fürstin in seinen Verstand griff und sich die Antwort
selber holte - mit einer Rücksichtslosigkeit die Elijah ein schmerzerfülltes
Wimmern entlockte. "Sie - ist - weg?" Jedes einzelne Wort war eine
Androhung entsetzlicher Schmerzen und Ardeth spürte, wie sich auch ihm
die Kehle zuschnürte. Sie wußte es. Wußte, warum Elijah sie
hatte entkommen lassen. Ihr Zorn blieb dennoch auf Elijah gerichtet, aber Ardeth
wagte nicht zu hoffen, daß er davon kommen würde.
Ihr Blick wandte sich dem bewußtlosen Elfen zu. "Du wirst es aus
ihm herausholen, oder du wirst ihn noch beneiden, daß sein Leben so zerbrechlich
ist." zischte sie Elijah an. "Du kleiner Tölpel!" Ihre Hand
schoß vor und lange, schwarze Krallen fuhren einmal über sein makelloses
Gesicht. Blutige Linien erschienen auf Elijah's Wange und blieben. Er wagte
nicht die Hand zur Wange zu heben oder gar sich zu heilen. "Die wirst du
tragen, bis du sie zurückgebracht hast." Die Stimme der Fürstin
war jetzt samtweich und um so schrecklicher und Elijah nickte ergeben.
Für einen Moment spürte Ardeth, wie sich die Aufmerksamkeit von Fürstin
Liviana auf ihn richtete und Schmerz zuckte durch seinen Kopf, aber dann ließ
ihre Präsenz nach und ihr Körper löste sich langsam in kalten
Nebel auf, der sie noch einen Moment frösteln ließ und dann verschwand.
Elijah verharrte noch einen Moment in völliger Regungslosigkeit
und erhob sich dann langsam, um für einige Minuten einfach nur dazustehen
und ins Leere zu starren. Während Liv's 'Auftritt' war sein Gesicht eine
unterwürfige Maske gewesen, die jetzt jedoch rasch zu zerbröckeln
begann. Es war fast als würden Stücke davon förmlich weggesprengt,
als Wut und Grausamkeit wie eine Krankheit darauf hervorbrachen.
Seine Hände ballten sich zu Fäusten und entkrampften sich wieder,
sein ganzer Körper schien sich zu entspannen. Mit der rechten Hand griff
er zu seiner blutenden Wange und ließ die Fingerspitzen über die
rauhen Spuren dort gleiten. Er betrachtete die dunkle Flüssigkeit eingehend,
und leckte sie dann nach und nach von seinen Fingern, bis keine Spur mehr davon
übrig war.
Dann ging er gemächlich zu dem metallenen Tisch hinüber auf dem der
gefangene Elf lag. Natürlich würde er alles aus dem Jungen herausholen,
was für die Fürstin von Belang war, daran bestand gar kein Zweifel.
Und was für eine wunderbare Gelegenheit es doch gleichzeitig war, seinen
ganzen Frust und Zorn ausreichend abzureagieren!
Oh, Elijah haßte es das er nicht zu den Ältesten seiner Art gehörte.
Als noch relativ junger Vampir mußte er sich viel zu viel gefallen lassen...
- Aber andererseits durfte er sich noch glücklich schätzen das die
Fürstin ihn eigentlich mochte, sonst wäre er jetzt wahrscheinlich
nur noch ein Häufchen Asche.
Damit das nicht später vielleicht doch noch geschah, beschloß Elijah
sich jetzt voller Hingabe der vor ihm liegenden Aufgabe zu widmen. Aufmerksam
studierte er das Gesicht des jungen Elfen und strich mit sanften Fingern durch
das lockige Haar. Widerspenstige Locken. Elijah lächelte.
Seine Vampirsinne auf den schlafenden Verstand vor ihm richtend, versuchte er
den Jungen aufzuwecken. Wie alle Vampire mit der Begabung für herausragende
körperliche Fähigkeiten war Elijah nicht besonders gut was die Manipulationen
des Geistes anging. Aber das hier war ein Kinderspiel. Ein bewußtloser
Geist leistete keinen Widerstand, und ein einziger Befehl genügte um den
Elfen aus seinem Schlaf zu reißen.
Der Übergang von völliger Dunkelheit zu gleißendem
Licht war so schnell, daß Heath einen langen Moment nur in das Licht blinzelte
und Leerzeichen dachte. Sein Gedächtnis erstreckte sich als leere Wüste
hinter ihm. Einen langen, wundervollen Augenblick hatte er keine Ahnung, wer
er war, was er hier macht, wo hier war, was passiert war.
Dann brach sich die Erinnerung Bahn und er wurde sich seine Umgebung wirklich
bewußt. Spürte kaltes Metall unter sich, kaltes Metall, das Hand-
und Fußgelenke umschloß. <Gefangen> Der Gedanke schoß
ihm durch den Kopf, wie ein eisiger Blitz. Irgendetwas war schiefgegangen und
sie hatten ihn erwischt.
Sein nächster verzweifelter Gedanke galt Orli, klammerte sich an dem Bild
des Geliebten fest, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit hoffend, er möge
entkommen sein. Dann gewann jahrelanges Training die Oberhand und er zwang all
diese Erinnerungen tief in die schwammigen dunklen Ecken seines Gedächtnisses
zurück. Nichts verraten. Das hatte er gelernt.
Undurchdringliche Mauern, verstärkt durch Magie und Technik schlossen alle
wichtigen Daten von den tastenden geistigen Fingen eines Eindringlings ab. Heath
wandte den Kopf und sah den Vampir der direkt neben dem Tisch lauerte, auf den
er gefesselt war. Sah die wutverzerrte, blutige Maske und wußte mit plötzlicher
Sicherheit, daß die anderen es geschafft hatten.
Wie konnte es sein, daß der Elf nicht völlig verängstigt
war? Daß seine Augen auch noch unglaublicherweise sowas wie Erleichterung
zeigten? - Elijah fühlte sich betrogen. Er hatte auf entsetztes Wimmern
gehofft, auf ängstliche Fragen und Verzweiflung, aber der Elf lag einfach
nur da und starrte ihn an. Nun, das war neu.
Aber nachdem Wood diese Überraschung überwunden hatte, kam er zu dem
Schluß, daß das Verhör so nur um so interessanter werden würde.
Ein Opfer das sich nicht gleich einschüchtern ließ, war ein wundervolles
Spielzeug. Ein seltenes noch dazu. Und Elijah lächelte zufrieden, als er
seinen Blick über den Körper des Elfen gleiten ließ. - Nicht
nur das der blonde Junge ausgesprochen gutaussehend war, nein, es schien auch
noch als würde er einiges aushalten können. Wie entzückend...
Wood lächelte engelhaft als er mit einer Hand die zarte Wange des Elfen
liebkoste und ihm zärtlich zuraunte "Wir werden viel Spaß haben
heute Nacht... und du wirst mir alles sagen was du weißt. Oh, du wirst
mich sogar anflehen es mir sagen zu dürfen... und vielleicht, vielleicht
höre ich dir irgendwann zu - das wird der Moment sein indem du stirbst.
Aber keine Sorge, mein süßer Elf, du wirst den Tod begrüßen...
"
Ach wirklich....? Der Gedanke ging ganz kühl durch Heath
Kopf und er stellte ein wenig überrascht fest, daß er keine Angst
vor dem Vampir hatte. Gar keine Angst. Orli war in Sicherheit, sie hatten Pink,
sie waren in Sicherheit. Egal, was dieser Vampir aus ihm herausholen würde,
er wußte nichts, das ihm wirklich weiterhelfen würde. Er wußte
nicht, wohin sie Pink bringen würden, wußte nicht, wohin die anderen
verschwinden würden, wußte nicht einmal genau, für wen sie eigentlich
arbeiteten.
Ein glucksendes Lachen stieg in seiner Kehle auf und er machte sich nicht die
Mühe es zu unterdrücken. Sicher, er würde entsetzlich leiden.
Und wenn schon. Er hatte die letzten zwei Jahre nichts anderes getan. Da mußte
dieser kleine Vampy schon wirklich kreativ werden, um ihm auch nur einen Hauch
von Furcht zu entlocken. "Na dann mach mal." schnurrte er und leckte
vorwitzig über die Finger des Vampirs.
Elijah trat spontan einen Schritt zurück und blickte entsetzt
und angewidert auf seinen Gefangenen. Das war eindeutig *gegen* die Spielregeln!
Entweder war der Elf nicht ganz bei Sinnen oder einfach nur unerhört frech.
Nun, Elijah würde ihm schon beibringen wie man sich in einer solchen Situation
*richtig* verhielt!
Wood hatte seine Fassung schnell wiedererlangt. Er wußte das alles weitere
Reden oder Androhungen bei einem solchen Subjekt nur dazu führten sich
selbst lächerlich zu machen. Das beste würde in diesem Fall wahrscheinlich
sein von Anfang an klar zu machen warum es hier ging.
Wood trat in die Dunkelheit des Raumes und kam nur einen Augenblick später
zurück. In seinen Händen hielt er eine rote lederne Peitsche. Ohne
ein weiteres Wort zu verlieren begann er den auf dem Tisch ausgestreckten wehrlosen
Körper damit zu bearbeiten bis das erste Blut zu sehen war. Elijah hielt
inne und betrachtete den Elfen. "Gut genug für den Anfang?" fragte
er spöttisch und ließ eine Hand langsam und ausführlich am Oberschenkel
des Elfen entlang gleiten.
Sicher, es tat weh. Ziemlich sogar. Aber es war angenehmer,
als von einem Ork gefickt zu werden. Oder eine Nacht in Udo's Gemächern
zu verbringen. Oder sich von Orli sagen zu lassen, daß er ihn nie wiedersehen
wollte. Nun, offenbar war Orli's Wunsch erhört worden. Wahrscheinlich war
das hier die gerechte Strafe dafür, daß er seinem Geliebten so gedankenlos
wehgetan hatte.
Er starrte den Vampir an, ohne ihn wirklich zu sehen. Ein wenig geistesabwesend
fragte er sich, warum gerade Vampire immer so schön und unschuldig aussahen.
Sollte ihr Äußeres nicht ihr Inneres widerspiegeln? Sicher hier war
ein typisches Beispiel. Das Gesicht eines unschuldigen Jungen und nicht als
Häßlichkeit dahinter.
Es war alles so ermüdend. Auf eine gewisse Art so langweilig. Ein sich
ewig wiederholendes Spiel, das zu nichts führte. Sollte er dem Vampir einfach
sagen, daß er so nicht weiterkommen würde. Dann würde er sich
etwas Neues ausdenken. Wollte er das wirklich? Nein. Es war wohl besser, abzuwarten
und zu hoffen, daß der Vampir die Beherrschung verlor, daß er ihn
im Zorn tötete. <Siehst du, Orli, du mußt mich nie wieder sehen,
nie wieder an mich denken, nie wieder mein Gesicht sehen> dachte er seltsam
unberührt. <Du bist mich los>
Nachdenklich betrachtete Elijah den in sich gekehrten Jungen,
dem scheinbar alles egal war, was er mit ihm anstellte. Offenbar schien ihm
nichts mehr an seinem Leben zu liegen. Aus Erfahrung wußte Elijah, daß
man hier ganz anders arbeiten mußte. Er mußte eine Schwachstelle
in dem Elfen finden, den Punkt an dem er am verwundbarsten war, alles andere
würde sich dann wie von selbst ergeben. Doch was konnte einem Sterblichen
schon wichtiger sein als das eigene Leben? Elijah war entschlossen es bei seinem
Gefangenen herauszufinden.
Zuerst einmal würde er ihn jedoch in Sicherheit wiegen und ihm die offensichtlichen
Fragen stellen. Über seine Mission, seine Teamgefährten, was er über
Pink wußte... natürlich erwartete der Vampir keine Antworten darauf,
aber die Gedanken des Elfs würden sich unweigerlich auf die für ihn
wichtigen Dinge konzentrieren - und da würde Wood dann ansetzen. Kühl
und nach außen hin unbewegt begann Elijah seine Fragen zu stellen...
Heath hörte dem Vampir beinahe amüsiert zu. Wenn
auch nur mit einem Ohr. Im anderen hörte er den ausführlichen Vortrag,
den ihnen ihr Mentor vor langer Zeit über Verhör-Techniken gehalten
hatte. Nun waren sie also bei dem Teil angekommen, wo der Vampir versuchte,
ihn an wichtige Dinge denken zu lassen, um seine Schwächen herauszufinden.
Das würde ihm auch nichts nutzen. Die Hardware in Heath Schädel leistete
da hervorragende Dienste.
Und wenn er Heath Schwachstelle herausfand? Heath war nach heulen zumute. Sein
einzige Schwachstelle hatte ihn aus seinem Leben verbannt. Es zerriß ihm
das Herz und er freute sich schon jetzt auf den Tod. Daraus würde der Vampir
auch kein Kapital schlagen können. Was konnte er dem Vampir spannendes
erzählen, um sein Interesse wachzuhalten? Oh ja... "Unser Auftraggeber
ist der Chef des "Horny Pony". Mehr wissen wir auch nicht." antwortete
er unvermittelt, als der Vampir erneut diese Frage stellte.
Elijah hörte nur halb zu, was der Elf da an 'Informationen'
von sich gab. Natürlich waren es nur Lügen, das war selbstverständlich.
Und auch der blonde Elf schien nicht wirklich daran zu glauben, daß Elijah
ihm irgendetwas davon abkaufte. Doch Wood studierte eingehend das Gesicht des
Jungen, wenn er über seinen Auftrag sprach, seine Auftraggeber, das Wort
'wir' und 'Team' beiläufig erwähnte... - zu beiläufig.
Wood lächelte. Natürlich, das Team - sicher waren sie untereinander
befreundet... Elijah lehnte sich relaxt gegen den Tisch und begann dem Elfen
liebevoll durch's Haar zu streichen. "Du lügst natürlich."
sagte er dann, freundlich lächelnd, und fügte wie beiläufig hinzu
"Genau wie der andere... leider sind uns die übrigen Mitglieder eures
Teams entwischt, wie ärgerlich, aber es reicht, daß wir euch beide
haben. Ich frage mich wer von euch beiden mir wohl als erstes erzählt,
was ich wissen will." Wood seufzte wie gelangweilt, aber innerlich war
er äußerst aufmerksam. Selbst wenn der Junge ihm nicht glaubte, aber
Elijah würde ihn auf jeden Fall verunsichert haben. Und dann würde
der Elf verwundbar werden.
Heath musterte den Vampir nachdenklich. Ob sie wirklich noch
ein anderes Mitglied des Teams geschnappt hatten? Möglich war es, wenn
auch unwahrscheinlich. Bei dem Gedanken, daß Orli vielleicht in einer
ganz ähnlichen Situation festsaß, zog sich sein herz schmerzhaft
zusammen, aber ein kleiner Teil von ihm triumphierte auch. Freute sich darüber,
daß seinem Geliebten vielleicht wehgetan wurde, so wie Orli ihm wehgetan
hatte. Natürlich, irgendwie hatte er es verdient gehabt aber die bösartige
Stimme in seinem Kopf sagte trotzdem 'geschieht ihm recht'.
"Tja, Vampir..." sagte er beinahe freundlich, "nur schade, daß
keiner von uns etwas wirklich wichtiges weiß. Glaubst du wirklich, daß
Leute, die von der Prophezeiung wissen, solchen kleinen Rädchen wie uns
die wichtigen Dinge erzählen. Wo auch immer sie Pink hingebracht haben,
sie ist läßt außerhalb eurer Reichweite. Finde dich damit ab.
Egal, was du mit mir machst, egal was ich dir erzähle, es wird keinen Unterschied
machen. Die Erlöserin ist frei."
Elijah lachte höhnisch auf. "Fragt sich nur wie lange
sie frei bleiben wird. Gib dich besser keinen Illusionen hin, wir werden sie
im Handumdrehen wieder in unserer Gewalt haben. - Und du wirst uns dabei helfen,
das versichere ich dir! Es gibt viele Wege jemanden zum sprechen zu bringen
und glaub mir, wir werden sie alle ausprobieren."
Auch wenn Wood es nicht mal vor sich selber zugab, aber so langsam wurde er
unruhig. Der Elf gab ihm nicht mal die kleinste Information, ja er zeigte noch
nicht mal Angst! Elijah spürte Unsicherheit und Wut in sich aufsteigen.
- Wenn er der Fürstin keine Resultate liefern konnte, war er erledigt.
Elijah griff mit beiden Händen in das Haar des Elfen und zog dessen Kopf
schmerzhaft nach oben, bis ihre Gesichter nur wenige Millimeter voneinander
entfernt waren. "Deine letzte Chance mir zu sagen, was ich wissen will,
Elf. Wo würdet ihr diese Pink hinbringen???"
Mehrere Optionen boten sich Heath an und er wählte die klassischste und spuckte dem Vampir ins Gesicht. Was er wirklich wollte, war, daß das dämliche Monster ihn einfach umbrachte. Kapierte es denn nicht, daß es von Heath nichts Nützliches erfahren würde. Selbst wenn Heath bereit gewesen wäre, etwas zu verraten, hätte er nichts gewußt. Das war das Problem mit Vampiren, sie waren einfach zu eingebildet, um auf die Idee zu kommen, daß sie vielleicht einmal unrecht hatten. Er sah zu, wie sich das Gesicht direkt vor seinem zu einer haßerfüllten Fratze verzog und hoffte auf einen zügigen Tod.
In blinder Wut schlug Elijah dem Elfen ins Gesicht, und nur
das Wissen, daß der Tod des Elfen seinen eigenen mit sich ziehen würde,
hielt den Vampir davon ab, seine Zähne in dem aufsässigen Jungen zu
vergraben und ihm die Kehle herauszureißen.
"Na schön", zischte er, während seine langen Krallen blutige
Spuren auf der Haut des Elfen zogen, "wie du willst. Dann werde ich wohl
einen guten Bekannten zu Rate ziehen müssen. Für ihn wirst du ein
offenes Buch sein, mein Süßer. Es gibt kein Geheimnis, das du vor
ihm verbergen könntest. Er ist einfach 'der Beste' in seinem Job."
Wood lachte bösartig. "Doch leider wird danach kaum noch was von dir
übrig sein, hübscher Elf. Deshalb denke ich, das ich vorher noch meinen
Spaß mit dir haben sollte, meinst du nicht?"
Mit einer blitzschnellen Bewegung war Elijah auf dem Tisch und zwischen den
Schenkeln seines Gefangenen und begann langsam und genießerisch damit,
die Knöpfe seiner Hose zu öffnen...
Heath ließ den Kopf zurück auf den kalten, harten
Tisch fallen und starrte in das gleißende Licht der Lampe. Seine Augen
brannten schon nach wenigen Augenblicken aber vielleicht würde ihn das
von dem ablenken, was nun kommen würde. Es war nicht das erste Mal, daß
er von einem Vampir genommen wurde. Auch nicht das erste Mal, daß er von
einem Vampir vergewaltigt wurde. Nicht das erste Mal, daß er dabei gefesselt
und völlig hilflos war.
Aber das erste Mal, daß er ganz sicher war, daß er es überleben
würde und daß danach niemand da sein würde, um ihn zu trösten.
Nicht Kira mit ihrer rauhen, freundschaftlichen Fürsorge. Nicht Bray, der
sich um seine körperlichen Wunden kümmern würde und ihm mit einem
schiefen Lächeln Mut wiedergeben würde. Und ganz sicher nicht Orli.
Orli würde wahrscheinlich eher neben ihm stehen und sagen, daß er
es nicht anders verdient hatte. Aber er würde Orli nie wiedersehen.
Es ist nur wegen dem Licht, dachte er verbissen, als eine Träne ihm über
die Wange rann. Nur wegen dem Licht, nicht wegen Orli.
Mit Befriedigung beobachtete Elijah, wie Verzweiflung sein Opfer ergriff. Die strahlend blauen Vampiraugen folgten voller Faszination dem zitternden Lauf der einzelnen schimmernden Träne, als er wieder und wieder gewaltsam in den Elfen stieß und dabei leise stöhnte. Er betrachtete das schöne ebenmäßige Gesicht des Elfen, der sich in Qual unter ihm wand und mußte unwillkürlich lächeln. Elijah hatte Freude an schönen Dingen, denn er liebte es sie zu zerstören.
Wie ein entsetzlicher Alptraum stiegen Erinnerungen in Heath
auf. Daran, wie er und Orli sich das letzte Mal geliebt hatten. An dem Abend,
vor diesem Einsatz. Bevor Orli losgegangen war, um sich mit dem Boten von Trinity
zu treffen. Wie Orli's warmer Körper sich an seinen geschmiegt hatte, sein
Geruch, sein Geschmack, das Zittern seiner Muskeln, all das legte sich wie eine
bittere Parodie über das Gefühl des kalten Vampirs, der sich in ihm,
über ihm bewegte, höhnisch auf ihn herab grinste. Die Erinnerung daran,
was er nie wieder würde haben können gepaart mit einem Ausblick darauf,
was ihm in der Zukunft bevorstand.
Der Vampir hielt in seiner Bewegung inne, sein Schwanz wie ein eisiger Speer
in Heath Körper gegraben und leckte beinahe zärtlich über Heath's
Hals. "Na, Junge, willst du mir nicht doch lieber antworten." fragte
er und seine Stimme schlich sich sanft wie Seide in Heath Gehirn. Aber so leicht
würde er nicht aufgeben.
Mit einem Ruck drehte er den Kopf zur Seite und verdrängte jeden Gedanken
an Orli. Er war allein. Daran sollte er sich besser gewöhnen. Und das hier
war nicht schlimmer oder anders, als jedes andere Mal, daß er sich einem
Vampir ausgeliefert hatte. Einfach cool bleiben. Einfach die Zähne zusammenbeißen
und durchhalten. Auch das würde vorbeigehen.
Elijah ließ sich Zeit, kostete den Moment ganz aus. Der
Junge sollte das Gefühl haben, daß er ewig so weitermachen konnte.
Der Elf sollte wissen, daß es kein Entrinnen gab. Als Elijah das Blut
seines Opfers fühlte, wie es warm die Schenkel hinabfloß, wuchs die
Blutgier in ihm.
Hungrig stieß er seine Zähne in den Hals seines Gefangenen und trank
einige Schlucke, ließ dann wieder von ihm ab, um ihn weiter zu ficken
und bohrte seine Fänge dann brutal erneut in die zarte Haut des Halses,
bis der blonde Elfenjunge mit blutigen Bißspuren übersät war.
Er hörte erst auf, als sein Opfer soweit geschwächt war, daß
es nicht mal mehr wimmern konnte.
Dann erst war Elijah zufrieden, seine Wut verraucht. Elijah küßte
neckisch ein spitzes Elfenohr, fuhr mit seiner bluttriefenden Zunge feuchte
Bahnen, und wisperte verschwörerisch "Falls du glaubst, das Schlimmste
hiermit überstanden zu haben, muß ich dich enttäuschen, süßer
Elf. Das war doch erst der Auftakt... - sag mir, was ich wissen will und es
kann hier und jetzt ein Ende haben. Mach es dir nicht unnötig schwer. Wirklich,
ich bewundere deine Tapferkeit, du hast lange durchgehalten - Sei klug und erspare
dir weitere Qualen."
Heath wandte den Kopf und sah in die wunderschönen kalten
blauen Augen des Vampirs. Alles was er darin sah, war sein eigenes Spiegelbild.
Keinen Hauch von Gefühlsregung. "Wie oft soll ich es noch sagen, Vampir."
flüsterte er, erschöpft von Blutverlust und Schmerzen. "Ich weiß
nicht wohin sie gebracht wurde. Ich könnte es dir nicht mal sagen, wenn
ich wollte."
Und in diesem Moment war er dankbar dafür, daß er nichts wußte,
denn er war sich gar nicht so sicher, daß er solche Folter so lange durchhalten
würde, wie er gedacht hatte. Aber noch hatten sie ihn nicht gebrochen.
Noch konnte er mehr ertragen. Auch wenn er jetzt nicht mehr die Kraft zu einer
spöttischen Bemerkung hatte.
Unbewegt sah Wood auf den Elfen herab. Vielleicht wußte
er ja wirklich nichts? Oder vielleicht 'glaubte' er auch nur, nichts zu wissen.
Die Finger des Vampirs spielten mit der glänzenden Datenbuchse, die unter
den goldschimmernden Locken des Elfen hervorblitzte. Vielleicht waren die Informationen
ja auch nur so gut im Gehirn des Gefangenen versteckt, daß nicht einmal
der Junge selbst sie finden konnte!
Nun, dann war es eindeutig an der Zeit, die Sache einem Spezialisten zu überlassen.
- Elijah seufzte, unzufrieden, daß er es nicht selbst geschafft hatte,
die Informationen zu bekommen, die er wollte, und verließ mißmutig
den Raum, um einen kleinen Anruf zu machen.
Stille senkte sich über den kleinen kalten Raum, nur unterbrochen
von Heath unregelmäßigem Atmen. Sein Körper fühlte sich
seltsam betäubt an. Als hätten all die Nerven, die Schmerzen übertragen
sollten, einfach abgeschaltet. Es war eine gewisse Erleichterung, aber es machte
Heath auch ein wenig Angst. Würde er jetzt doch einfach so sterben?
Zu seiner eigenen Überraschung wurde er sich bewußt, daß er
das nicht wollte. Er wollte leben. Er wollte sich bei Orli entschuldigen. Er
wollte alles versuchen, damit Orli ihm verzieh. Aber dazu würde er keine
Gelegenheit erhalten. Noch nie zuvor, war er sich einer Sache so sicher gewesen.
Diese Arcologie würde zu seinem Grab werden. Aber erst, nachdem diese Vampire
sich noch eine Weile mit ihm amüsiert hatten. In seiner Unausweichlichkeit
türmte sich diese Zukunft wie ein drohendes Gebirge vor Heath auf.
Er war gerade dabei in die driftende Dunkelheit eines unruhigen Halbschlafes
zu gleiten, als sich die Tür zu seiner Zelle erneut öffnete und eine
neue Gestalt hereintrat. Heath lief ein Schauer über den Rücken, als
er das Gesicht des alten Mannes sah, der sich über ihn beugte. Ein grauer
Schnauzbart saß unter einer irgendwie eingefallen wirkenden Nase. Kleine
Augen blinzelten aus tief liegenden Höhlen, graue Haare klebten am Kopf.
Die Haut war eingefallen und fleckig, als sei der Mann schon länger tot.
"Na, mein Junge." sprach er Heath an und legte ihm väterlich
eine kalte, klamme Hand auf Heath's nackte, blutige Brust. "Dann wollen
wir doch mal sehen, was so in deinem Kopf steckt." Einen Moment starrte
Heath den Alten nur verwirrt an, aber der ignorierte ihn, stellte ein Cyberdeck
neben Heath auf dem Tisch ab und zog ein Kabel heraus.
Nein! Nein, das nicht. Zum ersten Mal, seit seiner Gefangennahme, versuchte
Heath sich zu wehren. Er drehte den Kopf weg, versuchte dann nach dem Alten
zu beißen, als der seinen Kopf packte. Aber gefesselt wie er war, hatte
er keine wirkliche Chance. Mit einem kalten *klick* senkte sich der Stecker
in seine Datenbuchse und Heath starrte dem alten Mann mit angstgeweiteten Augen
an. "Nein..." flüsterte er noch einmal. Dann begannen erste Datenimpulse
in sein Gehirn zu fließen und er wurde dunkel um ihn.
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